Magazinrundschau - Archiv

Vice

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Magazinrundschau vom 15.10.2019 - Vice

Die militantesten Rechtsextremisten wechseln immer häufiger zu dem Messenger Telegram, berichtet  Tess Owen in Vice in einer aufwändigeren Recherche. 150 rechtsextreme, extrem militante Channels hat Vice dafür untersucht. "Die blühende rechtsextreme Community auf Telegram zeigt auch, dass die Vertreibung von Rechtsextremisten aus Mainstream-Netzwerken in den sozialen Medien und aus ihren eigenen Medien wie 8chan, das abgeschaltet wurde, die  Bewegung zwar zeitweise behindert, aber das Problem keinesfalls behebt. Manchmal wird es dadurch nur schlimmer. 'Wo immer eine Plattform schließt, beginnen sich diese Hass-Cluster zu bewegen und werden schlauer', sagt die Extremismusforscherin Cynthia Miller-Idriss. 'Es ist darwinistisch. Es führt zur Kreativität in der Umgehung von Verboten. Insgesamt glaube ich, dass Verbote nie funktioniert haben, um irgendeinen Extremismus zu stoppen, sie senden nur Signale an andere." Owen zeigt in einem zweiten Artikel auch, wie auf Telegram das Attentat in Halle gefeiert wurde.

Magazinrundschau vom 06.03.2018 - Vice

Früher wollten die Kids Hollywood-Superstars werden und das süße Leben des Jetset genießen, heute steht YouTube-Star ganz oben auf der Wunschliste. Dass man als solcher sein Haus quasi gar nicht mehr verlässt, nahezu rund um die Uhr malocht und auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen irgendwelcher Algorithmus-Schaltungen ausgesetzt ist und nach Nutzerstatistiken süchtig wird, hat man ihnen dabei wahrscheinlich nicht erzählt: Schöne, neue Arbeitswelt, in die Joe Zadeh in seinem Porträt des professionellen YouTubers WillNE Einblicke gewährt. Um die wichtige Marke von einer Million Abonnenten zu knacken, "hat er jede wache Stunde seines 16-Stunden-Arbeitstags in einem Zustand erbärmlicher Obsession dafür zugebracht. ... Unter seinen Augen bilden sich Säcke. Sein Schlafverhalten ist ziemlich durcheinander. Er zieht Nachtschichten durch um Videos fertigzustellen und ist sich dessen nicht bewusst, was das mit ihm anstellt, bis er zwei Tage später um halb sechs morgens wach liegt." Vor einem Jahr veränderte YouTube sein Werbeprogramm, was insbesondere das mittelerfolgreiche Youtube-Segment schwer traf: "In gewisser Hinsicht stellt der YouTuber das ultimative Destillat der modernen neoliberalen Kultur dar: Eine ganze Gemeinschaft sich selbst bewerbender individualistischer Unternehmer, die einander im Kampf um wirtschaftlichen Erfolg verzweifelt bekriegen, während ihre Arbeit zugleich den Werbetreibenden zugute kommt und den Erfolg eines Konzernmonolithen befeuert: YouTube."

Magazinrundschau vom 07.07.2015 - Vice

Griechenland hat eine lange Bankrott-Tradition, schreiben Antonis Diniakos and Giannis Androulidakis bei Vice (zuerst erschien der Text übrigens bei Vice Griechenland). Im Grunde kann man den Bankrott sogar als Datum der Staatsgründung betrachten: "Viele Griechen halt am 1. Mai 1827 als Gründungsdatum fest. Damals tagte die vierte Nationalversammlung in Troizen. Aber die meisten europäischen Mächte erkannten Griechenland als souveränen Staat erst am 3. Februar 1830 an. Andere behaupten wiederum, Griechenland sei am 30. November 1823 entstanden. Damals nahm das Land - das noch nicht mal ein souveräner Staat war - seinen ersten großen Kredit auf. An diesem Datum gewährte die British Bankers Group den Anführern der griechischen Revolution gegen die Ottomanen einen Kredit von 800.000 Pfund. Der größte Teil des Geldes war für Munition vorgesehen, der Rest für die Grundbedürfnisse in den aufständischen Regionen. Knapp vier Jahre nach seinem ersten Staatskredit erklärte das "Land" seinen ersten Bankrott, indem es die Zinsen für den Kredit nicht zurückzahlte."
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Stichwörter: Griechenland, Vice, 1. Mai

