Der Historiker und von den Deutschen ermordete Resistance-Kämpfer
Marc Bloch wird heute Abend in einer feierlichen Zeremonie ins Pariser
Pantheon aufgenommen, die höchste Auszeichnung für einen Toten in Frankreich,
schreibt Marc Tribelhorn in der
NZZ. Blochs Nachkommen haben dabei klare Vorstellungen, wer bei den Feierlichkeiten dabei sein darf. "Seine Familie hat in einem Schreiben an Präsident Macron vorsorglich verlangt, 'dass die
extreme Rechte in all ihren Erscheinungsformen von jeder Teilnahme an der Zeremonie ausgeschlossen wird'. Sie wehrt sich auch gegen eine chauvinistische Vereinnahmung Blochs: Er sei Patriot gewesen, aber kein Nationalist." In der
FAZ schreibt Marc Zitzmann.
Der Historiker
Tim B. Müller schreibt in der
FAZ über das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten "
Zeugen Jehovas" beziehungsweise "Bibelforscher", das heute in Berlin eingeweiht wird. Etwa 1.800 "Bibelforscher" wurden von den Nazis in Lagern umgebracht, viel mehr waren verfolgt. Das Problem mit dem Gedenken ist, dass es hier eine
mangelnde Kontinuität gibt, denn die heutigen "Zeugen Jehovas" stehen nicht einfach in der Nachfolge der einstigen "Bibelforscher", erläutert Müller: "Das Profil der Zeugen Jehovas, wie es später sichtbar wurde, ist mit ihrem Ausbau zur globalen Organisation durch eine 'leitende Körperschaft' in den Vereinigten Staaten nach 1945 verknüpft. Die verfolgten Bibelforscher unterschieden sich
in markanten Punkten von den späteren Zeugen Jehovas - ob sie sich nun nach 1945 weiter zu dieser Gemeinschaft bekannten oder nicht."
Die höchste polnische Auszeichnung - der Orden des Weißen Adlers wurde
Wolodimir Selenski von dem rechtsnationalen Präsidenten Polens
Karol Nawrocki aberkannt. In der
NZZ blickt Ulrich M. Schmid auf die Geschichte des Ordens zurück, dessen bisherige Träger neben polnischen Nobelpreisträgern auch Diktatoren waren. "Der Staatsgründer
Pilsudski", erster Träger des Ordens nach dem ersten Weltkrieg, "zeigte wenig Sympathie für die parlamentarische Demokratie und nannte die Verfassung in Anlehnung an 'prostytutka' eine 'konstytutka'. Sein politischer Gegenspieler
Roman Dmowski liebäugelte mit einer faschistischen Diktatur in Polen... Dmowski wurde erst 2018, knapp achtzig Jahre nach seinem Tod, postum mit dem Orden des Weißen Adlers ausgezeichnet. Zeit seines Lebens hatte er sich in einer nationalkonservativen Opposition zum autoritären Regime der Pilsudski-Leute befunden.
Seine späte Renaissance erlebte Dmowski unter der rechtspopulistischen PiS-Regierung und dem patriotischen Präsidenten Andrzej Duda."
Der Historiker
Peter Hoeres erzählt in der
FAZ, wie langsam die
amerikanische Unabhängigkeitserklärung in Deutschland überhaupt nur wahrgenommen wurde: "Während die US-Verfassung von 1787 ab den 1820er-Jahren, im Vormärz, 1848 und dann wieder anlässlich der Reichsgründung gelegentlich diskutiert und gewürdigt wurde, wurde erst in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung auch in Deutschland erkannt."