Der Mord an
Charlie Kirk "hat eines ganz deutlich gemacht: die beispiellose ideologische Annäherung zwischen der amerikanischen und der europäischen Rechten", meint in der
Welt der
New-York-Times-Autor James Kirchick, der hier auch mit Blick auf Mahnwachen in London, Berlin, Madrid und Rom die "
Geburtsstunde einer transatlantischen Rechten" erkennt: "Es fällt schwer, sich an eine Zeit zu erinnern, in der die amerikanische und die europäische Rechte so sehr im Gleichschritt waren. Während des Kalten Krieges waren die konservativen Parteien vor allem durch den
Antikommunismus vereint. Die sogenannte 'Globalisierung' hatte noch keine Wurzeln geschlagen, und so hatten die kulturellen Themen, die heute die Politik dominieren, noch nicht die Bedeutung, die sie heute haben. Die politischen Parteien waren auch ideologisch vielfältiger (es gab etwa konservative Demokraten und liberale Republikaner), und in Europa schwächte die
Dominanz der Volksparteien (wie die deutschen Mitte-Links-Sozialdemokraten und Mitte-Rechts-Christdemokraten) den politischen Extremismus ab."
In seiner
SpOn-Kolumne kritisiert Sascha Lobo die Linken, die nun den Mord an dem rechtsextremen Aktivisten Kirk feiern: "Wer politische Gewalt innerhalb einer liberalen Demokratie als legitim ansieht, ist faktisch
gegen die liberale Demokratie. Und zwar egal, welche politische Haltung das Opfer hat oder wie abscheulich seine Äußerungen sein mögen. Genauso abscheulich ist die Haltung derjenigen, die Mord dann akzeptabel finden, wenn es die Richtigen trifft, sprich: die anderen. (…) Die Essenz des demokratischen Linksseins … ist, an die Gleichwertigkeit aller Menschen zu glauben. Wenn man aber die Ermordung von Menschen mit menschenfeindlicher Haltung gutheißt, dann ist man selbst menschenfeindlich und stürzt damit in die autoritäre, bigotte, dunkle Sphäre des
antidemokratischen Linksseins."
In ihrer
FAS-Kolumne ist Ronya Othmann fassungslos, dass Syriens Interimspräsident
Abu Muhammad Al-Dscholani auch nach den Massakern an den Alawiten und Drusen vom Westen noch hofiert wird. Aber klar, man hat natürlich Interessen, meint sie: "
Wirtschaftliche Zusammenarbeit will man, denn da, wo viel in Grund und Boden gebombt wurde, gibt es viel aufzubauen und womöglich noch mehr zu holen. Und
Flüchtlinge abschieben oder zumindest zur Rückkehr bewegen… Und zuletzt will man natürlich auch den langjährigen Freund
Erdogan nicht verärgern, der mit Syrien ganz eigene Pläne hat: in erster Linie die widerspenstigen Kurden wieder unter zentralistische Herrschaft bekommen und ihr klitzekleines bisschen Autonomie zerschlagen. Dass die Kurden noch vor einer Weile gegen die Islamisten gekämpft haben, die man jetzt hofiert, ist einer der vielen Pointen unserer aberwitzigen Gegenwart."
Im
FR-
Interview mit Daniel Bax erklärt der britische Politikwissenschaftler
Timothy Williams von der International Association of Genocide Scholars (IAGS), wie der Verband zu der Einschätzung kam, Israel begehe einen
Völkermord in Gaza und geht auf die Vorwürfe ein, bei der IAGS handele es sich nicht um seriöse wissenschaftliche Institution (
unsere Resümees): Ein Mitgliedschaftsbeitrag sei auch bei anderen bei anderen Wissenschaftsvereinigungen üblich - und bis vor kurzem habe es "außer für seriöse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keinen Grund" gegeben, Mitglied zu werden. Auch dem Vorwurf, seit dem 7. Oktober sei die Anzahl der Mitglieder
von 144 auf über 500 gestiegen, widerspricht er: "Diese falsche Information geht auf eine im Netz nun kursierende Liste von Mitgliedern zurück, die zu diesem Zeitpunkt für Medienanfragen bereit standen. Wir haben diese Seite aus Sicherheitsgründen aktuell offline geschaltet. Nun kursiert die Behauptung, das sei eine alte Mitgliederliste gewesen. Das ist falsch. Zu dem Zeitpunkt hatten wir zwischen 500 und 600 Mitglieder - also ähnlich viele wie zum Zeitpunkt unserer
letzten Resolution."
Mit Kräften wie der
Hamas "kann man nur verhandeln, wenn man dauerhaften und nicht grundsätzlich beschränkten
militärischen Druck ausübt", konstatiert Daniel-Dylan Böhmer in der
Welt: "Aber schießen allein hilft auch nicht. Israel hat die Hamas in Gaza so weit besiegt, wie es möglich ist. Es existieren nur noch
versprengte Kleingruppen, die keine echte Gefahr mehr darstellen. Mit einer
Einigung könnte Israel so viel erreichen: die Freiheit der Geiseln; ein Ende des Militäreinsatzes, der das Land bluten lässt und traumatisiert; ein Konstrukt, auf dem Beziehungen zu den Palästinensern gestaltet werden könnten; die Beseitigung des letzten Hindernisses für einen Frieden mit dem Königreich
Saudi-
Arabien und damit die Verankerung Israels in fast der gesamten muslimischen Welt."
Drei Jahre nach dem Mord an
Jina Mahsa Amini durch die iranische Sittenpolizei
fragt die iranische Journalistin Mahtab Qolizadeh in der
taz bei IranerInnen nach, was sich nach den Protesten verändert hat. Immerhin: Mehr Frauen zeigen sich wieder ohne Hidschab. Die Antwort, die ihr Supermarktverkäufer Shayan via
Telegram aus Teheran sendet, steht für die Desillusionierung der Iraner, so Qolizadeh: "Obwohl die Mahsa-Bewegung für die Situation der Frauen im heutigen Iran nicht irrelevant ist, war es der
israelische Militärschlag, der eine funktionale und praktische Wirkung hatte. Ich hasse Krieg, aber ich glaube nicht, dass es einen anderen Weg gibt. Ehrlich, ich gehe nicht mal mehr auf die Straße. Ich möchte nicht durch die Kugeln der Streitkräfte der Islamischen Republik erblinden oder gelähmt werden. Wenn Proteste Ergebnisse bringen würden, hätten sie das inzwischen getan. Was jungen Menschen heute ein etwas freieres Leben ermöglicht, ist die
Angst des Regimes. Sie gründet einzig und allein in dem militärischen Angriff und der Gefahr eines Massenaufstands."
Im Aufmacher des
SZ-Feuilletons schaudert es Peter Richter, wenn er an Putins und Xi Jinpings
Gespräch über Unsterblichkeit denkt, insbesondere nach Putins Aussage, "mit der Entwicklung der Biotechnologie" könnten "
menschliche Organe kontinuierlich transplantiert werden". Denn: "Gerade wenn sie auf chinesischem Boden getätigt wird, muss so eine Bemerkung auch die Berichte von staatlich betriebener '
Organ-
Ernte' (Forced Organ Harvesting) an inhaftierten Falun-Gong-Anhängern und Uiguren in Erinnerung rufen, die in den Nullerjahren zuerst von kanadischen Menschenrechtsaktivisten kamen - oft plausibilisiert durch die perfide Pointe, dass diese verfolgten Bevölkerungsgruppen durch ihren Lebenswandel, namentlich Alkoholverzicht, vergleichsweise gesundes Organmaterial lieferten."