Magazinrundschau - Archiv

Wired

198 Presseschau-Absätze - Seite 20 von 20

Magazinrundschau vom 26.08.2008 - Wired

Die vom israelischen Ex-SAP-Manager Shai Agassi gegründete Firma Better Place hat bereits mehrere hundert Millionen Startup-Gelder aquiriert, mit denen sie die Welt verändern will. Mit Elektroautos. Es geht dabei allerdings weniger um eine technische Innovation im Auto- oder Batteriebereich, sondern um ein revolutionäres Netz- und Kostenmodell, wie ein enthusiastischer Daniel Roth berichtet: "Agassi erfand das gesamte Automobil-Ökosystem neu mit einem Konzept, dass er das Elektrische Wiederaufladenetz" (englisch: Electric Recharge Grid Operator", kurz: ERGO) nannte. Darin verbinden sich die Methoden der Auto- und der Handy-Industrie auf unorthodoxe Weise. Anstelle von Tankstationen an jeder Ecke würde ERGO das ganze Land mit 'klugen' Aufladestellen pflastern. Die Fahrer könnten sich überall und jederzeit einstöpseln, und zwar nach bestimmten Abrechnungsverträgen: Flatrates, eine oberes Kilometerlimit pro Monat oder Einmalzahlung - all das billiger als Benzin. Das Auto käme vom Betreiber, der massive Discounts anbietet oder das Auto sogar umsonst hergibt. Der Profit kommt einzig vom Verkauf der Elektrizität."

Weitere Artikel: Steven Levy hat den von den Hackern dieser Erde vergötterten Science-Fiction-Autor Neal Stephenson (mehr hier) besucht und seinen neuen Roman "Anthem" gelesen, der auf knapp tausend Seiten nicht weniger als eine ganze 7000-jährige Kultur erfindet. David Wolman fertigt den ganzen "Das Internet macht uns dümmer"-Blödsinn knapp ab.
Stichwörter: Elektroautos, Startup, Auto

Magazinrundschau vom 01.07.2008 - Wired

Willkommen im Petabyte-Zeitalter! Allen, die dazu sagen, peta benenne (nach mega und giga und tera) nur eine weitere große Zahl - diese: 1,000,000,000,000,000 -, dem hält Wired entgegen, dass Quantität hier in Qualität umschlägt. Und das heißt: Die Zeit, in der man erst Theorien und Methoden brauchte, ist vorüber. Heute braucht man zuerst riesige Datenmengen, dann kann man nach Theorien suchen, erklärt Chris Anderson: "Das Petabyte-Zeitalter ist anders, weil mehr anders ist. Kilobytes haben wir auf Floppys gespeichert, Megabytes auf Festplatten. Terabytes auf Platten-Verbünden. Petabytes werden in der Wolke gespeichert. Bei der Beschreibung dieses Fortschritts bewegen wir uns von der Akten-Analogie zur Aktenschrank-Analogie zur Bibliotheks-Analogie zu - nun, bei den Petabyes gibt es keine Organisations-Analogie mehr. Hier ist Information nicht eine Sache der drei- oder vierdimensionalen Taxonomie und Ordnung, sondern der dimensionsagnostischen Statistik. Gefordert ist eine ganz neue Herangehensweise, eine, bei der wir uns von der Vorstellung lösen, dass Daten in ihrer Gesamtheit visualisierbar sind. Wir müssen Daten zunächst mathematisch betrachten, danach erst können wir Kontexte suchen."

Diese zentrale These wird dann auf den unterschiedlichsten Feldern durchdekliniert, von der Bedeutung des Data Mining im Recht, für die Vorhersage von Aufständen, für Meinungsumfragen, das Versicherungswesen (insbesondere Versicherungen gegen Anschläge) und vieles andere.

