Jean-Pierre Jenny
erinnert in der
NZZ an den Gelehrten
Girolamo Fracastoro, der bereits 1546 in seinem Buch "De contagione" direkte und indirekte Ansteckung zu unterscheiden wusste: "Zu dieser letztgenannten Option hielt er jedoch fest, dass eine
Infektion über Distanz niemals auf
magische oder okkulte Kräfte zurückgeführt werden könne, und wenn ein Krankheitserreger eingeatmet werde, dann könne er auch nicht einfach durch Ausatmen vertrieben werden. Als Arzt vermutete Fracastoro, dass
eine Art Keime die Übertragung bewirken musste. Diese Keime seien aber zu klein, als dass man sie sehen könne. Damit trat er in Widerspruch zu der seit der Antike herrschenden Theorie der Miasmen. Nach dieser Auffassung entstehen unter der Erdoberfläche oder in Sümpfen Ausdünstungen, welche fiebrige Erkrankungen und Pestepidemien auslösen. Auch die
alte Humorallehre verwarf er. Auf ihrer Basis hatte man Epidemien als Störungen im
Gleichgewicht der vier Körpersäfte gesehen."
Joachim Müller-Jung schreibt in der
FAZ zum Tod des Atmosphärenchemikers
Paul Crutzen, der das Ozonloch entdeckte und den Begriff des
Anthropozäns entwickelte: "Warum hat man den Namen Paul Crutzen trotzdem so selten gehört als lauten Mahner und Warner? Diesen
Charismatiker, der in der Community schon in den Achtzigern eine Legende war und mit seinem holländischen Spracheinschlag und
einer anrührenden Menschlichkeit selbst die tiefgründigsten Chemiethemen aufzulockern wusste? Die Antwort ist einfach: Weil er weniger als andere die große politische Bühne suchte. Er war als begnadeter Experimentator und wissenschaftlicher Theoretiker zu Weltruhm gelangt, doch das Geschäft des politischen Handelns lag in den Händen anderer."