9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2026 - Geschichte

Der Historiker und von den Deutschen ermordete Resistance-Kämpfer Marc Bloch wird heute Abend in einer feierlichen Zeremonie ins Pariser Pantheon aufgenommen, die höchste Auszeichnung für einen Toten in Frankreich, schreibt Marc Tribelhorn in der NZZ. Blochs Nachkommen haben dabei klare Vorstellungen, wer bei den Feierlichkeiten dabei sein darf. "Seine Familie hat in einem Schreiben an Präsident Macron vorsorglich verlangt, 'dass die extreme Rechte in all ihren Erscheinungsformen von jeder Teilnahme an der Zeremonie ausgeschlossen wird'. Sie wehrt sich auch gegen eine chauvinistische Vereinnahmung Blochs: Er sei Patriot gewesen, aber kein Nationalist." In der FAZ schreibt Marc Zitzmann.

Der Historiker Tim B. Müller schreibt in der FAZ über das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten "Zeugen Jehovas" beziehungsweise "Bibelforscher", das heute in Berlin eingeweiht wird. Etwa 1.800 "Bibelforscher" wurden von den Nazis in Lagern umgebracht, viel mehr waren verfolgt. Das Problem mit dem Gedenken ist, dass es hier eine mangelnde Kontinuität gibt, denn die heutigen "Zeugen Jehovas" stehen nicht einfach in der Nachfolge der einstigen "Bibelforscher", erläutert Müller: "Das Profil der Zeugen Jehovas, wie es später sichtbar wurde, ist mit ihrem Ausbau zur globalen Organisation durch eine 'leitende Körperschaft' in den Vereinigten Staaten nach 1945 verknüpft. Die verfolgten Bibelforscher unterschieden sich in markanten Punkten von den späteren Zeugen Jehovas - ob sie sich nun nach 1945 weiter zu dieser Gemeinschaft bekannten oder nicht."

Die höchste polnische Auszeichnung - der Orden des Weißen Adlers wurde Wolodimir Selenski von dem rechtsnationalen Präsidenten Polens Karol Nawrocki aberkannt. In der NZZ blickt Ulrich M. Schmid auf die Geschichte des Ordens zurück, dessen bisherige Träger neben polnischen Nobelpreisträgern auch Diktatoren waren. "Der Staatsgründer Pilsudski", erster Träger des Ordens nach dem ersten Weltkrieg, "zeigte wenig Sympathie für die parlamentarische Demokratie und nannte die Verfassung in Anlehnung an 'prostytutka' eine 'konstytutka'. Sein politischer Gegenspieler Roman Dmowski liebäugelte mit einer faschistischen Diktatur in Polen... Dmowski wurde erst 2018, knapp achtzig Jahre nach seinem Tod, postum mit dem Orden des Weißen Adlers ausgezeichnet. Zeit seines Lebens hatte er sich in einer nationalkonservativen Opposition zum autoritären Regime der Pilsudski-Leute befunden. Seine späte Renaissance erlebte Dmowski unter der rechtspopulistischen PiS-Regierung und dem patriotischen Präsidenten Andrzej Duda."

Der Historiker Peter Hoeres erzählt in der FAZ, wie langsam die amerikanische Unabhängigkeitserklärung in Deutschland überhaupt nur wahrgenommen wurde: "Während die US-Verfassung von 1787 ab den 1820er-Jahren, im Vormärz, 1848 und dann wieder anlässlich der Reichsgründung gelegentlich diskutiert und gewürdigt wurde, wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung auch in Deutschland erkannt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.06.2026 - Geschichte

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Im Interview mit der SZ sprechen Hans Günter Hockerts von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Michael Hollmann, Leiter des Bundesarchivs, über die "Akten der Reichskanzlei, Regierung Hitler", die die beiden online und in einer Druckedition herausgegeben haben und die belegen, "dass der Regierungsapparat auch ohne die unmittelbare Involvierung Hitlers funktionierte. Erkennbar wird, wie fundamental wichtig die Mitwirkung, oder genauer gesagt: die Selbstaktivierung der Ministerialbürokratie war. Vieles erledigten die Ressorts in Eigenregie."