Magazinrundschau vom 31.03.2015 - Vice

Der Schriftsteller und Musiker Sam McPheeters erzählt die abenteuerliche Geschichte des ugandischen Filmemachers Isaac Nabwana, der sich mit günstigen, reißerischen Actionfilmen auf dem heimischen Markt erfolgreich behauptet. Im Ausland stoßen die mit billigen Spezialeffekten gestalteten Filme allerdings auf wenig Gegenliebe. Die Filme zeigen viel Gewalt, sind aber nicht die Spur sozialkritisch, was westliche Zuschauer oft vermuten lässt, Nabwana verherrliche reale Gewalt. Sie könnte nicht falscher liegen, erklärt McPheeters: "Auch wenn fünf benachbarte Staaten eine beträchtliche Menge an Grausamkeiten, Terror und Krieg, inklusiv zwei Völkermorden in zwei Jahrzehnten, erlebt haben, ist Uganda seit 1986 eine stabile, funktionierende Gesellschaft. Selbst die Verwüstungen von Joseph Kony und seinen Kindersoldatn beschränkten sich auf Städte im Norden und im Hinterland. Fast alle Darsteller in Nabwanas Filmen sind in einer sicheren Zivilisation aufgewachsen, in der die Wirtschaft, nicht Gewalt, über ihre Kämpfe im Alltag bestimmt. Vielleicht liegt darin auch der Grund, dass die Filme aus Nabwanas Produktionsgesellschaft RFP Films so populär sind - das Land ist dazu bereit, über Gewalt zu lachen, denn zum ersten Mal in seiner Geschichte ist Gewalt etwas, das im Ausland und in weiter Ferne stattfindet."

Seinen Debütfilm "Who Killed Captain Alex" hat der Regisseur auf Youtube hochgeladen. Zu hören ist dabei auch ein sogenannter "Video Joker", der den Film mit witzelnden Kommentaren aus dem Off versieht - eine Eigenheit des ugandischen Kinos, die den Film zusehends ins Witzige verschiebt, erklärt McPheeters in seiner Reportage.

Magazinrundschau vom 17.02.2015 - Vice

Das Internet bleibt auch weiterhin ein aufregender Ort für künstlerische Experimente. Nun hat der Autor Dennis Cooper unter dem Titel "Zac"s Haunted House" einen allein aus animierten GIFs zusammengestellten Roman online veröffentlicht. Im Interview mit Blake Butler erklärt er sein Konzept: "Für diesen Roman habe ich die animierten GIFs wie verrückte visuelle Sätze behandelt. Doch anders als Sätze aus Text übernehmen sie die ganze Fantasieleistung für dich. ... Ich habe mir vorgestellt, dass sie, wenn man einen Roman daraus macht, in doppelter Hinsicht auf die selbe Weise von Nutzen sein können wie Instrumentierung und Gesang in Musiksamples. Sie werden zur Textur des Looprhythmus, was den Inhalt der GIFs von seinem Quellmaterial gewissermaßen abzutrennen scheint. Wenn man die angehäuften Bilder kombiniert und gegenüberstellt, kann man - vorausgesetzt, man geht sorgfältig vor - ihre individuellen Rhythmen auf eine Weise brechen oder unterwandern, die ihre Symbolik entweder an die Oberfläche kommen oder sie abstrakt werden lässt. Im wesentlichen kann man ihren Inhalt und ihre Erscheinung als Sets, Darsteller und bildkompositorische Elemente so wie für einen Spielfilm nutzen." In Coopers Blog finden sich weitere GIF-Experimente.

