Die Longlist für den DeutschenBuchpreis ist da (in unserem Onlinebuchladen Eichendorff21 haben wir für Sie einen komfortablen Büchertisch mit allen Titeln zusammengestellt). Der Jury ist eine "durchaus vielfältige Liste" geglückt, freut sich Julia Hubernagel in der taz, doch "müsste man eine Richtung benennen, der das Gros der Romane zuneigt, so schlüge die Kompassnadel nach Osten aus. Reisen nach Kyjiw werden trotz Kriegsgefahr unternommen (DmitrijKapitelman: 'Russische Spezialitäten'), die Folgen des Kosovokriegs untersucht (JehonaKicaj: 'ë'), aber auch ferner reicht der Blick: Ein toter Vater lässt den Sohn in Richtung Türkei aufbrechen (FeridunZaimoglu: 'Sohn ohne Vater'), die Ermordung von JinaMahsaAmini ruft Erinnerungen an die Proteste während der Grünen Bewegung 2009 im Iran wach (JinaKhayyer: 'Im Herzen der Katze'). "Ja, die Jury beherrscht die Kunst des Ausgleichs", schreibt auch Marie Schmidt in der SZ: Bekannte Namen stehen neben solchen, "die für das ganz breite Publikum erst noch zu entdecken sind." Nominiert sind "je zehn Bücher aus den Frühjahrs- und Herbstprogrammen, die Geschlechterquote steht 12:8fürdieFrauen und die Zahl der Bücher aus kleinen unabhängigen Verlagen ist mit vier Romanen respektabel, wenn auch nicht auffällig hoch".
Bestellen Sie bei eichendorff21!Andreas Platthaus legt sich in der FAZ auf einen Favoriten fest: JonasLüschers' "Verzauberte Vorbestimmung" steht für ihn ganz vorne, "wobei die Konkurrenz beachtlich ist." Auffällig etwa, dass auf der Liste "zunächst einmal drei alte Bekannte" stehen, "quasi Dauerkandidaten auf den Deutschen Buchpreis: Wunnicke, Zaimoglu und vor allem Melle, der es mit allen seinen Romanen mindestens auf die Longlist geschafft hat; 'Haus zur Sonne' ist nun der vierte. Nur gewonnen hat Melle noch nie, aber diesmal dürfte er gute Karten haben, denn das neue Buch ist eindeutig sein bestes. "Doch "sie alle müssen nicht nur an DorotheeElmiger vorbei, deren 'Die Holländerinnen' das ausgefuchsteste Buch auf der Liste ist, sondern auch an solchen Überraschungen auf der Longlist wie JehonaKicaj oder FionaSironić", die "jeweils als Romandebütantinnen auf die Liste gekommen sind". Tagesspiegel-Kritiker Gerrit Bartels vermisst auf auf der Liste "die jüngsten Romane von Katja Lange-Müller, Christian Kracht und Christoph Hein", aber auch den neuen von "Leif Randt. Doch wer weiß? Vielleicht hat die Jury diese einfach als zu groß und zu bedeutend befunden, um darüber zu diskutieren. Oder vergessen. Oder sie sind von ihren Verlagen gar nicht eingereicht worden, auch das gibt es."
Jan Wiele blickt in der FAZ zurück auf die Authentizitäts-, Erfahrungs- und Lebensgesättigtheits-Debatten um die Literatur aus den letzten gut zwanzig Jahren, die so regelmäßig wiederkehren, dass man förmlich die Uhr danach stellen kann. Als "Speck.Lit" etwa wurde in der Arztsohndebatte vor etwas über zehn Jahren die Literatur der Bildungsbürgerkinder bezeichnet. "Obwohl der Authentizitätsbegriff längst ausgehöhlt scheint, hat er erstaunliches Beharrungsvermögen als positiv konnotierter literaturkritischer Wert", wundert er sich. "Und so bedenkenswert der gesellschaftskritische Aspekt des Vorwurfs gegen 'Speck Lit' auch ist, so erstaunlich unkritisch wird er oft verbunden mit ästhetischen Maximen, die nicht selten Kitsch befördern." In den letzten Jahren hat sich im Zuge des Memoir- und Autofiktions-Trends allerdings "eine Schreibweise und eine Art der Vermarktung durchgesetzt, die das Authentizitätsgebaren auf die Spitze treibt. ... Zu den absurdestenBlüten, die diese Entwicklung treibt, gehört der Wunsch, oder schlimmer, Zwang, die literarische Verarbeitung bestimmter Stoffe an Erfahrung oder Herkunft zu binden. ... Solche literaturpolizeilichen Vorschriften sind selbst mit dem glühendsten Engagement für mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit nicht zu rechtfertigen."
