9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1332 Presseschau-Absätze - Seite 61 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2018 - Internet

Google täte gut daran, nicht nach China zurückzukehren, meint Xifan Yang in der Zeit: "Peking zensiert heute deutlich schärfer als vor acht Jahren. Kein westlicher Konzern hat bisher etwas dagegen ausrichten können und wird es auch in absehbarer Zeit nicht schaffen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass nicht der chinesische Staat sich unter dem Druck des Silicon Valley wandelt, sondern das Silicon Valley unter Druck des chinesischen Staates. Wenn nun auch Google umfällt, bedeutet das einen weiteren Rückschlag für das freie Internet in einer Zeit, in der es ohnehin weltweit in Bedrängnis gerät."
Stichwörter: Google, China, Silicon Valley

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.08.2018 - Internet

Angela Merkel gründet einen zehnköpfigen "Digitalrat", weil auch sie die Dynamik der Digitalisierung nicht mehr ignorieren kann. Ingo Dachwitz sieht sich die Liste der vier Expertinnen und sechs Experten für Netzpolitik an und ist enttäuscht, dass zwar Wissenschaftler und Wirtschaftlsleute dabei sind, aber niemand, der die Idee eines offenen Internets vertritt: "Zwar hatte Kanzleramtsminister Helge Braun bereits angekündigt, dass bei der Besetzung des Beratungskreises auf den üblichen Proporz verzichtet werden solle. Dass dies nun dazu führt, dass dezidiert zivilgesellschaftliche Perspektiven komplett unter den Tisch fallen, ist aber doch enttäuschend. Angela Merkel bleibt sich und ihrem auf Wirtschafts- und Sicherheitsinteressieren beschränktem Digitalisierungsverständnis damit jedoch treu."

Facebook will laut eines Berichtes in der Washington Post künftig die "Glaubwürdigkeit" seiner Nutzer bewerten, indem es ihnen eine Punktezahl für die eigene Reputation zuordnet, schreibt Tanja Banner in der FR: "Welche Kriterien Facebook anlegt, um den 'Glaubwürdigkeits-Wert' eines Nutzers zu ermitteln, ob jedem Nutzer ein solcher Wert zugeordnet wird und an welchen Stellen der Wert sonst noch genutzt wird - das alles ist unklar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2018 - Internet

"Daten-Titanen" wie Facebook, die Daten einsammeln, ohne dafür zu bezahlen, betreiben nichts anderes als "Technofeudalismus", sagt der Microsoft-Forscher Glen Weyl im online nachgereichten Zeit-Gespräch mit Uwe Jean Heuser. Wir arbeiten für deren Daten, meint er und ruft "Datenarbeiter aller Länder, vereinigt euch!" Denn: "'Wir geben unsere Arbeit nur für einen bestimmten Zeitraum ab, und wir verkaufen nicht unsere ganzen Körper. Entsprechend sollten wir vielleicht einige Verwertungen unserer Daten auf Zeit anbieten - aber nicht die Daten selbst für immer und zu jeder Verwendung.' Das gelte es durchzusetzen, ähnlich wie es früher die Arbeiterbewegung tat. So wie sie Leibeigene befreit, höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen erkämpft habe, gehe es um einen höheren Datenpreis und gleichzeitig um mehr Datenschutz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2018 - Internet

In der SZ fordert der IT-Experte Nikolas Guggenberger eine Umweltsteuer und eine Art Emissionshandel für Facebook, Google und Co., um die kommerzielle Verwertung von Aufmerksamkeit zu begrenzen. Denn: "Mit der individuellen Aufmerksamkeit ist auch die kollektive Aufmerksamkeit begrenzt. Ohne ein Mindestmaß frei verfügbarer kollektiver Aufmerksamkeit funktioniert die demokratische Gesellschaft wiederum nicht. Die kollektive Aufmerksamkeit ist dabei Gegenstand der Tragik der Allmende: Weil die Aufmerksamkeit frei beziehungsweise zu günstig verfügbar ist, droht sie ausgeplündert zu werden, bis nichts mehr da ist und das demokratische System kollabiert. Die unregulierte Möglichkeit kommerzieller Aufmerksamkeitsausbeutung bedroht den nachhaltigen Aufmerksamkeitsbestand und schafft ökonomische Anreize zur Polarisierung der Gesellschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2018 - Internet