Bis heute fehlt uns ein Gesamtbild der "Lager-Geschichte" im Nationalsozialismus, kritisiert Aleida Assmann in der FR. Ab 1943 wurden neben den großen Konzentrationslagern viele kleine Lager gebaut, in denen Zwangsarbeiter für die Rüstungsindustrie ausgebeutet wurden: "Die Gründung dieser neuen KZ-Standorte war für die Bevölkerung allerorten sichtbar, denn diese Orte waren von deutschen und österreichischen Städten fußläufig erreichbar." So zum Beispiel, erinnert Assmann mit einem Beispiel aus der Region Konstanz, im Goldbacher Stollen in Überlingen. Hier "wurde mit Hochdruck an einer Wunderwaffe gearbeitet, von der man sich einen 'Endsieg' versprach. (...) Bevor die französische Armee kurz vor Kriegsende das Lager erreichte, wurde es von der SS geräumt und abgebrannt, um die Spuren des Verbrechens zu beseitigen. Die Häftlinge sollten nicht befreit werden, deshalb wurden sie noch auf einen der Todesmärsche gezwungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2026 - Geschichte

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In der SZ schreibt Lothar Müller den Nachruf auf den italienischen Historikers Carlo Ginzburg: " Als 'Mikrohistorie' machte rasch Furore, was er im Verein mit vor allem französischen und italienischen Mitstreitern betrieb. Aber die Isolierung und Feier des Kleinen und Ephemeren auf Kosten des Ganzen einer Epoche gibt es bei ihm nicht. Das war schon in dem Buch so, mit dem er bekannt wurde, 'Der Käse und die Würmer' (1976) - über einen Müller im Friaul, genannt Menocchio, der im Jahre 1599 von der Inquisition zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Der Mann konnte lesen und schreiben, er hatte sich sehr eigene, anstößige Gedanken über Gott, die Elemente, die Welt gemacht... Kurz, Ginzburg versenkte sich in Details, um das Ganze besser erklären zu können."

Welt-Autor Thomas Schmid kannte ihn als ehemaliger Lektor des Wagenbach Verlags persönlich. Er erinnert sich in seinem Blog an Ginzburg. "Es ist kein Zufall, dass ihn die Figur des Sherlock Holmes sehr beschäftigt hat. Ein guter Historiker sollte ein guter Kriminalist sein, der nichts als das nimmt, was es zu sein scheint."
Stichwörter: Ginzburg, Carlo

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2026 - Geschichte

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Donald Trump ist eine Art "Anti-Washington", hält der Historiker Manfred Berg, der ein Buch über die amerikanische Demokratie geschrieben hat, im FR-Interview fest. Trump verkörpere genau das, was die Gründungsväter der USA nicht im Sinn hatten: "Wer sich mit der politischen Theorie des späten 18. Jahrhunderts und mit den Federalist Papers beschäftigt, erkennt das sehr deutlich. Mit seinem Anspruch, wie ein gewählter Diktator zu regieren, tut Trump ziemlich genau das Gegenteil dessen, was die Gründerväter im Sinn hatten. Denken wir nur an George Washington. Er verzichtete nach seiner zweiten Amtszeit darauf, ein weiteres Mal zu kandidieren, unter anderem, weil er kein Beispiel für eine lebenslange Präsidentschaft setzen wollte. Dieser freiwillige Machtverzicht eines Bürgers, der nach seiner Amtszeit wieder ins Glied zurücktritt, war ein zentrales republikanisches Ideal. (...) Man kann nur hoffen, dass sich die Amerikaner im 250. Jahr der Unabhängigkeitserklärung daran erinnern."

Weiteres: Die FAZ bringt auf den Bilder- und Zeiten-Seiten einen Vortrag des Historikers Michael Brenner, der die Leistung der Frauen berühmter Wissenschaftler würdigt.
Stichwörter: Berg, Manfred, Trump, Donald

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2026 - Geschichte

In der Zeit erinnert Michael Sontheimer an die Entführung eines Flugzeugs nach Entebbe vor fünfzig Jahren, an der auch zwei Deutsche beteiligt waren, Wilfried Böse, 27, und Brigitte Kuhlmann, 29, beide Mitglieder der Revolutionären Zellen. Während der Entführung, mit der "politische Gefangene" freigepresst werden sollten, wurden die jüdischen und israelischen Geiseln von den anderen Passagieren getrennt: "Die Geiseln werden nun in die alte Terminalhalle geführt. Hier sondern Kuhlmann und Böse die Israelis aus - und alle anderen, die sie für Juden halten. Als ein Holocaust-Überlebender seine in Auschwitz eintätowierte Häftlingsnummer zeigt, versucht Böse zu erklären, dass sich die Entführung nicht gegen Juden richte, sondern gegen den zionistischen Staat Israel, der die Palästinenser unterdrücke. 'I am not a Nazi', soll er beteuert haben, 'I am an idealist.'" Mehr dazu im Deutschlandfunk, der unter anderem den Historiker Jeffrey Herf befragt.

