9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.06.2026 - Politik

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Seine vielzitierte Aussage vom "Ende der Geschichte" sei damals missverstanden worden, erklärte der Politologe Francis Fukuyama, der ein neues Buch geschrieben hat, am Samstag in der Welt (unser Resümee). Er habe aber durchaus auch falsche Prognosen aufgestellt, gibt er heute im SZ-Gespräch mit Moritz Baumstieger zu, zum Beispiel mit seiner Hoffnung, Putin würde seinen Krieg gegen die Ukraine schnell verlieren. Was Donald Trump angeht, hat er gute und schlechte Nachrichten: "Er verliert definitiv an Unterstützung, seine Umfragewerte sind dramatisch gefallen, auch wenn er das leugnet. Und dann ist da noch sein körperlicher Zustand. Er mag so tun, als wäre er noch 30, aber in wenigen Wochen wird er 80 Jahre alt - und es gibt Anzeichen, dass es ihm nicht gut geht. Ob er das Ende seiner Amtszeit wirklich erleben wird? Was mich bei all dem aber beunruhigt: Je schwächer Trump wird, desto verzweifelter und eskalierender wird er handeln und versuchen, die öffentliche Aufmerksamkeit durch neue Provokationen zu lenken. Ich war vor wenigen Wochen in Dänemark und sagte meinen Freunden dort: Die Bedrohung Grönlands ist nicht vorbei. Es könnte der Moment kommen, in dem Trump eine Ablenkung vom Nahen Osten und von der Inflation braucht - und dann wird er euch wieder ins Visier nehmen."

"Ohne den israelischen Geheimdienst Mossad wäre ich vermutlich jetzt schon eine Weile unter der Erde. Unsere deutschen Geheimdienste waren da leider wieder einmal blind", sagt der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Volker Beck, den das iranische Regime ermorden lassen wollte im Interview mit Leon Stork von der Jüdischen Allgemeinen. Auch mit Blick auf den Sprengstoffanschlag auf das israelische Restaurant "Eclipse" in München erklärt Beck die Strategie des Iran: "Man muss zwischen dem Iran und seinen Proxies unterscheiden. Für den Angriff in München war mutmaßlich 'Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya', kurz HAYI, verantwortlich, eine relativ neue schiitische Gruppe, die in ganz Europa Anschläge plant und durchführt. In meinem Fall war es hingegen wohl die iranische Revolutionsgarde selbst, die die Befehle erteilt hat. Das dahinterstehende Programm ist bekannt: Der Iran bereitet sich fortwährend darauf vor, im Fall einer militärischen Auseinandersetzung mit den USA oder Israel 'weiche' Ziele, etwa schlechter geschützte jüdische oder israelnahe Einrichtungen, anzugreifen, um eine symbolische Antwort zu geben und die Verbündeten der USA und Israels im Ausland einzuschüchtern oder zumindest zu verunsichern."

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Der ukrainische Historiker Serhii Plokhy widmet sich in seinem aktuellen Buch der Geschichte der Atomwaffen. Im taz-Gespräch mit Jens Uthoff sieht er Atomwaffen auch als Stabilitätsfaktor, denn die nukleare Abschreckung habe einen Dritten Weltkrieg verhindert. Denn doch warnt er vor einem neuen Tschernobyl: "Zum ersten Mal in der Geschichte findet ein Krieg auf dem Gelände von Kernkraftwerken statt. Es reicht, die Stromversorgung einer Atomanlage zu unterbrechen, und schon hat man ein Fukushima. Aus Saporischschja erhalten wir immer wieder die Information, dass die Stromzufuhr unterbrochen wurde. Zudem führte die Sprengung des Kachowka-Staudamms zu einem Mangel an Kühlwasser. Wenn die Reaktoren wieder in Betrieb genommen werden - was Russland will -, könnte das Unglück programmiert sein. Auch der Sarkophag über dem Kernkraftwerk Tschornobyl wurde bereits beschädigt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2026 - Politik

