9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2018 - Kulturmarkt

Rainer Hank begründet im Wirtschaftsteil der FAS, warum er die Abschaffung der Buchpreispindung befürwortet: "Schon empirisch finden sich keine Belege für die Schutzbehauptung der Buch-Lobbyisten: In Europa haben 14 von 32 Ländern eine Buchpreisbindung. Doch es lassen sich keine Indizien dafür finden, dass die Menschen in Ländern ohne Buchpreisbindung weniger gebildet wären, einen größeren Hang zum Populismus oder zu Verschwörungstheorien hätten oder intellektuell unterdurchschnittlich entwickelt wären. Umgekehrt hat die Buchpreisbindung weder Amazon verhindert noch den Rückgang der Lesefreude gestoppt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2018 - Kulturmarkt

Paul Jandl hat für die NZZ die Argumentation der Verleger zu dem drohenden Einbruch der Bücherverkäufe (ein Verlust von 3,4 Prozent des Umsatzes mit Belletristikbüchern wird jährlich bis 2020 prognostiziert) durchleuchtet. Wenn sie die Fiktionsliebe der potenziellen jungen Leser beschwören, die sich an den hohen Zuschauerzahlen komplexer Serien beweisen lasse, sollten sie aber weniger die Schuld bei den Deutschlehrern suchen, die den Schülern angeblich die Lesefreude vergällen, so Jandl. Schließlich werden "'Stranger Things'-erfahrene Vierzehnjährige in der Schule vom Lehrplan gezwungen, Droste-Hülshoffs 'Judenbuche' zu lesen. Zwischen den medialen Welten ist da tatsächlich nicht leicht zu vermitteln. Was, wenn die Spirale, in der der Buchmarkt ist, eine Art Bereinigung ist? Ein Wahrheitstest der Medienkonkurrenz, nach dem alles anders ist, nur die eine Wahrheit nicht: Bücher sind für Leser. Und Leser sind für Bücher."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.03.2018 - Kulturmarkt

Allen, die Deutschland noch für eine Servicewüste halten, ruft Marc Reichwein aus der Welt "Nachtsprungverfahren" entgegen, dank dessen man sich über Nacht Bücher in jeden Dorf- und Kiezbuchladen liefern lassen kann, nicht nur zum verreisten Nachbar: "Die Kuriere sind Malocher, aber (noch) keine wöchentlich wechselnden Hungerlöhner und Subunternehmer, die von ihren Arbeitgebern zynisch als Lieferhelden gefeiert werden. Einige liefern schon seit über 20 Jahren Bücher aus. Sie wissen, wo eine Alarmanlage zu entschärfen ist, welche Buchhändler eine Toilette haben - und ob sie die im Fall der Fälle auch benutzen dürfen. Vielleicht liegt in dieser Mischung aus Kontinuität, Vertrauen und Zuverlässigkeit das Geheimnis dieser Branche, die jede Nacht in Läden eindringt, deren Individualität schon aus den Geschäftsnamen spricht."
Stichwörter: Buchmarkt, Buchhandel, Toilette

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2018 - Kulturmarkt

Angesichts der "Krise des Lesens", die sich in verringerten Buchverkäufen aber auch im Verlust vieler Leser an Amazon manifestiert, rät Rüdiger Wischenbart im Perlentaucher der Branche einen Blick auf die eigene Vergangenheit: "Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren es nämlich die Ahnherren - seltener Frauen, außer bei den Leserinnen - der heutigen Verlage und Buchmacher, die erstmals eine echte Massenkultur auf den Weg brachten. Zeitschriften, in denen ausführliche Geschichten und Fortsetzungsromane einen attraktiven Kern darstellten, erreichten Auflagen von 100.000 und mehr, dank eines ausgefuchsten Vertriebs- und Abo-Systems. Serielle Mehrfachverwertungen - erst die Zeitschrift, dann das Buch, und oftmals auch populäre Theaterfassungen, ab den 1920er Jahren dann auch Radioversionen, erhöhten Reichweite und Ertrag kräftig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2018 - Kulturmarkt

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel: In der SZ beißt sich Alex Rühle durch das Machwerk "Verheimlicht, vertuscht, vergessen", mit dem der Verschwörungstheoretiker Gerhart Wisnewski auf den vordersten Plätzen der Bestseller-Listen gelandet ist: "Direkt nach seinen Macron'schen Freimaurerhypothesen wettert Wisnewski gegen die Unsitte des Frisurentrends 'Buzz Cut' (Frauen mit raspelkurzen Haaren), mit dessen Hilfe 'die Medien ein globales Umerziehungsprogramm starten, das Mädchen in die Homosexualisierung führen soll'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.01.2018 - Kulturmarkt

