Magazinrundschau - Archiv

Wired

201 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 21

Magazinrundschau vom 09.11.2010 - Wired

In China funktioniert die Internetzensur ganz gut. Aber sie kann ausgetrickst werden. Wie, davon erzählt Vince Beiser. Zum Beispiel von dem Amerikaner Alan Huang, der bei einem Besuch in China 1999 als Falun-Gong-Mitglied verhaftet und erst nach zwei Wochen freigelassen wurde. "Er ist kein charismatischer Revolutionär. Aber bis 2002 hatte er ein Dutzend gleichgesinnter Kollegen versammelt. In der kleinen Garage neben seinem Vier-Zimmer-Bungalow, entwickelten sie eine digitale Waffe für ihre Landsleute in China: ein Programm, mit deren Hilfe Zensur und Überwachung umgangen werden können. UltraSurf, so der Name des Programms, ist seitdem eines der wichtigsten Tools für die Verteidigung der freien Rede im Internet. Es wird von Millionen Menschen genutzt - von China bis Saudiarabien. Es stellte sich heraus, dass eine andere Gruppe von Falun-Gong-Anhängern gleichzeitig an einem ähnlichen Programm arbeiteten. 2006 schlossen sich die beiden Gruppen zum Global Internet Freedom Consortium zusammen. Die meisten GIFC-Mitglieder verbringen ihre Tage als Programmierer und Ingenieure an Arbeitsplätzen von Microsoft bis zur NASA. Aber nach Feierabend, nachts und am Wochenende, führen sie einen digitalen Guerillakrieg gegen die Internetpolizei der chinesischen Regierung, und führen ihre technische Intelligenz, geschenkte Computer und die Ressourcen ihres häuslichen Arbeitszimmers gegen die zweitgrößte Supermacht der Welt ins Feld. Wieder und wieder hat Peking ihr die Firewall umgehendes Programm angegriffen. Wieder und wieder hat dieser zusammengewürfelte Trupp von Freiwilligen die Angriffe abgewehrt."

Magazinrundschau vom 27.04.2010 - Wired

Steven Levy besucht einige der Helden seines 1984 erschienenen Buchs "Hackers: Heroes of the Computer Revolution": Bill Gates, Steve Wozniak, Andy Hertzfeld, Richard Greenblatt, Richard Stallman, Lee Felsenstein oder Tim O'Reilly. Die Kommerzialisierung von Software hat den Spaß am Programmieren irgendwie verdorben, klagen die meisten. Die intelligentesten Hacker wenden sich daher anderen Dingen zu: "O'Reilly sagt, die meiste action finde heute in der DIY Biologie statt - man manipuliert genetischen Code wie man früher Computercode manipuliert hat. 'Das ist noch in der Spaßphase', sagt er. Oder fragen Sie Bill Gates. Wenn er heute ein Teenager wäre, sagt er, würde er Biologie hacken. 'Künstliches Leben durch DNA-Synthese kreieren. Das ist gewissermaßen das Äquivalent zum Programmieren von Computersprachen', sagt Gates, dessen Arbeit für die Bill & Melinda Gates Stiftung es ihm erlaubt hat, seine eigene Expertise zu Krankheiten und Immunologie zu entwickeln. 'Wenn du die Welt in großem Stil verändern willst, dann musst du da anfangen - bei organischen Molekülen.'" Da müssen wir dem lieben Gott wohl dankbar sein, dass Microsoft heute keinen proprietären genetischen Code verkauft!

(Einen ersten Eindruck, was "Biologie hacken" bedeutet, bekommt man in diesem BBC-Video. Rob Carlsen, der schon 2005 in Wired das Phänomen beschrieben hat, erzählt 2010 in seinem Blog von einigen Garagenlabors in Silicon Valley. Und hier ein Video des Biologieprofessors (MIT, Stanford) Drew Endy, der erklärt, wie man DNA hackt. Und noch ein Hinweis: Hacken hatte in den 80ern eine andere Bedeutung als heute. Es bedeutete, wie Richard Stallman schreibt, "spielerisch etwas schwieriges zu tun, ob es nun nützlich ist, oder nicht.)