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In seinem neusten Buch "Der letzte Mensch" widmet sich Francis Fukuyama der Krise der Demokratie. Seinen Optimismus hat er dennoch nicht verloren, wie er im Welt-Gespräch mit Philipp Thedemann versichert. Sein Konzept vom "Ende der Geschichte" habe man missverstanden, meint er: "Als ich mich Ende der 1980er-Jahre damit beschäftigte, hatten die Marxisten die Vorstellung, dass der Modernisierungsprozess zu einer kommunistischen Utopie führen würde - das wäre ihr 'Ende der Geschichte' gewesen. Aber ich beobachtete, dass wir im Stadium stehen bleiben würden, das die Marxisten als bürgerliche Demokratie und kapitalistisches Wirtschaftssystem bezeichneten, und dass dies der Endpunkt der menschlichen Entwicklung sein würde. In den Jahrzehnten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden weltweit große Fortschritte bei der Stärkung der Demokratie und dem Glauben an die Menschenrechte gemacht." Zwar "befinden wir uns leider in einer Phase des demokratischen Rückschritts. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir eine Regierungsform entwickelt haben, die ziemlich gut funktioniert. Ich glaube, dass die Demokratie deshalb langfristig Bestand haben wird." Fukuyama glaubt außerdem, dass eine Regierungsbeteiligung der AfD ihre Anziehungskraft verringern würde.

Nach 88 Tagen des Internet-Blackouts will das iranische Regime das Internet wieder "schrittweise" zugänglich machen, berichtet Daniela Sepehri in der taz: "Dass das Netz überhaupt zurückkehrt, hat vor allem wirtschaftliche Gründe: NetBlocks schätzt die Kosten der Internetabschaltung für das Regime auf etwa 31 Millionen Euro täglich. Das Regime steckt daher in einem Widerspruch: Es braucht einerseits eine digitale Infrastruktur, um ökonomisch überleben zu können, fürchtet aber gleichzeitig genau die Kommunikationsfreiheit, die mit dieser Infrastruktur einhergeht. Seit Jahren versucht die Führung deshalb, ein nationales Intranet aufzubauen. Damit soll die Bevölkerung dauerhaft von globalen Informationen entkoppelt werden, während staatlich kontrollierte Dienste weiterlaufen." Für Iran "bedeutete das in den vergangenen Monaten vor allem, dass weniger Bilder von der Repression an die Außenwelt gelangten und die internationale Aufmerksamkeit für die Menschenrechtslage sank. In dieser Zeit wurden laut Menschenrechtsorganisationen mindestens 37 politische Gefangene hingerichtet und Tausende festgenommen."

Nirgends ist die iranische Diaspora größer als in Los Angeles, erzählt Andreas Scheiner in der NZZ. Er trifft unter anderem den Tech-Unternehmer Mehdi Yahyanejad, der die Opposition technisch unterstützt: "Seit den Massenprotesten im September 2022, die durch den Tod von Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst wurden, hilft Yahyanejad, Starlink-Terminals von Elon Musk nach Iran zu schmuggeln. Zwar hätten nur etwa 10 000 bis 50 000 Menschen in Iran Zugang zu Starlink, sagt Yahyanejad. Doch während die breite Bevölkerung Anfang Jahr vom Internet abgeschnitten gewesen sei, sei es dennoch gelungen, die Welt auf das Ausmaß des Massakers aufmerksam zu machen. Er erinnert daran, dass bei Massenprotesten im November 2019 vermutlich auch Tausende getötet worden seien, aber die Berichterstattung sei weitgehend ausgeblieben. Das sei der Unterschied, den die Technologie ausmachen kann."

Wie werden die nächsten Wahlen in Israel verlaufen? Ahmad Mansour versucht in der Welt eine Prognose: Netanjahu sei "politisch schwer angeschlagen". Im Krieg gegen Hamas, Hizbollah und Iran brauche er "ein Wunder", innenpolitisch habe seine umstrittene Justizreform seinem Ansehen enorm geschadet, genau wie sein untragbarer Minister für Innere Sicherheit Itamar Ben-Gvir. Aber "auch die Opposition hat keineswegs leichtes Spiel. Für die Mehrheit von 61 Mandaten braucht sie entweder ein breites, teils zionistisches Bündnis oder die Duldung durch arabische Parteien. Nach dem 7. Oktober wäre eine solche Duldung für große Teile der jüdisch-israelischen Bevölkerung schwer erträglich; zwei der arabischen Parteien haben sich seither wiederholt moralisch untragbar geäußert. Und doch sei jenen, die reflexhaft von Apartheid sprechen, gesagt: Auch diesmal werden arabische Stimmen wahlentscheidend sein. Netanjahu weiß das - und wird jede Kooperation seiner Gegner mit ihnen als Wahlkampfwaffe einsetzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2026 - Politik

