9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2018 - Medien

Der Pianist Igor Levit gehört zu den Musikern, die nach der Echo-Verleihung an zwei antisemitische Rapper ihren Echo zurückgegeben haben. In "Kultur heute" - einer Dlf-Sendung, die sonst ein sehr gemäßigtes Wohlbehagen bereitet - fragte die Moderatorin: "Andererseits - Sie twittern sehr viel, und Sie twittern in letzter Zeit auch jeden Tag einen jüdischen Witz. Das müssen Sie uns mal erklären, wie das zusammenpasst." Gabriel Yoran ist bei den uebermedien entgeistert: "Das ist sie also, meine verkorkste Heimat." Levit "soll allen Ernstes erklären, wie sich sein Twittern jüdischer Witze mit Kritik an einem Preis für Verächtlichmachung von Auschwitz-Häftlingen verträgt. Was ist das für ein furchtbares Land, in dem ein führendes, seriöses Medium solche Fragen stellt?"
Stichwörter: Levit, Igor, Echo-Musikpreis

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2018 - Medien

Recht harsch urteilt Alexander Fanta bei Netzpolitik über Vertreter der Medienbranche, die beim Journalismus-Festival in Perugia (das übrigens von Facebook und Google gesponsort wird) über Facebook sprachen - aber ganz anders als der Rest der Welt: "Für die Branche ist der Skandal am Verhalten Facebooks nämlich nicht die Preisgabe der Privatsphäre der Nutzer, sondern die wirtschaftliche Ausbootung der Verlage durch den Konzern. Facebook müsse einen Teil seiner Einnahmen in eine Stiftung zur Finanzierung der Medien einbringen, sagte der New Yorker Journalismus-Professsor Jay Rosen. Ähnlich argumentierte auch Craig Silverman von Buzzfeed News: Facebook solle nicht nur Medienorganisationen finanzieren, sondern auch Journalismus-Ausbildung und andere Medieninitiativen. Kurzum: Die Branche will die Hand aufhalten und sich vom Großen Bruder Facebook das Schweigen über dessen Geschäftspraxen erkaufen lassen." Und laut Standard hat sich Alan Rusbridger, ehemals Guardian, in Perugia gleich auf den Posten eines Facebook-Chefredakteurs beworben.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.04.2018 - Medien

Seit einigen Tagen gehen Missbrauchsvorwürfe beim WDR durch die Presse. Zunächst wurde ein nie genannter Korrespondent beschuldigt. Nun weiten sich die Vorwürfe aus. turi2 setzt Links, unter anderem zu einer Recherche im Stern und einem Artikel Kai-Hinrich Renners in der Morgenpost. Demnach hätten "mehrere hochrangige Mitarbeiter .. 'frühzeitig' Bescheid gewusst. Sowohl Tina Hassel, damals die Vorgesetzte des Beschuldigten, als auch der damalige Chefredakteur Jörg Schönenborn und die Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff seien informiert gewesen, schreibt Renner." Und im Tagesspiegel weiß Markus Ehrenberg: "Mehrere Frauen hätten vertrauliche Gespräche mit einer Personalrätin geführt. In der Folge sei aber nicht etwa derjenige abgemahnt worden, gegen den die Vorwürfe erhoben wurden, sondern der Kollege, der den entscheidenden Hinweis gegeben habe, habe eine Ermahnung bekommen. Ihm sei verboten worden, von sexueller Belästigung in der Programmgruppe zu sprechen."

Der SR hat den vorläufigen Abschlussbericht zum Fall Dieter Wedel vorgelegt: Der besonderen Verantwortung seien die damaligen Funktionsträger nicht nachgekommen, so der Leiter der Taskforce, Bernd Radeck. Kathleen Hillebrand wundert sich in der SZ, dass damals scheinbar niemand bei der Telefilm Saar an den Aussagen der Frauen zweifelte - man bot dem Saarländischen Rundfunk an, Wedel zu kippen. Aber es war der Sender, der an Wedel festhielt.

Wenig thematisiert wurde bisher in Deutschland der Einfluss von Apple News auf Nutzerzahlen. Er ist beträchtlich, aber die Auswahl der Quellen bei Apple News ist willkürlich, schreiben Étienne Girard und Alexandra Saviana bei Marianne. Die Online-Seiten dieser Zeitschrift wurden jüngst von Apple News entfernt - und haben 35 Prozent Nutzer verloren. "Das Tool ist im Iphone bereits vorinstalliert. Der Nutzer muss nur einmal klicken, um zu den Artikeln zu kommen. Resultat: Der im September 2015 eingeführte Dienst zieht jeden Monat Millionen von Besuchern an. 'Für die größten Medien kann das 30 bis 40 Prozent des Publikums bedeuten...', schätzt Paul Guyot von Semiocast, einem Institut, das Nutzerzahlen misst."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2018 - Medien