Besprochen werden unter anderem DorotheeElmigers "Die Holländerinnen" (FR), Karl-HeinzOtts "Die Heilung von Luzon" (NZZ), LudwigFels' postum veröffentlichter Prosaband "Ein Sonntag mit mir und Bier" (Standard), UlfNilssons "Ein kleines Buch über die Kunst zu sterben" (taz), MarcoWandas "Dass es uns überhaupt gegeben hat" (online nachgereicht von der FAS), VerenaKeßlers "Gym" (Welt) und SusanneSchädlichs "Kabarett der Namenlosen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Marie Schmidt plauscht in der SZ mit DenisScheck über "Kafkas Kochbuch", das er gemeinsam mit Eva Gritzmann herausgegeben hat. Dabei handelt es sich um eine Neuausgabe einer Rezeptesammlung, die zu Kafkas Zeiten als "Hygienisches Kochbuch" bekannt war und mit dem der Schriftsteller von einem Kuraufenthalt nach Hause kam, um sich danach bekochen zu lassen. Im Original entsprang das Buch der Lebensreformbewegung und bot hunderte vegetarische Rezepte. Ob Kafka wohl wegen seiner Magenprobleme auf den Vegetarismus setzte, möchte Schmidt wissen. "Da wäre ich vorsichtig, wie jeder Mensch hatte er viele Motive. Ein Satz, der lange in uns nachhallte, stammt von Gilles Deleuze und Félix Guattari aus ihrem Buch 'Kafka: Für eine kleine Literatur', in dem es heißt, Kafkas Literatur sei eine einzige Hungergeschichte. Der Schlüssel für seine Ernährungsweise liegt für uns darin, dass Kafkas Großvater Metzger war, jüdischer Schlachter. Kafka schreibt einmal an Milena Jesenská: 'Ich muß soviel Fleisch nicht-essen, als er geschlachtet hat.' Eine unglaubliche Formulierung der Vorstellung eines karmischen Ausgleichs." In der NZZ wird das Buch besprochen.
Besprochen werden unter anderem DorotheeElmigers "Die Holländerinnen" (NZZ), ThomasMelles "Haus zur Sonne" (taz), Max Goldts "Aber?" (Welt), Angela Steideles "Ins Dunkel" (FR), MichaelMaars "Das violette Hündchen" (SZ) und neue Sachbücher, darunter PatrickOlivelles "Ashoka. Indiens philosophischer Kaiser" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Außerdem präsentieren wir die vierte Folge unseres "Bücherbrief Live"-Podcasts. Benita Berthmann und Lukas Pazzini stellen wieder Bücher vor, die sie im Bücherbrief des Monats besonders interessant fanden: AngelaCarters feministischen Horror-Klassiker "Die blutige Kammer" und ViktorRemizovs monumentalen Roman über den Bau der Stalin-Bahn in Sibirien, den Interview-Gast Franziska Zwerg ins Deutsche übertragen hat.
In der Irish Timesgibt die SchriftstellerinSallyRooney kund, die in Großbritannien nun als terroristisch eingestufte PalestineAction weiterhin unterstützen zu wollen. "Wenn mich das nach britischem Gesetz zu einer 'Terrorunterstützerin' macht, dann sei es so." Die Zeit hat Volker Weidermanns Porträt der SchriftstellerinGertiTetzner online nachgereicht. Der SchriftstellerJohnNiven ärgert sich in der SZ darüber, dass er zur Promo für jedes seiner neuen Bücher durch sämtlichePodcastsderwestlichenHemisphäre tingeln muss, wo er doch selber in seinem Leben kaum je einen Podcast gehört hat.
Besprochen werden unter anderem ThomasMelles "Haus zur Sonne" (online nachgereicht von der FAZ), OlivierSchrauwens Comic "Sonntag" (Standard), Roberto Savianos "Treue. Liebe, Begehren und Verrat - die Frauen in der Mafia" (Standard), Tatjana von der Beeks "Blaue Tage" (Freitag), neue Hörbücher, darunter GertWestphals Lesung von RainerMaria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" (FAZ), und MaxGoldts "Aber?" (SZ).
