Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.05.2023 - Kunst

Könnte ein See-stück von Richter sein, ist aber von Vija Celmins: "Ocean, 2014. Bild: Hamburger Kunsthalle 

SZ-Kritiker Till Briegleb kann seinen Augen kaum trauen angesichts der verblüffenden Ähnlichkeit in den Arbeiten von Gerhard Richter und der in Riga geborenen amerikanischen Künstlerin Vija Celmins. Die Hamburger Kunsthalle bringt sie zusammen: "Angesichts solcher Verwandtschaften muss ausdrücklich dazugesagt werden, dass die beiden sich weder gekannt noch beeinflusst haben, weil es angesichts der Parallelität ihrer Motive und Bildinteressen kaum zu glauben ist. Nach der Akademie malten beide scheinbar banale Gegenstände in ihren Ateliers im altmeisterlichen Stil ab, Richter einen Küchenstuhl, Celmins eine Doppellampe. Später griffen beide auf Fotos beiläufiger Situationen zurück, die sie leicht unscharf, also realistisch in Teilweisigkeit, zum Ölbild machten. Celmins malte Blicke aus dem Auto auf den Freeway, Richter die Sicht auf ein besetztes Haus gegenüber seinem Kölner Atelier."

Weiteres: Im FAZ-Interview mit Ursula Scheer erklärt Alistair Hudson, der neue künstlerische Leiter des ZKM in Karlsruhe, wie er künftig nützlicher Kunst Raum geben möchte.

Besprochen werden die klimaneutrale Jubiläumsschau zum 25-jährigen Bestehen der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig (FAZ) und die Ausstellung "Hochsicherheitsgesellschaft" der Kölner Künstlerin Julia Scher im Museum Abteiberg in Mönchengladbach (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.05.2023 - Kunst

Daido Moriyama: 'Untitled', Tokyo, 1970. C/O Berlin

Im Tagesspiegel freut sich Jens Hinrichsen über die große Retrospektive, die das C/O Berlin dem 84-jährigen japanischen Fotografen Daido Moriyama widmet. Hinrichsen mag die Angriffslust, mit der sich Moria der japanischen Wirklichkeit bis heute stellt: "Versteht sich Moriyama, der hochwertige Kameraoptik und edle Abzüge geringschätzt, als Künstler? 'Eher nicht', erklärt die Kuratorin, 'zumindest hat er das Elitäre der Kunst immer abgelehnt. Seltene Originale bedeutet ihm nichts. Er versteht Fotografie als reproduzierbare Sprache, die auf Magazinseiten zirkuliert und in Fotobüchern. Er hat auch einmal gesagt, dass Kameras eigentlich Kopiergeräte sind.'"

In der NZZ kommt Philipp Meier auf den Einfall, Mona Lisas Lächeln mit einem Negroni zu vergleichen: "Eine Spannung im Gaumen, erzeugt wie von einem Schluck Negroni, verhindert, dass sich der Schwung der Lippen zu einem vollen Smile bekennt." Besprochen werden zwei Ausstellungen zum Krisenjahr 1923 in der Hamburger Kunsthalle und im Historischen Museum Frankfurt (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.05.2023 - Kunst

Philipp Fürhofer, Ersatzwelt, 2022. Courtesy of the artist. © Philipp Fürhofer, Foto: Henning Moser


Vom Kreislauf aus Leben und Tod erzählen Philipp Fürhofers "Phantom Inseln" im Städel Museum, notiert Lisa Berins, die sich für die FR durch einen Spiegelwald tastet, der ihr die Auswirkungen des "kapitalistischen Optimierungswahns" auf die Natur deutlich macht: "Vielschichtig sind die Werke schon im formalen Sinne. Fürhofer nutzt Spionspiegel und lässt die Betrachtenden damit in seine Werke treten; bis das Licht die dahinterliegende Ebene sichtbar macht. Dann sind rote, an Blut erinnernde Farbnasen zu erkennen, der Nebel lichtet sich ein wenig, es verschwindet alles und man sieht wieder: sich selbst. ... Das rote Leuchten - es ist kein romantischer Abendhimmel, sondern menschengemachtes Desaster: Waldbrände."