Auf netzpolitik.org widerspricht Franz von Weizsäcker einigen verbreiteten Meinungen in Sachen Blockchain, etwa dass es dasselbe sei wie Bitcoin. Oder dass Blockchain eine Ideologie sei: "Ein Meinungsartikel von Michael Seemann in der taz beschreibt die Blockchain-Technologie als eine Ideologie. Und da hat Michael Seeman auch ein kleines bisschen Recht. Auf den zahlreichen Blockchain-Konferenzen kann dieser Eindruck entstehen, denn dort findet man Evangelisten, Liberalisten, Showmaster und Visionäre, die in der Community einen regelrechten Guru-Status erlangt haben. Aber anders als in einer Sekte ist das Spektrum der Meinungen sehr vielfältig. Wenn man eine Gemeinsamkeit in der Ideologie erkennen möchte, dann fällt mir dazu am ehesten dieser Punkt aus der Hacker-Ethik ein: 'Misstraue Autoritäten, fördere Dezentralisierung'."

Der Urheberrechtslobbyist und Blogger Volker Rieck ärgert sich in der FAZ nicht nur über die griffigen Schlagworte, mit denen die Gegner der neuen EU-Richtlinie "Linksteuer" und "Uploadfilter" belegt haben, sondern auch über die Methoden, mit denen amerikanische Internetkonzerne im Verbund mit NGOs wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) agiert haben: "In der Woche vor der Abstimmung wurden die Mail-Postfächer der EU-Abgeordneten nämlich mit automatisch generierten Mails überflutet. Einige EU-Abgeordnete berichteten von zirka 60.000 Mails, die sie erreicht haben. Insgesamt sollen sechs Millionen Mails auf diese Weise an die EU-Abgeordneten geschickt worden sein. Man vergleiche das mit dem Grüppchen Demonstranten in Berlin. Fast alle Mails waren inhaltsgleich, vorformuliert und vorformatiert, etliche mehrfach vom selben Absender, viel soll ja viel helfen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.08.2018 - Internet

Google plant unter dem Codewort "Dragonfly" den Wiedereintritt in den chinesischen Markt und bereitet dafür die intelligente Zensur von Suchanfragen vor, hat das Internetmagazin The Intercept herausgefunden (unsere Resümees). Das Projekt war geheim. Aber nun zirkuliert ein von tausend Mitarbeitern unterschriebener offener Brief gegen das Projekt, berichtet Ryan Gallagher bei The Intercept. Das Projekt verstoße gegen Googles ethischen Code für Künstliche Intelligenz, der besage, dass KI nicht gegen Prinzipien des Rechts und der Menschenrechte verstoßen dürfe, schreiben die Autorinnen: "Dass die Entscheidung, Dragonfly zu bauen, heimlich getroffen und trotz der Prinzipien zur künstlichen Intelligenz vorangetrieben wurde, macht deutlich, dass die Prinzipien allein nicht ausreichen. Wir brauchen dringend mehr Transparenz, einen Sitz am Tisch und die Verpflichtung zu klaren und offenen Prozessen: Wir Google-Mitarbeiter müssen wissen, was wir bauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2018 - Internet

