In einem Essay für die
Financial Times ruft
Fania Oz-
Salzberger die gemäßigten Israelis und Palästinenser auf, sich
gegen die Radikalen auf beiden Seiten zu stellen: "Es wird kein Palästina vom Fluss bis zum Meer und kein Großisrael geben. Dieser Konflikt kann nur durch territoriale und politische Kompromisse gelöst werden. Ein solch harter Realismus wird in der globalen Debatte oft abgelehnt. Ein Großteil der menschlichen Empathie für die unschuldigen Opfer in Gaza - eine sehr gerechte Empathie - marschiert unter dem Banner 'Free Palestine'. Dieser eingängige und bewegende Slogan hat ein Hauptproblem: Immer wenn er für sich allein steht, bedeutet er 'Vernichtet Israel'." Diesen Stimmen gilt es ebenso entgegenzutreten wie den israelischen Rechten. "Bitte betrachten Sie dies auch als
Warnung für andere Demokratien. Der derzeitige Konflikt zwischen dem fanatischen Jerusalem und dem liberalen Tel Aviv könnte die Zukunft anderer westlicher Demokratien ankündigen. Parallel dazu wird das, was als Nächstes mit den Palästinensern geschieht, die Nord-Süd-Achse insgesamt erschüttern. Die verbliebenen wahren Freunde Israels und die wahren Freunde Palästinas sind aufgefordert, unsere
pro-
demokratische Zivilgesellschaft zu unterstützen, insbesondere den friedenssuchenden Teil. Vernünftige Regierungen sollten Netanjahu sanktionieren oder bestrafen, aber sich davor hüten, die Hamas zu belohnen. Israel, das wahre Israel, ist nicht mehr seine Regierung, sondern seine Zivilgesellschaft, einschließlich des größten Teils seiner Wissenschaft und Kunst. Bitte überlegen Sie sich gut, wen Sie unterstützen, und denken Sie sorgfältig darüber nach, wen Sie bestrafen."
Auf Seite 1 der
taz verkündet Leon Holly in triumphalistischem Ton, dass die "weltweit führende Organisation von Genozidforschern", die International Association of Genocide Scholars, Israel jetzt mehrheitlich einen
Genozid bescheinigt. Na endlich! Holly fordert umgehend Taten, um den Verpflichtungen aus der Genozidkonvention nachzukommen: "Die Konvention verpflichtet auch den Unterzeichnerstaat Deutschland, alles zu tun, um einen Völkermord zu verhindern oder
zu bestrafen. Doch von der Bundesregierung kommt kaum etwas. Doch nicht nur Regierungen sind in der Pflicht. So pochen die Forscher auch auf die Verantwortung der Zivilgesellschaft, ihre Staaten zum Handeln zu bewegen. Das ist nichts anderes als ein nett umschriebener Aufruf zum
zivilen Ungehorsam. Und den braucht es, von der Massendemo zum Streik." Eine Seite weiter in der
taz meldet Daniel Bax, dass die Resolution zwar von 86 Prozent der abstimmenden Mitglieder verabschiedet worden sei, jedoch nur nur
28 Prozent der 500 Mitglieder an der Abstimmung teilnahmen.
Die Wissenschaftlerin
Sara Brown, ein Mitglied der Vereinigung seit mehr als zehn Jahren, kritisierte am Montag, dass die Resolution durchgepeitscht worden sei, ohne die sonst übliche
offene Debatte unter den Mitgliedern,
meldet Luke Tress in der
Times of Israel: "Sie sagte, der Verband diskutiere kontroverse Resolutionen in der Regel in einer virtuellen Bürgerversammlung, in der die Mitglieder die Maßnahmen diskutieren können. Im Falle der Israel-Resolution habe die Führung des Verbandes eine
Diskussion abgelehnt, sagte sie. 'Der Inhalt der Resolution und die Art und Weise, wie sie durchgesetzt wurde, zeugen von einem
peinlichen Mangel an Professionalität', sagte sie. Zu ihren Bedenken hinsichtlich des Beschlusses gehört, dass darin Organisationen zitiert werden, die die Definition von Völkermord neu interpretiert haben, damit sie auf Israel zutrifft, wie beispielsweise
Amnesty International. Die Gruppe zitierte auch die UN-Sonderermittlerin für die Palästinenser,
Francesca Albanese, die für ihren Antisemitismus und ihre extremistische Rhetorik bekannt ist, wie beispielsweise die Leugnung des Selbstverteidigungsrechts Israels."
Es geht bei diesem Streit - Völkermord oder nicht - nicht nur um Worte, erinnert Sonja Zekri in der
SZ: "Einzig die
UN-Völkermord-Konvention - nicht aber der Vorwurf von Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit - erlaubt die direkte Anrufung des Internationalen Gerichtshofes. So konnte beispielsweise Südafrika beim IGH ein Verfahren gegen Israel wegen des Verstoßes gegen die UN-Völkermord-Konvention anstrengen. Zudem verpflichtet die UN-Konvention die Unterzeichner-Staaten, zu denen auch Deutschland gehört, gegen einen drohenden oder sich vollziehenden Völkermord einzuschreiten und die Täter zu bestrafen. Eine politische
Dynamik von Sanktionen oder anderen Maßnahmen käme in Gang, die Auswirkungen auf den Gaza-Krieg haben würde."
Donald Trumps Strafzoll-Politik hat dazu geführt, dass viele Verbündete der USA sich nicht mehr sicher sind, ob sie auf den amerikanischen Schutz vertrauen können, hält der Politologe
Alexander Görlach in der
NZZ fest. Gerade bei Ländern wie
Vietnam, die sowohl mit China als auch mit den USA kooperieren, führt das zu einem
Ungleichgewicht: "Peking hat noch keinem seiner Handelspartner von sich aus Strafzölle angedroht, nur weil sie auch mit den USA Geschäfte machen. Xi Jinping fährt vielmehr eine zweigleisige Strategie, nicht nur mit Vietnam: Investitionen sollen sicherstellen, dass in wirtschaftlichen und politischen Fragen gegebenenfalls zugunsten Pekings entschieden wird. Im Gegenzug für Investitionen erwartet man von den Partnern Zurückhaltung bei Kritik sowie
Unterstützung in der Uno. In gewisser Weise ähnelt dieses Vorgehen der Strategie Washingtons, das seine Partner wirtschaftlich an sich gebunden hat, verbunden mit dem klar artikulierten Wunsch, sich zu demokratisieren und die Menschenrechte zu achten. Doch Donald Trump hat mit diesem Paradigma der US-Außen- und Handelspolitik gebrochen und Peking damit
zusätzlichen Raum verschafft, gerade in Ländern wie Vietnam, die sich aufgrund der geografischen Nähe zu China ohnehin bereits im Orbit Pekings bewegen müssen."
Im
Welt-Interview mit Martin Scholz drückt die chilenische Schriftstellerin
Isabel Allende ihre Wut über die aktuelle Situation in den USA aus. Hoffnung auf baldige Besserung hat sie nicht: "Das ist erst der Anfang. Es wird noch viel mehr kommen. Ich sehe die Auswirkungen all dieser Disruptionen auch im Alltag, bei der Arbeit meiner Stiftung, die sich für in Not geratene Frauen und deren reproduktiven Rechten einsetzt. Kürzlich habe ich die Nachricht erhalten, dass einer Frau in Tennessee die
Schwangerschaftsvorsorge verweigert wurde, weil sie nicht verheiratet war - dabei lebte sie 15 Jahre mit ihrem Partner zusammen. All das ist Teil einer neuen Philosophie, was diese
christliche Nation künftig darstellen soll."