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - Wired

Lisa Katayama stellt Hiroyuki Nishimura vor, einen der erfolgreichsten und ungewöhnlichsten Internet-Unternehmer Japans: ein Slacker, dessen technisch sehr schlichte Community-Site 2channel 500 Millionen Seitenabrufe hat, die Video-Website Nico Nico Douga - bei der die Nutzer, anders als bei YouTube, schriftliche Kommentare auf den Videos selbst anbringen können - verzeichnet sogar doppelt so viel. Katayama erklärt das sehr Japan-spezifische Geheimnis des Erfolgs: "Bei 2channel kann jeder einen Thread starten, jeder kann Beiträge schreiben - man muss sich weder registrieren noch einloggen. Es gibt keine Zensoren, keine Filter, keine Altersüberprüfung, keine Abstimmungen, die den einen Thread oder Kommentar nach oben bringen. 'Ich habe einen Freiraum geschaffen und was die Leute damit anfingen, das war ganz ihnen überlassen', sagt er. 'Bei den großen Anbietern gab es so etwas nicht, also musste ich das machen.' Die Japaner, die einander jeden Morgen wortlos auf dem Weg zur Arbeit begegnen, stellten plötzlich fest, dass sie über vieles reden wollten. Hier konnten sie sich streiten, beschimpfen, beschweren, beleidigen, konnten ihre Meinung äußeren, frei assoziieren, Späße machen und es genießen, sich durch die Beiträge der anderen unterhalten zu lassen - und das alles als völlig anonymes Kollektiv."

Außerdem: Evan Ratliff hat sich in den brasilianischen Dschungel begeben, wo er den wegen Biopiraterie angeklagten Biologen Marc van Roosmalen besuchte und das Schwimmen in von Anacondas bewohnten Gewässern nicht scheute. Herausgekommen ist dabei das Porträt eines nicht ganz unproblematischen Rebellen und wohl noch problematischerer Gesetze gegen Biopiraterie.
Stichwörter: Schwimmen, Slack, Nico

Magazinrundschau vom 01.04.2008 - Wired

Lange kann es nicht mehr dauern, glaubt Ray Kurzweil im großen Wired-Porträt, bis eintritt, was er als biologische "Singularität" beschreibt - Unsterblichkeit durch Einsatz kleiner Roboter und künstlicher Intelligenzen. Das Wichtigste für Kurzweil selbst: Durchhalten. "Kurzweil macht keine halben Sachen. Er nimmt 180 bis 210 Vitamin- und Mineralpillen am Tag, so viele, dass er es gar nicht mehr selbst organisieren kann... Kurzweil verbringt auch einen Tag in der Woche in einer Klinik, in der ihm intravenös Langlebigkeitsmittel verabreicht werden. Der Grund für diese Konzentration auf optimale Gesundheit sollte offensichtlich sein: Wenn die Singularität Menschen in der Mitte dieses Jahrhunderts unsterblich macht, wäre es ein Jammer, müsste man in der Zwischenzeit sterben. Kurz vor der Singularität an einem Herzinfarkt zu sterben, wäre nicht nur traurig aus den bekannten Gründen, es wäre auch ein Fall von tragischem Pech, als wäre man der letzte Soldat, der an der Westfront unmittelbar vor Verkündung des Waffenstillstands erschossen wird."

Dies übrigens Kurzweils Formel für die Beschleunigung des Wachstums von Weltwissen, das diese Fortschritte möglich machen wird:

Magazinrundschau vom 15.05.2007 - Wired

Städtebauprojekte gibt es viele in China, schreibt Douglas McGray. Aber der chilenische Architekt Alejandro Gutierrez betreut für die riesige Londoner Ingenieurs- und Architekturfirma Arup vielleicht eines der interessantesten, eine "grüne Stadt" namens Dongtan für 500.000 Einwohner, die ganz und gar nach ökologischen Gesichtspunkten entworfen wird: "Die Pläne für die Stadt - Hunderte von Seiten mit Karten, Zeichnungen und Daten - haben kaum etwas über architektonischen Stil zu sagen. Statt dessen wird jeder einzelne Block als Antwort auf Chinas Umweltkrise entworfen. Es ist wie der Quellcode für ein städtisches Betriebssystem. 'Wir sind nicht auf die Form fixiert', erklärt Gutierrez. 'Wir sind auf die Leistung der Form fixiert.' Er und sein Team entwerfen eine Stadt, die mit lokaler, erneuerbarer Energie versorgt wird, mit supereffizienten Gebäuden in dichten Clustern und fußläufiger Entfernung, mit einem Recycling-System, das die Wiederverwendung von 90 Prozent des Abfalls erlaubt, einem Netzwerk von Hitech-Biofarmen und einem Verbot für alle Fahrzeuge, die CO2 ausstoßen."
Stichwörter: Abfall, Cluster, Recycling, Co2

