(via turi2) Google plant in einem radikalen Bruch mit seiner bisherigen Politik eine Such-App in China, die die vom Regime gewünschte politische Zensur einhalten wird, schreibt Ryan Gallagher vom Online-Magazin The Intercept, dem geheime Google-Papiere vorliegen. "Von The Intercept eingesehene Dokumente mit dem Vermerk 'Google confidential' besagen, dass die Such-App von Google Websites die von der 'großen Internetmauer' gesperrt sind, automatisch filtern und blockieren wird. Wenn jemand sucht, werden verbotene Websites von der ersten Suchseite entfernt, statt dessen wird mitgeteilt, dass 'einige Ergebnisse aufgrund gesetzlicher Vorgaben entfernt wurden." Zu den gesperrten Seiten gehören etwa die BBC und die Wikipedia.
Facebook hat mitgeteilt, dass man einige dubiose Seiten geschlossen hat, die im Vorfeld der "Mid-Term"-Wahlen im November bei Reizthemen einfluss nehmen wollten, berichten Nicholas Fandos und Kevin Roose in der New York Times: "Das Unternehmen brachte die Konten nicht direkt mit Russland in Verbindung, aber Facebook-Sprecher sagten, dass einige der von den Seiten genutzten Tools und Techniken jenen der Internet Research Agency ähnelten, also der mit dem Kreml verbundenen Agentur, die im Zentrum der Anklage wegen Wahlbeeinflussung im Jahr 20156 stand."
Gestern hat der Bundesgerichtshof zwar in einem Urteil bestätigt, dass die Abschaffung der "Störerhaftung" rechtens ist, so dass Anbieter von freiem WLAN nicht mehr fürchten müssen, wegen Urheberrechtsverletzungen selbst haftbar gemacht zu werden. Aber es bleiben bürokratische Hemmnisse, weil der deutsche Gesetzgeber den Verwerterindustrien zuviele Zugeständnisse gemacht hat, kommentiert Lisa Hegemann in Zeit online: "Natürlich ist der Schutz des Urheberrechts grundsätzlich notwendig und wünschenswert. Allerdings vermeidet man Verstöße dagegen nicht, indem man Sperren verhängt und freies WLAN mit einem Passwort schwieriger zugänglich macht. Wer irgendwo etwas hoch- oder runterladen will, der wird einen Weg finden, ob über ein öffentliches Netz oder ein privates. Zumal sich die Frage stellt, ob die Debatte um illegale Uploads und Downloads nicht ohnehin an der heutigen Realität der meisten Internetnutzerinnen und -nutzer vorbeigeht." Ähnlich kommentiert Simon Rebiger bei Netzpolitik.
Die Facebook-Aktie leidet, weil nach dem Cambridge-Analaytica-Skandal die Zahl der aktiven Miglieder zumindest in Europa zurückgeht, wie etwa Zeit online mit Agenturen berichtet: "In Europa zählte das Netzwerk sogar erstmals weniger Nutzer. Die Zahl der Europäer, die mindestens einmal im Monat aktiv sind fiel von 377 auf 376 Millionen. Die Zahl täglich zurückkehrender Nutzer sank in Europa von 282 auf 279 Millionen."
Rubens, drei Grazien. Prado.Mark Zuckerberg findet zwar Holocaustleugnung auf Facebook akzeptabel (unser Resümee), hat aber ein Problem mit nackten Brüsten. Darum haben Direktoren flämischer Museen einen offenen Brief an Mark Zuckerberg geschrieben, berichtet unter anderem der Tagesspiegel: "Unanständig. Dies ist das Wort für die Brüste, Gesäße und die Cherubims von Peter Paul Rubens. Nicht unser, sondern Ihr Wort. Sie halten die von unseren Künstlern gemalten nackten Brüste für unangebracht. Wir haben festgestellt, dass Facebook Kunstwerke unseres geliebten Peter Paul Rubens konsequent ablehnt. Auch wenn wir heimlich darüber lachen müssen, macht uns Ihre Kulturszene das Leben schwer. Schließlich wollen wir Ihre Plattform nutzen, um für unsere beiden Flämischen Meister zu werben."