Jack Robinson, die Schauspielerin und Sängerin Melba Moore 1971, Vogue Condé Nast


Freddy Langer amüsiert sich lieber für die FAZ in Francois Pinaults Palazzo Grassi, in der "großartigen" Fotoausstellung "Chronorama" über die Bildsprache des Magazinkonzerns Condé Nast. Die blieb über die Jahrzehnte hinweg erstaunlich konstant, lernt Langner: "Vereinfacht gesprochen, handelte es sich um einen Stil, der nach der Reduzierung der Form strebt, bis hin zu Porträts mit einer gespenstischen Nähe zu den Skulpturen Brancusis, und der einen ernsten Blick verlangt, meistens am Objektiv der Kamera vorbei gerichtet. ... Ausgerechnet der Film 'Blow Up', in dem das Swinging London seinen vollkommenen Ausdruck gefunden hat, der von der entfesselten Modeszene erzählt und in dessen bekanntester Szene sich der Schauspieler David Hemmings während des Fotografierens mit Veruschka über den Boden wälzt, als handelte es sich um einen Geschlechtsverkehr, ausgerechnet aus diesem Film ist der Moment zu sehen, in dem fünf Mannequins wie hypnotisiert in steifen Posen in einen tiefen Schlaf verfallen. Auch Mick Jagger schaut ernst. Und die Beatles sind arrangiert wie eine Skulptur."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.05.2023 - Kunst

Miriam Cahn: Fuck Abstraction! Bild: Finestre sull'Arte.

Miriam Cahns Gemälde "Fuck Abstraction!" hat im Pariser Palais de Tokyo schon für Kontroversen mit dem französischen Kinderschutzbund und französischen Rechten gesorgt, die beide das Gemälde scharf kritisierten (unser Resümee): Es zeigt eine Vergewaltigung, die als Kriegswaffe eingesetzt wird. Nun ist es mit violetter Farbe überschüttet worden, erzählt Niklas Bender in der FAZ: "Allerdings hatte der Täter nicht das derzeit gewohnte Profil. Wie im Lauf der Woche bekannt wurde, ist er 81 Jahre alt und hat die Farbe in einem Hustensaft-Flakon eingeschmuggelt. Harmlos ist er nicht: Es soll sich um Pierre Chassin handeln, Sohn des Generals Lionel Chassin (Teilnehmer am Putsch d'Alger 1958). Sein Sohn kämpfte ebenfalls für ein französisches Algerien sowie als Söldner im Kongo. Er vertrat kurzzeitig den Front national in den Yvelines und gilt als Rechtsaußen." Für den Präsident des Museums, Guillaume Désanges, ist laut Bender klar, dass der Anschlag nicht mit den Aktionen der Klimaaktivisten vergleichbar ist: Hier "sollte das Werk nicht symbolisch befleckt, sondern in seinem Gehalt getroffen und zerstört werden." Er lässt das Gemälde hängen: "In der Liturgie ist Violett die Farbe der Trauer."

Tolia Astakhishvili: I Remember (Depth of Flattened Cruelty). Bild: Bonner Kunstverein.

Mit Backrooms und Liminal Spaces wird tazler Robert Schlücker von Tolia Astakhisvili im Bonner Kunstverein konfrontiert und lernt in einer Szenerie von merkwürdig verlassen wirkenden Orten: "Unsere Zimmer, Wohnungen und Häuser haben eine Geschichte. Deren Erinnerungsfetzen an einstige Bewohner:innen materialisieren sich nun in Gestalt vergessenen Krimskrams und aussortierter Möbel. Astakhishvilis Parcours gleicht dem Weg durch eine Gedächtnislandschaft."

