9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.10.2023 - Internet

Aktuell nehmen Cyberangriffe auf Israel zu, sie gehen meist auf bekannte Hackergruppen aus Russland, Iran und anderen islamisch geprägten Staaten zurück, berichten die Informatiker Haya Shulman und Michael Waidner in der FAZ: "Beispielsweise drangen vermeintliche Hamas-Terroristen in über den Dienst Zoom gehaltene Schulstunden ein und terrorisierten die Schüler. Häufig beobachtet wurden sogenannte Phishing-Angriffe mittels gefälschter oder gekaperter Websites. Hacker setzten etwa eine Internetseite auf, die täuschend ähnlich aussieht und einen ähnlichen Link (URL) besitzt wie die Seite, von der Nutzer die israelische Gefahrenwarn-App herunterladen können - ein in Israel angesichts der vielen Raketenangriffe und Terrorakte mitunter lebensrettendes Werkzeug. Die gefälschte Website verteilte wiederum Schadsoftware. Auch Privatpersonen und Haushalte werden direkt attackiert, so gab es eine Reihe erfolgreicher Angriffe gegen Smarthome-Systeme in Wohnungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2023 - Internet

KI muss nicht allein in den Händen der großen Konzerne bleiben, Open Source könnte die Lösung sein, die Macht auf ganz viele Nutzer zu verteilen ist sich Mozilla-Chefin Mitchell Baker im Interview mit der taz sicher: "KI-Anwendungen lassen sich so ressourcensparend designen, dass sie auf einem Notebook oder sogar lokal auf dem Smartphone laufen. Das ist nicht nur ökologischer, es ermöglicht auch eine ganz andere Art der Nutzung von KI. ... Anwendungen wie ChatGPT, die gerade gehypt werden, haben ein ganz großes Privatsphäreproblem. Denn sie beruhen darauf, dass sie mit großen Datenmengen, in dem Fall Textmengen, trainiert werden. Sie nutzen also alles, was im Internet steht: meine Gedanken, die ich in einem Blog oder auf Social Media formuliert habe, mein geistiges Eigentum, wenn ich vielleicht Autorin bin, meine Kreativität. Und das alles ohne mein Einverständnis, ja, ohne, dass ich auch nur davon weiß. Habe ich jetzt aber ein KI-Modell, das so klein ist, dass es auf meinem Smartphone laufen kann, dann kann ich es selbst trainieren, mit meinen eigenen Daten. Das würde übrigens auch die Machtverhältnisse entscheidend ändern. Denn warum sollte ich dann noch meine Daten in die Hände eines Konzerns legen, der daraus eine Anwendung macht, an der nur er selbst verdient?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.10.2023 - Internet

Die Wissenschaftlerin Monika Hübscher weist in der taz auf die verhängnisvolle Rolle sozialer Medien bei der Verbreitung von Videos und Fotos durch die Hamas hin, die von den Terroristen gezielt dort platziert werden: "Algorithmen in den sozialen Medien verbreiten vor allem Inhalte weiter, die hohes Engagement durch Likes, Kommentare und Shares aufweisen. Mehrfach haben Studien gezeigt, dass vor allem gewaltvolle Inhalte in den sozialen Medien viel Aufmerksamkeit bekommen. Daher kann man davon ausgehen, dass die gewaltvollen Propaganda-Videos der Hamas eine besonders hohe Reichweite erzielen. Von dieser Reichweite profitieren Social-Media-Unternehmen - und damit davon, der Hamas eine Plattform zu geben. Das sieht man beispielsweise daran, dass im Feed bei X zwischen den grausamen Fotos und Videos Werbeanzeigen für Mode- und Kosmetikmarken erscheinen. Womit die Aufmerksamkeit erzeugt wird, ist dem Algorithmus nicht wichtig, er soll den Werbekunden nur möglichst viele Views garantieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.10.2023 - Internet

Hannes Stein fragt sich in der Welt, ob der neue Twitter-Eigner Elon Musk einem rechtsextemen und antisemitischen Drehbuch folgt: "Er hat die Accounts von bekannten amerikanischen Neonazis reaktiviert, judenfeindliche Memes verbreitet, Linksliberale daran gehindert, sich zu äußern, und zur Treibjagd auf einzelne Accounts aufgefordert, die ihm lästig wurden; natürlich hat er sich auch (ein Klassiker des Antisemitismus!) als Opfer der Juden dargestellt. Derzeit ruft er massiv dazu auf, die 'Anti-Defamation League' zu verbieten. (...) Kurz und schlecht, Musk erinnert immer mehr an Henry Ford, den genialen Autobauer, der die 'Protokolle der Weisen von Zion' - eine perfide antisemitische Fälschung - in Amerika importierte."
Stichwörter: Twitter, Musk, Elon

