Bild: Tetiana Yablonska, Samen, 1969 Öl auf Leinwand, 75 cm x 90 cm. Hinter der vordergründigen Poesie der Werke, die in der Ausstellung "Kaleidoskop der Geschichten. Ukrainische Kunst 1912-2023" im Dresdner Albertinum gezeigt werden, erkennt Peter Richter in der SZ unschwer die Bezüge zu "Krieg, Gewalt und Bitterkeit": "In einem Regal mit Skulpturen aus dem Depot des Albertinums muss man zweimal hinsehen, um zu erkennen, dass der Künstler Nikita Kadan zwischendrin zerborstene Metallfunde aus dem Kriegsgebiet einsortiert hat oder die geometrisch formschönen Metallzylinder von Bomben. Der Kiewer Künstler Sascha Kurmas (in der englischen Transliteration der Wandtexte hier: Sasha Kurmaz) zeigt Fotocollagen, die eigentlich ein Kriegstagebuch sind - mit kunsthistorischer Anmutung als bitterer Pointe: Ein Bild, das an GordonMatta-Clarks berühmte Zersägung seines New Yorker Wohnhauses erinnert, zeigt tatsächlich Durchblicke, die von Granaten in Kiewer Bauten geschossen wurden. Man sieht, wie in einem ikonografischen Atlas, immer wieder Fotos von Fingern, die auf Straßen zeigen, von denen man lieber nicht wissen will, was genau da passiert ist."
"Wer wir sind" lautet vollmundig der Titel der Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die "Blicke auf die Strukturen unserer Migrationsgesellschaft" verspricht. In der Welt bleibt Hans-Joachim Müller allerdings deutlich unterfordert zurück. Kein Kommentar zu überforderten Verwaltungen, "Migranten-Clans" oder zunehmendem Antisemitismus, stattdessen "Kirchentagsrhetorik", meint er: "Fotodokumente von der 'Willkommenskultur' des Jahres 2015, vom überschwänglichen Teddybären-Verteilen an syrische, afghanische und irakische Kinder. Oder Erinnerungen an kernige Politiker-Prosa: 'Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze" (Helmut Schmidt, Bundeskanzler, 1982). Das alles ist nicht ohne Eindruck und trägt mehr zum beschämten Wir-Gefühl bei als so mancher künstlerische Debattenbeitrag."
Außerdem: In der FAS porträtiert Laura Helena Wurth die taube Künstlerin Christine Sun Kim. Besprochen wird eine neue Dauerausstellung in Ernst BarlachsAtelierhaus am Heidberg in Güstrow (Tsp).
Der amerikanische Essayist John Yaufreut sich in Hyperallergic über eine Ausstellung des Pekinger Künstlers Liu Xiaodong, den er für einen der wichtigsten Gegenwartsmaler Chinas hält. "Shaanbei" in der New Yorker Lisson Gallery zeigt neben neun Gemälden auch einen Film, der sich mit der Beziehung des Künstlers zu der gleichnamigen Region auseinandersetzt, die als "Geburtsort der Volksrepublik China" gehandelt wird. Eine intensive Arbeit, wie Yau festhält: "Liu ist einer der wenigen heute tätigen Künstler, der die Fäden von Édouard Manet wiederaufnimmt, wenn es um die Synthese von Form und Inhalt geht. Das macht er, indem eine Szenerie inszeniert und die Figuren mit Kostümen ausstaffiert, etwas, das er aus der engen Zusammenarbeit mit Filmregisseuren gelernt hat, und trotzdem sieht alles ganz natürlich aus. Lius Kombination aus Unabhängigkeit, intensiver Beobachtung, Unbestechlichkeit und Leidenschaft sorgt gemeinsam mit seiner Kameraführung und der Zusammenarbeit mit einem Regie führenden Filmemacher dafür, dass er tiefer in unsere hierarchisch gegliederte und kriegsversehrte Welt hineinschaut. Seine Subjekte sind primär jene Menschen, die von der Modernisierung an den Rand gedrängt werden, oft mit vollem Einverständnis der jeweiligen Gesellschaft - Individuen und Klassen, denen sich kaum jemals westliche Maler zugewandt haben."
