9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.05.2016 - Kulturpolitik

In der SZ erzählt Tim Neshitov, wie der Dirigent Steven Sloane mit Charme, Hartnäckigkeit und Ideen einen Konzertsaal für sein Orchester in der klammen Stadt Bochum erstritt: "Eine Zeit lang schickte Sloane seine Musiker mit Sparschweinen ausgestattet unters Volk. Samstagsmusik in der Fußgängerzone. Sie spielten im Kolpinghaus, vor dem C&A, bei Spielplatzeinweihungen. Der Golfclub Stiepel richtete ein Turnier aus, zur Preisverleihung gab es Blechbläser, und die Musiker bekamen einen Teil des Preisgeldes."
Stichwörter: Bochum

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.05.2016 - Kulturpolitik

Was bedeutet die Krise der großen Energiekonzerne eigentlich für die Kultur in NRW, fragt Michael Kohler in der SZ: "Ohne die finanzielle Unterstützung von Unternehmen wie Eon oder RWE gerieten viele Museen und Festivals in Schwierigkeiten. Gerade die mit den Bodenschätzen des Ruhrgebiets groß gewordenen Energiekonzerne gehören zu den fleißigsten Kultursponsoren in NRW - und kämpfen derzeit ums langfristige Überleben. Und wenn es RWE schlecht geht, spürt man das im Essener Museum Folkwang doppelt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.05.2016 - Kulturpolitik

Beim Sanierungsdebakel um die Berliner Staatsoper werden wie bei anderen Pleiten auch der sandige Baugrund oder mittelalterliche Funde als Gründe bemüht. Nach jahrelanger Arbeit im Untersuchungsausschuss will der Linken-Politiker Wolfgang Brauer das nicht mehr gelten lassen, wie Frederik Hanssen im Tagesspiegel notiert: "Vor allem, sagt der Linken-Politiker im Gespräch, habe ihm die Arbeit in dem Gremium klar gemacht, 'dass dem Parlament seine Kontrollfähigkeit weitgehend abhanden gekommen' sei."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2016 - Kulturpolitik

In der Welt beschreibt Sven Felix Kellerhoff die Hintergründe zum offenbar vorzeitigen Abgang des 2011 als Chef des Deutschen Historischen Museums installierten Alexander Koch. Zum Teil liegt die Misere an Koch selbst, so Kellerhoff, der weder die Dauerausstellung grundlegend erneuern noch eigene aktuelle Ausstellungen produzieren konnte. "Vielleicht floss einfach zu viel Energie des Chefs, aber auch der Belegschaft, in Kämpfe gegeneinander. Orchestriert wurde dieser eskalierende Konflikt von interner Kritik, die an Medien durchsickerte. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte das DHM beispielsweise einen 'Fall von Geschichtsvergessenheit' und kritisierte anhand von Interna die von Koch initiierten Sonderausstellungen als allzu konservativ."

Dass auch im Haus selbst etwas im Argen liegt, erfährt man im Tagesspiegel von Bernhard Schulz und Christiane Peitz: "Der Vorgänger Kochs, der bis zum Erreichen der Altersgrenze amtierende Lebenszeitbeamte Hans Ottomeyer, hinterließ ein Haus in Wagenburgmentalität. Die Abteilungsleiter der großen und räumlich auf drei Gebäude verteilten Museumsverwaltung hatten sich offenbar eingeigelt, Ottomeyer schien hinter jeder Vorzimmertür einen Abtrünnigen zu wittern. Geschichten von Briefzensur drangen nach außen, gepaart mit Andeutungen von Nepotismus. Ein Neustart war fällig." Der ist jetzt erst mal misslungen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2016 - Kulturpolitik

Nach allem, was die Spatzen von den Dächern pfeifen, soll der umstrittene Chef des Deutschen Historisch Museums, Alexander Koch, gehen, berichtet Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung, der allerdings noch keine offizielle Bestätigung der Meldung bekommen hat: Koch "war 2011 berufen worden, um die als veraltet geltende Organisationsstruktur des DHM zu reformieren. Bisher sind die Erfolge minimal. Seine Sonderausstellungen wurden nur selten freundlich besprochen - meist dann, wenn das DHM wie bei dem großen Projekt über sexuelle Identitäten und Selbstbilder mit anderen Institutionen zusammenarbeitete. Meist aber verfielen sie dem Verdikt, intellektuell und historisch flach sowie zu sehr auf Einzelpersonen ausgerichtet zu sein und die Sammlungen des Hauses nicht strahlen zu lassen." In der FAZ kommentiert Andreas Kilb die Freistellung Kochs bereits als Faktum.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2016 - Kulturpolitik