Magazinrundschau vom 11.05.2010 - Wired

"Facebook ist zum Schurken geworden", schreibt Ryan Singel in einem Aufsehen erregenden Artikel über das heftig expandierende soziale Netzwerk, das in seinen Standardeinstellungen nach und nach immer mehr private Daten seiner Nutzer freigibt und ausbeutet. Es wäre technisch sehr leicht möglich, so Singel, den Nutzern transparente Auswahlmöglichkeiten über das persönlich gewünschte Ausmaß an Öffentlichkeit zu geben: "Facebook könnte mit einer sehr einfachen Optionenseite starten. Ich bin eine Privatperson. Ich möchte gewisse Dinge teilen. Ich möchte mein Leben öffentlich leben. Je nach Präferenz könnte dann eine Menge an Auswahlmöglichkeiten geboten werden, und jeder hätte die Möglichkeit, später in seine Optionentafel zurückzugehen, um seine Entscheidungen zu revidieren. Dies wäre ein Design, das die Nutzer respektiert. Aber Facebook geht es nicht um Respekt. Es will die Begriffe der Welt von Privatheit und Öffentlichkeit neu definieren." Singels Schluss: ein Aufruf an Programmier - "It's Time for an Open Alternative".
Stichwörter: Soziale Netzwerke

Magazinrundschau vom 02.03.2010 - Wired

Steven Levy muss in den Kommentaren zu seinem Artikel über Googles Algorithmen einiges einstecken: Zu "fan-boyish" lautet ein häufiger Vorwurf und er ist nicht ganz falsch. Trotzdem lernt man einiges: "Nehmen Sie zum Beispiel die Art, wie Googles Maschine lernt, welche Wörter Synonyme sind. 'Wir haben sehr früh eine vertrackte Sache gelernt', sagt [der Google-Programmierer Amit] Singhal. 'Menschen wechseln die Wörter in ihrer Suchanfrage. So würde jemand Hundebilder suchen und dann Welpenbilder. Das lehrte uns, das Hunde und Welpen austauschbar sind. Wir haben auch gelernt, dass wenn man Wasser kocht, es heißes Wasser ist. Wir haben von Menschen Semantik neu gelernt und das war ein großer Vorteil.' Aber es gab Hürden. Googles Synonym-System verstand, dass ein Hund gleichbedeutend mit einem Welpen ist und das kochendes Wasser heiß ist. Aber es schloss daraus auch, dass ein Hot Dog dasselbe ist wie ein kochender Welpe. Das Problem wurde 2002 durch eine Idee gelöst, die auf den Theorien des Philosophen Ludwig Wittgenstein basierte. Er hatte analysiert, wie Wörter durch ihren Zusammenhang definiert werden. Während Google Millionen von Dokumenten und Webseiten durchsuchte und archivierte, analysierte es nun, welche Wörter in der Nähe von anderen Wörtern standen. Hot Dog würde in Suchergebnissen gefunden werden, die auch Brot, Senf und Baseballspiele beinhalteten - nicht poschiertes Hündchen. Das half dem Algorithmus zu verstehen, was Hot Dog - und Millionen anderer Begriffe - bedeutet. 'Wenn Sie heute Gandhi bio eintippen, wissen wir, Bio bedeutet Biografie', sagt Singhal. 'Und wenn Sie bio warfare eintippen, bedeutet es biologisch.'"