Die Berlinische Galerie wird mit gleich fünf Sonderausstellungen neu eröffnet, eine davon hat Jens Hinrichsen für den Tagesspiegelbesucht: Julius von Bismarcks "When Platitudes Become Form" zeigt exotische Flora und Fauna - und ihre kolonialistische Ausbeutung. "Irre kompliziert und gerne gigantoman" wirkt das auf den Kritiker und dabei ganz und gar nicht verkitschend: "Seinem Herbarium aus getrockneten exotischen Pflanzen geht jede Poesiealbumhaftigkeit ab, denn es sind Großpflanzen aus nicht-europäischen Ländern, die er durch aufwendiges Pressen in die Zweidimensionalität befördert hat. Auf Blech aufgezogen, baumeln Palmen wie 'Botanical King', 'Bismarckia nobilis' und andere Gewächse als morbides Mobile von der Decke. Sarkastischer Kinderlied-Titel der 'Nature morte': 'I like the flowers'." Die große Abrechnung mit seinem Urahn Otto von Bismarck soll die Ausstellung aber nicht sein, habe der Künstler versichert.
Richard Prince, Untitled (Portrait), 2019. Photo: Jeff McLaneBei Monopoldenkt Daniel Völzke angesichts jüngster Gerichtsurteile über Appropriation Art nach. Was früher einmal subversiv wirkte, scheint ihm heute oft in eine ausbeuterische Haltung umzuschlagen. Beispiel Richard Prince, der berühmt damit wurde, dass er die Marlboro-Anzeigen kopierte: "Bei den Prince-Werken, um die jetzt gestritten wird, handelt es sich um großformatige Tintenstrahldrucke auf Leinwand. Die ganze Serie, die er zum ersten Mal 2014 gezeigt hat, basiert auf Screenshots, die der Künstler von Instagram-Posts der Fotografen gemacht hat und die auch die Kommentare zeigen, die Prince unter den Bildern hinterlassen hat. Sie bei Gagosian zu verkaufen, ist eine einzige Trotzgeste. Prince ist jetzt selbst der Marlboro-Man, ein Schimmelreiter auf den Deichen des Kunstbetriebs, der die vielzitierten 'Bilderfluten' nach verwertbaren Material abfischt und abkassiert. Und dabei wahrscheinlich denkt, er wäre immer noch Punk."
Weiteres: Johanna Adorján trifft sich für die SZ zum Gespräch mit Jenny Schlenzka, die im September vom Performance Space New York als Leitung zum Berliner Gropius-Bau wechseln wird: Sie will mehr Performances machen und "überhaupt mehr ephemere Kunst, also Kunst, die sich nicht in Objekten manifestiert. Ob das nun Sound ist, zwischenmenschliche Begegnungen, etwas, das sich nur im Moment entfaltet." Katharina Cicosch unterhält sich für monopol anlässlich seiner Ausstellung "Chameleon" im Fotografie Forum Frankfurt mit Abe Frajndlich über seine Geburt als Staatenloser in einem DP-Camp, über seine fotographische Arbeit und über Begegnungen mit Cindy Sherman. Laura Ewert interviewt für monopol die Künstlerin und Filmemacherin Britta Thie zu ihrer hyperrealistischen Ausstellung "Scene" in der Hamburger Galerie Wentrup. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Die Befreiung der Form" mit Plastiken von Barbara Hepworth im Duisburger Lehmbruck Museum (Tsp).
Sheila Hicks Color class in New Haven (detail) 2023. Foto: Galerie Meyer-Riegger Gesine Borcherdt fragt sich in der Welt, warum die herausragende amerikanische Künstlerin Sheila Hicks eigentlich noch in keinem deutschen Museum ausgestellt wurde: "Mit einer leuchtenden, sich immer wieder neu entfaltenden Farbpalette, die an Stoffe aus Südamerika und Indien denken lässt, ist sie nicht nur eine Mittlerin zwischen Bauhaus-Moderne und Gegenwartskunst, sondern auch zwischen Malerei, Skulptur, Handwerk und Architektur - und zwischen Kulturen, die sie über Kontinente hinweg verknüpft." Immerhin: Jetzt kann man ihre Arbeiten in der Berliner Galerie Meyer-Riegger besichtigen, freut sich Borcherdt: "Beinahe die gesamte Bandbreite ihrer Werke aus Wolle, Synthetik und Flachs ist hier zu sehen - von der handlichen Flechterei über fröhliche rote Wollwürste bis hin zu himmelblauen, durchs Fenster hinauswuchernde Stoffstreifen, gegen die Robert Morris' minimalistische Filzbehänge wie Trauerschleifen wirken. Es ist diese haptische Qualität, mit der Hicks alle Wahrnehmungsebenen spielend erobert. Abstraktion und Erzählung, Farbe und Körper, Erlebnis und Reflexion werden eins."