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.10.2023 - Internet

Die Plattform Bluesky könnte zum Twitter-Ersatz werden, verhält sich im Moment aber immer noch wie ein elitärer Club (unser Resümee). Andrian Kreye wirft in der SZ einen genaueren Blick auf den Bluesky-Chef. Der heißt Jack Dorsey, seines Zeichens ehemaliger Chef von Twitter und vertritt nicht die gleichen Ideen wie Elon Musk, nutzt nicht seine Plattform zur Verbreitung seiner kruden Ideen. Oder? "Es wäre natürlich ein hübsches Happy End, wenn man da nun einfach rüber- und besten Gewissens auf Bluesky weitermachen könnte." Dorsey investiert allerdings, ähnlich wie Musk, in eine Blockchain-Technologie, die eine dezentrale Währung, unabhängig von Banken zum Ziel hat. "Das ist im Kern eine klassenkämpferische, antikapitalistische Grundhaltung, wären ihre Protagonisten nicht so beinharte Unternehmer (...). Die haben dann weniger das Allgemeinwohl im Sinne." Außerdem unterstützt Dorsey offen den Impfgegner und demokratischen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy Jr., ist also doch nur Elon Musk in still, glaubt Kreye.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.10.2023 - Internet

Die sozialen Medien werden häufig als Hort der Polarisierung bezeichnet, was dabei übersehen wird, dass sie zum großen Teil auch Horte des Schulterklopfens unter Gleichgesinnten sind. Die wanderten nach der Twitter-Übernahme durch den immer krasseren Elon Musk im letzten Jahr zu Mastodon ab, wo sich die linke Blase nun mit sich selbst langweilt. Bluesky ist nun aber in aller Munde als eine wirklich mögliche Alternative zu Twitter, berichtet unter anderem Gereon Asmuth in der taz. Vorerst scheint es aber auch hier noch zuzugehen wie in einem alternativen Café: "Das Fehlen der rechten Trolle liegt auch an der exklusiven Zugangsregel, die Bluesky noch vorhält. Rein kommt man erst nach wochenlanger Wartezeit - oder waren es gar Monate? Oder wenn man einen Einladungscode hat. Den dürfen Schon-User an ihnen genehme andere in kleine Dosen weitergeben. Kritikern gilt Bluesky daher als elitärer Club. Die Firma will mit der Zugangsbeschränkung nicht nur einen organischen Aufbau sichern, sondern Spammer und 'Bad User', die versuchen, die öffentliche Meinung zu manipulieren, raushalten. Also Musk. Trump. AfD-Trolle. Putin-Spam."

Für ZeitOnline unterhält sich Maja Beckers mit dem Kulturwissenschaftler Vladimir Alexeev, der durch KI eine "neue Kulturepoche" anbrechen sieht. Er plädiert dafür, das Potenzial für die Kunst zu erkennen: "Im 20. Jahrhundert kamen viele neue Medien dazu, das passiert nun wieder: Es kommen Maschinen zur Anwendung, Algorithmen, Modelle, die extra dafür geschaffen werden. Und die eben auch jenen offenstehen, die früher gesagt hätten: 'Ich bin kein Künstler, denn ich kann nicht malen.'". Außerdem meint er: "KIs sind keine Plagiatoren, (…) weil die Inhalte, mit denen so ein Modell einmal trainiert wurde, nicht mehr da sind. Sie liegen nicht wie ein Stapel Papier in einer Schublade, auf die das Modell dann zugreift. Das Modell verfügt nur noch über semantische Vektoren. Deshalb finde ich auch den Begriff des 'stochastischen Papageis' falsch, der so gern für Sprachmodelle benutzt wird. Denn hier wird nichts nachgeplappert - hinter der Entstehung der Texte steckt weitaus mehr als bloße Wahrscheinlichkeitsberechnung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2023 - Internet

