9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2342 Presseschau-Absätze - Seite 137 von 235

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.05.2018 - Medien

Die Öffentlich-Rechtlichen sind bei der re:publica (angeblich eine Internetkonferenz) sehr präsent. Und die Besetzung mancher Podien gibt den Sendern die Heldenrolle (etwa das Podium "Journalismus im Netz: Zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate", das fast ausschließlich mit öffentlich-rechtlichen Repräsentanten besetzt war). Marvin Schade berichtet für Meedia, dass es auf anderen Podien um die Zukunft der Sender ging und dass die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger außer den 8 Milliarden Euro Gebühren "ein bisschen Liebe, ein bisschen Wärme für dieses System" einklagte. "Darüber hinaus fordert die Intendantin die Überarbeitung des Telemediengesetzes, das bereits vor seiner Entstehung vor zehn Jahren inaktuell gewesen sei. 'Wir müssen definieren, wie wir uns im Netz aufstellen.' Wenn das Telemediengesetz Aktivitäten, die von den Öffentlich-rechtlichen gefordert werden, verhindere, sei das 'der Tod auf Raten', so Schlesinger."

Die amerikanische Presse hat sich immer noch nicht über die ungewöhnlich scharfe Rede der Komikerin Michelle Wolf beim "White House Correspondents' Dinner" in der letzten Woche beruhigt. Michelle Wolf solle sich entschuldigen, hatten einige Mitglieder der Hauptstadtpresse gefordert - unter anderem hatte sie auch die Presse selbst angegriffen, die mit Trump prächtig Geld verdient ("Ihr habt dieses Monster mit geschaffen und profitiert nun von ihm"). Der unter dem Kürzel J.F. schreibende Autor des Economist kann ihr nur zustimmen: "Die amerikanische Presse hat sowieso eine Neigung zur Reverenz und Exklusivität. Dass Journalisten mit mächtigen Leuten, über die sie eigentlich unparteiisch berichten sollen, Feten feiern, gehört sich nicht. Zum Teil auch aus diesem Grund hat der Economist seit einigen Jahren niemand mehr dahin geschickt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2018 - Medien

Zeit online bringt eine beeindruckende Bilderstrecke mit Fotos des am Montag bei einem Attentat des IS ums Leben gekommenen afghanischen Fotografen Shah Marai. In der taz berichtet Thomas Ruttig über dieses Attentat, bei dem insgesamt neun afghanische Journalisten ums Leben gekommen sind. Sie waren zum Ort eines Anschlags geeilt, wo 29 Menschen starben - und wurden Opfer eines zweiten Attentäters, der sich unter sie gemischt hatte.
Stichwörter: Afghanistan

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2018 - Medien

Ungläubig berichtet Axel Weidemann in der FAZ, dass sich das an ARD und ZDF angegliederte Institut für Rundfunktechnik den Streit mit dem Anwalt beigelegt hat, der mit den Patenten des IRT Unsummen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Er soll sechzig Millionen zurückzahlen, dann wird der Skandal zu den Akten gelegt: "Fest steht nun zweifelsfrei, dass der beratende Anwalt mit den Patenten des IRT ein Vermögen gemacht hat. Unklar bleibt jedoch, wie viel man im Vorstand des IRT davon wusste - und warum die Kontrollgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht darauf aufmerksam wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2018 - Medien

Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen mit mageren acht Milliarden Euro im Jahr auskommen und mussten darum jüngst bekanntgeben, dass sie auf keinen Fall mehr sparen können, darum erregte es im vergangenen Jahr Aufsehen, dass beim Institut für Rundfunktechnik, das zu den Sendern gehört, angeblich mal so eben 200 Millionen Euro veruntreut werden konnten. Nach einem Prozess gibt es nun einen Vergleich, berichtet Klaus Ott in der SZ: Das Institut bekommt 60 Millionen Euro Schadenersatz von dem Patentanwalt, der es hintergangen haben soll: "Das ist weit entfernt von den 200 Millionen Euro, um die das Institut betrogen worden sein soll und die das IRT eigentlich einklagen wollte. Aber es ist immer noch ein stattlicher Betrag für ein Institut mit zuletzt rund 25 Millionen Euro Jahresetat."