Weiteres: Im Bode-Museum und in der Berliner Gemäldegalerie wird zu interreligiösen und interdisziplinären Gesprächen eingeladen (FAZ). Die FAZ meldet außerdem, dass das Pariser Centre Pompidou wegen Sanierungsarbeiten ab 2025 für fünf Jahre geschlossen bleiben muss. Besprochen werden Ausstellungen von Ralf Ziervogel im Haus am Lützowplatz (Tsp) und Lydia Pettitt in der Galerie Judin (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.05.2023 - Kunst

Ursula, femme et paon de nuit, 1972, Privatsammlung, Bild: Museum Ludwig

Wie schon Tagesspiegel-Kritikerin Helga Meister (unser Resümee hier) kann es auch Kathrin Lorch in der SZ kaum fassen, dass die Werke der Künstlerin Ursula Schultze-Bluhm so lange so wenig Beachtung fanden. Sie jedenfalls ist begeistert von den "irren, bunten und gewaltigen" Traumwelten, die die 1999 verstorbene Künstlerin erschaffen hat und die nun (endlich) in der Retroperspektive "Ursula. Das bin ich. Na und?" im Museum Ludwig in Köln zu sehen sind: "Überraschend ist nicht nur die Qualität. Sondern auch, dass die nun erstmals ausgewickelten Gemälde so frisch wirken, fast zeitgenössisch. Die meisten könnten direkt auf Kunstmessen oder Malereiausstellungen in Los Angeles, London und Berlin gezeigt werden. Schon wegen der unbekümmerten und sehr privaten Motivik, die sich zu einem unüberschaubaren, vielgestaltigen und verwirrenden Kosmos auffächert, während die Brillanz, Schönheit und Virtuosität der Großformate die Präsentation zusammenhalten."

In der FAZ schildert Max Zitzmann seine Eindrücke vom Austellungsraum Hangar Y, der in einer ehemaligen Flugzeughalle in der Pariser Banlieue eröffnet wurde: "Offen und hell ist die renovierte und behutsam modernisierte Halle heute erst recht. Ihre Hauptfront ist vom Boden bis zur Spitze des Satteldaches verglast, mit einem sehr edel wirkenden, im Durchblick nach außen hochtransparenten Glas. Dessen filigrane Metalleinfassungen verweisen in heutiger Stilsprache auf die grazilen Eiffel-Tragestrukturen der warmbraunen Holzdächer über dem Hauptschiff und den beidseitigen Mezzaninen. Der neue Hangar Y wirkt weiträumig, aber nicht einschüchternd, funktional, aber nicht unbeseelt, modern, ohne seine Geschichte zu verleugnen." Der Projektleiter Frédéric Jousset erläutert im Artikel seine Idee eines "Ausstellungsraums ohne Schwellen". Es gibt einen "Skatepark, ein Restaurant, Ateliers für Kinder. Und einen Ort, der die fünf Sinne anspricht: durch die Kunstwerke, die Düfte des Parks, die Skulpturen zum Anfassen, die durch den Sternechef Guillaume Sanchez ausgefeilten Speisen, demnächst auch durch Konzerte und - ab 2024 - Aufführungen der Tanzschule von Benjamin Millepied und vieles mehr." Ob die Bewohner der Banlieue das bezahlen können, verrät Zitzmann nicht.

Weitere Artikel: Zum 25-Jährigen Jubiläum der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) trifft monopol-Kritikerin Sarah Alberti deren Direktorin Franciska Zólyom für ein längeres Interview. Hanno Hauenstein kommentiert in der Berliner Zeitung den offenen Brief, in dem Künstler und Kulturschaffende den Initiator der Digitalkunst-Ausstellung "Dimensions" in Leipzig Walter Smerling und ihren Hauptsponsor, das US-Datenanalyse- und Überwachungsunternehmen Palantir, des "Artwashings" bezichtigen.