Magazinrundschau vom 30.03.2010 - Wired

Wired pflegt eine unheilbare romantische Liebe für Meisterverbrecher. Diesmal erzählt Joshua Bearman die Geschichte des Meisterdiebs Gerald Blanchard, der unter anderem den Sissi-Stern im Wiener Schloss Schönbrunn klaute. Gesehen hat er das gut bewachte Stück bei einem offiziellen Besuch mit seiner Frau und seinem Schwiegervater. Keine lange Planung! Noch im Schloss "fing er sofort an zu arbeiten, fing er jedes Detail des Zimmers mit seiner Videokamera ein". Am nächsten Tag hatte er das Schmuckstück. "Später gelangte der Sissi-Stern im Beatmungsgerät einer Tauchausrüstung in seine Heimatstation in Kanada, wo Blanchard versammeln würde, was die Ankläger später in Ermangelung einer besseren Bezeichnung die Kriminelle Blanchard Organisation nennen würde. Blanchard, der aus seinem enzyklopädischen Wissen über Überwachung und Elektronik schöpfte, wurde ein kriminelles Meisterhirn. Der Sissi-Stern war der Raub, der ihn von einem erfolgreichen und erfahrenen Dieb in einem kriminellen Virtuosen verwandeln sollte. 'Durchtrieben, clever, hinterhältig und kreativ', wie ihn ein Ankläger nennen sollte, entzog sich Blanchard jahrelang der Polizei. Aber schließlich machte er einen Fehler. Und dieser Fehler sollte zwei Beamte der bescheidenen Polizei von Winnipeg, Kanada, auf einen wilden Trip durch die High-Tech-Gaunerei in Afrika, Kanada und Europa führen. Mitch McCormick, einer der Untersuchungsbeamten aus Winnipeg, sagt: 'Wir hatten so etwas niemals vorher gesehen.'"

Wie wird das Ipad und wie werden in seinem Gefolge andere Tablet-Computer die Welt verändern?, fragt Wired in einem faszinierenden Dossier. Steven Levy sieht die Entstehung dieser neuen Geräte zunächst auch als Episode im Kampf der Giganten Apple mit seiner Zugangskontrolle und Google mit seinem Traum von der Wolke: "Apple will lieber die makellose Ordnung der Autokratie als die chaotische Freiheit eines offenen Systems." Außerdem entwickeln einige Netzvordenker Visionen für den Tabletcomputer. Kevin Kelly zum Beispiel sieht ihn eher als Kamera: "Wenn jemand durch den Bildschirm zu dir spricht, bewege den Bildschirm und er wird dir den Raum des Anrufers zeigen... Viele sehen den Bildschirm als einen vielfarbigen, hochauflösenden E-Reader, aber dieses Sehgerät handelt ebenso sehr von bewegten Bildern wie von Text. Man kann damit nicht nur betrachten, sondern auch machen, und es wird als tragbare Kinoleinwand dienen, möglicherweise 3D-tauglich. Du wirst mit der Leinwand 'filmen'! Es wird sowohl die Buch- als auch die Filmindustrie neu definieren, denn es schafft ein transmediales Gerät, das Buch und Video verschmelzen wird. Du kannst Fernsehen lesen, Bücher betrachten, Filme berühren."

Magazinrundschau vom 02.02.2010 - Wired

Nach den jüngsten Diskussionen über die Fast-Monopolisten im Netz - Google, Amazon, Microsoft, Apple - ist es ziemlich überraschend, wie fest Chris Anderson noch an die Idee der Garagenfirma glaubt, die den Giganten Paroli bietet - jetzt auch in der Hardware. Im Autobau zum Beispiel. Oder beim Bau von Autopilotsystemen. Andersons Artikel ist gespickt mit Links, so dass Sie seine Thesen überprüfen können. Man liest das skeptisch, aber Andersons Optimismus ist einfach umwerfend: Kleine Produktionsstätten, wie die Chinesen sie zum Beispiel anbieten, das Netz, in dem Sie diese Produktionsstätten finden, und immer billiger werdende Hardware führen zu einer neuen industriellen Revolution. Wir sind schon mittendrin, meint Anderson. Beim Mittagessen mit Mark Hatch, Manager von Techshop, denkt dieser laut "über den Bogen der Produktionsgeschichte nach. Mit dem Aufstieg der Fabriken im industriellen Zeitalter, ärgerte sich Marx, konnte ein Kaufmann die Werkzeuge für seinen Handel nicht mehr bezahlen. Die Ökonomie der Größenordnung der industriellen Produktion musterte das Individuum aus. Die Vorteile dieser Industrialisierung waren niedrigere Preise und bessere Qualität, aber der Preis dafür war Einförmigkeit. Kombiniert mit riesigen Verkäufern wurde der Markt immer mehr dominiert von den Früchten der Massenproduktion: Waren, die für jedermann entworfen waren, mit dem Resultat beschränkter Vielfältigkeit und Wahlmöglichkeiten. Aber heute werden diese Produktionswerkzeuge so billig, dass sie wieder im Bereich von Individuen liegen. Moderne Fräsmaschinen, die früher 150.000 Euro kosteten gibt es jetzt zum Preis von fast 4.000 Euro, dank chinesischer Kopien. Jedermanns Garage ist eine potentielle Hightechfabrik. Marx wäre entzückt."