In der FAZschreibt Stefan Soltek einen Nachruf auf den bereits im März verstorbenen Grafiker Günther Kieser und dessen ikonische Konzert-Plakate: "Jimi Hendrix bannte er 1969 in eine Komposition, die die Gesichtszüge einem kleinformatigen Pressefoto überlässt, über dem sich der mächtige Haarpilz als vehementes Gewirr aus knallbunten Kabelschläuchen abhebt: visuelles Pendant jener spektakulären Klänge, die dem wahnsinnig zauberhaften Duett zwischen E-Gitarre und Lautsprecherbox entsprangen, mit denen Hendrix gegen die Politik seiner Zeit anspielte."
Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Doris Salcedo in der Fondation Beyeler in Basel (Tsp) und die Ausstellung "Brüder und Schwestern" mit Fotografien von Andreas Mühe in der Frankfurter Galerie Anita Beckers (FR).
In einer Reportage aus dem irakischen Mossul erzählt Lena Bopp in der FAZ, wie internationale Restauratoren die Verwüstungen zu beheben versuchen, die der Islamische Staat 2015 anrichtete. Den vom Louvre entsandten Daniel Ibled stellt uns Bopp als einen Mann vor, der schon als Kind gern geknackte Nüsse wieder zusammensetzte: "'Jede Explosion hat eine innere Logik', sagt Ibled. Wenn es gelinge, sie zu verstehen, könne man die Explosion quasi rückwärts denken und die Puzzleteile leichter finden. Danach sei Perfektionismus gefragt. Wenn man sich am Anfang um nur einen Millimeter vertue, summiere sich der Fehler mit jedem weiteren Schritt, bis man am Ende in eine Schieflage kommt, die es unmöglich mache, weitere Steine hinzuzufügen. 'Da mussten wir die irakischen Kollegen am Anfang manchmal bremsen.'"
Paul Gauguin: Seid geheimnisvoll! (Soyez mystérieuses), 1890. Bild: Städel Die "dritte Dimension der Malerei" eröffnet sichFR-Kritikerin Lisa Berins in der Ausstellung "Herausgragend", mit der das Frankfurter Städel dem Relief in der Kunst von Rodin bis Picasso huldigt: "Das Relief war nicht nur ein Experiment, es war auch Rebellion und Ausbruch. Aber es war noch mehr: Es wurde zum künstlerischen Mittel einer Reflexion darüber, was Kunst kann. Lucio Fontana zum Beispiel zerschnitt seit den 1940er Jahren Bilder, öffnete dadurch den dahinterliegenden Raum. Ebenen wurden nicht nur durch das Auftragen von mehr und mehr Material geschaffen - eindrückliches Beispiel dafür ist die monumentale Wandplastik von Lee Bontecou in der oberen Etage -, sondern auch durch das Ausschneiden und Freilegen des 'Dahinter'. Die Wand wurde dadurch auch selbst zum Player." In der FAZ zeichnet Stefan Trinks nach, wie das Relief für die Avantgarde des 19. Jahrhundert wieder interessant wurde: "Gauguin, der mit dem traumschönen 'Seid geheimnisvoll' vertreten ist, sah noch in der Bretagne arbeitend auf der Weltausstellung 1889 die farbstarken Reliefs aus Papua-Neuguinea und ahmte sie nach. Der Historismus entdeckt zudem die Faszination polychromer Reliefs aus diversen Materialien. Den Höhepunkt erreicht das urzeitlich antike Relief in Farbe mit den Parthenonreliefs, deren Wiederentdeckung durch die Künstler im 19. Jahrhundert ein eigener Saal gewidmet ist. Wallfahrten von Bildhauern führten ins British Museum, wo die von der Akropolis geraubten Elgin Marbles für jedermann sichtbar ausgestellt waren."