Besprochen werden die Ausstellung "Kaleidoskop der Geschichte(n): Ukrainische Kunst 1912 - 2023" im Albertinum Dresden (FAZ), die Ausstellung "UFO 1665. Die Luftschlacht von Stralsund" in der Kunstbibliothek im Kulturforum Berlin (taz), die RAW-Fototriennale in Worpswede (taz), die Installationen des Künstlers Rirkrit Tiravanija im Haus der Kunst in München (monopol), die Ausstellung "In your Anger, I see fear" mit Werken der Künstlerin Lydia Pettit in der Galerie Judin in Berlin (tsp) und die Ausstellung "Glasblick und Wachshaut" über das Wiener Panoptikum im Photoinstitut Bonartes in Wien (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.05.2023 - Kunst

Man weiß gar nicht, was man zitieren soll, so spannend ist das Gespräch, das Sophie Jung in der taz mit den KünstlerInnen Silvina Der Meguerditchian, Viron Erol Vert und Pinar Öğrenci über die Kunst in der Türkei führt, über die harten Repressionen und die Zerstörung alter Stadtviertel durch Investoren. Meguerditchian etwa erinnert immer wieder an den inhaftierten Mäzen Osman Kavala, dessen Kunsthaus Depo kritischer Kunst Raum gab. Vert erzählt dagegen von einem aufschlussreichen Moment: "2013 nahm ich an einer Parallelausstellung zur Istanbul Biennale teil und wollte meine Arbeit im Garten einer griechisch-orthodoxen Kirche zeigen. Aber aus Furcht vor Repressalien wurde mir abgesagt und ich installierte sie dann als eines von wenigen Kunstwerken während der Biennale in einem (halb-)öffentlichen Raum auf dem Schulhof des Zografiyon Gymnasiums in Galata. Ich glaube, die Politik hatte, wie viele Menschen außerhalb der Kunstszene, bis 2013 nicht verstanden, was es bedeutet, wenn Kunst an einem öffentlichen Ort stattfindet, dass sie ihn verändern kann. Jetzt reagieren die Leute harsch."

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Dringend empfiehlt Julia Hubernagel in der taz auch die erste große Ausstellung zu ukrainischer Kunst in Deutschland im Dresdner Albertinum, die Dystopisches, Widerständiges und Feinfühliges von 1912 bis heute versammele: "Das seltsamste Bild der Ausstellung ist auch das einzige, das nicht genau datierbar ist. Vermutlich 1986 oder -87 aquarellierte der Gründer der Odessaer Konzeptualisten Serhiy Anufrijew einen 'Agenten' auf Stoff, auf allen drei Plätzen eines Treppchens gleichzeitig sitzend. Mit einem spitzbübischen Lächeln wringt er Wolken aus. Obwohl Anufrijew seinen Agenten nur wenige Jahre in die Zukunft versetzt - mit 1998 ist das Bild signiert - lässt er ihn unwissentlich in einer neuen Weltordnung auferstehen. In den 90er Jahren schlüpft aus der zerspringenden Hülle der Sowjetunion das neue Russland."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.05.2023 - Kunst

