Google wird zwanzig und immer noch ein bisschen unheimlicher. Abgesehen davon, dass die (übrigens immer weniger überzeugende)
Suche dominiert, dass Google bei
Karten vorne liegt und mit
Android 90 Prozent des Handymarktes beherrscht, greift der Konzern nun auch auf den Rest der Welt über,
schreibt Markus Beckedahl bei
Netzpolitik. Aber die Nutzer haben es zumindest teilweise selbst in der Hand und können auf Alternativen zugreifen: "Für datenschutzfreundlichere e-Mail-Provider nimmt man
statt Google-Mail und GMail lieber Anbieter wie
Posteo oder
Mailbox. Die kosten zwar etwas, dafür bekommt man
besseren Service und vor allem mehr Privatsphäre. Wer sich mit IT auskennt, nutzt offene Android-Alternativen wie
Lineage OS. Die kosten zwar
mehr Arbeit, schicken aber deutlich weniger Daten an Google. Für
Kartenmaterial bietet sich die offene Community
OpenStreetMap an. Und für Alternativen zum Chrome-Browser empfehlen wir wahlweise
Firefox oder die offene
Chromium-Alternative."
Im
Freitag plädiert Matthias Becker für eine
Digitalsteuer, um den Internetkonzernen wenigstens etwas von ihren monströsen Gewinnen abzuknöpfen, und für die Schaffung
offener Schnittstellen: "Dann hätten die Nutzer die Auswahl zwischen verschiedenen Netzwerken - so, wie es auch bei den Telefongesellschaften der Fall ist. Eine Nachricht ließe sich dann von Whatsapp zu Signal schicken und von dort zu Telegram weiterleiten. Das Schlagwort dafür lautet '
Interoperabilität'. Bundesjustizministerin Katarina Barley schloss sich kürzlich jener Forderung an. Allerdings hat die Bundesregierung bisher keine konkreten Schritte in diese Richtung unternommen. Immerhin wird der sogenannte 'European Electronic Communications Code' aller Voraussicht nach Ende 2018 in Kraft treten. Dann können Regierungen Anbieter zu offenen Schnittstellen verpflichten - sofern sie wollen."
Laut einer
Kurzmeldung von
Spon hat die Bundesregierung die Idee einer Digitalsteuer allerdings schon wieder
aufgegeben: "Die Bundesregierung fürchtet, dass mit dieser Argumentation
auch deutsche Unternehmen im Ausland stärker besteuert werden könnten - etwa Autokonzerne, wenn sie Fahrzeuge in China und Indien verkaufen."
Gegen
Facebook ist Google immer noch harmlos! Fast schon
apokalyptisch liest sich, was die
Buzzfeed-Reporterin Davey Alba über
Facebook in den Philippinen schreibt: Rodrigo Dutertes Macht basiert geradezu auf diesem Instrument, mit dem er auch die Oppositionspolitikerin
Leila de Lima, die jetzt seit einem Jahr im Gefängnis sitzt, zerstörte: "Die jüngste Zerknirschung über die monopolistische Macht von Facebook in den USA, ist nichts gegenüber dem Zugriff der Mega-Plattform auf die Philippinen. Dank einer social-media-gierigen Bevölkerung und einem durch Facebook
stark subventionierten Internetzugang hat Facebook das Land vollkommen überschwemmt. Und da der Zugang zu anderen Daten über News-Seiten oder einen mobilen Web-Browser teuer ist, geht der
einzige Weg in die Online-Welt für die meisten Filipinos über Facebook."
In der
NZZ plädiert der Wirtschaftsrechtler Marc Amstutz für die Schaffung eines "
Rechtsinstitut des Dateneigentums": "Digitalnetze als zivilgesellschaftliche Handlungsfelder werden so der totalitären Datenaneignungsstrategie namentlich der Big Five (Google u. a.) entzogen und in die Gestaltungszuständigkeit der dateneigentumsrechtlich berechtigten User übergeführt. Das bisher rechtsfreie Web würde mit der Einführung von Dateneigentum seinen zweiten evolutionären Schub erfahren (der erste war die Revolution der digitalen Netz-Vernetzungstechnologien)."
Auf
sueddeutsche.de geißelt Helmut Martin-Jung die
Datensammelei der Konzerne. Ja, wenn es wenigstens der
deutsche Staat wäre, der sammelt: Der, meint er, "sollte sein Möglichstes tun, damit sichere
europäische Datenpools entstehen. Die kämen dann nicht nur einem einzigen, sondern vielen Unternehmen zugute. Und damit auch der Allgemeinheit."
Die
Big Five Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft mögen mächtig sein. Aber die
Five Eyes, der Spionageverbund der USA, Großbritanniens, Kanadas, Australiens und Neuseelands ist mächtiger. Laut einem gemeinsamen Statement möchten diese fünf die anderen fünf dazu verpflichten, ihn ihren Verschlüsselungen eine
Hintertür für die Spionagedienste einzubauen,
meldet Patrick Beuth auf
Spon: "Am Ende des Statements fehlt nur noch ein 'andernfalls', aber sinngemäß steht es da: 'Sollten Regierungen weiterhin auf Hindernisse treffen (...), werden wir möglicherweise technische, gesetzgeberische oder
Zwangs-
oder andere Maßnahmen treffen, um solche Lösungen zu bekommen'."
Weitere Artikel: Auf
Zeit online tut Dirk Peitz die Erfindung Googles als eigentlich
gar nicht so innovativ ab und warnt vor der Intransparenz des Konzerns. Im Interview mit
faz.net erinnert sich der deutsche Informatiker
Andreas von Bechtolsheim, warum er die Googlegründer Larry Page und Sergej Brin gleich nach dem ersten Gespräch 1998 finanziell unterstützt hat: Suchmaschinen, sagt er, gab es ja damals schon, "zum Beispiel AltaVista, Infoseek, Excite, Lycos, Namen die heute kaum noch jemand kennt. Das Problem war, dass keine dieser Suchmaschinen richtig funktionierte, weil sie nicht
gute von schlechten Webseiten unterscheiden konnten." Und in der SZ
erinnert Bernd Graff an die
Revolution, die Google vor zwanzig Jahren auslöste.