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Außerdem: In der FAZ schreibt Patrick Bahners den Nachruf auf den italienischen Historiker Carlo Ginzburg, der mit "Der Käse und die Würmer" eines der legendärsten Werke der "Mikrogeschichte" geschrieben, ja, das Genre überhaupt erst instituiert hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2026 - Geschichte

Es ist die größte Ehre, die einem Franzosen posthum widerfahren kann. Der Historiker Marc Bloch wird nächste Woche "pantheonisiert" - als erster Historiker überhaupt, schreibt François-Guillaume Lorrain in Le Point. Die Überführung der sterblichen Überreste Blochs wird mit einer großen Zeremonie verbunden sein. Bloch war nicht nur einer der Mitbegründer der durch die Zeitschrift Annales geprägten Sozialgeschichtsschreibung, die nach dem Krieg extrem einflussreich war, er war auch Widerstandskämpfer und Autor des Essays "L'Etrange Défaite", in dem er die Niederlage der Franzosen gegen Deutschland analysierte. Und er wurde von den Deutschen unter der Leitung des deutschen Kriegsverbrechers Klaus Barbie gefoltert und ermordet. Über den Essay schreibt Lorrain: "Er erinnert uns daran, dass ein Land zusammenbrechen kann - manchmal wie ein Kartenhaus. Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs hatte Paul Valéry 1919 in 'La Crise de l'esprit' den Reigen der Seher eröffnet: 'Wir wissen nun, dass Zivilisationen sterblich sind.' Im Jahr 1940, nach dem ersten tragischen Akt des folgenden Krieges, antwortet Marc Bloch: 'Wir wissen nun, dass wir Franzosen sterblich sind.' Eine existenzielle Wahrheit, die in unserem europäischen Komfort in Vergessenheit geraten ist, eine Wahrheit, die von den Ukrainern in aller Dringlichkeit erfasst wurde und deren unumstößliches Urteil unser Kontinent allmählich zu begreifen beginnt. Sich bewusst machen, dass man sterblich ist, um nicht eines Tages erfahren zu müssen, dass man sterben wird."
Stichwörter: Bloch, Marc

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2026 - Geschichte

Buch in der Debatte

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Im Interview mit der FR erklärt die Historikerin Sarah M.S. Pearsall, warum sie in ihren neuen Buch auf die Geschichte der amerikanischen Revolution von Orten wie Kalkutta, St. Kitts, Anomabu, Quebec, Hessen-Kassel oder Guangzhou aus blickt: Nur eine globale Perspektive könne vermitteln, in welch "größerem Kontext globaler Transformationen" die USA seit ihrer Gründung standen. Beispiel die "Boston Tea Party": "Die Briten wollten glauben, dass dies lediglich ein lokales Ereignis war, doch sie irrten sich. Es verband nicht nur Boston mit anderen amerikanischen Kolonien, sondern auch mit Asien. ... Ein Grund, warum sie den Tee ablehnten, war, dass er ein korruptes Monopol symbolisierte, eines mit der Macht, Amerikaner zu unterdrücken, so wie es die Asiaten unterdrückt hatte. Doch die Amerikaner behaupteten, sie hätten eine solche Behandlung nicht verdient, da sie im Gegensatz zu den Indern 'frei geborene Engländer' seien, die die Freiheit schätzten. So erkennen wir deutlicher sowohl Momente globaler Solidarität als auch Behauptungen der Überlegenheit, die auf 'Rasse' und Kultur beruhen."

Außerdem: Anlässlich des G-7-Gipfels schreibt Michael Wirth in der NZZ eine kleine Geschichte Evians als historisch bedeutender Konferenzort.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.06.2026 - Geschichte

Noch längst ist nicht alles gesagt über die NS-Zeit, stellt Thomas Janßen im Leitartikel der FAZ mit Blick auf die NSDAP-Mitgliederkartei fest, die seit März online zugänglich ist (unsere Resümees): "Die früh geäußerte Sorge, der Nationalsozialismus könnte bald nur noch als ein fernes historisches Ereignis wahrgenommen werden, wie die Reichsgründung 1871, erscheint in diesem Licht vorerst übertrieben", meint er. Wohl ist die Betrachtung der Vergangenheit aber auf eine komplexere Ebene gerückt: "Eine Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit der eigenen Familie steht heute aber auch vor anderen Herausforderungen als früher. Dass Nazis liebevolle Familienmenschen sein konnten, ist seit mehr als achtzig Jahren bekannt. Hinzugekommen ist in den vergangenen Jahren die historische Erkenntnis, dass aus den meisten Nationalsozialisten - bei allem Fortwirken braunen Gedankenguts - Demokraten wurden, die wesentlich dazu beitrugen, die Bundesrepublik zum Erfolgsmodell zu machen. Das lässt sich nicht miteinander verrechnen, gehört aber auch zur Vergangenheitsbewältigung"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.06.2026 - Geschichte