In einer kurzen Mitteilung verkündete der Meta-Konzern die Einstellung des Nachrichten-Angebots "Facebook-News", berichtet Welt-Kritiker Christian Meier. Die Begründung: Die Nutzer interessierten sich nicht für politische Inhalte. Das entspricht wohl auch der Wahrheit, denn der Anteil der Nachrichten-Postings auf der Plattform betrug im Herbst letzten Jahres nur drei Prozent, so Meier. Es lässt sich also zum einen eine "bewusste Entpolitisierung der Plattform" beobachten, meint Meier, damit wird "Facebook (wieder oder wieder mehr) zu einem Ort der privaten Banalitäten, des unverkrampft Persönlichen und der möglichst harmlosen Unterhaltung". Zum anderen sei die "Abschaltung auch im Interesse von Meta, die seit Jahren mit Vorwürfen kämpfen müssen, wie ihre Plattformen für politische Desinformation instrumentalisiert werden kann". Aber, für den Konzern bedeute es auch die Loslösung von Medienunternehmen, mit denen es in der Vergangenheit oft zu juristischen Auseinandersetzungen kam: "Ein früher Höhepunkt war der Start von 'Instant Articles', einem Projekt, bei dem sich komplette Artikel innerhalb der Plattform lesen ließen. Schon dieses Vorhaben brachte den teilnehmenden Medienmarken kaum Vorteile - sondern verschaffte vor allem Facebook eine gesteigerte Verweildauer seiner Nutzer. Gesteigerte Werbeerlöse oder gar digitale Abonnements für Medien ließen sich eher nicht erzielen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.09.2023 - Internet

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In Zeiten von Klimakrise, Pandemie und vor allem dem Fortschreiten künstlicher Intelligenz vermisst die österreichische Philosophin Lisz Hirn in ihrem neuen Essay "Der überschätzte Mensch" das Menschsein neu. Im Welt-Gespräch mit Anna Schneider will sie den allgemeinen Alarmismus angesichts der Entwicklungen von KI nicht teilen: "Was uns fehlt, sind positive Szenarien. Szenarien darüber, wie künstliche Intelligenz unser Leben verbessern könnte, wie wir es zur Weiterentwicklung von Sozialem oder überhaupt des Menschen einsetzen können - jenseits von posthumanistischen Phantasien. (…) Man kann ganz eindeutig sagen, dass die Maschine immer einen Zweck erfüllt. Insofern ist sie nicht wie eine andere Person für mich, sie ist kein Selbstzweck. Die Maschine ist kein Du, sondern ein Es. Das Spannende ist die Frage, wie viel Bedeutung oder wie viel Einfluss dieses Es auf unser Leben hat. Ich glaube, das ist es der Punkt, wo das Unbehagen entsteht. Wenn wir sehen, dass wir stärker auf die Maschine angewiesen sind, dass sie uns kontrolliert, uns auswertet. Aber auch das macht die Maschine ja nicht aus einem Eigeninteresse heraus, dahinter stehen Konzerne und hinter denen stehen wiederum Menschen. Daher knüpft diese Angst eigentlich an der falschen Stelle an."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2023 - Internet

Auf Amazon kann man mittlerweile eine Menge Bücher finden, die von KI verfasst wurden, weiß Adrian Lobe in der NZZ. Professionell gestaltet sind sie, der Inhalt ist allerdings oft höchst fragwürdig, so Lobe. Die Bücher erscheinen oft unter dem Namen von Ghostwritern, deren Profile kompletter Fake sind - mittlerweile bedienen sich die Fälscher aber auch der Namen berühmter Autoren: "Amazon hat einige Fake-Titel entfernt. Doch gegen die Zweckentfremdung ihrer Werke und Namen haben Autoren kaum eine Handhabe. Die amerikanische Autorengewerkschaft Authors Guild und die Buchhändlervereinigung American Booksellers Association haben deshalb die amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC aufgefordert, die Praktiken zu untersuchen. Die Mykologische Gesellschaft in New York schlug Alarm, weil Pseudoratgeber falsche und womöglich tödliche Tipps zum Pilzesammeln geben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.09.2023 - Internet

Dass die sozialen Medien zur Polarisierung der Öffentlichkeit und durch das perfide Wirken der Algorithmen zur Radikalisierung der Nutzer beitragen, ist inzwischen ein Topos in allen soziologischen Analysen. "Genau diese Kaninchenloch-Theorie wird nun von der Studie in Science Advance entkräftet", schreibt Maximilian Probst in der Zeit: "Die Forscher haben dafür Ende 2020 mehrere Monate lang die YouTube-Nutzung von 1181 Personen mit einer eigens installierten Browser-Erweiterung ausgewertet. Das Resultat: Nur sechs Prozent der Teilnehmer hatten Videos mit extremistischen Inhalten gesehen. Ihren Weg zu diesen Videos fanden sie vorwiegend über Links von anderen Websites oder weil sie die entsprechenden Videokanäle gezielt abonniert hatten - also gerade nicht über einen radikalisierenden Empfehlungsalgorithmus. 'In dem von uns beobachteten Zeitraum waren solche Empfehlungen sehr selten und stark auf Personen konzentriert, die bereits Videos von extremistischen Kanälen anschauten', sagt der Studienleiter Brendan Nyhan, der am Dartmouth College Politik lehrt."  Probst zitiert weitere Studien, die die Radikalisierungsthese entkräften.