In der online nachgereichten Frankfurter Anthologieschreibt Julia Trompeter über LydiaDahers "Mama ist aus Regen. Papa aus Metall":
"Als würde man unter Wasser einen Stein anheben ..."
"Tagebuch zu schreiben, ist der fortgesetzte Versuch, sich für das eigene Ich zu interessieren", lautet das Fazit, das Paul Jandl zieht, nachdem er sich für die NZZ durch einen halben Regalmeter von Journalen von Weltrang-Literaten gearbeitet hat. Beim Verfertigen eines Tagebuchs kann man gerade ganz aktuell Rainald Goetz auf Instagramlive zusehen. Bei der Lektüre der Einträge dort "fragt man sich, ob sie vor der gerade herrschenden Weltendämmerung kapitulieren oder ob sie eine Art subtiler Kampf sind: Rückeroberung von Gebieten, Aufwertung des Subjektiven gegen die Übermacht globaler anonymer Politik, die den Planeten noch viel schneller verändert, als man auf Instagram mitschreiben könnte. Was Rainald Goetz macht, hat etwas rührend Antiquiertes, und das passt in die Geschichte des Mediums namens Tagebuch, das immer paradox bleibt. Es will aktuell sein und kommt weltgeschichtlich trotzdem immer zu spät. Die Stärke des Tagebuchs sind die Ich-Geschichten. Auch Goetz ist ein von sich selbst Ergriffener, wie es viele Schriftsteller-Diaristen vor ihm waren."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Bestellen Sie bei eichendorff21! Daniela Dröscher und Christian Baron schreiben autofiktionale Romane über Menschen mit einer wenig privilegierten Herkunft. Christiane Lutz hat sich für die SZ mit den beiden zum Gespräch getroffen. Beide berichten von Folgen ihres Schreibens im Alltag: "Nach Abgabe dieses letzten Manuskripts habe ich eins zu eins die Symptome der Romanfigur entwickelt", sagt Dröscher. "Man reißt immer wieder alte Wunden auf. In sich, in anderen. Diese Art zu schreiben hat einen Preis." Und Christian Baron: Mittlerweile "versteht der Großteil meiner Verwandtschaft ... wo der Unterschied zur Realität liegt. Es kann ganz schön ernüchternd sein, wenn man nach fünf Jahren auf Leute trifft, die das nicht verstehen können oder wollen. Meine älteste Tante, die das Vorbild für die Figur der Ella war, ist gerade überraschend verstorben. In den Gesprächen um die Trauerfeier ging es immer wieder um diese literarische Figur. 'Was du schreibst, das ist ja eh alles gelogen' - solche Sätze kamen von entfernten Verwandten. Wie hab' ich mich da gefühlt? Ich kam mir vor wie ein dilettantischerGott."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Für die WamS porträtiert Richard Kämmerlings die ComiczeichnerinUlliLust, die gerade für ihren Comic "Die Frau als Mensch" mit dem DeutschenSachbuchpreis ausgezeichnet wurde. Die FAS spricht mit ThomasMelle über dessen neuen Roman "Haus zur Sonne", in dem dieser aus der Erfahrung seiner bipolarenErkrankung schöpft. Im FAS-Kommentar ärgert sich Tobias Rüther über die offenbar hervorragenden Beziehungen, die das "LiterarischeQuartett" des ZDF und das Feuilleton der Zeit miteinander pflegen, während Marcel Reich-Ranickis historischer Beitrag zu der Sendung (und damit gewissermaßen auch der der FAZ) in Pressemitteilungen des Senders meist unterschlagen wird. Susanne Stephan erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ an Rilkes Aufenthalte in Schweden. Sandra Kegel befasst sich in der FAZ mit den Sorgen und Nöten des Bücheraufhebens und Bücherweggebens.