Weiteres: In der FRwünscht sich Harry Nutt statt eines festgefahrenen Lagerstreits um koloniale Raubkunst mehr Interesse für afrikanische Kultur und Geschichte. Besprochen werden eine Ausstellung der Künstlerin Rosemarie Castoro im Wiener MAK (Standard) und eine Schau über Josephine Baker in der Bonner Bundeskunsthalle (Monopol).
Yoshitomo Nara: "Fuck U", 2015. Bild: Albertina WienYoshitomo Nara: "Cup Kid". Bild: Albertina Wien FAZ-Kritiker Hannes Hintermeier streift mit großem Vergnügen durch die Schau "All My Little Words" des japanischen Zeichners Yoshitomo Nara in der Wiener Albertina, lässt sich aber nicht von den vielen großen Kinderaugen, die ihm hier entgegenblicken, täuschen: "Die 'angry girls', für die Nara bekannt ist, tauchen Anfang der Neunziger auf, zehn Jahre später hat er jene comichafte Form für sie gefunden, die den Aufstieg zum Kunstmarkt-Star beflügelte: Überdimensionale Köpfe, runde Gesichter, schmaler Mund, winzige Nasenlöcher, riesige, häufig weit außen sitzende Kulleraugen, Pilzkopffrisuren. Die Figuren sind oft schlecht gelaunt, schimpfen, haben ein Messer oder einen Hammer in der Faust, tragen Boxhandschuhe und sagen Unartiges ("Fuck U") . Sie sind gleichzeitig 'kawaii' (niedlich, süß), rebellisch und latent aggressiv. In Kinderbücher passen sie nur bedingt. Und machen dennoch Laune." In der NZZsieht das Sabine B. Vogel ähnlich.
Besprochen werden die Ausstellung über die Schauspielerin, Diva und Widerständlerin Tilla Durieux, die so viele Maler und Bildhauer inspirierte, im Georg-Kolbe-Museum (taz) und eine Ausstellung des Renaissance-Meisters Vittore Carpaccio im Dogenpalast von Venedig (Tsp).
In der tazschreibt Robert Mießner zum Tod des Fotografen Robert Conrad, der in seinen Bildern den Untergang der DDR ungeschönt dokumentierte. Besprochen werden Michael Anthony Müllers Auseinandersetzung mit Gerhard Richters "Birkenau-Zyklus" in der Kunstkirche Sankt Matthäus am Berliner Kulturforum (FR) und eine Ausstellung des Fotografen Jochen Lempert im C/O Berlin (Tsp).
Lena Bopp besucht für die FAZ die AutorinChaza Charafeddine, die im südlibanesischen Tyros ein Fotoarchiv eröffnet hat. Einfach war das nicht: "Chaza Charafeddine hat es in ihrem Buch, dem 2021 in deutscher Übersetzung erschienenen 'Beirut für wilde Mädchen', beschrieben. Und man sieht es nun an den Fotos, die sie von Familienangehörigen und anderen Mitgliedern der schiitischen Gemeinschaft rund um Tyros erhalten hat. Ein besonders schönes Bild zeigt eine hübsche Frau in einem kurzen Hochzeitskleid und mit unverhülltem Haar... Doch zwischen den historischen Fotos und der Gegenwart liegen Welten. Seit Jahrzehnten hat sich keine dieser Frauen ohne Verschleierung in der Öffentlichkeit gezeigt. Sie alle haben einen krassen Bruch vollzogen, weg von der westlich inspirierten Freimütigkeit hin zu einer konservativen Religiosität, die sie heute zögern lässt, ob man die alten Bilder überhaupt noch zeigen darf" - zumal viele der Frauen heute die Hisbollah verehren, so Charafeddine, die von einer "Schizophrenie in der schiitischen Community" spricht.
Vincent van Gogh, Atelierfenster, 1889, Van Gogh Museum.