Nach der Diskussion um antisemitische Deutsch-Rapper plädiert Helene Bubrowski im Leitartikel auf Seite 1 der FAZ für mehr Jugendschutz: "Gewaltdarstellungen überfordern Kinder und Jugendliche. Traumatisierungen können die Folge sein. Die Unterhaltungsindustrie will das nicht wahrhaben und argumentiert, die Jugendlichen wüssten doch, dass das alles nicht ernst gemeint sei. Doch aus Neugier, Rebellion gegen das Elternhaus oder Gruppenzwang konsumieren sie die verbale und körperliche Gewalt in Liedern, Filmen und Spielen - und machen Rapper und Produzenten damit zu reichen Leuten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2018 - Medien

Die von Reporter ohne Grenzen vorgelegte Rangliste der Pressefreiheit 2018 zeigt: JournalistInnen in Europa sind zunehmend medienfeindlicher Hetze ausgesetzt. Angesichts von mehr als 150 in Europa seit 1992 ermordeten Journalisten, jüngst etwa Daphne Caruana Galizia und Jan Kuciak, und allein 220 inhaftierten Journalisten im Jahr 2017, fordert die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatović in der SZ die Mitgliedsstaaten des Europarats auf, die Gesetzgebung zum Schutz von Journalisten zu ändern: "Die Parlamente müssen Gesetze verabschieden, die Journalisten schützen und sie vor unzulässigem Druck bewahren. Beleidigung und Verleumdung sollten als Straftatbestände abgeschafft und nur mit verhältnismäßigen zivilrechtlichen Sanktionen belegt werden können. Und das Recht sollte Strafen für jene vorsehen, die Beleidigungsklagen missbrauchen, um Journalisten zum Schweigen zu bringen. Darüber hinaus müssen es Gesetze, die sich mit Desinformation, Terrorismus oder Sicherheitsfragen befassen, vermeiden, die Freiheiten und die Sicherheit von Journalisten einzuschränken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.04.2018 - Medien

(Via turi2) Eine Gruppe von fünf Bundesländern, teils CDU-, teils SPD-geführt, denkt darüber nach, die Beauftragung der öffentlich-rechtlichen Sender neu zu formulieren, berichtet Volker Nünning bei der Medienkorrespondenz. Dabei scheint es darum zu gehen, den Sendern entgegenzukommen - ARD und ZDF wollen bekanntlich nicht mehr sparen, und auch ihre Programme nicht einschränken. Die Sender sollen nach dem Reformvorschlag mehr Freiheit bgekommen, auch ins Internet zu expandieren (indem man ihnen erlaubt, die Gelder freier auszugeben), und "ein den Sendern zugewiesenes Finanzbudget könnte außerdem indexiert werden, also beispielsweise in Höhe der jährlichen Inflationsrate ansteigen, sofern die KEF einen solchen Teuerungsausgleich für gerechtfertigt hielte. Gäbe es dafür grünes Licht, würde bei einer solchen Variante in der Folge der Rundfunkbeitrag entsprechend angehoben."

Ein Bündnis von GOs, Bibliotheken und Medien (darunter der Perlentaucher) wendet sich in einem offenen Brief gegen EU-Leistungsschutzrechte für Presseverlage, berichtet Thomas Rudl in Netzpolitik. Zwei der Argumente:
"- Sie verlagern übliche Kommunikationsformen, die für ein funktionierendes Internet grundlegend sind, wie Verlinken und Teilen, in einen rechtlichen Graubereich.
- Sie führen nicht zu neuen Einnahmequellen für Verlage oder Nachrichtenagenturen und schon gar nicht für Journalisten."

Rudl erläutert den Vorschlag des EU-Parlamentsabgeordneten Axel Voss (CDU): "Selbst das einfache Setzen eines Hyperlinks könnte künftig nicht mehr ohne Weiteres möglich sein, denn URLs enthalten oft Informationen wie den Titel des Artikels. Und da der Gesetzentwurf selbst sehr kleine Ausschnitte kreativer Leistungen schützen soll und das gleich rückwirkend für zwanzig Jahre, könnte das Vorhaben weitreichende Konsequenzen haben - beispielsweise für Blogs, die nicht mehr rechtssicher auf andere Seiten verlinken oder Zitate aus anderen Quellen verwenden könnten."