Besprochen werden unter anderem ThomasMelles "Haus zur Sonne" (FR), Dorothee Elmigers "Die Holländerinnen" (taz), HowardZinns "Eine Geschichte des amerikanischen Volkes" (taz), PercivalEveretts "Dr. No" (FAZ) und VerenaKeßlers Roman "Gym" (WamS). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Birgit Schmid spricht für die NZZ mit dem Theaterautor, Kulturwissenschaftler und Psychologen LeonEngler über dessen Debütroman "Botanik des Wahnsinns". Lose autobiografisch eingefärbt, erzählt das Buch von einem jungen Mann, der den psychischen Erkrankungen in seiner Familie entfliehen will, dabei aber selbst in der Psychiatrie landet. Entsprechend dreht sich das Gespräch auch um Englers Einblicke in den Berufsalltag eines Psychologen - und er wehrt sich dagegen, psychische Erkrankungen bloß als tragisches Schicksal Vereinzelter abzutun: "Bürgerliche Familien haben eine andere Familiensaga, mit einer starken mündlichen Überlieferung, die zur Identitätsbildung beiträgt und den Selbstwert prägt. Die Geschichte von Arbeiterfamilien ist sprachloser." Deren "Kinder ... haben eine andere Art des Selbst- und Weltverständnisses, wo eben nichts selbstverständlich ist. Es muss um alles gefürchtet werden, die ganze Zeit, es geht um eine ganz andere Grundnot, einUrmisstrauen." Ein weiteres Gespräch mit Engler resümierten wir bereits an dieser Stelle.
Besprochen werden unter anderem AnnieErnauxs "Die Besessenheit" (Dlf Kultur), ThomasMelles "Haus zur Sonne" (Standard), DanielaDröschers "Junge Frau mit Katze" (online nachgereicht von der FAZ), VictorHeringers "Die Liebe vereinzelter Männer" (Intellectures), Paul Maars Novelle "Lorna" (online nachgereicht von der FAZ), Clémence Sabbaghs und Magali Bardos' Kinderbuch "Kajak" (FR) und neue Sachbücher, darunter Karl-MarkusGauß' "Schuldhafte Unwissenheit. Essays wider Zeitgeist und Judenhass" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Volker Weidermann porträtiert in der Zeit die DDR-Autorin GertiTetzner, deren Roman "Karen W." nun wieder aufgelegt wurde und die nach vielen Jahrzehnten des Schweigens im Alter von 88 Jahren wieder mit dem Schreiben begonnen hat (zuvor hatte auch Richard Kämmerlings für die Literarische Welt Tetzner besucht). Kirsten Küppers unterhält sich für die Zeit mit der New Yorker SchriftstellerinLilyBrett, über die aktuell ein Dokumentarfilm gedreht wird. Die SZ druckt einen Briefwechsel, in dem die junge afghanische Autorin Shamsia, die in Kabul lebt, und die italienische Schriftstellerin Francesca Melandri über Suizidgedanken, Identität und Melandris Long Covid-Erkrankung korrespondieren.
Besprochen werden DanielaDröschers "Junge Frau mit Katze" (FR), MelanieLüdtkes Comic "Hackenporsche" (FAZ.net), Chi Zijians "Das letzte Viertel des Mondes" (NZZ), SusanneKuhns von NicolasMahler illustrierter Bericht "Drei Wochen mit ThomasBernhard in Torremolinos" (FAZ) und HelmutLethens "Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung" (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
UrsulaPoznanski findet es "wahnsinnig unmoralisch" und urheberrechtlich zweifelhaft, Bücher von einer KI schreiben und unterfüttern zu lassen, sagt die Jugendbuchautorin im FAZ-Gespräch mit Tilman Spreckelsen. Doch alles in allem ist sie "pessimistisch. Denn die Arbeit mit KI ist wahnsinnigpraktisch, und alles, was kurzfristig den Menschen das Leben erleichtert, setzt sich durch, auch wenn wir langfristig damit nicht glücklich werden - jedenfalls die meisten von uns. Meine Hoffnung liegt weniger bei den Produzenten als bei den Konsumenten, die immer noch den Menschen hinter einem Werk spüren möchten. ... Ich bin mir ziemlich sicher, auch wenn es mich nicht glücklich macht, dass die KI eines Tages in bestimmten, eher simplen literarischen Genres nicht mehr wegzudenken ist. Und das andererseits dasPersönliche, dasOriginäre als nochwertvoller angesehen wird."
Außerdem: Jannis Koltermann denkt in der FAZ über den anhaltenden Erfolg von literarisch-historischer Sachbücher seit FlorianIllies' "1913" nach. Gerrit Wustmann schreibt auf 54books einen Nachruf auf den Dichter AxelKutsch.