Sehr viel liberaler operiert Facebook im Fall des Alex Jones von der rechtsradikalen Seite Infowars, der den FBI-Ermittler Robert Mueller in einem Facebook-Video der Pädophilie beschuldigte und eine Geste des Erschießens machte, berichtet Charlie Warzel bei Buzzfeed: "Als sich Jones' Clip am Montagabend viral verbreitete, wurde er von mehreren Beobachtern als Gewaltdrohung markiert, was einen Verstoß gegen die Regeln von Facebook darstellen würde. Aber am Dienstagmorgen sagte ein Facebook-Sprecher zu Buzzfeed News, dass Jones' Kommentare nicht gegen die Community-Standards des Unternehmens verstoßen, da sie keine glaubwürdige Absichtserklärung sind, Gewalt zu begehen."
Weiße Männer aus Europa und Nordamerika schreiben rund 80 Prozent der Einträge bei Wikipedia, meldet Julia Jaki bei Zeit Online: "Das prägt die Inhalte. So gibt es auf Wikipedia eine Fülle an Informationen zu US-amerikanischen Fernsehserien oder europäischen Kriegen. Artikel beispielsweise über afrikanische Persönlichkeiten in afrikanischen Sprachen sind hingegen spärlich gesät. Wikipedia enthält heute mehr als 46 Millionen Artikel in fast 300 Sprachen. Wären diese paritätisch verteilt, wären in jeder Sprache etwa 150.000 Beiträge verfügbar. Doch das ist nicht der Fall: Allein fünf Millionen Artikel sind auf Englisch verfasst, nur circa 275.000 Beiträge in afrikanischen Sprachen."
Kennt man ja, wieder versehentlich den Holocaust geleugnet, schreibt Paul Schlereth in der FR und erklärt, was es bedeutet, wenn FacebookHolocaust-Leugnung als Meinung und somit als schützenswertes Gut einstuft: "Man darf den Holocaust leugnen, wenn man a) nicht absichtlich völlig durchgeknallt ist und b) nicht zur Gewalt aufruft. Mit der Prämisse a wird so ziemlich jeder denkbare menschenfeindliche und verschwörungstheoretische Gedankengang vertretbar, wenn sich der Absender auf seine geistige Verwirrtheit beruft oder man ihm diese zumindest theoretisch unterstellen kann. Die Prämisse b legt nahe, ein Beitrag müsse ganz konkret zur Vergasung von Minderheiten aufrufen, um gelöscht zu werden. Wenn jemand lediglich leugnet, dass solch eine systematische Vergasung jemals stattgefunden hat, scheint das für Facebook weniger bedenklich als ein nackter Nippel zu sein."
Seit zwölf Monaten ist die gesamte Wikipedia in der Türkei gesperrt. Anlass waren einige Artikel, denen die türkische Regierung propagandistische Verzerrung vorwarf. Diese Artikel sind längst verändert, schreibt Eileen Hershenov von der Wikimedia Foundation bei Netzpolitik: "Die türkische Blockade ist das weitreichendste Verbot Wikipedias durch eine Regierung in der Geschichte des Projektes... Die betroffenen Artikel unterscheiden sich erheblich von den Versionen, die dem Gericht vor mehr als einem Jahr zur Beurteilung vorlagen. Die Artikel wurden den Wikipedia-Standards entsprechend verbessert und enthalten nun zusätzliche Aussagen von verlässlichen türkischen und internationalen Quellen, decken bei Kontroversen unterschiedliche Seiten ab und verwenden eine neutrale Sprache."