Somaliland hat eine komplexe Geschichte und wird seit 2025 von einem Staat - Israel - anerkannt. Lange Zeit wurde die autonome Region Somaliland von den verschiedenen "Familien-Clans" regiert, die untereinander einen Konsens finden mussten, schreibt Markus Virgil Höhne in der NZZ. Jetzt reißt die ethnische Gruppe der Isaaq die Macht an sich, was zu Spannungen führt. "In der Rückschau lässt sich erkennen, dass paradoxerweise die Einführung eines Mehrparteiensystems in Somaliland ab 2001 zu einem Rückgang der zuvor konsensbasierten, auf Clanproporz beruhenden Demokratie geführt hat. Der Clanproporz hat sichergestellt, dass alle Gruppen (auch die oppositionellen) zu einem relativ fairen Mass im Staat vertreten waren. Mit der Mehrparteiendemokratie hat sich Somaliland sukzessive in einen 'Ein-Clan-Staat' verwandelt. Es gibt zwar mehrere Parteien in Somaliland, aber in allen dominieren die Isaaq. Sprich: Egal wie die Wahl ausgeht, Isaaq sind immer am Ruder und erweitern ihre Macht."

Die USA haben im Norden von Lateinamerika unter Donald Trump wieder an Einfluss gewonnen, konstatiert Werner J. Marti in der NZZ. Dabei wurde vor allem Chinas Einfluss zurückgedrägt. "Der Kampf zwischen China und den USA um Einfluss in Lateinamerika dürfte sich in den kommenden Jahren noch intensivieren. Trump ist es gelungen, die Macht der USA in der Karibikregion deutlich auszubauen und die Chinesen dort zurückzubinden. Seine wirtschaftlichen und militärischen Drohungen haben dort deutlich mehr Gewicht, da das nördliche Lateinamerika wirtschaftlich viel stärker mit den USA verbunden ist. Im Süden Lateinamerikas kommt das Engagement der Amerikaner spät. Die Chinesen haben sich dort schon festgesetzt."

Der palästinensische Friedensaktivist Hamza Howidy, der wegen Protesten gegen die Hamas von dieser verhaftet wurde und heute in Deutschland lebt (mehr hier und hier), möchte in der taz Berichte über Vergewaltigungen erst mal nicht anzweifeln - ob sie nun von Israelis oder von Palästinensern erhoben werden. Es gebe "substanzielle Beweise" für die sexuelle Gewalt gegen Opfer des 7. Oktober, "die Haftbedingungen palästinensischer Gefangener in Israel erfordern eine unabhängige Untersuchung", schreibt er. "In dem Kampf um die Deutungshoheit gibt es keine Gewinner - jede Seite wird noch lange Zeit ihre eigene Sichtweise vertreten. Jede Stunde, die damit verbracht wird, über die Glaubwürdigkeit eines Journalisten oder die Finanzierungsquellen einer NGO zu debattieren, ist eine Stunde, in der man nicht einem Überlebenden zuhört."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2026 - Politik

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Die Historikerin Christina Morina hat in den USA gelehrt, als Trump an die Macht kam. Der Schock saß tief, ihre Gedanken dazu hat sie in ihrem neuen Buch verarbeitet. Parallel zum Aufstieg der Rechten beunruhigt sie im Interview mit der SZ auch die Radikalisierung der Linken: "Das ist eine interessante Frage an die Geschichte: Wie haben sich Links-außen-Bewegungen entradikalisiert? Wie ist zum Beispiel die einst marxistisch-klassenkämpferisch geprägte SPD in die politische Mitte der Gesellschaft gerückt? Letztlich doch durch die Einsicht, dass vorsichtigere und konsensualere Reformen nachhaltigere Verbesserungen herbeiführen - wenn eine echte demokratische Beteiligung garantiert ist - als die kompromisslose Forderung nach dem Paradies auf Erden. Es ist momentan viel von Revolution die Rede, und das finde ich bedrohlich, denn Revolutionen sind fast immer blutig - die Revolution von 1989 war eine seltene Ausnahme. Ich verstehe, warum Disruption für manche attraktiv ist, aber letztlich ist das töricht."