Besprochen werden unter anderem SilkeScheuermanns Lyrikband "Zweites Buch der Unruhe" (taz), Jane Gardams "Tage auf dem Land" (FR), ConstanceDebrés "Play Boy" (JungleWorld), MiekoKawakamis "Das gelbe Haus" (online nachgereicht von der LitWelt), OlegJurjews Gedichtband "Verse vom himmlischen Drucksatz" (online nachgereicht von der FAZ), Martina Clavadetschers "Die Schrecken der anderen" (NZZ), HelmutLethens "Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung" (FAZ) und ThomasMelles "Haus zur Sonne" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Thomas-Mann-Jubiläumsjahr, zweite Runde. Im vergangenen Juni jährte sich der Geburtstag des Schriftstellers zum 150. Mal, heute ist sein 70. Todestag. Hilmar Klute erinnert in der SZ an Thomas Manns Exiljahre in den USA, wo er im Zuge der aufkeimenden politischen Paranoia wegen seines Engagements für Demokratie und Freiheit bald in Verdacht geriet, mit dem Kommunismus zu sympathisieren. "Als der FBI seine Drohkulisse derart groß werden ließ, dass die Library of Congress einen Vortrag Thomas Manns aus Furcht vor Repressalien absagte, begann für den amerikanischen Staatsbürger der allmähliche Rückweg nach Europa. Von dort aus starrte Mann auf das sich wandelnde Amerika, die Botschaft, die er in dessen Wandel zu erkennen glaubt, ist uns heute auf bedrückende Weise vertraut: 'Öffentliche Vorstellung eines neuen, blitzblanken Amerika, mythische Idee des Anbruchs neuer Zeit des Glücks.' Verheißungen in diesem Sound bedeuten für demokratisch gestimmte Nationen nichts Gutes. Dieser Tage hört man ihn wieder."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Mehr Mann: Die "Neu- und Wiederentdeckung des Schriftstellers als Redner gehört zu den auffälligen Akzenten" dieses Jahres, schreibt Marc Reichwein in der Welt, denn beim letzten Gedenkjahr vor 50 Jahren seien es noch Manns literarische Werke gewesen, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen. Die Japanologin Nicole M. Mueller gibt in der FAZ Einblick in den regelrechten Kult, der im literarischen Japan um Manns "TonioKröger" herrscht. Michael Hesse erinnert in der FR an Manns Leidenschaft für das Meer. Andrea Fried erzählt im Standard von ihrer Reise an den Fischerort Sanary-sur-Mer, wohin einst die literarische Bohème zur Sommerfrische kam und so in den 1930er-Jahren ein Hotspot des literarischen Exils entstand, an dem auch Thomas Mann und seine Familie bei ihrer Flucht Station machten. Und Lothar Müller und Gustav Seibt (beide SZ) lesen neue Buchveröffentlichungen zum Jubiläumsjahr, darunter TilmannLahmes neue Mann-Biografie.
Besprochen werden unter anderem ReginaDürigs Erzählungsband "Frauen und Steine" (taz), ChaimNachmanBialiks "Wildwuchs" (NZZ), HelmutLethens "Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung" (online nachgereicht von der Literarischen Welt), Maria Judite de Carvalhos "Leere Schränke" (online nachgereicht von der Zeit) und Oleg Jurjews "Verse vom himmlischen Drucksatz" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die Autorin Clarissa Stadler erzählt im Standard von ihren Reisen zu ThomasManns wichtigsten Wirkungsstätten. Außerdem gibtdas Standard-Team Lesetipps für den offenbar doch noch kommenden Sommer.