Fra Angelico: Der heilige Franziskus vor dem Sultan, 1429. Lindenau-Museum

Noch nie ist ihr Franz von Assisi so nahe gekommen wie in der National Gallery in London, staunt Guardian-Kritikerin Laura Cumming. Und sie stellt fest: Franziskus ist ein Heiliger für alle Jahreszeiten, für die Renaissance-Künstler war er Pionier, für die Barockmaler ein Mystiker, für die Romantiker Inspiration und für die Gegenwart ein Rebell: "Seine Herzlichkeit ist überall spürbar: In seinem liebevollen Gesicht, das auf den neugeborenen Christus in der Krippe von Josefa de Óbidos herabblickt (der Name des in Spanien geborenen portugiesischen Malers aus dem 17. Jahrhundert ist mir neu). In der Umarmung, die er dem gekreuzigten Christus in einem kolossalen Murillo-Gemälde entgegenbringt, und in der bescheidenen Darstellung der Armen durch den mexikanischen Wandmaler José Clemente Orozco. In den Szenen der Begegnungen des Heiligen mit Päpsten und Sultanen ist sie ebenfalls zu sehen. Eines der größten Werke hier ist auch das kleinste: ein winziger Fra Angelico, auf dem der redselig offenherzige Franziskus, der sich in der Hoffnung, den Sultan al-Kamil zu bekehren, nach Ägypten begeben hat und dort eine wohlwollende Anhörung erfährt. Hat es jemals ein besseres Gemälde eines skeptischen, wenn auch gnädigen Publikums gegeben?"

Besprochen werden außerdem die Ausstellung zu Vittore Carpaccio in Venedigs Dogenpalast (FAZ), Mona Kuhns Fotografien in einem Bildband und im Kunsthaus Göttingen (FAZ), eine Ausstellung zu Caspar David Friedrich im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt (die FR-Kritiker Andreas Hartmann in höchsten Tönen preist), die Schau "All Systems Fail" der Starkünstlerin Sarah Morris in den Hamburger Deichtorhallen (die SZ-Kritiker Till Briegleb eher dem Glamourösen als dem Kritischen verbunden sieht).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.05.2023 - Kunst

Still aus Alicja Rogalskas "Sister Flats II"

Tagelang könnte taz-Kritikerin Sophie Jung mit der Kunstschau "RuhrDing" durch die Städte des Ruhrgebiets schlendern, die ihr die Realität von Mühlheim, Gelsenkirchen, Witten oder Essen ganz ohne "nostalgische Runtergebrochenheit" erfahrbar macht. Aber sie blickt auch, neu auf die Tabula-rasa-Moderne der sechziger Jahre zum Beispiel in Essen-Steele: "Den damals entstandenen Betongroßstrukturen mit Parkplatz, Ladenzeile und abgetreppten Wohnebenen fielen ganze Straßenzüge aus der Gründerzeit zum Opfer. Eine solch radikale Stadtsanierung wie in Essen-Steele hat es im Ruhrgebiet seither nicht gegeben. In einer dieser 70er-Jahre-Wohnungen hat Alicja Rogalska nun ein Interieur eingerichtet. Man steht in dem schönen, durchlichteten Apartment, das ja mit seiner Entstehungsgeschichte geradezu verdammt ist, und wird beim Blick auf Rogalskas Zimmerpflanzen, Kaffeemaschine oder Bügelbrett auf eine Leerstelle aufmerksam. Denn bei all den Planungen und Fehlplanungen für die Stadt bleibt die weibliche Perspektive aus. Jede Entscheidung zum Stadtumbau in Essen-Steele sei nur von Männern getroffen worden, erzählt eine örtliche Architektin in Rogalskas Film 'Sister Flats II', der in der Wohnung auf einem der Flatscreens abläuft."

Weiteres: In der taz porträtiert Ingo Arend recht zärtlich den Maler Timur Celik, der 1992 als "wilder Sozialist und Hippie" aus Istanbeul nach Berlin kam. Im Tagesspiegel freut sich Nikolaus Bernau über die Wiedereröffnung der Kunsthalle Rostock, auch wenn er nicht mit allen Sanierungsentscheidungen einverstanden ist. In der FAZ bespricht Tilman Spreckelsen die Ausstellung "Schätze aus Usbekistan" im Neuen Museum in Berlin.
Stichwörter: Ruhrgebiet, RuhrDing, Usbekistan