Die EU will keine Gesetze gegen Fake News erlassen, berichtet Thomas Kirchner auf süddeutsche.de, sondern die Nutzer lieber mit "weichen" Maßnahmen widerstandsfähiger gegen Lügen machen. Das mag auch an zwei neuen Studien liegen: "'Falschnachrichten haben eine geringere Verbreitung als allgemein angenommen', heißt es in einer Studie der Uni Oxford, die auf Analysen französischer und italienischer Online-Inhalte basiert. Zum selben Schluss kommt ein Forschungsbericht der London School of Economics. Demnach werden Nutzer sozialer Medien in erstaunlich hohem Maße mit abweichenden politischen Meinungen konfrontiert - die empirische Forschung scheint also die These von der schädlichen Filterbubble nicht zu stützen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2018 - Medien

(Via turi2) Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm erklärt im Interview mit der Zeitschrift promedia, warum er einerseits keine weiteren Sparprogramme und andererseits im Internet expandieren will: "Unsere Nutzer verstehen nicht, warum beispielsweise Lizenzware bei Filmen und Serien sowie Sportberichte nicht online gestellt werden können, selbst wenn wir über die entsprechenden Rechte verfügen. Auch die bestehenden starren Regeln zur Presseähnlichkeit sind angesichts der Multimedialität des Internets überholt und in Europa einmalig." Im gleichen Dossier erklärt ZDF-Chef Thomas Bellut, dass er ein öffentlich-rechtliches Netflix will.

Außerdem: turi2 meldet, dass der Spiegel für seine digital-Inhalte eine Flatrate in Höhe von schlappen 19,99 Euro einführen will - was aber wohl nicht für die üblichen Inhalte von Spiegel online, sondern für den digitalen Spiegel und weitere Angebote  gilt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2018 - Medien

"Die Dämonen des Totalitarismus sind zurück, mit all ihrer Verachtung für Pluralismus, Rechtsstaat, Gleichheit, Dialog und Kompromissbereitschaft. Die Geringschätzung für den anderen, für Menschen mit anderer Religion, Nationalität oder Hautfarbe ist zurückgekehrt", warnt Adam Michnik und singt in der Welt ein Hohelied auf die freie Presse, die diese Missstände benennt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2018 - Medien

Noch mehr Sparen geht nicht, beteuern ARD und ZDF nachdem sie die Frist, bis Freitag neue Sparpläne vorzulegen freistreichen ließen. Stattdessen fordern sie, dass der Rundfunkbeitrag bis 2021 um bis zu zwei Euro steigt, meldet die FAZ. Immerhin sei der seit 2009 nicht gestiegen: "Was sie nicht sagen, ist, dass die Gebührenreform - der Wechsel von der gerätebezogenen Gebühr zum Beitrag, der pro Wohnung, pro Mitarbeiter und nach der Anzahl von Betriebsstätten gezahlt werden muss - ihre jährlichen Einnahmen von rund sieben Milliarden auf mehr als acht Milliarden Euro anschwellen ließ. Sie haben mehr Geld denn je. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs Kef hat errechnet, dass die Sender in den nächsten beiden Jahren auf einen Überschuss von 545 Millionen Euro kommen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.04.2018 - Medien

Die ARD lässt es auf einen Konflikt ankommen und verweigert weitere Sparnaßnahmen, obwohl sie von maßgeblichen Politikern gefordert werden, berichtet Daniel Bohs in der taz. Der ARD Vorsitzende Ulrich Wilhelm hat gesagt, er könne kein weiteres Sparpaket vorlegen: "Wilhelm stützt sich stattdessen auf neue Zahlen seiner Medienforschung: 94 Prozent aller hiesigen NutzerInnen ab 14 Jahren griffen zumindest wöchentlich auf Angebote der ARD zurück. Täglich seien es 80 Prozent. Seine Botschaft ist eindeutig: Das Publikum wolle die ARD. Wenn die Politik darauf Rücksicht nehme, seien Kürzungen tabu."