Während in Berlin "Tod den Juden" gebrüllt wurde, beschossen arabische Terroristen am Wochenende
Israel mit Bomben (
mehr dazu in der
taz). Dass ändert nichts daran, dass immer noch zehntausende Israelis gegen die Regierung Netanjahu protestieren, auch der Schriftsteller und Rechtsanwalt
Yishai Sarid, der im Interview mit der
FAZ erklärt: "Die aktuellen Proteste kreisen zentral ja nicht um die Palästinenserfrage, und doch sehen immer mehr Leute, wie sehr diese ungelöste Situation
maßgeblich von den Siedlern zu verantworten ist. ... Die Last, über so viele Jahre Gewalt anzuwenden und auch anwenden zu müssen, um als Nation zu überleben, prägt uns. Ich bin
kein Pazifist und überzeugt, dass Israel stark sein muss und eine wehrhafte Armee braucht. Die Palästinenser sind an der verfahrenen Situation nicht ganz unschuldig, sie haben ihren Anteil daran. Aber wenn eine Gesellschaft so viele Jahre mit Gewalt zu tun hat, dann hat das auf alle Auswirkungen. Und was wir heute an Rassismus und antiarabischen Aktionen in Israel erleben, ist die Folge solcher Prozesse."
Abgeschossen wurden die Raketen aus
Südlibanon, der zum Teil von der
Hisbollah kontrolliert wird. "
Hamas und Hisbollah arbeiten schon lange zusammen", erklärt im
Interview mit der
taz der israelischer Generalmajor Yaakov Amidror. "Die Hisbollah hat geholfen, die Hamas aufzubauen, hat ihre Kämpfer trainiert. Und sie verbessern ihre Beziehungen immer weiter, Hamas-Kämpfer sind im Libanon sehr aktiv, einige Führungsfiguren der Gruppe leben dort, unter dem Schirm der Hisbollah. Beide Gruppen gehören dem 'Ring des Feuers' aus antiisraelischen,
dem Iran verbundenen Milizen und Gruppen an, die dieser rund um Israel aufgezogen hat. ... Diese antiisraelischen Kooperationen sind nicht neu, werden aber immer weiter forciert. Und das
Schweigen des Westens ist gefährlich: Israel ist umschlossen von Terrorgruppen, und bisher gab es auch zu den jüngsten Angriffen kaum Reaktionen - erst wenn Israel sich wehrt."
In der
SZ porträtiert der Sinologe
Daniel Leese den Politologen
Wang Huning, der als Chefstratege der Kommunistischen Partei Chinas unter
Xi Jinping laut Leese derzeit als "
mächtigster Intellektueller der Welt" gilt: "Die Grundzüge seines Denkens drehen sich vor allem um die Frage, wie es praktisch gelingen könne, China zu einem geeinten, modernen und
mächtigen Staat aufzubauen. (…) Wangs Ansichten prägen die chinesische Politik bis heute nachhaltig. Im Kern seines Denkens zeigt sich dabei ein Widerspruch zwischen politischen Zielen und praktischer Umsetzung. Das Ziel einer transparenten sozialistischen Demokratie soll durch
autoritär vermittelte Kernwerte und technologische Steuerungsinstrumente erreicht werden. Diese eklektische Mischung aus sozialistisch fundiertem
Kulturkonservativismus und dem Glauben an technische Lösungen, nicht zuletzt dem
Sozialkreditsystem sowie der Einbeziehung des Volkswillens in Form einer 'konsultativen Demokratie', wird auch in Zukunft westliche Regierungsvorstellungen herausfordern und bedarf einer ernsthaften Auseinandersetzung."
In Europa mag die
russische Propaganda heute weitestgehend gefiltert werden, im Nahen Osten funktioniert sie ungebremst,
warnt in
Politico der britische Politikwissenschaftler H.A. Hellyer. So wurden Weißhelme in Syrien für angebliche
Angriffe mit Chemiewaffen verantwortlich gemacht oder die EU und die USA für die
globale Weizenkrise. Der Ukraine wird etwa unterstellt, sie habe geheime Labors zur Entwicklung
biologischer Waffen gebaut, so Hellyer. "Schauen Sie einfach hinter viele der falschen Behauptungen, die in den sozialen Medien verbreitet werden, und Sie werden
Sputnik und
RT Arabic finden. Der Sender, der im Nahen Osten so bekannt ist wie einst in Europa, sendet
24 Stunden am Tag über acht Satellitensender und gehört damit zu den fünf meistgesehenen Nachrichtensendern in der Region. Darüber hinaus ist
RT Arabic auch eine der beliebtesten Nachrichtenseiten in der Region, die in manchen Monaten sogar
Al-Jazeera übertrifft, und sein YouTube-Kanal hat mehr Abonnenten als jede andere RT-Tochtergesellschaft. Insgesamt haben die Social-Media-Plattformen von RT Arabic
804 Millionen Aufrufe erreicht - eine Zahl, die seit Februar 2022 exponentiell gestiegen ist. Die bedeutende Online-Präsenz von RT Arabic bedeutet, dass die kremlfreundliche Propaganda
direkt an die jüngeren Generationen in der arabischsprachigen Welt herangetragen wird - und die Methoden sind nicht gerade subtil."