In der FR spricht sich der kommunistische französische Philosoph Etienne Balibar in einem Gastbeitrag gegen ein Gesetz aus, dass die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellt. Ein solches Gesetz, wie es gerade von Hessen vorgeschlagen wurde, könnte Kritik an Israel behindern und vor allem an dessen "mangelnder Legitimität": "Noch wichtiger ist die Schlussfolgerung, dass das Existenzrecht des jüdischen Volkes in Israel/Palästina untrennbar mit der Anerkennung, der Wiederherstellung und der Verankerung des Existenzrechts des arabisch-palästinensischen Volkes mehr denn je verbunden ist, mit dem es einen unerträglich ungleichen, aber untrennbaren Komplex bildet. Deshalb darf man weder in Form von Gesetzen noch in offiziellen Reden die Verwirrung von Volk und Staat, Staat und Regime aufrechterhalten, die hinter dem Ausdruck 'Existenzrecht Israels' steckt, und jede Infragestellung davon verbieten. Im Gegenteil, es gilt, im öffentlichen Raum all unserer Länder - und wenn möglich folglich auch in Israel selbst - uneingeschränkt die Frage zu stellen, welcher Staat im 'historischen' Palästina existieren kann (und es verdient zu existieren) und unter welchen Bedingungen er jenen ersetzen könnte, der heute die Voraussetzungen für seine Selbstzerstörung durch Verwüstung seiner Umgebung schafft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.05.2026 - Politik

Die im deutschen Exil lebende iranische Autorin Mina Khani erzählt in der taz, wie unheimlich es sich anfühlt, von deutschen Behörden angesprochen zu werden, die einem mitteilen, dass der iranische Terrorstaat ein Auge auf sie geworfen habe. "Ab diesem Zeitpunkt begann für mich eine Art Sicherheitsbürokratie. Über Monate hinweg musste ich regelmäßig Kontakt mit Sicherheitsbehörden halten, Gespräche führen und Situationen melden. Man sagte mir, die Lage sei noch nicht so akut, dass ich Personenschutz bräuchte. Gleichzeitig solle ich vorsichtiger werden, mein Umfeld beobachten, Kontakte reduzieren und größere Reisen oder öffentliche Veranstaltungen vorher ankündigen. Plötzlich bestand mein Alltag aus Sicherheitsgesprächen, Risikoeinschätzungen und der ständigen Erinnerung daran, beobachtet zu werden. Ich hatte weniger Zeit zu schreiben, weniger Kraft für Mobilität - Dinge, aus denen meine Arbeit bestand. Genau darin liegt ein Teil der Gewalt solcher Systeme."

Bei Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden und Volker Beck von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, wurde die Bedrohung noch konkreter. Ihnen wurde von den Behörden mitgeteilt, dass möglicherweise ein iranischer Anschlag auf sie geplant sei. Die Bild-Zeitung enthüllte die Meldung. Die Reaktionen sind arg verhalten, kommentiert Stefan Laurin bei den Ruhrbaronen. "Beck forderte, den iranischen Botschafter auszuweisen. Natürlich ist er immer noch im Land. Vielleicht ist ja auch ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten: Die Morde und Anschläge des Irans in Deutschland sind ja nichts Neues und haben eine lange Tradition. Konsequenzen musste man in der Terrorzentrale der Mullahs in Berlin, von Humoristen auch Botschaft genannt, nie fürchten. (...) Gestern äußerte sich Steinmeier übrigens nicht zu den Mordplänen gegen seine Mitbürger. Er besuchte ein Biosphärengebiet auf der Schwäbischen Alb. Kurz zuvor lobte er sich selbst in einem Podcast wegen seiner Iran-Diplomatie. Der Kanzler? Der Außenminister? Es ist nichts zu hören. "

