9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2017 - Internet

(Via turi2) Patrick Kulp stellt in Mashable einen Bericht der Pivotal Research Group vor, wonach inzwischen 70 Prozent jedes Werbedollars im Internet in die Taschen von Google und Facebook fließt - allein in den letzten zwei Jahren schoss der Anteil von 64 Prozent auf den jetzigen Anteil. Die nächsten 15 Prozent gehen an Firmen wie Amazon, Twitter und Snapchat. Und "im Rennen um die letzten 15 Cent geraten die Dinge ein bisschen Durcheinander. Hunderte von Akteuren kämpfen um diese Tranche - von Verlagen wie der New York Times über Buzzfeed, bis zu einer Schurkentruppe von Fake-News-Seiten. Mittendrin Mittelsmänner und Agenturen und Roboter-Verteile und sogar ein paar Mafia-Finsterlinge." Da in diesem Bereich die übelsten und nervendsten Werbemittel kursieren, will Google demnächst einen Adblocker in seinen Browser Chrome einbauen - und seinen Marktanteil so nebenbei noch weiter erhöhen.

Zugleich arbeiten beide Konzerne an einer Kontrolle der Inhalte. Google und Facebook wollen Künstliche Intelligenz, aber auch freiwillige Helfer einsetzen, um etwa Terrorpropaganda zu bekämpfen, heißt es in einem dpa-Ticker (hier im FAZ.Net): "Facebook gab vor wenigen Tagen bekannt, dass selbstlernende Maschinen stärker dafür eingesetzt werden, solche Inhalte gar nicht erst wieder auf die Plattform durchzulassen. Zudem werde an einem Algorithmus gearbeitet, der durch Textanalyse terroristische Propaganda erkennen solle."

Außerdem: Die EU-Kommission wird Heiko Maas Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) wohl keine Steine in den Weg legen, berichtet Hendrik Kafsack in der FAZ.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2017 - Internet

Die Lust der SPD, ins Netz hineinzuregieren, ist einfach allzu groß - da will man sich auch nicht die Kritik des Wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag, des Normenkontrollrats (der die finanziellen Auswirkungen von Gesetzen prüft) und anderer Institutionen zu eigen machen, berichtet Friedhelm Greis in Zeit online mit Blick auf das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG): "Unberührt von anderslautenden Gutachten zeigt sich die Regierung auch mit Blick auf die Vereinbarkeit des Gesetzes mit dem Europarecht. Neben einer Studie im Auftrag des IT-Branchenverbandes Bitkom ist auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gesetz gegen das sogenannte Herkunftslandprinzip verstößt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2017 - Internet

Auf SZ online beschreibt Claus Hulverscheidt die Bildungsinitiative Googles in den USA. Der Konzern liefert dortigen Schulen kostenlose Software und günstige Laptops. Aber was heißt schon kostenlos und günstig: "Kyles Lehrerin Laurie Basloe macht sich keine Illusionen, was hinter dem Großangriff der Kalifornier auf Amerikas Klassenzimmer steckt: 'Money, money, money', sagt sie und grinst. Ihre Begeisterung trüben kann die Erkenntnis nicht. 'Was ich wirklich liebe an diesen Programmen, ist, dass die Kinder und ich in der Schule wie zu Hause jederzeit an Projekten arbeiten und diese spielend leicht miteinander teilen können', sagt Basloe, die vor allem die Textverarbeitung Docs und die Cloud-Speichersoftware Drive nutzt. Im kommenden Schuljahr will sie auch bei der Hardware umsatteln: Die Macbooks von Apple fliegen raus, stattdessen erhalten die Kinder zehn neue Google-Chromebooks." Zum Dank "explodierte" der Google-Marktanteil für Betriebssysteme seit 2012 von knapp einem auf 58 Prozent, so Hulverscheidt.

Außerdem: In der NZZ stellt Adrian Lobe "Plato at the Googleplex" vor, ein Buch der Philosophin Rebecca Newberger Goldstein über ein fiktives Treffen zwischen Platon und Google-Mitarbeitern.
Stichwörter: Google, Lobe, Adrian, Platon, Clouds

