9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2016 - Kulturpolitik

Le Monde bringt eine Meldung, die zugleich Erleichterung und Zweifel an der Stichhaltigkeit früherer Berichterstattung auslöst: "Die ersten Befunde einer Expertenkommision, die von der Unesco nach Palmyra gesandt wurde, sprechen zwar über viele Beschädigungen an den berühmten Gebäuden, betonen aber, dass die archäologische Stätte 'im großen und ganzen ihre Intaktheit und Authentizität bewahrt hat'."
Stichwörter: Authentizität, Palmyra

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2016 - Kulturpolitik

Schweizer haben fleißig bei Nazis Werke der "entarteten Kunst" gekauft. Nun setzt sich im Kunstmuseum Bern eine Ausstellung mit Schicksal und Provenienzen einiger Werke auseinander. Trotz scharfer Kritik im Detail schreibt Hans-Joachim Müller in der Welt: "Man kann - und das vor allem lehrt die verdienstvolle Selbsterkundung des Berner Museums - man kann die Geschichte dieser Bilder nicht einfach wegrecherchieren. Immer wird sie ihnen anhaften - wie Flecken, gegen die es kein Mittel gibt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2016 - Kulturpolitik

William Shakespeare war nicht nur ein genialer Dichter, er war auch ein Unterhaltungsgenie, das ein Massenpublikum, Arme wie Reiche anzog, schreibt Neil MacGregor im Aufmacher des Zeit-Feuilletons. Ist diese Kombination eine britische Besonderheit, oder können wir uns davon was abgucken? "Kann die besondere Mischung aus Hoch- und Massenkultur, die Erhabenheit, Aktualität und Komik, mit der Shakespeare alle Teil der Gesellschaft ansprach und die Großbritannien so stark geprägt hat, ein Vorbild für Institutionen in Ländern mit anderen kulturellen Traditionen sein? Ich weiß es nicht. Ab da heute die Gesellschaften überall darauf bauen, das kulturelle Institutionen bei der Stiftung von gesellschaftlichem Zusammenhalt und gegenseitigem Verständnis eine immer größere Rolle spielen, scheint mir die Frage wichtig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2016 - Kulturpolitik

Nachdem die Medien das abgeblasene Einheitsdenkmal gestern weitgehend mit Schulterzucken quittiert haben (unser Resümee), fordert Günter Nooke, Mitinitiator des Denkmals, im Tagesspiegel einen "Aufschrei": "Wollen wirklich alle Abgeordneten so leichtfertig auf das freudige Erinnern an die glücklichsten Tage der deutschen Geschichte verzichten? Sind ihnen friedliche Revolution, Mauerfall und Deutsche Einheit nicht einmal ein paar Millionen wert, wo wir doch ein Vielfaches von dem ausgeben, um Filme zu fördern, Kunsthallen zu bauen oder der negativen Seiten der deutschen Geschichte zu gedenken? Soll der leere Sockel des zerstörten Kaiser-Wilhelm-Denkmals davon zeugen, dass wir Deutschen mit unserer Geschichte immer noch nichts anzufangen wissen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2016 - Kulturpolitik

Das Einheitsdenkmal wird nun doch nicht gebaut. Das geht für Lothar Müller in Ordnung. Auch wenn es klingt, "als knauserten die Deutschen wieder einmal an der falschen Stelle", schreibt er in der SZ. "Aber manche Denkmäler werden durch die Leere, die der Verzicht auf sie erzeugt, mehr als aufgewogen. Das ist hier der Fall, und es ist keine Katastrophe. Eine politische Idee war da, eine ästhetische Idee, die ihr angemessen hätte Rechnung tragen können, mochte sich nicht prompt einstellen. Da ist es besser, das Ganze sein zu lassen." Ähnlich sieht es Andreas Kilb in der FAZ. Matthias Dell vermutet im Dradio Kultur auch Kostenkalkül hinter der Entscheidung, im Tagesspiegel erkennt Bernhard Schulz gar auf deutschen Selbsthass.

In der Berliner Zeitung fasst sich Nikolaus Bernau an den Kopf über das total vermurkste Eingangsgebäude zur Museumsinsel, das sich zur teuersten und blamabelsten Baustelle Berlins ausweitet: "Jahrelang waren hier nur Wasserbecken zu sehen, eine Lachnummer der deutschen Baugeschichte. Inzwischen sind die Baukosten von 2006 schon sehr hoch angesetzten 73 Millionen Euro auf derzeit offiziell 134 Millionen Euro gestiegen. Keiner wagt, diese Summe zu garantieren oder gar, ob der letztlich mit kaum 4600 Quadratmetern Nutzfläche gar nicht so große Bau jemals wirklich dazu dienen kann, wie geplant 3,5 Millionen Besucher im Jahr auf das Neue Museum und das Pergamonmuseum zu verteilen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.04.2016 - Kulturpolitik