Magazinrundschau vom 13.01.2015 - Vice

Rezessionen bedeuten Goldgräberstimmung im organisierten Verbrechen, erklärt Roberto Saviano: Kredithaie, Drogenbosse und illegales Glücksspiel profitieren von dem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit, wie der Autor im historischen Rückblick zeigt. Nutznießer sind in heutigen klammen Zeiten vor allem die Banken. Die umfangreichen Geldwäschen des Mobs stellten im Jahr 2008 eine letzte verbliebene Quelle für den ins Stocken geratenen Kapitalfluss dar. "Bargeld wird in elektronisches Geld umgewandelt und von einem Land ins nächste überwiesen, bis es irgendwann einen neuen Kontinent erreicht und kaum noch zurückverfolgbar ist. So kam es, dass Interbankkredite systematisch mit Geld aus dem Drogenhandel oder anderen illegalen Geschäften finanziert wurden. Ein paar Banken haben sich für ihre Rettung auf dieses Geld gestützt. Folglich ging ein Großteil der 352 Milliarden Dollar aus dem Drogenhandel frisch gewaschen ins legale Wirtschaftssystem über. ... Laut Aussage einiger Experten gehören die finanziellen Machtzentren London und New York nun zu den größten Wäschereien für schmutziges Geld. Dieser Titel gebührt also nicht länger Steuerparadiesen wie den Cayman Islands oder der Isle of Man, sondern der Lombard Street und der Wall Street."

Magazinrundschau vom 16.12.2014 - Vice

Von wegen glamouröses Mafia-Leben in Saus und Braus: Folgt man diesem, die Strukturen der kalabrischen Mafia "Ndrangheta aufdröselnden Artikel des Experten Roberto Saviano, dann zahlen insbesondere die Paten einen erstaunlich hohen Preis für ihre Position. Nicht nur, dass sämtliche Mafia-Mitglieder sich über die Grenze zur Selbstaufopferung und Kasteiung hinaus in den Dienst der Clans stellen müssen, die oberen Ränge leben im wesentlichen ein Bunkerleben: "Ein Mafioso weiß, dass sein Leben in der Außenwelt ab einem bestimmten Punkt nur möglich sein wird, wenn er sich verstecken kann. Der Bunker ist jedoch auch eine Gemütsverfassung. Eine, die entsteht, wenn man auf engstem Raum lebt, nie nach draußen kann und nie Tageslicht sieht. ... Ein kleiner Verschlag, der nur durch eine bescheidene Sammlung persönlicher Dinge erträglich wird: Gebetskarten, Pornohefte, Auto- und Uhrenkataloge-Dinge, die beweisen, dass die Macht eines Mafioso eher eine innere als eine äußere ist. Ein Mafiaboss wird sich mit den Bildern dieser Uhren und Luxusautos zufriedengeben müssen, er wird sie mit seinen Augen kaufen müssen, weil er nie wieder in der Lage sein wird, sein Spinnenloch zu verlassen. Das ist der Preis, den jemand zahlen muss, wenn er wahre Macht erlangen will, die Macht über Leben und Tod."

Magazinrundschau vom 20.10.2014 - Vice

Die Northern-Soul-Szene im England der 60er Jahre hat das heutige Verständnis von Clubbing entschieden geprägt, erfahren wir in diesem Gespräch, das Georgia Rose mit der Regisseurin Elaine Constantine führt, deren Spielfilm "Northern Soul" dieser Tage in die britischen Kinos kommt und eine Hommage an die Clubszene darstellt, aus der Subkulturen wie die Mods und die ursprünglichen Skinheads hervorgegangen sind. Und man erfährt, was es mit den "Cover-Ups" der damaligen DJs auf sich hat, speziellen Songs, die nur sie im Repertoire hatten: "Die DJs oder Plattensammler damals gingen etwa in die USA, um Songs ausfindig zu machen, von denen sie wussten, dass sie noch nicht in der Szene kursierten. Nehmen wir mal an, der Typ, der ihnen die Scheibe verkaufte, meinte, "Also gut, von dieser Platte gibt es nur noch fünf Stück. Drei davon habe ich, zwei weitere sind irgendwo da draußen." Der DJ kaufte dann alle drei, überdeckte die Labels mit einem weißen Aufkleber und gab dem Song einen neuen Titel. So wusste keiner, um was für eine Platte es sich handelte. Er war die einzige Person, der diesen Song in seinem Besitz hatte. Wenn der Song was taugte - wenn er die Tanzfläche füllte -, dann wurde er zum Song dieses DJs: Sein Cover-Up. ... Doch wenn dann ein anderer die restlichen Exemplare ausfindig machte, dann wurde der DJ bloßgestellt. Und von nun an kannte man den Song unter seinem richtigen Titel."