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2017 - Internet

Jenna Wortham erklärt in der New York Times das Internet zur großen Klauplattform: "Häufig sind die Verantwortlichen für kulturelle Neuerungen nicht in der Lage, von ihren Erfindungen zu profitieren, weil sie keinen Zugang zu Kapital und Ressourcen haben, keinen Draht nach Hollywood oder zu einer Agentur. Das Internet ist ein Marktplatz, wo Ideen in der Hoffnung angeboten werden, einen Job zu ergattern, aber es ist auch der Ort, wo Scouts nach guten Ideen fahnden und damit eine Dynamik in Gang setzen, die den Mächtigen nützt. Diese Dynamik wird dadurch kompliziert, wie soziale Medien uns ermutigen und dafür belohnen, etwas zur Online-Kultur beizutragen … Likes und Retweets auf Twitter und Tumblr haben zum Beispiel diese Funktion. Forscher wie Nir Eyal und BJ Fogg erklären, wie Apps User angeln und Abhängigkeiten schaffen. Ein User mit Tausenden Followern zu sein, dessen Idee kommerziell verwertet wird, stellt eine unwiderstehliche soziale Währung dar. Die Frage ist nur, ob wir uns mit diesem Arrangement zufrieden geben sollten."

Die Ökonomie des Internets mag verbesserungswürdig sein, aber im nicht-kommerziellen Austausch wirkt es Wunder. Ed Yong erzählt in The Atlantic, wie ein paar Spinnen, die im Büro einer Astronomin von der Decke fallen, zu einem regen Twitter-Austausch zwischen Astronomen und Arachnologen führte. Die Zebraspringspinne, lernen die faszinierten Astronomen, kann nicht nur grün erkennen, wie der Arachnologe Morehouse den Astronominnen Lomax and Levesque erklärte, "their eyes 'are built like… wait for it… Galilean telescopes.' These telescopes, which Galileo started using in 1609, are basically tubes with a lens at each end. Only three groups of animals have similar eyes: falcons, chameleons, and jumping spiders."

Der bekannte Internetenthusiast Jeff Jarvis hat vor einiger Zeit mit einer Menge Geld die "News Integrity Initiative" gegründet, die Strategien gegen das Problem der Fake News sucht. Auch wenn er sagt, dass nicht eigentlich die Fake News, sondern ein verlorenes Vertrauen in die Institutionen das Problem seien, will er Manipulationen bekämpfen. Unter Bezug auf die Studie  "Media Manipulation and Disinformation Online" von Alice Marwick and Rebecca Lewis macht er auf die "paradoxe Falle, in der wir uns befinden", aufmerksam:  "Wenn wir wir sie ansprechen, die Fakten überprüfen, attackieren, dann geben wir ihnen Aufmerksamkeit. Hillary Clinton musste das auf die harte Tour lernen, denn 'als sie böswillige Meldungen angriff, gab sie ihnen Sichtbarkeit und Legitimität. Unabsichtlich zementierte sie deren Bedeutung', sagen Marwick und Lewis. 'Indem sie Medien dazu bringen, bestimmte Stories zu verfolgen, selbst wenn sie sie widerlegen, schaffen es Medienmanipulatoren, die Öffentlichkeit zu beeinflussen.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2017 - Internet

Der Publizist Joachim Steinhöfel zitiert in seinem Blog aus dem Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags über das von Heiko Maas geplante Netwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das scharf ablehnend ausgefallen ist. Schon vor eine Woche war von dem Gutachten (etwa hier) die Rede, das aber offenbar eigentlich noch einer Schutzfrist unterliegt. Aus dem Wortlaut des Gutachtens: "Kritiker sehen aufgrund der festen - insbesondere kurzen - Löschfristen und die hohe Bußgeldandrohung bis zu 5 Mio. Euro bzw. 50 Mio. Euro)…eine Gefahr für die Meinungsfreiheit. Derartige - in vielen Fällen auch existenzbedrohende - Bußgeldandrohungen erhöhten das Risiko, dass Unternehmen ohne sorgfältige vorherige Prüfung und vor allem in Zweifelsfällen auch legale Inhalte entfernten (sog. 'Overblocking')."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.06.2017 - Internet

Das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Justizminister Heiko Maas gegen Hate Speech in sozialen Netzwerken gefährdet die Menschenrechte auf Meinungsfreiheit und Privatsphäre, warnt der UN-Sonderberichterstatter David Kaye in einem offenen Brief, wie Alexandra Hiller auf Netzpolitik berichtet: "Hohe Bußgelder und kurze Deadlines könnten die Unternehmen zu einer Überregulierung der Inhalte antreiben, wodurch mehr gelöscht würde, als nötig. Auch legale Inhalte könnten durch diesen vorauseilenden Gehorsam entfernt werden. Zudem bemängelt der UN-Sonderberichterstatter in seinem offenen Brief die mangelnde juristische Kontrolle und Delegation der Verantwortung zur Löschung an private soziale Netzwerke. 'Ohne juristische Kontrolle ist die Abgabe der Verantwortung für die Löschung von Inhalten Dritter an private Firmen nicht mit den internationalen Menschenrechtsbestimmungen vereinbar.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2017 - Internet