Absolut empört ist Tobias Ginsburg bei Zeit Online über einen KI-Avatar der Holocaust-Überlebenden Jeanette Wolff, den die Bundesfraktion der SPD in Auftrag gegeben hat: "Was die 1888 geborene Jüdin Jeanette Wolff in dieser 82-sekündigen Ansprache erzählt, ist von einer außerordentlichen Gegenwärtigkeit, voller moderner Konzepte und Begrifflichkeiten. So sei es ihr immer um "soziale Gerechtigkeit" gegangen, sagt sie, um jene, 'die keine Stimme haben' - und sie spricht vom 'Holocaust'. Ein Begriff, der erst 1979 durch die gleichnamige US-Fernsehserie bekannt wurde." Das ist nicht nur Geschichtsklitterung, sondern entbehrt auch jeder Individualität, ärgert sich Ginsburg: "Allen Bemühungen Hitlerdeutschlands zum Trotz überlebten 250.000 bis 300.000 Jüdinnen und Juden das Lagersystem. Das sind viele Schicksale. Unmöglich, sich all diese Geschichten zu erzählen. Also erzählt sich Deutschland einfach immer dieselbe Geschichte: die Story des versöhnungswilligen 'Holocaust-Überlebenden', der verfolgt wurde, aber dessen Leiden und Weiterleben inspiriert - und uns lehrt, wie prima die heutige Bundesrepublik doch ist. Das ist zwar keine komplexe Geschichte, aber sie muss eben griffig sein, muss quasi auf einen Stolperstein passen."

Buch in der Debatte

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Viele Dinge liefen in den letzten 30 Jahren besser als gemeinhin behauptet wird, erklärt der Ökonom Hartmut Berghoff, der ein Buch über die Wirtschaftsgeschichte der Berliner Republik seit 1990 geschrieben hat, im Zeit-Online-Interview. Die Behauptung, es sei nach der Wende zu einem "Ausverkauf an den Westen" gekommen, kann er so nicht stehen lassen: "Hier muss man unterscheiden. Großbetriebe hat die Treuhand tatsächlich oft an westdeutsche oder ausländische Eigentümer verkauft, zum Teil unter Wert. Bei mittleren und kleinen Betrieben kamen hingegen vielfach Ostdeutsche zum Zug. Die Sektkellerei Rotkäppchen ist dafür ein prominentes Beispiel, diese wurde von internen Führungskräften übernommen. Ebenso kam es Anfang der 1990er-Jahre zu vielen Neugründungen von kleinen Unternehmen, etwa von Handwerksbetrieben oder Kfz-Werkstätten. Keine Frage: Es wurden in dieser Zeit viele Fehler gemacht, bisweilen mit krimineller Energie vorgegangen. Aber insgesamt handelte es sich um einen geordneten Privatisierungsprozess, der nicht mit jenen anarchischen Zuständen vergleichbar ist, wie sie Anfang der 1990-Jahre in Russland herrschten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.06.2026 - Geschichte

Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin, antwortet im Spiegel auf Meron Mendel, der vor den deutschen Yad-Vashem-Dependancen gewarnt hatte (unser Resümee). Sein Argument: die israelische Regierung könne auf das schöne deutsche Gedenken Einfluss nehmen wollen. "Mendel fordert, die Arbeit der Yad-Vashem-Bildungseinrichtungen in Deutschland klar auf die Vermittlung der NS-Vergangenheit zu begrenzen, 'um Einflussversuche auf tagespolitische Themen zu verhindern'. Ihm schwebt eine Eingrenzung auf die Jahre 1933 bis 1945 vor... In diesen Vorschlägen zeigt sich nicht nur eine fragwürdige Vorstellung davon, Inhalte historisch-politischer Bildung kontrollieren zu wollen. Sie zeugen auch von erstaunlichem Nichtwissen über die pädagogische Arbeit Yad Vashems. Deren besondere Stärke liegt gerade darin, dass die Auseinandersetzung mit dem Holocaust immer auch das jüdische Leben vor der Schoa sowie das Überleben und Weiterleben danach einschließt. Es geht nicht um übergeordnete 'Narrative', sondern um Erinnerungen, Erfahrungen, persönliche Geschichten, Dilemmata und Entscheidungen."