Hinweise auf einen der Verdächtigen "kamen vom Bundesamt für Verfassungsschutz", ergänzt Friederike Haupt in der FAZ "Dieser war durch einen Hinweis des israelischen Geheimdienstes Mossad auf den Mann aufmerksam geworden." Das ist insofern pikant Bundesaußenminister, da Johann Wadephul vor einigen Monaten noch beteuert hatte, man brauche die Zusammenarbeit mit dem Mossad nicht unbedingt. In der FAZ berichtet Philip Plickert außerdem von einem Anschlag auf einen iranischen Exiljornalisten in London im Jahr 2024 - hier wird gerade der Prozess auf die rumänischen "Wegwerfterroristen" geführt, die den Journalisten mit einem Messer angriffen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2026 - Politik

Große Empörung weltweit und in Israel löste eine Aktion des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir aus, berichtet unter anderem Hans-Christian Rößler in der FAZ, nachdem einige antiisraelische Aktivisten, die sich der Küste mit Schiffen genähert hatten, festgenommen wurden. "Ben-Gvir hatte am Mittwoch mehrere Aufnahmen veröffentlicht, in denen er inhaftierte und gefesselte Aktivisten verhöhnte - versehen mit dem Kommentar: 'So heißen wir Terrorunterstützer willkommen'. Eine Szene zeigt den Minister, der eine große israelische Flagge schwenkt, während im Hafen von Aschdod Aktivisten gezwungen werden, mit gesenktem Kopf auf dem Boden zu knien, und die israelische Nationalhymne über Lautsprecher ertönt."

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Der Zionismus war seit der Gründung des Staates Israel ein ethnischer Nationalismus, der die Palästinenser ausschloss, erläutert der israelische Historiker Omer Bartov die Hauptthesen seines neuen Buchs "Israel: What went wrong?" im Interview mit der FR. Der Holocaust habe bei der Staatsgründung gar keine so große Rolle gespielt und also auch nicht die Angst, dieser könne sich wiederholen: "Die letzte große militärische Auseinandersetzung, in der Israel tatsächlich existenziell bedroht war, war 1973. Die Palästinenser, die Israel seit 1967 beherrscht und unterdrückt, stellen keine existenzielle Gefahr für Israel dar. Trotzdem wird der Holocaust immer wieder benutzt, um diese Unterdrückung zu legitimieren." Die Hamas und das Massaker vom 7. Oktober blenden er und Interviewer Michael Hesse komplett aus, auch wenn Bartov wieder mal für seine "Idee einer Konföderation" wirbt: "Sie würde zwei Staaten ermöglichen, also Selbstbestimmung für beide Völker. Zugleich müsste sie zwischen Staatsbürgerschaft und Wohnsitz unterscheiden. Man könnte Bürger des einen Staates sein und im anderen wohnen, ähnlich wie ein Deutscher in Paris leben kann, ohne Franzose zu werden. Das würde offene, aber regulierte Grenzen bedeuten, gemeinsame Institutionen, eine geteilte Hauptstadt Jerusalem und Mechanismen, um die Beziehungen zwischen beiden nationalen Gemeinschaften zu regeln."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2026 - Politik

In der FR resümiert der Historiker Joseph Croitoru, die Geschichte der südlibanesischen Stadt Bint Jbeil, die immer wieder zwischen die Fronten von Hisbollah und der israelischen Armee kam. Während der jüngsten israelischen Kämpfe gegen die Hisbollah sei die Stadt massiv zerstört worden, so Croitoru: "Der Likud-Abgeordnete Amit Halevi forderte unterdessen, 'Bint Jbeil wie Dresden auszuradieren'. Sein Parteifreund und Verteidigungsminister Israel Katz setzte dem noch eins drauf und kündigte eine flächendeckende Zerstörung der südlibanesischen Grenzorte an. Die Verheerungen in Bint Jbeil zielen offensichtlich darauf ab, den Ort für lange Zeit unbewohnbar zu machen. Auf Satellitenbildern ist deutlich zu erkennen, dass die gesamte Ortsmitte, einschließlich des in den Jahren nach dem Libanonkrieg restaurierten Altstadtkerns, gesprengt, abgerissen und planiert wurde. So auch mehrere dortige Moscheen, einschließlich der 'Großen Moschee', deren Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen und die als der historisch bedeutendste muslimische Sakralbau in der Region galt. Sie wurde in der osmanischen Zeit im 17. Jahrhundert ausgebaut und nach 2006 teilweise restauriert. Ihre zuletzt mehr als 3000 Bücher umfassende Bibliothek ist wohl für immer verloren gegangen."

