2017 sollen die
Briten darüber abstimmen, ob sie in der EU bleiben wollen. Aber hat Britannien überhaupt je zu Europa gehört? Eine britischen Historikergruppe um
David Abulafia verneint dies in einem
Manifest. Sie sehen
Britannien schon historisch
als außerhalb Europas stehend - unter anderem, weil es durch ein "milderes" politisches Wesen geprägt sei. Vielleicht wäre man zu einem anderen Urteil gekommen, hätte die Gruppe nicht die ganze britische
Kolonialgeschichte ausgeblendet, spotten in der
Zeit die Historiker
Emile Chabal und
Stephan Malinowski: "Als die britische Demokratie im Mau-Mau-Krieg in Kenia während der fünfziger Jahre neben den Menschenrechten auch alle anderen Regeln der eigenen Zivilisation brach und ein Regime aus Gewalt und Unterdrückung installierte, blieb sie darin ebenso
Teil der europäischen Kolonialfamilie wie mit dem groß angelegten Versuch, entsprechende Dokumente zu vernichten. Die europäische Forschung der vergangenen 20 Jahre zur Kolonialgeschichte sollte zur Kenntnis genommen werden: Großbritannien ist nicht einzigartig in seiner Milde, sondern in seiner
kolonialen Härte Teil einer europäischen Tradition."
Außerdem bringt die
Zeit die beiden großen Osteuropa-Historiker
Karl Schlögel und
Jörg Baberowski, die sich mit ihren Analysen der
Ukraine-Krise entzweit haben, zu einem sehr angeregten Gespräch an einen Tisch. Baberowski wehrt sich vehement gegen seinen Ruf als
Putinversteher: "Historiker haben die Aufgabe, verstehen zu helfen, warum andere, deren Meinung man nicht teilen muss, so handeln, wie sie es tun. Es nützt gar nichts, der russischen Seite immerfort zuzurufen, dass sie
moralisch im Irrtum sei." Darauf Schlögel: "Nein, wir können nicht so tun, Herr Baberowski, als seien wir einer Meinung. Vor dem Verstehen kommt die Wahrnehmung dessen, was der Fall ist, in einem Gelände, das so unvertraut ist. Unser Dissens hat
epistemische Bedeutung."