Magazinrundschau - Archiv

La Repubblica

8 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 26.07.2016 - Repubblica

In Italien wird im Herbst über ein Gesetzesprojekt zur Legalisierung leichter Drogen abgestimmt: Es soll erlaubt sein, Cannabis zu besitzen, anzubauen und - nach festen Regeln - zu verkaufen. Sehr stark macht sich dafür Roberto Saviano: "Ich werde Skeptiker nicht damit überzeugen, dass Cannabis bei der gleichen Steuer, wie sie auf Tabak erhoben wird, 6 bis 8 Milliarden Euro an Steuern einbringen wird. Aber vielleicht kann ich sie zur Verantwortung rufen, wenn ich ihnen in Erinnerung bringe, dass Drogen ein Tauschmittel zwischen kriminellen und terroristischen Organisationen sind. Wissen Sie, wie das Attentat in Spanien im Jahr 2004 finanziert wurde? Mit Haschisch, den Al Qaida nahestehende Gruppen unter anderem an die napolitanische Camorra verkauft hatten." Hier kann man Saviano einen Joint ziehen und noch beschwingter argumentieren sehen.

Magazinrundschau vom 08.07.2014 - Repubblica

Mafias funktionieren über Symbole, darum ist die Exkommunikation, die Papst Franziskus gegenüber der "Ndrangheta augesprochen hat, für Roberto Saviano ein genialer Akt der Kommunikation gewesen - und noch genialer war, dass der Papst die Gefängnisse der Mafiosi aufgesucht hat, um den Einzelnen klar zu machen, dass die Exkommunikation nicht ihnen als Person gilt, schreibt er in La Repubblica. Das führte nun dazu, dass die Mafiosi in den Gefängnissen geschlossen die Messen im Gefängnis boykottieren, für Saviano ein Zeichen, dass jeder einzelne Mafioso nun vor eine Wahl gestellt ist: Dieser geschlossene Streik "ist ein Manifest, eine Gehorsamserklärung gegenüber der "ndrangheta, die Bestätigung des Eids gegenüber der Organisation. Die "ndrangheta selbst soll diese Geste zur Kenntnis nehmen. Würden sie trotz der Exkommunikation zur Messe gehen, könnte es so scheinen, als begingen sie Verrat - und als begäben sie auf den Weg zu jener Buße und Vergebung, den Franziskus ihnen gewiesen hat."

Magazinrundschau vom 11.06.2014 - Repubblica

Begeistert schreibt Roberto Saviano in La Repubblica über die italienische TV-Serie "Gomorra", die auf seinem eigenen berühmten Buch basiert und an der er natürlich mitgearbetet hat. Die Serie sei in 50 Länder verkauft worden. Und es gibt keine "Guten" in der Serie, nur "Böse". Er verteidigt diese Entscheidung gegen Kritiker, die in der Serie die Schönheit Neapels vermissen: "Wenn die Schönheit Neapels isoliert besungen wird, um das Bild der Stadt zu verbreiten, dann machen wir sie steril. In den Reisebüchern Norman Lewis" gibt es diese Schönheit, aber sie ist voller Schmerz, Krampf, Nutten, Abschaum, Korruption. Das ist eine reale Schönheit. Wenn wir aus Lewis" Büchern das Gute und das Böse herausfischen und sortieren, dann zerstören wir alles literarische Potenzial und reduzieren die Stadt auf eine banale Minestrone."
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Magazinrundschau vom 20.08.2013 - Repubblica

Hayao Miyazaki, der Gott des Animationsfilms, legt im Wettbewerb von Venedig sein neuestes Werk vor: "Kaze Tachinu - Der Wind frischt auf", 126 Minuten lang. Mario Serenellini interviewt den Meister, auch über das Unbehagen, das der Film hervorruft, denn "Kaze Tachinu" porträtiert offenbar ohne allzu große Distanzierung einen jungen japanischen Luftfahrtingieur im Zweiten Weltkrieg. Miyazaki kritisiert im Interview zwar die revanchistischen Äußerungen der aktuellen japanischen Regierung, aber sehr direkt geht er auf Vorwürfe gegen seinen Film nicht ein: "Ich habe immer Märchen gezeichnet. Wie alle Märchen beruht auch dieses auf dem Gedächtnis und der Geschichte eines Landes und auf dem, was ich selbst erlebt habe. Es ist auch meine Geschichte. Mein Vater war Luftfahrtingenieur, Besitzer der Miyazaki Airplane-Fabrik, die im Zweiten Weltkrieg unter anderem die vom Filmhelden Jiro Horikoshi designten Flugzeuge hergestellt hat, auch die zu traurigem Ruhm gekommenen Mitsubishi A6M Zero der Kamikaze-Flieger." Auf der Website der Repubblica ist ein vierminütiger Trailer des Films zu sehen.
Stichwörter: Miyazaki, Hayao, Venedig