Außerdem: Yudhijit Bhattacharjee erzählt, wie ein Spion, der nur mit Mühe Lesen und Schreiben gelernt hatte, die schlauesten Kryptografen der USA vor ein Rätsel stellte.

Magazinrundschau vom 22.12.2009 - Wired

Vor 32 Jahren marschierte James Cameron stinksauer aus einer Star-Wars-Vorführung: George Lucas hatte seinen Film gemacht! Joshua Davies traf den offenbar sehr mannhaften und megalomanischen Filmregisseur, der sich, nach dem Erfolg von "Titanic" ausgestattet mit fuck-you-money von Hollywood (seine Worte), auf eine 12-jährige Mission begab, den Lucas zu hauen. Nur die beste und revolutionärste Technik war gut genug für sein 3-D-Baby "Avatar": Er überzeugte Sony, neue digitale Kameras zu erfinden, überzeugte Kinos, in Millionen Dollar teure neue Technologie zu investieren und umgab sich mit Experten, die beispielsweise für die Bewohner des Planeten Pandora eine eigene Sprache, Na'vi, schufen: "Als die Sprache erfunden war, fing Cameron an, allen Dingen auf seinem Planeten Namen zu geben. Jedes Tier und jede Pflanze bekam einen Na'vi, einen lateinischen und einen gewöhnlichen Namen. Als ob das nicht genug sei, engagierte Cameron Jodie Holt, Professorin an der botanischen Fakultät der Riverside Universität, detaillierte wissenschaftliche Beschreibungen von Dutzenden von Pflanzen zu liefern, die er erfunden hatte. Sie verbrachte fünf Wochen damit zu erklären, wie die Flora von Pandora durch Bioluminiszenz leuchten und magnetische Eigenschaften haben könnte. Als sie fertig war, half Cameron die Einträge in eine formelle Taxonomie zu bringen. Er heuerte noch mehr Leute an, engagierte Experten in Astrophysik, einen Musikprofessor und einen Archäologen. Sie berechneten die atmosphärische Dichte von Pandora und erfanden eine dreiteilige Skaleneinteilung für die außerirdische Musik. Als einer der Experten mit der Star-Wars-Enzyklopädie ankam, warf Cameron nur einen Blick darauf und sagte: 'Das können wir besser.'"

Magazinrundschau vom 10.11.2009 - Wired

Daniel Roth hat die Zukunft gesehen: der Henry Ford des Informationszeitalters ist eine Firma namens Demand Media, die täglich 4.000 Artikel und Videos produziert, die auf alle Fragen eine Antwort geben sollen. Die Grundidee: Weder traditionelle Medien, noch Blogger noch soziale Netzwerke liefern Antworten auf die Fragen, die die Leute wirklich wissen wollen. Bei Demand werden "die Stücke weder von ausgebildeten Redakteuren zusammengeträumt noch aufgrund eingereichter Fragen beauftragt. Statt dessen werden sie durch einen Algorithmus zusammengestellt, der ein knappes Terabyte an Such-Daten, Mustern von Besucherströmen und Suchbegriffe verarbeitet um herauszufinden, was die User wissen wollen und wieviel Anzeigenkunden bezahlen werden, um neben der Antwort zu erscheinen." Die Artikel und Videos werden von freien Mitarbeitern produziert, die im Schnitt 15 Dollar für einen Artikel bekommen und 20 Dollar für ein Video. Auf der Seite Demand Studio kann jeder sehen, welche Artikel gerade gebraucht werden. Vor kurzem bot Demand an einem einzigen Tag Aufträge für 62.000 Artikel an.