Magazinrundschau vom 30.09.2014 - Vice

Im syrischen Raqqa dokumentieren junge Aktivisten unter Lebensgefahr das Leben unter der Besatzung durch den IS. Einer von ihnen, der 22-jährige Abu Ibrahim Raqqawi, erzählt Alice Speri von Vice, wie gut die IS mit jeder Art von Überwachungstechnik umgehen kann und wie sich die internationale Zusammensetzung der islamistischen Terrorgruppe bemerkbar macht. Die Anführer sind zwar zumeist Iraker, aber in den Brigaden gibt es Ausländer aus der ganzen Welt, Briten, Amerikaner, Holländer, Tschechen und Tunesier. Große Angst haben die Aktivisten vor der Al-Khansa-Brigade, "einer Frauenbrigade des IS. Sie haben Waffen und kontrollieren die Frauen in der Stadt, überprüfen, ob sie auch alle den Niqab tragen und so. Sie inspizieren sie." Die meisten von ihnen seien Ausländerinnen. "Sie sprechen kaum Arabisch. Das schlimme für uns ist, wenn wir Aktivisten ein Foto auf der Straße aufnehmen wollen, wissen wir nie, ob sich unter den verschleierten Frauen jemand von Al-Khansa verbirgt. Wenn sie einen bemerkten, würde man sofort ergriffen und exekutiert." Die Brigade ist auch erpicht darauf, Ehefrauen für die Isis-Kämpfer zu finden. "Wissen Sie, die Kämpfer aus Marokko, Tunesien und so, die wollen ein syrisches Mädchen heiraten, aber die Kämpfer aus Britannien, den USA und so weiter bevorzugen Frauen aus Schweden oder Holland. Sie bleiben für sich."

Magazinrundschau vom 16.05.2014 - Vice

Eine Biografie wie ein epischer Thriller: Als junger Mann traf José Mujica, genannt Pepe, Che Guevara und Fidel Castro, dann schloss er sich der Guerillagruppe Tupamaros an, raubte Banken aus, wurde sechsmal angeschossen, verbrachte vierzehn Jahre im Gefängnis, davon über drei Jahre in Einzelhaft, wo einige seiner Kameraden verrückt wurden oder umkamen. Nach seiner Entlassung begann er seine politische Karriere, die ihn 2009 bis zur Präsidentschaft Uruguays führte. Weltweites Aufsehen erregte letztes Jahr seine Entscheidung, landesweit den Verkauf von Marihuana zu legalisieren, um den mächtigen Drogenkartellen das Wasser abzugraben. Krishna Andavolu hat ihn für Vice getroffen: ""Wir beginnen ein Experiment", sagte er in heiserem Spanisch. "Es ist klar, dass wir im internationalen Scheinwerferlicht stehen. Wir sind eine Petrischale, ein Soziallabor. Aber merke dir: Uruguay hat 9000 Häftlinge. 3000 davon wurden für Drogenhandel verurteilt. Das bedeutet, dass ein Drittel aller Inhaftierungen mit Drogen zusammenhängt. Das müssen wir ändern." Auch wenn viele dieser Häftlinge für Marihuana-Delikte einsitzen, hat Uruguay hat den dritthöchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kokain in Südamerika. Als ich ihn frage, ob auch andere Drogen legalisiert werden könnten, antwortet er: "Paso a paso". Schritt für Schritt."