Nach dem Tod ihrer 15-jährigen Tochter haben die Eltern als ihre Erben das Recht, ihr Facebook-Konto einzusehen, hat der BGH in einem richtungweisenden Urteil entschieden. Das Mädchen war von einer U-Bahn erfasst worden, die Eltern wollten herausfinden, ob es ein Unfall oder Suizid war, aber Facebook hatte das Konto des Mädchen in den unzugänglichen "Gedenkmodus" versetzt. Marlen Hobrack begrüßt das Urteil in der taz: "Wer online verletzt wird, fühlt sich ganz real getroffen, und so ist es auch ganz nachvollziehbar, dass die ganz real verletzten Eltern eines real verstorbenen Mädchens den digitalen Nachlass der Tochter einsehen möchten. Nicht nur als Hinweisgeber auf mögliche Ursachen für ihren vorzeitigen Tod. Sondern auch als Teil der persönlichen Zeugnisse einer Tochter, die einen Teil ihres Lebens auch online lebte."
Wir produzieren Daten ohne Entlohnung und zahlen noch selbst für die Produktionsmittel, schreibt in der NZZ der Philosoph Maurizio Ferraris und fordert eine Netzsteuer von den Digitalgiganten: "In der Tat steht Europa für eine demografische Größe von rund 500 Millionen Menschen, weltweit die dritte nach China und Indien. Es besitzt also die vertragliche Durchsetzungskraft, die es ihm erlauben würde, den Big Four - Amazon, Apple, Facebook und Google - auf Augenhöhe zu begegnen, um die Einführung einer dokumedialen Steuer durchzusetzen. Die Einnahmen könnten dann nicht etwa in Form von Arbeitslosenunterstützung, sondern als Mobilisierungsgehalt verteilt werden. Dadurch würde unserer täglichen Mobilisierung endlich der Status einer echten Arbeit zuerkannt werden - einer Arbeit, die es vermag, unseren Handlungen Würde zu verleihen."
Die Theorie der Filterblase ist nicht belegbar, schreibt der MedienwissenschaftlerBernhard Pörksen ("Die große Gereiztheit") in der NZZ: "Man kann, frei nach Paul Watzlawick, nicht nicht registrieren, was geschieht, wer sich in den Kommentarspalten über wen aufregt, wer die eigene Position auf Twitter oder Facebook attackiert, die These mit der Antithese durch einen Link verbindet. Ich behaupte: Das Zeitalter der Vernetzung ist das Zeitalter des permanenten Filter-Clash, des Aufeinanderprallens von Parallelöffentlichkeiten und Selbstbestätigungsmilieus. Dies zeigt sich, wenn auf Twitter, dem Nachrichtenkanal für jedermann, in einem einzigen Gesprächsfaden die unterschiedlichsten Positionen sichtbar werden."
Die FAZ hat so gut wie gar nicht über den Streit um die EU-Urheberrechtsreform berichtet. Nachdem das Projekt im EU-Parlament vorerst durchgerasselt ist, tischt nun Christoph Schäfer im Wirtschaftsteil der FAS die fromme Legende auf, dass die Verwerterindustrien identisch seien mit den "Kreativen": "Es geht darum, dass die Urheber mehr Geld für ihre oft teuer erstellten Inhalte erhalten. Während große amerikanische Digitalkonzerne wie Google und Facebook zig Milliarden Dollar verdienen, geht es vielen Buchverlagen, Zeitungshäusern, Musikern und anderen Kreativen bedeutend schlechter. Es wäre gerecht, wenn sie durch die Reform einen größeren Teil der exorbitanten Gewinne der Internetriesen erhalten."
Auf Zeit onlinewarnt Lisa Hegemann die Gegner der Reform: "Noch gibt es aber keinen Grund zum Feiern. Die EU-Urheberrechtsreform ist nur verschoben worden - sie kann immer noch in der Form kommen, in der sie entworfen wurde. Nun können die Fraktionen im EU-Parlament Änderungsvorschläge einbringen, mutmaßlich ab September wird über diese diskutiert werden. Sie könnten den bestehenden Entwurf abmildern, aber auch verschlimmbessern. Die Diskussion ist jetzt erst mal nur neu eröffnet. Bei aller Kritik an dem derzeitigen Entwurf darf man nicht vergessen, dass eine Reform des EU-Urheberrechts überfällig ist."
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