
Der amerikanische
Politologe Benjamin R. Barber ("Coca-Cola und Heiliger Krieg")
prophezeit in der Weihnachtsausgabe der polnischen Tageszeitung
Gazeta Wyborcza, dass noch in diesem Jahrhundert eine
Weltregierung entstehen wird, da selbst die größten Staaten nicht in der Lage seien, mit globalen Problemen fertig zu werden. Da sich nur der Kapitalismus und nicht die Demokratie globalisiert hat, so Barber, muss die Marktwirtschaft einer
demokratischen "Zähmung" unterzogen werden. Denn: "Privatisierung reicht nicht aus, um Demokratie herzustellen. Der Bürger ist das
Salz der Demokratie, nicht der Konsument. Wenn jemand glaubt, er sei ein guter Bürger, weil er ein guter
Konsument ist, dann ist die Demokratie in Gefahr."
Wie viel vom
Barbaren steckt im modernen Europäer, fragt sich im
Interview der Mittelalterhistoriker und frühere Dissident
Karol Modzelewski. Er unterstreicht die Tatsache, dass in diesem Jahr vor allem solche Staaten der EU beigetreten sind, die am stärksten mit dem
barbarischen Erbe des Kontinents verbunden sind. Im Gegensatz zu den Mittelmeerländern, die in die
post-römische Welt integriert waren, übernahmen die
Slawen und Skandinavier anfänglich nur jene Institutionen und Traditionen, die ihnen
von Nutzen waren. Paradoxerweise brachte ausgerechnet das Christentum den Barbaren,
Individualismus und die
Säkularisierung. "Die barbarischen Europäer hatten keine seperaten Begriffe für den säkularen, rechtlichen Schutz, und den sakralen. Dieser Unterschied kam erst mit dem
Christentum, indem das Heilige vom Alltag abgehoben wurde, und die alltägliche Realität von sakralen Element befreit wurde. Auch die Abkehr vom allgegenwärtigen
Kollektivismus der Barbaren hatte weit reichende zivilisatorische und kulturelle Folgen. Man kann sagen, dass die Christianisierung den
Europäer als individuelles Subjekt der Geschichte erschaffen hat."