Magazinrundschau vom 22.09.2009 - Wired

Gary Wolf zeichnet ein faszinierendes Porträt von Craig Newmark, Begründer des Kleinanzeigenmarkts Craigslist im Internet und Nemesis der Zeitungen, die ihm gern die Schuld an ihrem Niedergang geben. Craigslist startete 1995 als Newsletter für Kleinanzeigen. Heute ist es eine Webseite mit dem ästhetischen Charme eines Telefonbuchs und 30 Angestellten. Craigslist erreicht allein in den USA 47 Millionen Besucher (unique users!) im Monat, mehr als Amazon.com (mit über 20.000 Angestellten). 2009 soll Craigslist geschätzt gut 100 Millionen Dollar einnehmen, bei einem Verkauf wäre die Seite jedoch Milliarden wert, so Wolf. Denn sie ist zum größten Teil kostenlos. Nur für Job- und Immobilienanzeigen in einigen großen Städten wird Geld verlangt. Das macht Craigslist praktisch unschlagbar. Aber es liegt auch an dem Mann dahinter, der seinen Laden nur deshalb nicht in ein Nonprofit verwandelte, weil er dann zu viele Regeln befolgen müsste. "Im letzten Jahr bekam Newmark etwa 195.000 Emails. Rund 60 Prozent, schätzt er, waren Spam. Den ganzen Rest hat er gelesen und viele davon beantwortet. Er hat jetzt einen Boss, einen Manager für Kundenservice, Clint Powell, der vor sechs Jahren angeheuert wurde. Aber Newmark bleibt bei seinen Gewohnheiten, die wenig mit normaler Arbeitslogik zu tun haben. Sie sind Teil seiner Identität, eine unkonventionelle Methode der Selbstvergewisserung, mit der er die Barriere in den Griff bekam, die ihn immer von der Welt zu trennen schien, und sie in eine Art Performance verwandelte. Athleten konkurrieren, Künstler kreieren. Newmark beantwortet Emails."
Stichwörter: Geld, Newsletter

Magazinrundschau vom 26.05.2009 - Wired

Wired bringt eine faszinierende Nummer über die Frage, wie das Internet die Wirtschaft verändert. Steven Levy hat Hal Varian, den "Adam Smith der neuen Disziplin Googlenomics" auf einer Konferenz gehört, und fasst das Prinzip dieses neuen Wirtschaftszweiges zusammen: "Varian ist ein Experte für die wahrscheinlich erfolgreichste Geschäftsidee der Geschichte: AdWords, Googles einzigartige Methode, online-Anzeigen zu verkaufen. AdWords analysiert jede Googlesuche, um herauszufinden, welcher Anzeigenkunde jeweils bis zu 11 'sponsored links' auf den Ergebnisseiten bekommt. Es ist die größte und schnellste Auktion der Welt, eine nie endende, automatische Selbstbedienungsversion von Tokios wildem Tsukiji Fischmarkt, und sie findet, sagt Varian, 'bei jeder einzelnen Suche' statt. Er erwähnt nie, wie hoch die Einnahmen aus den Anzeigen sind. Aber Google ist ein börsennotiertes Unternehmen, so dass sich jeder darüber informieren kann: Im letzten Jahr waren es 21 Milliarden Dollar. Sein Vortrag wird schnell technisch. Da gibt es den Unterschied zwischen dem Generalized-Second-Price-Auktionsmodell und der Vickrey-Clark-Groves-Alternative. Spieltheorie macht eine Wendung, ebenso das Nash Equilibrium. Begriffe, die das C-Wort enthalten - wie in 'clicks' - werden in die Luft geworfen wie Wasserbälle bei einem Sommer-Rockfestival. Clickthrough rate. Cost per click. Supply curve of clicks. Das Publikum ist verzaubert. Beim Frage-Antwort-Teil hebt ein Mann in einem kamelfarbenen Kordblazer die Hand. 'Verstehe ich das richtig', sagt er halb skeptisch, halb unsicher. 'Sie sagen, jedesmal wenn eine Suchabfrage gestartet wird, findet gleichzeitig eine Auktion statt? Das würde bedeuten, millionen mal am Tag!' Varian lächelt. 'Millionen mal', sagt er, 'ist eine ziemliche Untertreibung.'" Die Kehrseite dieses Geschäftsmodells wird nur kurz angetippt: Die Datenströme über die Nutzer, die Google sammelt.

Außerdem in der Juninummer: Der Internetvisionär Kevin Kelly schreibt über den neuen digitalen Sozialismus, der sich in Websites wie Digg.com und Wikipedia manifestiert.