Facebook gibt endlich "Dark Ads" frei, die im Rahmen der Brexit-Kampagne geschaltet wurden, berichtet Jannik Mertens in Netzpolitik. Bei Dark Ads handelt es sich um Anzeigen, die an ausgewählte Nutzer adressiert und die von der allgemeinen Öffentlichkeit darum schwer zu greifen sind: "Was auffällt, ist der klare Themenfokus der Leave-Kampagnen: Die offengelegten Werbeanzeigen beschäftigten sich vor allem mit dem Thema Migration, welches von den Initiatoren der Kampagnen gezielt bedient wurde. Dies bestätigte auch Arron Banks vor dem britischen Untersuchungsausschuss. Der Millionär zahlte der Brexit-Kampagne 8,4 Millionen Pfund - angeblich aus seinem Privatvermögen, obwohl er dies bis heute nicht glaubhaft darlegen konnte." (Arron Banks war neulich auch wegen seiner intensiven Kontakte zu Russland im Gespräch, unser Resümee).

Facebook-Werbung der Leave-Kampagne.



Intensiver hatte vor einigen Tagen schon Cristina Helberg bei correctiv.org über die Brexit-Dark Ads berichtet, auch darüber, wie ungern Facebook mit dem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments zusammenarbeitete: "Speziell über die mögliche russische Einmischung habe Facebook bewusst Informationen zurückgehalten. 'Immer wieder hat Facebook bis hin zur Verschleierung vermieden, unsere schriftlichen und mündlichen Fragen zu beantworten', schreiben die Abgeordneten." Hier der Bericht des Untersuchungsausschusses als pdf-Dokument.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2018 - Internet

Nutzen Sie RSS-Feed!, ruft Simon Hurtz bei sueddeutsche.de, erklärt noch einmal geduldig, warum es eine gute Ergänzung zu Facebook ist, wenn man sich den Feed von Medien und Bloggern in Feedreadern selbst zusammenstellt (ganz einfach!) Und er glaubt an die Zukunft von RSS, das gewissermaßen ein Kommunikationsstandard im Netz ist. Dass Mozilla den eingebauten RSS-Reader in Firefox abgeschafft hat, ist für ihn darum keine Katastrophe. Keiner seine Freunde habe dieses Angebot je genutzt: "Stattdessen verwenden sie spezialisierte Dienste wie Feedly, Inoreader oder The Old Reader, die eigene Apps und Webseiten dafür anbieten. Im Frühjahr stellte die Wired die drei Unternehmen vor und sprach mit den Gründern. Uns geht es prächtig, sagten sie, wir wachsen. "
Stichwörter: RSS

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2018 - Internet

Google scheint einen Wiedereintritt in den chinesischen Markt vorzubereiten und bereitet sich technolgisch auf die Erfüllung der Zensurbestimmungen vor (unsere Resümees). Ryan Gallagher, der dies Thema in The Intercept aufgebracht hat, unterhält sich mit dem ehemaligen Free-Speech-Beauftragen von Google für die Region, Lokman Tsui: "'In den letzten Jahren hat sich die Lage in China so stark verschlechtert - man kann da nicht hingehen, ohne sich selbst zu gefährden', sagt Tsui. Eine zensierte Suchmaschine in diesem Land zu starten, 'wäre ein moralischer Sieg für Peking. Peking hat nichts zu verlieren. Wenn Google also zurückgehen will, dann unter den Bedingungen, die Peking für sie festlegen würde. Ich kann nicht sehen, wie Google hier einen Deal finden soll, der positiv wäre.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2018 - Internet

The Intercept hat neulich enthüllt, dass Google zurückwill auf den chinesischen Markt und sich darum vorbereitet, zensierte Suchergebnisse zu liefern (unser Resümee). Ryan Gallagher liefert nun neue Details, wie Google das macht. Es nutzt die Site 265.com, die letzte verbliebene kleine Site des Konzerns, die nicht selbst als Suche funktioniert, sondern Suchanfragen an die chinesische Site Baidu weiterleitet. Diese Anfragen wurden offenbar nach Brenzligkeit sortiert: "Man stellte so eine Liste von Tausenden verbotenen Websites zusammen, und integrierte diese Information in eine zenseirte Version der Google-Suche, die die Ergebnisse dann automatisch manipulierte und verbotene Seiten von den ersten Ergebnisseiten entfernte."