Magazinrundschau vom 13.08.2013 - Repubblica

Ehe symptomatisch als diagnostisch liest sich das Interview mit dem in Italien bekannten Historiker und 68er Marco Revelli, der weiterhin die Gleichheit als wichtigstes linkes Ideal verficht und darauf beharrt, dass die Linke eine Utopie anbieten muss. Aber es gibt auch Selbsterkenntnis: "Die radikale Linke, wie sie Rossana Rossanda verkörperte, ist freiwillig und ohne Vermächtnis eingegangen. Und die institutionelle Linke hat sich anders orientiert. Meine Generation hat in diesem Sinne komplett versagt. Wir sind für die Politik ein enormes schwarzes Loch. Im Blick auf die neuen Generationen verschärft sich dieses Versagen noch. Sie haben allen Grund, uns den Prozess zu machen. Wir haben die Idee von Veränderung vereinnahmt, ohne eine neue und andere Welt zu konstruieren."

Außerdem in Repubblica: ein Interview mit Ian McEwan über den auch in Italien neu übersetzten und gefeierten Roman "Stoner" von John Williams (hier eine Leseprobe).

Magazinrundschau vom 09.07.2013 - Repubblica

Google-Offizielle betonen in ihren Datagate-Dementis stets, dass sie nur auf gerichtliche Weisung agieren (ob das auch für das Ausspionieren von Europäer gilt oder nur für das von Amerikanern, sagen sie allerdings nicht dazu). Der Vizepräsident von Google, Vint Cerf, plädiert im Gespräch mit Riccardo Luna allerdings eher für Sicherheit als für Datenschutz und sagt in Antwort auf kritische Äußerungen von Tim Berners-Lee: "Ich glaube, dass Tim sich irrt. Verstehen wir uns richtig: Auch ich bin beunruhigt über das, was ich lese. Aber dann sage ich mir: Tim wohnt in Boston, wo das Marathon-Attentat stattgefunden hat. Fühlt er sich sicher? Ein Verbrecher könnte heute das Netz nutzen, um einen Zug entgleisen oder Flugzeuge zusammenstoßen zu lassen. Kontrolle nützt. Uns allen."

Magazinrundschau vom 14.05.2013 - Repubblica

Roberto Saviano hat über 400.000 Follower auf Twitter. In Repubblica reagiert er auf die Entscheidung des Fernsehjournalisten Enrico Mentana, die sozialen Netzwerke zu verlassen, weil er keine Lust mehr hat, sich beleidigen zu lassen. Saviano plädiert für den Ausschluss von Beleidigern: "Die Notwendigkeit von Regeln darf nicht als Zensur gelten. Mir ist klar, dass das Netz nicht eingeschränkt werden darf, dass zu starke Verbote gefährlich sind, denn wer will immer zwischen legitimer Kritik und Verleumdung abwägen? Aber die Formulierung von Regeln ist selbst kein Verbot, sondern überlebensnotwendig für das Medium, im Interesse der Nutzer, die nur so die Netzwerke weiter füttern werden. Darum glaube ich, dass sich Mentana irrt, wenn er sagt, dass man entweder drin oder draußen ist, aber niemand anderen ausschließen kann. Jemanden aus seinem Leserkreis ausschließen, heißt, seinem eigenen Raum seine Identität zu geben und sein eigenes Recht auszuüben."

Magazinrundschau vom 09.01.2007 - Repubblica

In einem in La Repubblica veröffentlichten, im Internet online aber nur hier zu findenden Kommentar vergleicht Adriano Sofri (mehr) die Hinrichtung Mussolinis und Saddam Husseins. Beides, schreibt er, waren Akte des Krieges und noch dazu unrechtmäßig. "Der wahre Tyrannenmord - die draufgängerische Entscheidung des Augenblicks, nicht eines militärisch gestützten staatlichen Tribunals - war das edle Ideal der Antike, abgesehen davon, dass die Tat die Ziele verrät. Keine Gewalt anzuwenden, löst das Dilemma auch nicht, weder im Hinblick auf die Ziele noch die Mittel, weil die menschliche Natur nach wie vor habgierig bleibt. Eines Tages freunden wir uns vielleicht wieder mit der Todesstrafe an und versperren uns der Schönheit der Ausführungen von Cesare Beccaria: Wir sind schon soweit, sogar die Folter wieder anzuerkennen. Aber vielleicht schämt man sich aber auch eines Tages im Irak des Galgenstricks, wie wir uns für den Piazzale Loreto (Hinrichtungsort Mussolinis) schämen."