Die besten Taschenbücher des Monats
Von
Alice Fischer
22.02.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucherin Alice Fischer.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Taschenbücher-Februar bietet allerhand Stoff für Lesestunden unter der warmen Decke: Anne Serres sinnlichen Roman "Die Gouvernanten" etwa, der uns in einen hinter hohen Bäumen versteckten Garten entführt, in dem ihre drei Heldinnen melancholisch in den Tag leben, lustwandeln und jeden schönen Mann verführen, der in ihre Nähe kommt. Die SZ jubelte über diese "veritable Entdeckung" aus Frankreich, geprägt von Leichtigkeit, Schwung und ausgelassener Freude an der Erotik. Die Zeit musste das Buch ob seiner verwunschen-romantischen Stimmung gleich mehrfach lesen.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Tief in die Abgründe der späten Kolonialgeschichte Afrikas lässt uns der tansanische Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah blicken: In seinem Roman "Nachleben" erzählt er von Ilyas und Hamza, beide junge Tansanier, die sich den deutschen Truppen anschließen (der eine aus Zwang, der andere freiwillig), um im Ersten Weltkrieg für das Kaiserreich zu kämpfen. "Überwältigende Kraft" attestierte die taz Gurnahs Prosa, die die Gräuel der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika verarbeitet, ohne sich auf einfachen Antworten auszuruhen und auch Dlf Kultur feierte Gurnah als einen "Meister der Zwischentöne".
Bestellen Sie bei eichendorff21!Düster aber hochspannend geht es zu in Danya Kukafkas Roman "Notizen einer Hinrichtung", in dem sie die Geschichte des zum Tode verurteilten Frauenmörders Ansel Packer erzählt. Die erzählerischen Konventionen des klassischen Serienmörderromans stellt Kukafka einmal komplett auf den Kopf, oder eben vom Kopf auf die Füße, jubelte Dlf, indem sie weniger auf die Taten selbst fokussiert, sondern auf die Umstände, die zu ihnen führten. Auch die FR verfolgte gebannt die Gedanken, die den Mörder in seinen letzten Stunden im Todestrakt umtreiben, sie empfahl zudem ein subtiles Plädoyer gegen die Todesstrafe, ohne jeden Voyeurismus oder moralischen Zeigefinger.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Unter den Sachbüchern ist "Niemals Frieden?" des israelischen Historikers Moshe Zimmermann hervorzuheben, der einerseits ein schonungslos-düsteres Bild der aktuellen Situation in Nahost zeichnet, andererseits aber auch den Weg zu einer möglichen Lösung weist. Als "scharfe Analyse" und "alarmierende Bestandsaufnahme" empfiehlt der Dlf das Buch, in dem Zimmermann Positionen, die Israel mit Blick durch die Brille des Postkolonialismus verurteilen wollen, eine klare Absage erteilt, gleichzeitig aber auch scharfe Kritik an der israelischen Regierung übt.
Persönliche Empfehlung von Alice Fischer zu Philipp Oehmkes Roman "Schönwald"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Verratene Ideale, verdrängte Vergangenheit, pointierte Gesellschaftskritik - Philipp Oehmke hat die perfekten Zutaten für einen packenden Familienroman à la Jonathan Franzen gefunden und in seinen Roman "Schönwald" gepackt. Mit beißendem Spott erzählt Oehmke von der titelgebenden Familie Schönwald: Tochter Karolin hat sich ihren Lebenstraum verwirklicht und eröffnet einen queeren Buchladen in Berlin-Kreuzberg (Mutter Ruth muss erstmal googlen, was eigentlich "kwier" bedeutet) und die ganze Familie reist an, um bei diesem Event ein paar Weißwein zu trinken. Blöd nur, dass Karolin den Buchladen mit dem Erbe des Großvaters finanziert hat, der während der NS-Zeit zu Geld gekommen ist. Aktivisten tauchen auf und protestieren - ist die Familie Schönwald etwa eine mit "Nazihintergrund"? Philipp Oehmke nimmt die gesellschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit genau unter die Lupe, die Verwirrung der sogenannten Boomer-Generation angesichts der "Wokeness" hält er genauso fest, wie er einen gesellschaftlichen Hyper-Moralismus beäugt, der dafür sorgt, dass letztendlich niemand mehr genau weiß, was eigentlich gut und was böse ist. Nicht zuletzt besticht sein Familienporträt durch die Auslotung der psychologischen Tiefen seiner Figuren, die sich vor allem durch den Unwillen miteinander zu reden in eine Spirale der Heuchelei begeben. Über diesen Roman lässt sich leidenschaftlich streiten - aber gerade das macht ihn so spannend.
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