Heute vor hundert Jahren endete die deutsche Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika. Während sich die Bundesregierung um eine klare Bewertung der blutigen Niederschlagung des
Aufstands der Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 windet, schreibt
Bundestagspräsident Norbert Lammert in der
Zeit Klartext: "An den heutigen Maßstäben des Völkerrechts gemessen (...), war die Niederschlagung des Herero-Aufstands
ein Völkermord." Lammert macht aber auch klar: "So wenig wie im Falle der Massaker an den Armeniern lässt sich die Debatte auf einen Begriff reduzieren - Völkermord - und das Thema damit für erledigt erklären. Die klare Benennung dessen, was geschehen ist, kann nur der Anstoß zu einem
Versöhnungsprozess sein, der allein im Austausch und Dialog möglich ist."
Dass es da noch viel zu tun gibt, zeigt die Rede von
Herero-Chief Vekuli Rukoro bei der Gedenkfeier zum hundertsten Jahrestag des Völkermords auf dem Garnisonsfriedhof in Namibia, von der Dominic Johnsons in der
taz berichtet: ""
100.000 starben wie die Fliegen. Wir haben eine Entschuldigung verdient. Wir wollen, dass Deutschland kategorisch erklärt: Was uns angetan wurde, war Völkermord", sagt er. Und: "Wir wollen, dass das höchste Amt im Land sich entschuldigt." ... Sollte die Bundesregierung den Herero-Forderungen bis zum 2. Oktober nicht Folge leisten, werde man "
andere Maßnahmen ergreifen", kündigt Rukoro an: "Deutschland muss da hingebracht werden, wo sich Apartheid-Südafrika einst befand: ein
Pariah-Staat.""
"Es ist beschämend",
stellt dazu der
Historiker Jürgen Zimmerer ebenfalls in der
taz fest: "Es droht die Erfolgsgeschichte der deutschen Vergangenheitspolitik insgesamt infrage zu stellen, wenn das historisch völlig unstrittige
Abschlachten bzw. Verrecken-Lassen von bis zu 80.000 Männern, Frauen und Kindern einfach ignoriert werden kann, wenn der erste deutsche Genozid einfach geleugnet werden kann, auch weil Deutschland
diesen Krieg gewonnen hatte und weder Herero und Nama noch Namibia insgesamt den nötigen politischen Druck aufbringen können."
Außerdem: Matthias Fink (
Zeit) und Caroline Fetscher (
Tagesspiegel) erinnern an das
Massaker von Srebrenica, das sich in diesen Tagen zum zwanzigsten Mal jährt. Der serbische Premieminister
Aleksandar Vucic wird sich zu den Gedenkfeiern zum Jahrestag der Massaker nach
Srebrenica begeben,
meldet Libération mit AFP. Vucic "hat ein "grauenhaftes Verbrechen" beklagt, aber wie die Mehrheit der Serben weigert er sich anzuerkennen, dass in Srebrenica
ein Genozid verübt worden ist... Nach einer Umfrage, die vor kurzem in Serbien durchgeführt wurde, verurteilen 54 Prozent der Serben das Verbrechen von Srebrenica, die Realität des Genozids aber wird von 70 Prozent verleugnet."