Gestern gab es im Netz und auch sonst Verwirrung über die Frage, ob
Fabian Wolffs Ex-Freundin Helen R. tot ist - Mirna Funk hatte diese Information im Schlusssatz ihres
FAZ-Artikels (
unser Resümee) in eine leicht missverständliche doppelte Verneinung verpackt - "Ich wüsste nicht, dass sie nicht mehr lebt". Doch inzwischen
bestätigt auch
Zeit online in einem "
Faktencheck": "Die Ex-Freundin ist vor einigen Monaten verstorben." Das ist allerdings auch der einzige klare Punkt, den dieser Faktencheck macht. Ansonsten ist das Fazit: Erst wusste Fabian Wolff nichts, und dann wusste die Redaktion nichts - ausgenommen ein
einzelner Redakteur, dem Helen R. "privat" ihre Zweifel an der behaupteten Identität Wolffs mitgeteilt hatte: "Im Zuge unserer Recherchen sind wir, wie erwähnt, auf einen privaten Kontakt der Ex-Freundin in der Redaktion der
Zeit gestoßen. Diesem privaten Bekannten gegenüber hatte sie
bereits einmal 2017 im Vertrauen geäußert, dass sie
Zweifel an der jüdischen Identität Fabian Wolffs hege. Auch deutlich später, im Jahr 2022, hatte sie noch einmal Kontakt aufgenommen, um von ihren Zweifeln zu berichten. Diese Information hat
Zeit online erst jetzt im Rahmen dieses Faktenchecks erreicht. ... Vorwerfen müssen wir uns, dass wir die seit Herbst 2021 kursierende E-Mail vor Veröffentlichung des Textes 'Mein Leben als Sohn' nicht kannten. Dies wiegt umso schwerer, als die Autorin der E-Mail in privatem Kontakt mit einer Person in unserem Haus stand, und über die Jahre mindestens zwei Mal von ihren Zweifeln berichtet hat. Der Frage, warum uns diese Information nicht erreicht hat, gehen wir in einer
internen Prüfung weiter nach."
Etwas widersprüchlich konstatiert die
Zeit aber, nachdem sie ausführlich darlegt, warum sie alle Behauptungen in Wolffs Text glaubhaft fand: "Wir können Fabian Wolff bisher nicht nachweisen, an anderer Stelle
bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben. Unsere Recherchen zeigen allerdings, wie er die spärlichen, von seiner Mutter erfundenen Informationen zu seinem vermeintlichen Jüdischsein durch weitere '
fundierte Spekulationen', wie er sie selbst bezeichnete, ergänzt hat. Diese 'fundierten Spekulationen' sind von bewussten Täuschungen teilweise nur
mit gutem Willen zu unterscheiden."
Viele Medien haben über den Fall Fabian Wolff noch überhaupt nicht berichtet. Nach Mirna Funks Intervention gestern meldet sich nun aber auch der
Tagesspiegel, der wie
Zeit online dem
Hause Holtzbrinck angehört. In Andreas Busches
Artikel äußert sich auch Wolff zum ersten Mal seit der Publikation seines Monsterartikels. Auch Busche ist Funks Schlusssatz aufgefallen: "In dem lakonischen Schlusssatz steckt bereits ein unausgesprochenes Urteil, das weit über den Vorwurf der 'Scharlatanerie' oder des 'Kostümjuden' hinausgeht." Aber, so Busche, "Helen R. hatte eine
lange Krankengeschichte." Das von Funk erwähnte Schreiben des Anwalts Nicolas Becker an Helen R. habe nicht der Einschüchterung gedient, sondern eine Kontaktsperre erwirken sollen. Busche stellt auch die Frage, weshalb Wolff den Text überhaupt veröffentlichte, wollte er jemandem zuvorkommen? Wolff sagt, es sei ihm "im Sinne der intellektuellen und moralischen Redlichkeit wichtig, diesen Irrtum selbst aufzuklären". Grundsätzliche Fragen zu seinen Israel-kritischen Positionen, die er immer mit dem falschen Verweis auf sein Jüdischsein unterlegte, geht Wolff aus dem Weg. "Darauf antwortet Wolff nur, dass er es für keine gute Idee halte, seinen
eigenen Text einzuordnen."
Politische Weggefährten Wolffs attackieren Funks Text in den sozialen Medien nun vor allem mit dem Vorwurf, sie habe Wolff Helen R.s Suizid in die Schuhe schieben wollen. Max Czollek
schreibt: "Leute, Fabian Wolff hat richtig Scheiße gebaut, keine Frage. Aber was die
FAZ dazu gebracht hat ist verantwortungslos -
jenseits journalistischer Regeln & mit Spekulation zu den Gründen eines Suizids. Bei der Autorin überrascht es mich nicht. Aber wer hat das durchgewunken?" Gegen die Vorwürfe wehrt sich Funk mit einer Instagram-
Story: "Wenn der Kaffeesatz von Twitter insinuiert, ich habe insinuiert, dann insinuiere ich jetzt mal, dass man sich offensichtlich nicht
mit den Kernthemen des Textes auseinandersetzen möchte. Ginge es im Text um die Frage, 'wer Helen auf dem Gewissen hat', dann würde der Titel 'Wolff im Schafspelz' lauten, nicht 'Der Beste aller Juden'."