In einem Gastbeitrag in der Welt und einem Gespräch mit Rüdiger Schaper im Tagesspiegel betont Frank-Walter Steinmeier die Bedeutung von Auswärtiger Kulturpolitik: "Wir leben in einem Zeitalter der Überlagerung von Konflikten durch vorgeblich religiöse oder pseudo-kulturelle Ideologien. Gegen diese Ideologisierung hilft nur Differenzierung: genaueres Hinschauen und -hören und das heißt vor allem gemeinsame kulturelle Arbeit und Bildungsarbeit. Sinnbildlich hierfür stehen die Goethe-Institute und unsere Schulen im Ausland. Es geht um das gemeinsame Erarbeiten, das Ermöglichen von und den Zugang zu Bildung und Kultur in unseren Partnerländern, aber auch hier bei uns."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.04.2016 - Kulturpolitik

Roman Bucheli protestiert in der NZZ vehement dagegen, dass eine neue 50-Franken-Note die alte mit Sophie Taeuber-Arps Konterfei ersetzen soll. Ausgerechnet die einzige Frau auf Schweizer Geldscheinen muss weichen? "Und dies ausgerechnet, welch peinliche Koinzidenz, in dem Jahr, da allenthalben hundert Jahre Dada gefeiert werden. Wüssten wir nicht, dass Währungshüter nie scherzen, wir glaubten an einen schlechten dadaistischen Witz!"

Am Beispiel der den Pinakotheken in München geschenkten Sammlung Tambosi erklärt Bernhard Maaz in der FAZ, warum es richtig sein kannn, wenn ein Museum Werke von unklarer Provenienz annimmt: "Hierzu stellte das Museum sorgfältige Überlegungen an: Nähme man das Werk nicht an, bliebe es in unbekannter Privathand oder auf dem Kunstmarkt. Annahme und Publikation bergen dagegen die Chance, die Provenienzlücke zu schließen und im Falle berechtigter Forderungen eine Herausgabe zu sichern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2016 - Kulturpolitik

In der FAZ wägt die Osteuropahistorikerin Anna Veronika Wendland verschiedene Positionen im ukrainischen Streit um die vom Verschwinden bedrohte Kunst aus der Sowjetepoche ab. Während Gegner der teilweise künstlerisch wertvollen Mosaiken und Monumente die Zeichen als "Tätowierungen der kriminellen sowjetischen Lagerkultur auf der Haut unserer Stadt" betrachten, gibt es auch begründete Zweifel an der Entfernung, so Wendland: "Kann man die Leidensgeschichte der Ukrainer unter sowjetischer Herrschaft auf diese Weise ungeschehen machen? Ist die Geschichte der Sowjetukraine auf eine Leidensgeschichte reduzierbar? Folgt man mit organisiertem Vergessen und Überschreiben nicht wieder der totalitären Tradition einer exklusiven Herrschaft über die Vergangenheit, die man eigentlich durchbrechen will?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2016 - Kulturpolitik

Erleichtert konstatiert Hanno Rauterberg in Zeit online, dass Palmyra nicht so stark zerstört ist wie befürchtet und vermutet eine Art Schaufensterpolitik der IS-Schergen: "Sie wollten Palmyra vor allem deshalb vernichten, weil sie von der Sprengung symbolträchtige Bilder verbreiten wollten. Dafür reichten gut vermarktbare Knalleffekte, hingegen konnte der IS auf einen systematischen, teuren Säuberungsfeldzug verzichten."

Hans Stimmann, ehemaliger Senatsbaudirektor der Stadt Berlin und Verfechter der "Traufhöhe", verteidigt sich in der FAZ gegen nachträgliche Kritik, die sein Wirken für den Ärger um die Friedrichswerdersche Kirche (unsere Resümees) mitverantwortlich macht: "So richtig der Verweis auf das 1999 vom Senat beschlossene Planwerk Innenstadt ist, so wenig ist es die Ursache für den Bau von Wohnungen einer weit über zehntausend Euro pro Quadratmeter liegenden Preiskategorie und noch weniger für die Schäden an der Friedrichswerderschen Kirche."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2016 - Kulturpolitik

Johan Schloemann resümiert in der SZ Debatten um die möglichen Rekonstruktionen in Palmyra und kommt natürlich auch auf Horst Bredekamps Forderung nach einer "kämpferischen Rekonstruktion" zu sprechen. "Mir wird schlecht, wenn sich Assad jetzt als Retter der Menschheit und der Zivilisation präsentiert", sagt Bredekamp im Gespräch mit Schloemann, der ihm recht gibt: "Es ist ja derselbe Kriegsherr, der mit der Altstadt von Aleppo ein anderes Weltkulturerbe seines Landes zerstört hat."

Ebenfalls in der SZ erstellt Rudolf Neumaier ein Glossar der politischen Begriffe der AfD. Auszug zu "unserer Kultur": "Leute, die u.K. ablehnen und gar ihre archaischen Gesellschaftsstrukturen einführen wollen, muss Deutschland ablehnen dürfen.
- ist ein Spiegelbild der Bildung.
- darf nicht verdrängt werden.
- muss 'von Menschen, die dauerhaft in unserem Land leben wollen', akzeptiert werden."