Die AfD leiste bereits jetzt eine sehr professionelle Pressearbeit, schreiben Anne Fromm, Andreas Speit und Malene Gürgen in der taz. Vor einiger Zeit kam die Meldung, dass die AfD sogar an einem eigenen "Newsroom" mit 25 Redakteuren arbeite, der jetzt offenbar aufgebaut wird und auch die sozialen Medien bespielen soll, denn die die Strategie sei paradox: Die AfD "will in den etablierten Medien Gehör finden und stellt dafür Personen ein, die wissen, wie seriöser Journalismus funktioniert. Gleichzeitig arbeitet sie seit Jahren daran, das Vertrauen in ebenjene etablierten Medien zu unterhöhlen: Dass diese die Helfershelfer von Merkels 'Umvolkung' sind, gehört spätestens seit 2015 zur zentralen Erzählung von Pegida und AfD. Das bringt die Medien in eine neue und schwierige Lage: Einerseits untergräbt die AfD ihre Glaubwürdigkeit, andererseits ist die Partei selbst oft Gegenstand ihrer Berichterstattung."
Stichwörter: AfD, Pegida, Soziale Medien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2018 - Medien

Judith Sevinç Basad greift bei den Salonkolumnisten die rätselhafte Liebe Alice Schwarzers zu Wladimir Putin auf, die so weit führte, dass sie nun bei emma.de die Russia-Today-Chefredakteurin Margarita Simonjan begründen ließ, warum die Russen "nicht mehr sein wollen wie ihr". "Es ist kein Ausrutscher. Bereits auf dem Höhepunkt der Krim-Krise brachte Schwarzer auf ihrem Blog einen Text, der sich liest, als habe sie ihn aus dem RT-Redaktionssystem geklaut. Titel: 'Warum ich trotz allem Putin verstehe!'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.04.2018 - Medien

Zeitungen reagierten mit großer Häme auf Horst Seehofers reines Männer-Team - aber in den Zeitungshäusern sieht es meist nicht besser aus, schreibt Anna Fromm in der taz. Und "man muss keine Ressortleiterinnen und Chefredakteurinnen zählen, um zu sehen, dass Journalismus auch 2018 immer noch Männersache ist. Auf der Einladung für die diesjährige Preisverleihung des Henri-Nannenpreises ist als Dresscode nur 'schwarzer Anzug' angegeben. Frauenkleidung wird nicht erwähnt. Das ist wenigstens ehrlich: Unter den 54 Nominierten sind vier Frauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2018 - Medien

Die BBC macht sich große Sorgen um ihr junges Publikum, berichtet Nicolas Madelaine in Les Echos, einer französischen Wirtschaftszeitung, unter Bezug auf den Jahresplan 2018/19 der BBC (hier als pdf-Dokument): "Die öffentlich-rechtliche Anstalt schätzt in der Tat, dass die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen mehr Zeit auf Netflix verbringt als in allen Fernsehangeboten der BBC, inklusive der eigentlich sehr beliebten Mediathek iPlayer. Erstmals hat auch die Gruppe der 15- bis 34-Jährigen mehr Zeit in Streamingdiensten verbracht als in Radioangeboten der BBC (5 Stunden versus 4 Stunden 30 pro Woche)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2018 - Medien

Die Journalismusprofessorin und einstige Digitalchefin des Guardian Emily Bell bezweifelt im Gespräch mit Anders Hofseth im Niemanlab, dass die meisten privaten Medien noch ein nachhaltiges Geschäftsmodell im Netz finden - für sie läuft alles auf die öffentlich-rechtlichen Medien hinaus: "Im Moment glaube ich, dass öffentlich-rechtliche Medien eine wichtigere Rolle spielen als jemals seit dem Zweiten Weltkrieg." Und bei den privaten Medien gilt ihre Skepsis nicht allein der Refinanzierbarkeit: "Gleichzeitig denke ich, dass kommerzielle Firmen, die ihre Inhaber befriedigen müssen, nicht notwendig die besten sind, wenn es darum geht zu entscheiden, welches Format im Ökosystem der Kommunikation den Leuten am besten dient. Vielleicht sind sie sogar die am wenigsten geeigneten, so etwas zu entscheiden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2018 - Medien

Nach 1945 hatten kirchliche Medien wie der Rheinische Merkur und das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt eine höhere Auflage als die Zeit, evangelische und katholische Kirchenblätter insgesamt eine Millionenauflage, schreibt Matthias Dobrinski in der SZ. Aber: "die Flaggschiffe von einst sind untergegangen. Das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt ist in der Beilage Chrismon aufgegangen, der Rheinische Merkur/Christ und Welt ist mittlerweile ein Zusatz-Angebot für Zeit-Abonnenten. Die Internetplattformen evangelisch.de und katholisch.de haben zwar an Reichweite gewonnen, können aber so wenig die Verluste ausgleichen wie die konservative Internet-Präsenz kath.net. Zum Jahresende musste die konservativ-katholische Zeitung Tagespost aus Würzburg ihre Leser um Solidaritätsbeiträge anpumpen wie einst die linksalternative taz - die 10.000 verbliebenen Leser und der kleine kirchliche Zuschuss reichten zur Finanzierung nicht aus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2018 - Medien

In der NZZ kritisiert Marc Felix Serrao die Zeit, die die Zusammenarbeit mit ihrem Kolumnisten Thomas Fischer beendet hat, weil der bei Meedia die Zeit-Berichterstattung über Dieter Wedel kritisiert hatte: "Warum verzichtet die Zeit, die sich als liberale und 'führende meinungsbildende Wochenzeitung' versteht, auf einen Autor, der so viel zur Meinungsbildung beiträgt?"