Sufis sind keine Sekte, sondern eine spirituelle Bewegung innerhalb des Islam, möchte Marian Brehmer in der NZZklar stellen: "Ironischerweise bedienen sich die islamischen Fundamentalisten für die Rechtfertigung ihrer Gewalt ähnlicher Kategorien wie mangelhaft informierte Beobachter im Westen: Sie unterscheiden zwischen einem orthodoxen Islam, den sie für den 'wahren' halten, und einem mystischen, der für sie 'fehlgeleitet' ist. Der hier zugrunde liegende Denkfehler, welcher auf einem Paradigma der Spaltung beruht, ist - auch wenn er in gegenteilige Einschätzungen des Sufismus mündet - der gleiche. ... Wenn wir die Sufis vom Islam trennen, bestätigen wir unwissentlich nicht nur die Argumentationsmuster der Extremisten, sondern diskreditieren auch die übrigen Muslime. Nur die Sufis für tolerant und friedlich zu halten, impliziert, dass der Rest der Muslime nicht tolerant und friedlich sei."
In der SZ wünscht sich der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi insgesamt einen moderneren humanistischeren Islam. Dazu müsste man sich aber erst mal eingestehen, dass es ein Problem gibt: "Gefahr droht nicht allein von den Salafisten. Viel gefährlicher sind die sogenannten moderaten Islamisten, die ständig betonen, dass es keinen Extremismus in ihren Gemeinden gibt. Indem sie die Augen vor den Gefahren des Islamismus und seinen Predigern verschließen, bieten sie ihnen den Hort, den sie benötigen, um Anhänger zu gewinnen und ihre Lehre der Gewalt zu verbreiten. Zu den Apologeten gehören die konservativen Dachverbände, die einerseits meisterhaft die Opferrolle pflegen und andererseits in der Öffentlichkeit den Ton des Überlegenen anschlagen, der zu fordern und nicht so sehr zu liefern hat. Ihre konservative Islamkonzeption und ihre Opferhaltung werden gewiss keinen Beitrag zur Integration der hier lebenden Muslime und der Deradikalisierung der Islamisten leisten, ganz zu schweigen von der Verwirklichung einer Islamreform."
Der Papst hat immer neue Ideen, seufzt Alex Rühle in der SZ. Jetzt will er das Vaterunser ändern und zwar die Formel "und führe uns nicht in Versuchung": "Gott wolle den Menschen nie selbst in Versuchung führen. 'Ein Vater tut so etwas nicht', erklärte er. 'Ein Vater hilft, sofort wieder aufzustehen. Es ist Satan, der dich in Versuchung führt.'" Auch Jürgen Kaube kommentiert in der FAZ.
Der Jurist Steffen Augsberg und der Theologe Peter Dabrock wenden sich in der FAZ gegen eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, die so etwas wie aktive Sterbehilfe zumindest entfernt nicht abzulehnen schien, und verlangen, dass "denen entschieden entgegengetreten wird, die den Suizid romantisieren oder idealisieren und zu einer Normaloption des Sterbens erklären wollen".
Die Deutschen fühlen deshalb eine so "tief sitzende Aversion gegen den Islam als Religionsgemeinschaft", weil sie selbst nicht mehr religiös sind, fürchtet Malte Lehming im Tagesspiegel: "Das entchristlichte Europa ist in Glaubensdingen ahnungslos geworden. Kein Wunder: Wie sollen Menschen die Welt verstehen, wenn sie in einem emphatischen Sinne gar nicht wissen, was religiöser Glaube, religiöse Frömmigkeit ist?" Traurig merkt Lehming auch an: "Nur ein Viertel der Bevölkerung sagt, dass ihr Glaube sie als Person definiere. Zum Vergleich: In Indien sind es 70 Prozent, in Südafrika 66 Prozent." Und wo läuft es allem in allem besser?
Der Umsturz in Simbabwe wurde auch von "Spirit Medien", die Kontakt mit den Vorfahren halten, und evangelikalen Predigern betrieben, schreibt Dominic Johson in der taz: "In vielen postkolonialen Gewaltsystemen Afrikas haben Propheten und Prediger eine zentrale Rolle in der politischen Kultur übernommen. Das wird international meist übersehen oder belächelt, aber das ist genauso ein Fehler wie die Ignoranz der Kolonialisten gegenüber der Sprengkraft vorkolonialer Überlieferungen. Wo es keine funktionierenden Verfassungen und Rechtssysteme gibt und allein die Willkür der Mächtigen herrscht, ist der Verweis auf den Allmächtigen und die immerwährende göttliche Wahrheit die einzige Möglichkeit, aus dem Volk heraus den Allmachtsanspruch des Staatschefs zu hinterfragen."
Droht eine neue Rushdie-Affäre, diesmal ausgelöst von hinduistischen Fundamentalisten? Der auf Bollywood-Filme spezialisierte Journalist Sunny Malik erzählt im Guardian die Geschichte von Sanjay Leela Bhansalis Film "Padmavati", der von Fanatikern der Hindu-Kaste Karni Sena angegriffen wird, weil er angeblich eine Hindu-muslimische Romanze schildert. In Indien ist der Film schon auf den Index geraten. In Britannien soll er nun gezeigt werden - so dass nun Proteste drohen. Sprecher der Karni Sena-Kaste drohten, der Schauspielerin Deepika Padukone wegen ihrer "unanständigen" Rolle die Nase abzuschneiden und setzten ein Kopfgeld auf sie und den Regisseur aus: "Es ist schrecklich, dass solche Drohungen im indischen Fernsehen ausgesprochen werden, aber es ist noch bestürzender, dass die Ko-Stars Padukones in dem Film, Shahid Kapoor and Ranveer Singh, sie nicht öffentlich verteidigten. Dieser Mangel an Solidarität kennzeichnete die indische Filmindustrie schon bei früheren Kontroversen."
