Die Sprachregler aus der
modischen Linken haben im Moment wenig zu melden - auf den jüngsten Konflikt trifft ihr gesamtes Koordinatensystem nicht zu. Untergründig gehen die Debatten weiter. Der klassisch linke und gegenüber dem modischen Antirassismus kritische
John McWhorter schreibt heute in seiner
New-York-Times-Kolumne just über die Frage, die wir im
Perlentaucher angesprochen hatten. Wir hatten
uns gewundert, dass McWhorter in der
deutschen Ausgabe seines Buchs "Die Erwählten - Wie der neue Antirassismus die Gesellschaft spaltet" dem antirassistischen Sprachgebrauch folgt, das
Wort "
schwarz" in Kombination wie "schwarze Menschen" stets groß zu schreiben. Der Hoffmann-und-Campe-Verlag hatte geantwortet, dass man in der deutschen Ausgabe nur seine englische Praxis übernehme.
McWhorter schreibt heute in der
New York Times: "Viele Menschen, die meine häufig geäußerte Skepsis gegenüber dem 'Woke'-Vokabular und den 'Woke'-Rezepten für den Sprachgebrauch bemerken, fragen mich,
warum ich '
Schwarz'
groß schreibe, wenn ich über schwarze Amerikaner schreibe. Die Wahrheit ist: Ich
tue es nicht. Der Hausregeln der
New York Times, sowohl auf der Nachrichtenseite als auch auf der Meinungsseite,
verlangen dies, und so liest es sich auch, wenn dieser Newsletter erscheint. Aber in den Texten, die ich einschicke, wird 'schwarz' mit einem kleinen 's' geschrieben." McWhorter legt in der Folge dar, warum er das große S zwar
nicht falsch, aber auch nicht nützlich findet.
Die Schriftstellerin
Pieke Biermann hat McWhorter übrigens direkt gefragt, wie das mit seiner deutschen Ausgabe sei. Er hat ihr per Mail geantwortet: "Sie wollten es so. Sie fragten mich, und ich sagte, dass es mir
nicht so wahnsinnig wichtig sei."
Außerdem: In der
taz erinnert Micha Brumlik an die Rolle des reaktionären Philosophen
Alexander Dugin für Putins aggressiven Nationalismus - auch im Westen hat Dugin in der extremen Rechten Bewunderer. In der
Welt interviewt Mara Delius die Oxforder Philosophin
Amia Srinivasan zu
ihrem Buch "Das Recht auf Sex - Feminismus im 21. Jahrhundert".