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Der "Katechon" ist ein Konzept aus der christlichen Eschatologie, erklärt der Historiker Volker Weiss im Welt-Interview. Was genau er ist, lässt sich nicht so leicht bestimmen, so Weiss, vor allem "eine Kraft des Aufhaltens. Und da beginnt schon die Debatte. Ist es eigentlich eine Figur oder ist es eine Institution?" Der Begriff spielt in der Ideologie der amerikanischen Tech-Elite eine große Rolle: So gilt beispielsweise Trump als der "Katechon", der den Antichristen aufhalten wird. Weiss hat zu dem Thema auch ein Buch verfasst: Der einflussreiche Tech-Milliardär "Peter Thiel operiert gerne mit theologischen Motiven. Das bleibt aber relativ unbestimmt. Er jongliert mit der Johannes-Apokalypse auf der einen Seite, mit dem Paulusbrief auf der anderen Seite. Thiel hält die Kontrolle von Technologie für eine Bedrohung. Er sieht das Wirken des Antichristen darin, dass der Mensch in der Lage sein will, die von seinen Firmen entwickelte Technologie - die dann immer mehr auf künstlicher Intelligenz aufbaut - zu kontrollieren. Das ist eine merkwürdige Umkehrung. Die meisten Menschen haben ja eher Sorge vor einer völlig entfesselten Technologie. Trump und sein Umfeld haben in dieser Projektion - das sind alles Projektionen - durch ihr Deregulierungsprogramm eine katechontische Funktion." Mit dem antiaufklärerischen Antichrist-Denken des Peter Thiel hat sich auch der Dlf in einer Podcastfolge ausführlich befasst.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.05.2026 - Politik

Bernard-Henri Lévy beobachtet in der westlichen Öffentlichkeit "eine seltsame Sehnsucht nach Niederlage". In seiner Kolumne für Le Point schreibt er: "Diese krankhafte Faszination für die Vorstellung eines gedemütigten Amerika hat leider weder mit Trump noch mit jenem guten und gesunden Anti-Trumpismus viel zu tun, den ich selbst hier jede Woche praktiziere... Denn erinnern wir uns: Die gleiche Schadenfreude herrschte, als Bush im Irak feststeckte. Die gleiche boshafte Freude begrüßte Obamas Rückzieher, als er darauf verzichtete, Syrien anzugreifen, und vor Assad kapitulierte." Seltsam auch der vielfach geäußerte Glaube, dass das iranische Regime gestärkt sei: "Was sehen wir? Eine enthauptete iranische Führung. Zerbrochene und teilweise zerschlagene Entscheidungsstrukturen... Und ein Regime, das noch vor wenigen Monaten träumte, Herrscher über ein Reich von Beirut bis Sanaa zu sein, und das sich nun isoliert, geschwächt und geschrumpft wiederfindet und, um ein wenig zu überleben, die Region in die selbstmörderische Logik seines bevorstehenden Untergangs hineinziehen will. Wenn die Vereinigten Staaten den Krieg heute beendeten, hätten sie bereits einen Großteil ihrer Ziele erreicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.05.2026 - Politik

Vor einigen Tagen erschien der von der "Civil Commission on October 7 Crimes by Hamas against Women and Children" ausgearbeitete Bericht über die systematische sexuelle Gewalt am 7. Oktober, der von den Medien eher routiniert aufgenommen wurde. Der Bericht wurde über zweieinhalb Jahre lang minuziös recherchiert - hier ist er nachzulesen. Camilla Long fasst in der Sunday Times noch mal zusammen. "In jedem Absatz finden sich Schilderungen, wie Frauen ausgezogen, vergewaltigt und anschließend getötet wurden. Manchmal wurden sie, nachdem sie getötet wurden, erneut vergewaltigt. Sie wurden verstümmelt: Eine Zeugin des Nova-Musikfestivals berichtete, sie habe gesehen, wie Hamas-Kämpfer einer Frau die Brust abschnitten, während sie sie missbrauchten. Sie warfen sie in den Dreck und spielten dann damit. Anschließend wurde ihr in den Kopf geschossen, während sie noch vergewaltigt wurde. Auf einer Militärbasis schoss man Soldatinnen 'in den Schritt, in die Intimzone, in die Vagina'. Und als all das vorbei war und diese Verbrecher immer noch nicht genug hatten, zerstörten sie den Frauen das Gesicht. 'Oft wurden diesen schönen jungen Frauen in die Augen geschossen', sagte eine Frau, Sharon Laufer, die dabei half, die Leichen für die Beerdigung vorzubereiten."