Toby Ashraf spricht für die taz mit den Filmemacherinnen Antje Kruska und Judith Keil, die einen Film über die Neuköllner Dar-Assalam Moschee gemacht haben und aus allen Wolken fielen, als sie hörten, dass die Moschee und ihr Imam Taha Sabri mit Radikalen in Zusammenhang gebracht wurden: "Unsere Haltung war aber sofort solidarisch mit unserem Protagonisten, was nicht bedeutet, dass wir uns nicht mit dem Verfassungsschutz und einigen Experten in Verbindung gesetzt hätten. Natürlich haben wir auch mit Taha Sabri darüber geredet. Wir sind ziemlich schnell zu dem Schluss gekommen, dass die Beschuldigungen gegen Sabri, heimlich radikal zu sein oder verfassungswidrig zu operieren, nicht zusammenzubringen sind mit seinem täglichen Engagement." Unter anderem hatte die Religionskritikerin Necla Kelek die Moschee in der Welt neulich als salafistisch bezeichnet.
Ronald D. Gerste hat für die NZZ das von konservativen Evangelikalen gegründete und mit allen High-Tech-Schikanen ausgerüstete neue Bibel-Museum in Washington besucht, das sich zunächst recht neutral gibt und dann doch das eine oder andere auslässt: "Gerade die Gewalt im Namen des Herrn auf diesem Kontinent hätte man sich thematisiert gewünscht; umso mehr, als das dem neuen Museum nächstgelegene Haus der Smithsonian Institution, das Museum of the American Indian, so erbärmlich wenig auf den Genozid an den Ureinwohnern eingeht, der allzu oft unter dem Motto der 'Christianisierung' oder der 'Zivilisierung' stattfand."
Der Theologe Jan-Heiner TückverteidigtPapst Franziskus, den seine Gegner in Art einer vatikanischen Palastintrige unter Häresieverdacht stellen. Der Papst ziehe keinerlei Lehrmeinung in Frage: "Franziskus lehnt einen Rigorismus ab, der Zweitehen zwischen Getauften als 'fortgesetzten Ehebruch' betrachtet und die Betroffenen von den Sakramenten ausschließt. Er entspricht aber auch nicht der Erwartung, die Sakramente unterschiedslos für alle freizugeben. Doktrinäre Kaltherzigkeit und liberale Gleichgültigkeit sind keine guten Ratgeber, wenn Menschen in schwierigen Lebenslagen geholfen werden soll. Das aber ist das Anliegen von Franziskus, der die Kirche gerne als 'Feldlazarett' bezeichnet und eine Seelsorge fordert, die hilft und heilt statt verurteilt und ausgrenzt."
Eine Barbie mit Hidschab, die die kleinen Mädchen muslimischer Herkunft auf ihre künftige Rolle vorbereitet ("Unsere Altersempfehlung: ab 3 Jahre" heißt es bei Amazon zu Barbies im allgemeinen), sorgt für Aufregung. Die katholische Autorin Birgit Kelle teilt in der Welt mit, dass sie eine siebentätige Facebook-Sperre bekommen habe, weil sie folgenden Satz schreib: "Und so drängte sich mir die Frage auf, ob es demnächst wohl auch das Barbie-Haus gibt, in dem der liebe Ken seine Barbie auspeitschen oder steinigen lassen kann, wenn sie den hübschen Hidschab ablegen will?" Lautkath.net hob Facebook die Sperre am Mittwochabend auf.
Die "tugendhaft gekleidete" Barbie erhält aber auch Zuspruch, weil sie nach der Figur der olympischen Fechterin Ibtihaj Muhammad geformt ist. Sibel Schick bekennt sich darum in der taz zu der neuen Barbie: "Diese Öffentlichkeit ist eine Anerkennung, und sie ist wichtig, weil die Erfolge der Women of Color und Musliminnen schon zu lange nicht thematisiert wurden, oder ihnen die Türen gar verschlossen blieben. Unabhängig davon, ob alle Barbies der Welt die Wahl selbst treffen, sich zu verschleiern, weist die Puppe viele Mädchen mit Kopftuch darauf hin: Auch du kannst so sein wie Ibtihaj."
Begeistert begrüßt auch Ferdinand Otto in Zeit online die neue Barbie: "Jetzt emanzipiert sich die Puppe ihrerseits von einem angestaubten Klischee, künftig schwingt sie auch einen Säbel und trägt Hidschab."
In der NZZstellt sich Beat Stauffer hinter den Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi, der am 7. Oktober dieses Jahres vierzig Thesen zur Reform des Islam an die Tür der Berliner Dar-Assalam-Moschee heftete. Mit ihnen forderte Ourghi vor allem einen humanistischen Islam: "Damit nimmt er genaugenommen eine Umkehrung der von Vertretern muslimischer Länder aufgesetzten 'Kairoer Erklärung der Menschenrechte' vor. Während diese die universellen Menschenrechte nur insoweit akzeptiert, als sie nicht dem Koran und der Scharia widersprechen, will Ourghi Koranverse, welche modernen Grundrechten entgegenstehen, für ungültig erklären. Der Koran ist für ihn zudem nicht die letztgültige Offenbarung, sondern steht gleichberechtigt neben anderen Religionen. Schliesslich plädiert der Freiburger Islamwissenschafter auch dafür, den Propheten des Islam als Menschen zu sehen, der durchaus Fehler begangen habe und aus heutiger Sicht kritisiert werden könne."
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