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2023 - Kunst

Bild: "Quiet Juggernaut". Life in West America. Bild: Roope Rainisto

Harald Staun (FAS) muss genau hinschauen bei den Bildern (hier zu sehen) von Roope Rainisto, die der finnische Künstler mit Hilfe eines KI-Generators erzeugt hat, die aber auf den ersten Blick an amerikanische Fotografen aus den Siebzigern wie Stephen Shore oder Robert Frank erinnern: Zunächst "wirken sie wie perfekte Imitationen, wie bisher unveröffentlichte Fotos, an denen man sofort die charakteristische Ikonographie erkennt: das Licht, die Körnung, die Gleichzeitigkeit von Glamour und Tristesse. Bis man, mal früher, mal später, die kleinen Fehler bemerkt, die mittlerweile wiederum als eindeutiges Merkmal aktueller KI-Bilder vertraut sind: dritte Arme und doppelte Köpfe, Schriftzüge aus Phantasiebuchstaben einer nicht existenten Sprache, in der Luft schwebende Objekte und andere physikalische Abnormitäten. Die Faszination, die von diesen Bildern ausgeht, hängt aber noch mit einer anderen Qualität zusammen, mit einem seltsamen Verdacht. Irgendwo in der neuartigen Weirdness, die sie umgibt, scheint sich ein dunkles Geheimnis offenbaren zu wollen, ein kollektives Unbewusstes, die Träume und die Traumata unter den trivialen Oberflächen. Es kommt einem so vor, als würde dem American Dream, den die Bilder repräsentieren, ein Virus innewohnen, der sie von innen zersetzt."

Außerdem: In der FAZ empfiehlt Stefan Trinks einen Besuch in der nach sieben Jahren Restaurierung wieder eröffneten Staatsgalerie im Aschaffenburger Schloss Johannisburg. Ebenfalls in der FAZ gratuliert Trinks dem Lichtmagier James Turrell zum Achtzigsten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.05.2023 - Kunst

Erasmus Francisci: Der Wunder-reiche Uberzug unserer Nider-Welt. Staatsbibliothek zu Berlin


Bildnisse der Weltraumvorstellungen der frühen Neuzeit lernt Gunda Bartels in der Ausstellung "Ufo 1665. Die Luftschlacht von Stralsund" in der Berliner Kunstbibliothek kennen. Über Flugblätter und Kupferstiche werden ihr unheimliche Phänomene wie die titelgebende Luftschlacht präsentiert, erzählt sie im Tagesspiegel . "Aus Vogelschwärmen am Himmel formieren sich Kriegsschiffe, die sich heftige Kämpfe liefern. An Deck wimmeln gespenstische Gestalten. Es ist ein bizarrer Anblick, den sechs Fischer am 8. April 1665 um 14 Uhr beim Heringsfang vor Stralsund erleben. Und als gegen Abend auch noch eine fliegende Scheibe über dem Turm der Kirche Sankt Nikolai erscheint und die Fischer, allesamt respektable Stralsunder Bürger, anderntags über Unwohlsein klagen, ist die Mediensensation perfekt. ... Die Bereitschaft, den Menschen als unerklärlich geltende Phänomene für göttliche Warnzeichen zu halten, war bis weit in das 17. Jahrhundert hinein allgegenwärtig. 'Man lebte permanent in apokalyptischer Paranoia', sagt [Kurator] Moritz Wullen und beschreibt den Himmel in der Wahrnehmung jener Zeit als 'Screen, über den Gott mit der Menschheit kommuniziert'."

Weiteres: Die Welt hat ihr Gespräch mit Katharina Grosse online nachgereicht. Besprochen werden die Ausstellung "1923. Die Gesichter einer Zeit" in der Hamburger Kunsthalle (Tsp), die Ausstellung "Chemistry and Physics in the Household" des israelischen Künstlers Itamar Gov in der Berliner Zilberman-Galerie (Tsp)  und die Ausstellungen von Elisabeth Wild im Wiener Mumok sowie die ihrer Tochter Vivian Suter in der Wiener Secession (Standard).