Magazinrundschau vom 05.12.2006 - Wired

Könnte YouTube die nächste Evolutionsstufe des Fernsehens und damit der Fernsehwerbung sein, fragt Bob Garfield. 100 Millionen Streams am Tag hört sich schon mal sehr gut an, doch wo soll die Werbung hin?. "Sie sind beispielsweise Whiskas und haben Anzeigen neben Videos gekauft, die mit Katzen zu tun haben. Sie wären sehr überrascht und enttäuscht, wenn sie mitbekommen würden, dass Sie ein YouTube-Video unterstützen, das von einem gewissen mrwheatley hochgeladen wurde und mit 'Explodierende Katze' betitelt ist. Oder dieses: 'ma907h isst eine tote Katze', das einen Typ zeigt, der ... egal. Beim Sichten der Metadaten ist Cory Treffiletti, Vizepräsident der 'Media Services for interactive agency Real Branding', noch nicht sehr optimistisch. 'Noch sind die Metadaten nicht viel mehr als ein paar Schlüsselwörter, die der Nutzer auswählen kann. Es gibt kein freies Eingabefeld, um 'Vivisektion einer Katze' einzugeben."
Stichwörter: Metadaten, Branding, Katzen

Magazinrundschau vom 29.08.2006 - Wired

Mit der traditionellen Popkritik geht's bergab geht, aber das Internetmagazin Pitchfork feiert Riesenerfolge und ist seinerseits verantwortlich für den Erfolg einiger Indierock-Bands. Der Grund dafür: Pitchfork nimmt die Musik noch ernst, schreibt Dave Itzkoff: "Während die Website Hunderte von Kritiken über Indierockbands brachte, widmeten ihnen die Mainstream-Medien immer geringere Aufmerksamkeit. MTV war inzwischen bekannter als Reality-TV-Sender und sendete kaum noch Musik. Rolling Stone setzte Filmstars und Teenie-Pop-Performer auf seine Cover, während es die Musikkritiken drastisch kürzte - die meisten sind nur noch einen Absatz lang, und die größeren Kritiken haben gerade noch fünf Absätze. So öffnete sich für Pitchfork ein Weg, um das Vertrauen und die Verehrung einer rocksüchtigen Leserschaft auf der Suche nach zuverlässigen Filtern zu gewinnen."

Magazinrundschau vom 04.07.2006 - Wired

Das Zentralmagazin der Internetvisionäre hebt im Juli Rupert Murdoch aufs Cover, der nicht nur eine inzwischen berühmte Rede über die Zukunft der Medien hielt, sondern auch gleich den bei Jugendlichen beliebten Onlinedienst MySpace.com inzwischen über eine Milliarde Seitenaufrufen täglich kaufte. Spencer Reiss besucht Murdoch in seinem New Yorker Büro, und sein Artikel fängt so an: "Wie er da so auf seinem weißen Powersofa in der überirdisch stillen achten Etage des Hauptquartiers von NewsCorp sitzt, erinnert Rupert Murdoch ganz und gar nicht an einen feurigen Revolutionär. Das Hemd gestärkt. Die Manieren höflich. Einen Monat nach seinem 75. Geburtstag. Aber dann spricht er: 'Um etwas Vergleichbares zu finden, müssen Sie 500 Jahre zur Erfindung des Buchdrucks zurückgehen. Das war die Geburt der Massenmedien. Sie haben doch die alte Welt der Könige und Aristokratien zerstört. Die Technologie schiebt die Macht von Redakteuren, Verlegern, dem Establishment und der Medienelite weg. Nun üben die Leute die Macht aus.' Und er lächelt."

Im gleichen Heft schreibt auch der Theoretiker der "Long-Tail-Ökonomie" Chris Anderson über die Macht der "consumer generated media" - und sein Vokabular klingt überraschend altbekannt: "Die Produktionsmittel werden demokratisiert."