Sandra Kegel, deren Leitartikel zur Krise des Lesens im letzten Herbst die Branche aufstörte (unser Resümee) zitiert in der FAZ neue beunruhigende Zahlen: "Schon der monatlich verschickte Branchenmonitor des Börsenvereins verhieß zuletzt nichts Gutes. Jetzt wurden auf der Jahrestagung der IG Belletristik & Sachbuch Zahlen präsentiert, die für sich sprechen. Von Entwarnung kann keine Rede sein, im Gegenteil: Innerhalb von nur vier Jahren, zwischen 2012 bis 2016, gingen dem Buchhandel laut Gesellschaft für Konsumforschung 6,1 Millionen Buchkäufer verloren. Die Käuferreichweite - der Anteil der Bevölkerung also, der Bücher kauft - sank im selben Zeitraum um knapp neun Prozentpunkte auf 45,6 Prozent." Dass der Umsatz der Branche dennoch ungefähr gleich blieb, liegt laut Kegel an Preiserhöhungen für Bücher.
Stichwörter: Buchmarkt, Krise des Lesens

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2017 - Kulturmarkt

Das Kindle ist zehn Jahre alt. Alex Shephard zieht in der New Republic eine widersprüchliche Bilanz: "Das Kindle ist ein Monitor unter vielen in einer Kultur, die vor Monitoren birst. Es hatte eine revolutionäre  Auswirkung aufs Verlagswesen, aber die Welt der Ideen hat es kaum revolutioniert. Verleger grummeln zwar noch über Amazon, aber sie haben einen unbequemen Frieden mit dem Ebook gemacht, dessen Verkäufe seit einiger Zeit stagnieren. Das Kindle hat die Verlagsarbeit verändert, aber nicht so radikal wie manche hofften oder fürchteten, und schon gar nicht in grundsätzlicher Weise."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2017 - Kulturmarkt

Die Lobby der Film- und Fernsehproduzenten hat sich bei der EU durchgesetzt - das Geoblocking bei ihren Inhalten bleibt bestehen, berichtet Stefan Krempl  bei heise.de. Die umständliche Lizenzvergabe Land für Land innerhalb der EU ist als Einnahmequelle für die vielfach subventionierten Produzenten einfach zu interessant. Der zuständige Ausschuss des EU-Parlaments hat sich dem Druck der Produzenten gebeugt: "Mediatheken bleiben demnach weitgehend abgedichtet für Zugriffe aus anderen Mitgliedsstaaten. Einziges weiteres Zugeständnis der Volksvertreter: Plattformbetreiber, die Pakete verschiedener TV-Kanäle anbieten, sollen die Programmrechte von anderen EU-Ländern über Verwertungsgesellschaften einfacher erhalten können. In allen anderen Fällen bleibt laut der Position der Abgeordneten die Option für Sender zum Geoblocking erhalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2017 - Kulturmarkt

Buchhändler, die sich eine Nische suchen, können überleben, sagt die Berliner Buchhändlerin Katrin Reichard (pro qm) im Gespräch mit Andreas Hartmann von der taz: "Die spezialisierten Läden, die sich auf bestimmte Themen konzentrieren, Bücher importieren und diesen Kontext mit Veranstaltungen ergänzen, sind auch in den Zeiten von Amazon sehr gut überlebensfähig. Wir beobachten, dass die Leute ja auch teilweise zum stationären Buchhandel zurückkehren, wenn sie eine Zeit lang ihren Buchpaketen über mehrere Stationen hinweg hinterhergerannt sind. Ich glaube auch gar nicht, dass das Internet irgendwann den ganzen Handel mit Büchern beherrschen wird. Ich sehe täglich, wie Kundinnen erst auf die Idee kommen, ein bestimmtes Buch zu kaufen, nachdem sie bei uns in dieses reingeblättert haben."
Stichwörter: Buchhandel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2017 - Kulturmarkt

Im FAZ-Interview mit Sandra Kegel erklärt Diogenes-Verleger Philipp Keel, warum das Internet Schuld an der Krise des Buchmarktes ist und wie er den Buchmarkt aufmischen will: "Wir sollten aufhören, Lesen als etwas Anstrengendes zu betrachten, und uns mit der Tatsache versöhnen, dass alle anderen Einflüsse, mit denen wir uns das Leben vermeintlich einfacher machen, unterm Strich viel anstrengender sind als jedes Buch. Ich wünsche mir und dem Markt, dass wir mit Ironie und Temperament das vielleicht etwas angestaubte Bild unseres Metiers auffrischen."
Stichwörter: Keel, Philipp, Buchmarkt