Die wegen Pagiatsvorwürfen diskreditierte Soziologin
Cornelia Koppetsch wird wohl "nie wieder
an einer Uni oder einer anderen wissenschaftlichen Einrichtung wie gehabt arbeiten",
vermutet Simone Schmollack in der
taz. Aber sie hat Bauchschmerzen, auch weil Medien und Institute Koppetsch
kritiklos gefeiert hatten. Und "trotz aller unsauberer Arbeit und unlauteren Verhaltens bleibt
ein Restbestand ihrer eigenen Forschung. Als Soziologin, die vor allem mit dem Milieuvergleich arbeitet, weiß sie, wovon sie spricht. Ihr Vater war Briefträger, ihre Mutter Hausfrau. Sie und ihre Schwester haben studiert, sie haben sich also 'aus den Verhältnissen herausgearbeitet'. Das ist mitnichten eine wissenschaftliche Grundlage, mehr noch, es darf nicht mal eine sein. Aber mitunter kann es hilfreich sein,
aus eigener Erfahrung zu wissen, worüber man spricht."
"So weit, so hart",
kommentiert auch Gustav Seibt in der
SZ. Koppetschs
vielgefeiertes Buch "Die Gesellschaft des Zorns" sei nun allerdings "
keine Qualifikationsschrift, es diente nicht dem Erwerb von Titel oder Lehrerlaubnis. Sein Anspruch war ein zusammenhängender Gedankengang, die Entwicklung
einer übergreifenden These. Zu dieser These lässt der Prüfungsbericht nichts verlauten. Ist auch sie abgekupfert? Oder wird sie wertlos, weil Koppetsch sich bei einzelnen Argumenten fremder Erkenntnisse und Formulierungen bedient hat, ohne dies gebührend zu kennzeichnen?" Seibt leugnet nicht, dass Koppetschs eine Menge Zitate allzu wörtlich und allzu wenig belegt übernommen hat - aber er verlangt auch eine "
Binnendifferenzierung dessen, was 'wissenschaftliche Praxis' ist".
In der
FAZ berichtet Philip Plickert über eine
Studie des liberal-konservativen Londoner Thinktanks "Policy Exchange" zur "
cancel culture" in der
Wissenschaft: Es gibt sie durchaus, stellt die Studie fest. Danach "gibt es zwar in beiden Lagern die Tendenz, die andere Seite zu diskriminieren. Doch die Gewichte an den Universitäten sind ungleich verteilt: Eine überwältigende Mehrheit verortet sich links.
75 Prozent der Hochschullehrer haben laut der Befragung bei den letzten Wahlen für Parteien
links der Mitte, vor allem für Corbyns Labour-Party gestimmt, weniger als zwanzig Prozent wählten Tory-Kandidaten. Unter den Sozial- und Geisteswissenschaftlern bezeichneten sich
nur sieben Prozent als rechts der Mitte. Zugleich ist die Bereitschaft gewachsen, Andersdenkende auszugrenzen. ... 'Für politische Minderheiten wie Konservative oder genderkritische Feministinnen ist die akademische Freiheit ernsthaft gefährdet', schlussfolgern [die Autoren] Kaufmann und Adekoya."