Sascha Lobo beschreibt in seiner Spiegel online-Kolumne, wie Künstliche Intelligenz uns schon bald manipulieren könnte: "Mitte Mai 2017 wird bekannt, dass die Ridesharing-Plattform Uber per KI vorhersagen will, wie viel ein Fahrgast für eine Fahrt maximal bezahlen würde. Dabei werden Daten wie die Tageszeit und die Route berücksichtigt, aber eben auch persönliche Daten des Kunden. Selbst wenn der Kunde das weiß - kann er kaum etwas dagegen tun, wenn er das Produkt nutzen möchte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.06.2017 - Internet

Im Gespräch mit Michael Hesse von der Berliner Zeitung kritisiert Timothy Garton Ash, der gerade den Aachener Karlspreis entgegen genommen hat, Heiko Maas' Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das soziale Medien regulieren will: "Wenn der Staat entscheiden soll, was wahr und was falsch ist, dann ist das vom Gesichtspunkt der Redefreiheit problematisch. Der Staat sollte sich nur auf die Bereiche beziehen, die wirklich gefährlich sind. Zum Beispiel unmittelbare Bedrohung durch Gewalt. Darauf sollte sich der Staat mit seinem Gewaltmonopol konzentrieren."

In der Zeit verteidigt Heinrich Wefing den Gesetzesentwurf von Justizminister Heiko Maas gegen Hetze im Internet: Natürlich könne man da noch einiges verbessern. Aber vor allem könnten die stinkreichen Internetkonzerne endlich mal einen nennenswerten Beitrag zur Rechtsstaatlichkeit im Netz leisten: "Facebook könnte seinen Beitrag dazu leisten. Und die anderen Plattformen könnten das auch. Facebook könnte die Details seiner 'Gemeinschaftsstandards' publizieren oder sie wenigstens regelmäßig einem unabhängigen Gremium vorlegen. Die Firma könnte außerdem Politikern und Journalisten Zutritt gewähren zu jenen Mitarbeitern, die das teils grauenhafte Geschäft des Prüfens und Löschens erledigen. Stattdessen jedoch beklagt Facebook in dem Positionspapier zum NetzDG, es werde gezwungen, hoch qualifizierte Mitarbeiter zur Prüfung und Löschung rechtswidriger Inhalte einzustellen. Ja, und?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.05.2017 - Internet

Facebook hat sich erstmals in einer dürren, nirgends in voller Länger zu findenden Erklärung gegen das von Heiko Maas betriebene Netzwerkdurchsetzungsgesetz gewandt, melden die Agenturen, hier etwa bei Zeit online. In dem Text heißt es: "Der Rechtsstaat darf die eigenen Versäumnisse und die Verantwortung nicht auf private Unternehmen abwälzen. Die Verhinderung und Bekämpfung von Hate Speech und Falschmeldungen ist eine öffentliche Aufgabe, der sich der Staat nicht entziehen darf."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2017 - Internet

Wie mächtig sind eigentlich Algorithmen? Einerseits will die Datenfirma Cambridge Analytica mit subtil zugeschnittenen Nutzerprofilen unbemerkt die US-Präsidentschaftswahl entschieden haben, andererseits wird jeder Internetnutzer täglich Zeuge von absurden personalisierten Werbeanzeigen. Im Tages-Anzeiger denkt Christoph Fellmann über diesen Widerspruch nach: "Das wirft die Frage auf, was uns mehr beunruhigen sollte: dass uns die Datenkonzerne, wie oft behauptet wird, schon sehr viel besser kennen, als uns das geheuer sein kann? Oder doch, wie falsch unsere Profile sind, als die wir im Netz gehandelt werden? Immerhin sind unsere Onlinedaten ja das, was von uns zugänglich ist für die überwiegende Mehrheit der Menschen und Geschäftemacher da draußen. Und: Was ist, wenn wir mit unseren Daten nicht übereinstimmen? Sind wir dann noch wir selbst, oder sind wir dann unser Profil? Die Frage ist weniger abwegig, als sie klingt. Denn das, was die Daten aus uns machen, bestimmt zunehmend unser Leben."