Besprochen werden unter anderem AnnSchlees "Die Rheinreise" (Welt), MilicaVučkovićs "Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen" (online nachgereicht von der FAZ), BenjaminWoods "Der Krabbenfischer" (FR), CurtBlochs "Das Unterwasser-Cabaret 1943-1945" (NZZ) und GeorgiGospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!AnnaPrizkau kam im Alter von sieben Jahren aus Russland nach Deutschland, landete in den Feuilletons von FAZ und FAS, 2021 las sie beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, jetzt liegt ihr Debütroman "Frauen im Sanatorium" vor, der in einer psychiatrischen Klinik spielt. "Vielleicht sieht man in meinem Buch etwas von unserer schönen, todunglücklichenWohlstandsgesellschaft", sagt sie im NZZ-Gespräch mit Michael A. Gotthelf. "Und vielleicht hört man auch das heranziehende Grollen einer neuen dunklen Zukunft, die uns leider bevorsteht." PolitischeLiteratur lehnt sie allerdings ab: "Wer eine Agenda hat, will etwas verändern. Aber Literatur, selbst die größte, selbst die allergrößte, kann die Welt nicht verändern. Sie kann im besten Fall Erfahrungen, die wir alle kennen, in Worte und Sätze fassen, die uns vorher fehlten, sie kann uns Vertrautes neu zeigen. Und sie kann überleben - Zensur, Diktaturen und Unterdrückung!" Und außerdem "kenne ich keinen einzigen gelungenen Roman, der einer politischen Agenda folgt. Denn wenn man ein Aktivist ist, dann glaubt man zu wissen, wer gut ist und wer böse." Bernhard Heckler berichtet in der SZ von einem Mittagessen mit der Schriftstellerin, die ihr mit ihrer Leidenschaft für den Boxsport und Zigaretten merklich imponiert. Weitere Artikel: Der Historiker Jochen Gmehling plädiert im Literarischen Leben der FAZ dafür, die zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten entstandenen Tagebücher der Berliner Reporterin BellaFromm wiederzuentdecken - nicht nur, aber auch wegen ihrer "in dieser Form nur selten anzutreffenden politischenUrteilsfähigkeit, die den Vergleich mit heute viel bekannteren jüdischen Intellektuellen und Totalitarismusforschern wie HannahArendt oder RaymondAron nicht zu scheuen braucht". Mara Delius blickt für die WamS in Debatten in den USA (hier und dort), die beklagen, dass kaum noch junge, weißeMänner Bücher schreiben und, ja schlimmer noch, die Öffentlichkeit jegliches Interesse an großenRomanwürfen verloren habe. Roman Bucheli wägt in der NZZ das Für und Wider von KI in der Literatur ab. Derweil liefert der Berliner Schriftsteller MosheSakal in "Bilder und Zeiten" der FAZ den nächsten Teil seiner Gesprächsreihe mit einer KI. Heike Holdinghausen spricht für die taz mit der BestsellerautorinKatharinaHagena. Die Juristin und SchrifstellerinElisaHovenerklärt Marc Reichwein in der LiterarischenWelt (online nachgereicht), was das Strafrecht aus der Literatur lernen kann. Malte Osterloh erinnert sich in der FR an eine Begegnung mit dem Thomas-Mann-Herausgeber und SchriftstellerPeterdeMendelssohn. In den "Actionszenen der Weltliteratur" erzählt Jan Röhnert, wie MarleneDietrich einmal im Kalten Krieg nach Moskau gereist ist, weil sie nach der Lektüre der Erzählung "Das Telegramm" unbedingt deren AutorKonstantinPaustowski kennenlernen wollte. In der FAS liest sich Bettina Hartz durch neue Kinderbücher über den Tod. Und die tazdokumentiert den Aufruf einer Handvoll Autorinnen und Autoren, das Tucholsky-Museumin Rheinsberg zu retten.
Besprochen werden unter anderem ChristianBarons "Drei Schwestern" (taz), der Briefwechsel zwischen IngeborgBachmann und HeinrichBöll (online nachgereicht von der FAZ), SimonSchwartz' Comicadaption von AlfonsKaisersBiografie über KarlLagerfeld (taz), GaeaSchoeters' "Das Geschenk" (FR) und SayakaMuratas "Schwindende Welt" (FAS). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologieschreibt Frieder von Ammon über Goethes "Veni creator spiritus!":
"Komm heilger Geist du Schaffender Komm Deine Seelen suche heim; Mit Gnaden-Fülle segne sie ..."
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Alexander Schnickmann: Gestirne Kometen und Sonnenfinsternisse, schwebende Planeten und galaktische Stürme: Im endlosen Raum des Weltalls ist alles von Licht durchwebt und strahlt in finsterer, ewiger Nacht.In…
Val Plumwood: Das Auge des Krokodils Herausgegeben von Judith Schalansky. Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Als die Philosophin Val Plumwood mit dem Kajak durch den nordaustralischen Kakadu-Nationalpark…
Lisa Ridzen: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann. Bo ist 89, und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau…
Jannis Brühl: Disruption Man muss die Tech-Oligarchen des Silicon Valley als Avantgarde verstehen. Eine Handvoll Männer mit Milliardenvermögen, futuristischer Technologie und einer Vorliebe für Science-Fiction…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier