Abtreibung ist in den meisten Ländern ein Streitthema, schreiben Karoline Meta Beisel und Oliver Meiler in der
SZ. In Mexiko wurde gerade liberalisiert, in vielen katholischen Ländern macht aber die Kirche ihren Einfluss noch geltend. Ideologische Gegenbewegungen sind stärker geworden. Säkularisierung hilft, erläutert die im Artikel befragte Gesundheitswissenschaftlerin
Daphne Hahn: "Es sei ein Trugschluss zu denken, dass
strengere Abtreibungsgesetze automatisch zu weniger Abtreibungen führten. Oft sei das Gegenteil richtig: 'In Ländern mit liberaleren Gesetzen zum Schwangerschaftsabbruch gibt es in aller Regel auch leichteren Zugang zu Verhütungsmitteln und bessere Bildungsangebote in der Schule', sagt Hahn - was es für Frauen auch erleichtere, mit einem Sexualpartner überhaupt
offen über Verhütung zu sprechen und ungewollte Schwangerschaften von vornherein zu verhindern.'"
Auch die
taz berichtet zum Thema Abtreibung. In Chile ist ein Gesetz zur Liberalisierung gerade im Parlament gescheitert,
schreibt Jürgen Vogt: "Pikanterweise stimmten dabei nicht nur fünf Abgeordnete der oppositionellen
Mitte-links-Koalition gemeinsam mit den Abgeordneten der rechten Regierungsallianz gegen das Gesetz. Einige Abgeordnete der Opposition
erschienen erst gar nicht, darunter der linke Präsidentschaftskandidat Gabriel Boric." Und in Mississippi soll das bisherige Abtreibungsrecht gekippt werden,
berichtet Dorothea Hahn: "In dem Bundesstaat, einem der ärmsten Gebiete der USA, gibt es nur eine einzige Klinik, an der Frauen noch eine Abtreibung bekommen können. Vor den Toren dieses rosafarbenen Hauses müssen Patientinnen durch ein
Spalier von AbtreibungsgegnerInnen gehen, die sie mit Bibeln et cetera behelligen."
Wie Abtreibung zu einem Symbolthema für
nationale Erweckung umfunktioniert wird, zeigt das Beispiel Polen, über das Karolina Wigura in
Zeit online schreibt. Schon nach dem Mauerfall wurde das Thema populistisch manipuliert: "Polen hatte schon 1993 das Abtreibungsgesetz verschärft. Diese als 'Abtreibungskompromiss' bezeichnete Regelung war eine der strengsten innerhalb der EU. Die öffentliche Meinung hatte zwar Anfang der Neunzigerjahre
die Beibehaltung der liberalen postkommunistischen Abtreibungsgesetze befürwortet, aber Politiker hatten sich der Macht der
katholischen Kirche gebeugt und das Gesetz ohne Rückgriff auf ein Referendum verschärft."
Im März soll eventuell eine
Impfpflicht in Kraft treten, der Bundestag wird darüber ohne sogenannten Fraktionszwang abstimmen, erläutert ein
SZ-Team: "Die zeitliche Perspektive ist so gewählt, dass auch Menschen, die bislang nicht geimpft sind, bis zum Inkrafttreten der Impfpflicht
ausreichend Zeit hätten, mit zwei Teilimpfungen einen gültigen Impfschutz aufzubauen. Teil der Impfpflicht könnte auch die Wahrnehmung von
Auffrischungsterminen sein. Der Status 'geimpft' wäre folglich
befristet, die Impfzertifikate würden zum Beispiel nach sechs Monaten ihre Gültigkeit verlieren."
"Eine allgemeine Impfpflicht ist schlicht
verfassungswidrig", schreibt der mit der Anthroposophie verbundene
Otto Schily in der
Welt: Sie "wird die schon jetzt erkennbaren
Spaltungstendenzen in der Gesellschaft auf hochgefährliche Weise verstärken bis hin zu
Gewaltausbrüchen. Das ist nicht zu verantworten. Mit Recht wird von denen, die in der Politik noch einen kühlen Kopf bewahren, vor allem die Frage gestellt, wie eigentlich eine allgemeine Impfpflicht durchgesetzt werden soll? Will man etwa den wahnsinnig gewordenen Juristen folgen, die allen Ernstes Freiheitsstrafen für Impfunwillige für gerechtfertigt halten?" International wäre eine solche Impflicht ein "
deutscher Sonderweg, der bisher nur im ebenfalls konfus regierten Österreich eingeführt werden soll", sekundiert Frank Lübberding im
Welt-Feuilleton.
"
Triage" - ein Begriff der utilitaristischen Ethik - ist "in erster Linie ein
Scheitern", sagt im
SZ-Gespräch mit Nils Minkmar die französische Philosophin
Cynthia Fleury: "Unser Zugang zu Ressourcen wird immer komplizierter und ungerechter, wir können eine umfassende Versorgung nicht mehr einfach voraussetzen, sondern müssen Prioritäten setzen. Dies wird dazu führen, dass unsere Krankenhäuser und Notfalldienste, aber nicht nur diese, sondern
auch andere Institutionen der Versorgung, sogar der Bildung, zunehmend
herabgestuft werden. Folglich müssen wir heute schon
Kulturen der Resilienz ausbilden. Dabei sollten wir uns auf die Werte der Solidarität stützen, denn nur diese sind agil, schnell und können mit dem Unbekannten und der Ungewissheit umgehen. Der gewohnte Rationalismus des Managements funktioniert leider nur im Normalbetrieb, wenn alles bestens bekannt und abgesteckt ist."
Außerdem: In der
NZZ rauft sich Katja Müller die Haare nach der Lektüre von
Robert F.
Kennedys Buch "The Real Anthony Fauci. Bill Gates, Big Pharma, and the Global War on Democracy and Public Health", in dem Kennedy
Verschwörungstheorien verbreitet und das bei Amazon an der Spitze der
Bestsellerliste steht: "Auf 480 Seiten beschreibt Kennedy, ein prominenter
Impfgegner, wie Anthony Fauci, der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, mit Bill Gates und den Pharmafirmen unter einer Decke stecken soll. Sie würden ein '
mächtiges Impfkartell' führen, das die Pandemie verlängere und deren tödlichen Auswirkungen übertreibe, um teure Impfungen zu propagieren."