Das Met Museum in New York wollte gern mal wieder eine van-Gogh-Ausstellung machen, um so richtig Besucher anzuziehen. Aber eine neue Idee dazu brauchte es schon. Die Antwort: "Van Goghs Zypressen". Mit dabei sind die Großwerke "Sternennacht und "Ein Weizenfeld mit Zypressen", das van Gogh nach der Sache mit dem Ohr malte. In der SZ ist Christian Zaschke trotz des Kalküls beeindruckt: "Es ist beides möglich: Man kann Kunst-Blockbustern, wie diese Schau einer ist, aus guten Gründen skeptisch begegnen. Man kann aber zugleich vor diesen beiden wieder vereinten Gemälden stehen, den Blick aufs eine und aufs andere richten, minutenlang, ihre innige Verwandtschaft fühlen, und zumindest im Ansatz die weltenbewegende kreative Kraft spüren, die Vincent van Gogh im Juni des Jahres 1889 innewohnte."
Weitere Artikel: Saskia Trebing hat sich für Monopol sehr ausführlich mit Renan Laru-an unterhalten, dem neuen philippinischen Kurator des Berliner Kunstraums Savvy Contemporary.
Eugen Spiro: Dame mit Hund (Tilla Durieux), 1905. Bild: Georg-Kolbe-Museum Hingerissen ist Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung von der Ausstellung , die das Berliner Georg-Kolbe-Museum der Schauspielerin Tilla Durieux widmet. Diva und Femme fatale in einem wurde sie von Max Slevogt, Lovis Corinth, Ernst Barlach, Oskar Kokoschka, Frieda Riess und Lotte Jacobi gemalt, wie Ruthe erzählt: "Ein Leben mit drei Ehen, Freiwilligendienst als Krankenschwester im Ersten Weltkrieg und Engagement für die inhaftierte Rosa Luxemburg. Im Mai 1919 versteckte sie in ihrem Kleiderschrank den Schriftsteller Ernst Toller, einer der führenden Köpfe der Münchner Räterepublik, der wegen Hochverrats gesucht wurde. 1933 wurde sie selbst zur Gejagten: Hals über Kopf floh sie mit ihrem dritten Ehemann, dem jüdischen Industriellen Ludwig Katzenellenbogen nach Kroatien, war dort Hotel-Direktorin und Antifa-Widerständlerin. Ihren sarkastischen Humor drückt diese Geste aus: In ihren Flüchtlingspass hatte Durieux einfach jenes Foto geklebt, das sie 1929 in der Rolle als Anna Balbanowa in Bernhard Blumes 'Treibjagd' zeigte: Femme fatale, mit Kippe im Mund, Weinglas in der Hand."
Besprochen wird die Schau "Der König ist tot, es lebe die Königin", für die Udo Kittelmann 31 Künstlerinnen im Museum Frieder Burda zusammenbringt (Monopol) und Matthew Barneys neue Videoarbeit "Secondary", eine Studie zum American Football (ArtNews).
Könnte ein See-stück von Richter sein, ist aber von Vija Celmins: "Ocean, 2014. Bild: Hamburger Kunsthalle SZ-Kritiker Till Briegleb kann seinen Augen kaum trauen angesichts der verblüffenden Ähnlichkeit in den Arbeiten von Gerhard Richter und der in Riga geborenen amerikanischen Künstlerin Vija Celmins. Die Hamburger Kunsthalle bringt sie zusammen: "Angesichts solcher Verwandtschaften muss ausdrücklich dazugesagt werden, dass die beiden sich weder gekannt noch beeinflusst haben, weil es angesichts der Parallelität ihrer Motive und Bildinteressen kaum zu glauben ist. Nach der Akademie malten beide scheinbar banale Gegenstände in ihren Ateliers im altmeisterlichen Stil ab, Richter einen Küchenstuhl, Celmins eine Doppellampe. Später griffen beide auf Fotos beiläufiger Situationen zurück, die sie leicht unscharf, also realistisch in Teilweisigkeit, zum Ölbild machten. Celmins malte Blicke aus dem Auto auf den Freeway, Richter die Sicht auf ein besetztes Haus gegenüber seinem Kölner Atelier."
Weiteres: Im FAZ-Interview mit Ursula Scheer erklärt Alistair Hudson, der neue künstlerische Leiter des ZKM in Karlsruhe, wie er künftig nützlicher Kunst Raum geben möchte.
Besprochen werden die klimaneutrale Jubiläumsschau zum 25-jährigen Bestehen der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig (FAZ) und die Ausstellung "Hochsicherheitsgesellschaft" der Kölner Künstlerin Julia Scher im Museum Abteiberg in Mönchengladbach (taz).
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