Die
Intensivstationen sind bekanntlich überlastet, auch weil Pflegepersonal den Druck nicht mehr aushielt und kündigte. Manuela Heim und Felix Lee
erklären in der
taz nochmal, nach welchen Kriterien in der "
Triage", die in der Katastrophenmedizien stets praktiziert wird, entschieden wird. Nach heftiger Diskussion sei klargestellt worden, dass der
Impfstatus dabei keine Rolle spielen dürfe. Das heißt aber nicht, dass es nicht schon
längst Bevorzugte gibt: "Der Direktor der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln, Michael Hallek, berichtet von Verzögerungen lebensrettender Versorgungen, etwa wenn man eine Stunde lang für einen Patienten während eines Herzinfarkts ein freies Intensivbett suche. 'Das ist das, was ich
bewusst weiche Triage nenne', so Heller. Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Stefan Kluge, bezeichnet es als '
latente Triage', wenn spezialisierte Krankenhäuser in den besonders betroffenen Bundesländern Menschen mit Schlaganfall oder akuter Leukämie nicht aufnehmen können."
Die Szene der
Impfgegner hat sich verändert und zum Teil fragmentiert, ist aber nicht schwächer geworden, schreibt Ronen Steinke in der SZ: "Der Protest ist kleinteiliger geworden, online wie offline. Im Vergleich zum Sommer ist man jetzt stärker
in kleinen Gruppen unterwegs, zersplittert. Von den großen '
Querdenken'-Gruppen sind viele Protestler enttäuscht, auch weil deren Chefs inzwischen teils in Tansania in der Sonne sitzen, anstatt zu beantworten, wohin
Spendengelder verschwunden sind. Mit dem Wegfallen von 'Querdenken' fehlt der große überregionale Träger, der zumindest zum Schein versucht hat, sich von
Rechtsextremen fernzuhalten."
Dass die Polizei in den Neuen Ländern
Rechtsextreme, die teilweise vor den
Privathäusern von Politikerinnen demonstrieren, eher gewähren lässt, während sie Gegendemonstranten verfolgt,
liegt für den
taz-Autor Daniel Schulz in der
DDR-Tradition: "Im Zweifel erscheint das als fremd gelesene, das als dekadent empfundene, die Abweichung, das Linke, das Migrantische eher bekämpfenswert als die
angebliche Mitte der Gesellschaft, die sich vielleicht gerade nur verlaufen hat in den Wirren des Lebens. So funktionierten schon die DDR-Behörden. Viele, die für die Proteste mobilisieren und an ihnen teilnehmen, wurden
damals sozialisiert oder kennen entsprechende Geschichten. Die AfD macht mit Slogans wie '
Vollende die Wende' tatsächliche und vermeintliche völkische Elemente der Revolution von 1989 für sich nutzbar."
Ebenfalls in der
taz erzählt Sabine Seifert die Geschichte der
Kinderkurheime, in die bis in die Achtziger Millionen Kinder alleine verschickt wurden - für viele eine äußerst traumatische Erinnerung. Seifert hat unter anderem mit Gundula Oertel gesprochen, die die Aufarbeitung angestoßen hat. "Viele Verschickungskinder berichten, dass sie gezwungen wurden, ihren Familien Postkarten mit
positiven Nachrichten zu schicken. 'Wir waren eingekerkert in einem System, das
von außen nicht zu sehen war', sagt Oertel. Das Prinzip der
totalen Institution, nennt es die Sozialforschung, die den Begriff für Gefängnisse und Psychiatrien erfand, der aber auch auf Heime zutrifft."