Am Beispiel USA kann man miterleben, wie eine Supermacht Selbstmord begeht, meint Timothy Snyder in der SZ. Durch seine egoistische und kapitalorientierte Politik stürzt Trump den Staat in den Abgrund, auch außenpolitisch: "Der Krieg gegen Iran ist eine klare strategische Niederlage; soweit die USA überhaupt Ziele hatten, wurden diese nicht erreicht. Trumps Politik hat dazu geführt, dass mehr angereichertes Uran in den Händen eines noch radikaleren iranischen Regimes verbleibt, das über neue Quellen wirtschaftlicher Macht verfügt (Kontrolle der Straße von Hormus; Einschüchterung der Golfstaaten), und hat es den USA praktisch unmöglich gemacht, Einfluss auf die iranische Gesellschaft zu nehmen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2026 - Politik

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Der Moralpsychologe Jonathan Haidt argumentiert in seinem Buch, das schon vor zwanzig Jahren erschien, dass sich Angehörige politischer Lager oft so unversöhnlich gegenüberstehen, weil sie von unterschiedlichen "moralischen Grundlagen" ausgehen. Nun wurde das Buch ins Deutsche übersetzt und Haidt erklärt im SZ-Interview, warum seine Theorie heute noch Gültigkeit hat: "Demokratie ist ein Gespräch. Aber als es in die sozialen Netzwerke übersiedelte, verfiel es in ständigen Krieg. Wer geradewegs auf die Gegenposition zumarschiert, wird abgeschossen. Aber ein Gespräch kann wie eine Reise sein: Man startet an einem Ort, und am Ende fühlt man sich anders zueinander. Moralische Intuition kommt immer zuerst, bevor Argumente eine Chance haben. Deswegen braucht es erst eine soziale Verbindung, etwas Nähe und daraus resultierendes Vertrauen. Dann sind Fragen möglich: Wie sind Sie zu dieser Haltung gekommen? Bringen Sie andere zum Reden. Wenn Sie wirklich gut zuhören und ein paar Punkte anerkennen, werden Gesprächspartner dasselbe tun."

"Ob es will oder nicht, Singapur liegt im Fadenkreuz potenzieller künftiger Konflikte zwischen China und den USA", erklärt der Politologe Alexander Görlach in der NZZ. Mit Sorge blickt die Regierung in Singapur auf den Konflikt um die Straße von Hormus, denn sollte es nun üblich werden, "Halsschlagadern des Handels zu politischen Waffen" zu machen, könnte das für Singapur große Probleme bedeuten: "Sollte die Taktik von Irans maritimer Erpressung Schule machen, könnte die Straße von Malakka als Nächstes auf der Liste stehen, fürchtet Premierminister Lawrence Wong. Geostrategisch betrachtet ist diese Handelsstraße aufgrund ihrer extremen Enge von nur 2,8 Kilometern (zum Vergleich: die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle 33 Kilometer breit) operativ sogar noch leichter zu blockieren als Hormus, eine Tatsache, die den Freihandel in ein Zeitalter der Willkür und der Nötigung stürzen würde. Wong warnt vor Chaos und immensen Folgen für die Weltwirtschaft. Fast ein Drittel des gesamten globalen Warenhandels und rund 80 Prozent der Ölimporte für Nordostasien werden durch die Straße von Malakka geschleust. Für Singapur ist diese maritime Schlagader die Existenzgrundlage: Da der Logistik- und Handelssektor über 14 Prozent zum Bruttoinlandprodukt beiträgt, würde eine Blockade nicht nur den lokalen Wohlstand, sondern die ökonomische Stabilität des gesamten Stadtstaates unmittelbar gefährden."