Heute findet in Berlin die Kulturministerkonferenz statt, in der über
Restitutionen von Raubkunst verhandelt werden soll. Dass der Entwurf, über den diskutiert werden soll, im Vorfeld mehrfach abgeändert wurde, wie die
FAZ kürzlich kritisierte (
unser Resümee), findet Swantje Karich in der
Welt ganz in Ordnung: "Der Kolonialismus wird als '
Verbrechen gegen die Menschlichkeit' bezeichnet, eine Definition, die unmittelbar mit den
Verbrechen im Nationalsozialismus verknüpft ist. In einer zweiten Version ist diese Bezeichnung verschwunden - und auch die Verantwortung Deutschlands eingeschränkt. Diese Debatte aber lenkt von etwas viel Wichtigerem ab: Unabhängig davon, wie die Erklärung am Ende aussehen wird, ist eine gemeinsame Erklärung schon ein Verdienst, weil es einen
Prozess der Bewusstwerdung auf einem noch sehr unbestellten Feld in Gang setzt: Was ist der Kolonialismus für Deutschland? Wie wollen wir uns zu ihm verhalten?"
Raphael Gross, Chef des Deutschen Historischen Museums, begründet in der
FAZ, warum er eine Rückgabe der
Säule von Cape Cross, eines Markzeichens des Kolonialismus, an Namibia befürwortet - obwohl Namibia wohl keinen Rechtsanspruch auf die Rückgabe hätte: "Für eine Rückgabe sprechen aber
ethische und politische Überlegungen. Der wichtigste Gesichtspunkt für die Frage nach der Rückgabe ist für das DHM seine Haltung zur historischen Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte in Namibia. Insbesondere geht es in diesem Fall um die Auseinandersetzung mit den an verschiedenen Bevölkerungsgruppen Namibias verübten
Verbrechen gegen die Menschheit ('crimes against humanity')."