Max Hollein, scheidender Direktor der Schirn Kunsthalle, des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt, hinterlässt seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin wohl bestellte Häuser und einen bis 2019 reichenden Ausstellungszyklus, erklärt er im Interview mit der FR. Er selbst freut sich schon mal auf seinen neuen Job als Fine Arts Museums in San Francisco, wo "gerade die Frage neu verhandelt wird, wie sich die neuen privaten Vermögen in der Kultur engagieren sollen. Die Entwicklung des benachbarten Silicon Valley hat zu einem vollkommen neuen Typus von Unternehmer und jungem Wohlstand geführt. Die Leute, die in kürzester Zeit mit digitaler Technologie wohlhabend geworden sind, engagieren sich noch nicht kulturell. Das muss sich ändern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2016 - Kulturpolitik

Die Berliner Bevölkerung wird in den nächsten Jahren auf vier Millionen wachsen, schreibt Alan Posener bei starke-meinungen.de. Städtebaulich aber herrscht Verzagtheit: "Der Wunsch, Traufhöhen und Biotope zu erhalten, hat paradoxerweise dazu geführt, dass im Verdrängungswettbewerb ganze Stadtteile ihr Gesicht verändert haben. 'Neukölln ist überall'? Von wegen! Neukölln sieht täglich mehr aus wie Prenzlauer Berg. Wir haben keine Banlieues? Bald schon. Berlin muss jährlich 15.000 bis 20.000 Wohnungen bauen, Flüchtlingsunterkünfte nicht eingerechnet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.05.2016 - Kulturpolitik

"Die Spatzen pfeifen es vom Römer", schreibt ein launiger Jürgen Kaube in der FAZ. Die Literaturkritikerin Ina Hartwig wird von der SPD als Kandidatin für das Amt der Frankfurter Kulturdezernentin ins Spiel gebracht. Das wäre eine Veränderung des bisherigen kulturpolitischen Ansatzes der SPD, so Kaube: "Bemerkenswert an einer solchen Entscheidung wäre, dass Ina Hartwig Neigungen zu einem 'verbreitenden' Kulturbegriff nicht vorgeworfen werden können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.05.2016 - Kulturpolitik

Christiane Peitz hat für den Tagesspiegel das Grundsatzprogramm der AfD nach Äußerungen über die Kultur durchforstet. Das Schlimmste hat man sich verkniffen, aber für Peitz ist es immer noch schlimm genug: "Der vielleicht bedenklichste Satz im Programm lautet: 'Wir halten ein gewisses Minimum an staatlichen Kultursubventionen für unumgänglich'. Ist die Kulturförderung also eigentlich zum Abschuss freigegeben? Soll der Markt die Kunst regeln, und die Kulturerbepflege am Ende auch?"
Stichwörter: AfD, Kulturförderung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2016 - Kulturpolitik

Diskussionen zum Kulturbegriff, zu aktueller Politik, Fragen der Migration, Armut, Integration? Führt heute praktisch jedes Theater in Berlin. Ausstellungen zu anderen Kulturen? Gibts auch längst, man gehe nur in die Maya-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Was bleibt da eigentlich inhaltlich fürs Humboldt-Forum übrig, überlegt Rüdiger Schaper im Tagesspiegel. "Das Wichtigste sind die Sammlungen, die Artefakte. Sie können, einmal zum Sprechen gebracht, unendlich viel erzählen von Menschen und Kontinenten, Kultur und Geschichte. Zu dieser Geschichte gehört ihr oft abenteuerlicher Weg ins Museum. Wie sind die Steine, die Stelen, die Boote, die Masken nach Berlin gekommen? Auf legale Art und Weise, als Raubkunst? Gestohlen, gekauft, gerettet?"

Für die FAZ besucht Paul Ingendaay die Kulturhauptstadt Breslau.