Nachdem
Tunesiens Präsident Kais Saied im Februar "Horden illegaler Migranten" in Tunesien angeprangert und ihnen "Gewalt, Verbrechen und inakzeptable Handlungen" vorgeworfen hatte, häuften sich die
Angriffe auf Schwarze - oft mit Zutun der Polizei. Inzwischen haben einzelne afrikanische Staaten damit begonnen, ihre Landsleute aus Tunesien
auszufliegen,
berichtet Dominic Johnson in der
taz: "
Guinea war das erste Land, das verfolgte Landsleute aus Tunesien evakuierte. ... Andere Länder folgten:
Burkina Faso,
Elfenbeinküste,
Mali,
Senegal. Insgesamt sind mehrere Tausend Menschen aus Tunesien nach Hause gebracht worden. Allein die Elfenbeinküste hat bislang 1.053 Rückkehrer aufgenommen - von rund 7.000 Ivorern in Tunesien insgesamt. Der bislang letzte Flug landete am vergangenen Donnerstag. Sie alle werden bei der Ankunft überprüft, polizeilich befragt und medizinisch untersucht, bevor sie in ein Transitzentrum kommen, jeweils umgerechnet 244 Euro bekommen und dann sehen müssen, wo sie bleiben. Viele haben
alles verloren und nicht nur in der Elfenbeinküste scheuen sich Rückkehrer oft davor, zu ihren Familien zurückzugehen, wenn sie mit leeren Händen kommen."
In
Algerien wiederum werden jährlich
Zehntausende Menschen abgeschoben,
berichtet Sofian Philip Naceur, ebenfalls in der
taz. "Seit Jahren lassen algerische Behörden willkürlich und unter eklatanter Verletzung internationaler Flüchtlings- und Menschenrechtskonventionen fast wöchentlich Hunderte Geflüchtete und Migranten im Norden Algeriens verhaften. Die Menschen werden in Buskonvois in das rund 2.000 Kilometer südlich von Algier gelegene Tamanrasset transferiert. Auf Grundlage eines 2014 unterzeichneten Rücknahmeabkommens zwischen Niger und Algerien werden diese dann
auf Lkws gepfercht und meist am sogenannten 'Point Zero' mitten in der Sahara ausgesetzt. Von diesem noch auf algerischem Territorium befindlichen Ort werden Abgeschobene gezwungen,
rund 15 Kilometer nach Assamaka zu laufen, wo MSF, APS oder IOM Nothilfe leisten."
Die liberalen Israelis haben mit ihren massiven Protesten in den letzten Wochen einen
Aufschub der Justizreform bis Ende April erreicht. Aber der Backlash wird nicht auf sich warten lassen, ist der israelische Schriftsteller und Filmemacher
Ron Segal in der
FAZ überzeugt, selbst wenn Netanjahu die Reform ganz aufhebt: "Anstatt sich von einem euphorischen Triumph darüber blenden zu lassen, dass die Reform verschoben oder sogar zurückgezogen wurde, sollte die Öffentlichkeit, die sich dem juristischen Staatsstreich widersetzt, die gegenwärtige Krise als eine Gelegenheit sehen, die Grundgesetze Israels fester im politischen Leben zu verankern, oder besser:
eine Verfassung für den Staat Israel zu schaffen."
Die Demonstranten machen sich auch keine Illusionen,
schreibt Judith Poppe in der
taz: "Am Dienstag wurde bekannt, dass kurz vor Netanjahus Rede der Gesetzesentwurf zur Ernennung von Richtern in einem
Eilverfahren durch den Verfassungsausschuss des Parlaments gedrückt wurde. Das heißt: Er kann
jeden Moment zur Abstimmung gebracht werden." Außerdem hatte die Zustimmung des rechtsextremen Koalitionspolitikers
Itamar Ben-
Gvir zur Verschiebung der Reform einen Preis, so Poppe: "Nach stundenlangen Verhandlungen sicherte Netanjahu ihm nun eine
lang ersehnte Nationalgarde zu, die in Ben-Gvirs Ministerium eingerichtet werden soll."
Netanjahu gefährdet derzeit sowohl die
Sicherheit Israels als auch sein
Lebenswerk, schreibt Daniel-Dylan Böhmer in der
Welt. Denn es war Netanjahu, der
Friedensschlüsse arabischer Staaten mit Israel erreichte. Nun aber lässt das Justizchaos in Jerusalem "Israel nicht mehr als verlässlichen Partner erscheinen, sondern als Staat, den sein Premier umbaut, um einerseits seinen Korruptionsprozessen zu entkommen, und andererseits die Interessen seiner ultrareligiösen Koalitionspartner zu bedienen, die den Konflikt mit den Palästinensern gezielt eskalieren." Auch die Hoffnung auf einen Friedensschluss mit
Saudi-
Arabien hilft nicht gerade, dass "in Jerusalem eine Koalition regiert, deren Angehörige
Deportationen von Arabern befürworten, Sympathie für die
Verwüstung palästinensischer Dörfer durch jüdische Siedler erkennen lassen und vor Israel-Karten auftreten, auf denen auch ein
Teil Jordaniens zum israelischen Territorium gehört."