Magazinrundschau - Archiv

Gazeta Wyborcza

171 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 18

Magazinrundschau vom 08.11.2004 - Gazeta Wyborcza

"Die Demokratie hat auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR eine letzte Chance. Es ist die Ukraine", meint Roman Podebski in der Wochenendausgabe der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Nachdem die ukrainischen Präsidentschaftswahlen nach einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen dem pro-russischen Kandidaten, Wiktor Janukowytsch, und dem pro-westlichen Oppositionsführer, Wiktor Juschtschenko in die Stichwahl gehen, spitzt sich die Lage noch mehr zu. Trotz einer einseitigen Medienkampagne und einem starken Engagement des Kreml und des Machtapparats, kann Juschtschenko die Wahl noch für sich entscheiden. "Juschtschenkos Ergebnis muss auch im Hinblick auf das Phänomen der 'zurückgefahrenen Demokratie' in den anderen GUS-Staaten hervor gehoben werden. In nahezu all diesen Ländern sind Beachtung der Menschenrechte und der bürgerlichen und wirtschaftlichen Freiheiten zu einem Synonym für Schwäche gegenüber den bösen Einflüssen des Westens geworden. In diesem Kontext sind die ukrainischen Wahlen wie ein Atemzug frischer Luft, eine Absage an die angebliche Allmacht russischer Polittechnologen", schreibt Podebski.

Anna Wolff-Poweska vom Posener West-Institut nimmt sich 15 Jahre nach dem Mauerfall der ostdeutschen Psyche an: "Das Bewusstsein, dass nun in aller Öffentlichkeit das Leben der DDR-Bürger vor und nach dem Mauerfall zerlegt und untersucht wird - wie sie lebten, beteten, ihre Freizeit verbrachten, was sie heute denken, was sie essen, was sie über die Homosexuellen denken, wie sie mit dem Kommunismus abrechnen - und das, indem man sie ständig mit den Westdeutschen vergleicht, ist eine Quelle der Demütigungen und der Irritation. Woher nehmen sich diejenigen, die das Schicksal einige Kilometer weiter westlich verschlagen hat, das Recht auf solche Abrechnungen?", schreibt sie. Dabei war die DDR in besonderer Weise von der Existenz im Ostblock gezeichnet, "in einer Welt, wo es Arbeitsplätze ohne Arbeit, Wahlen ohne Möglichkeit der Wahl, Geld ohne Waren, Freundschaftsgrenzen ohne Freundschaft gab". Das Experiment der Einheit hält Wolff-Poweska dennoch für gelungen. Woran es allerdings noch fehlt, ist Interesse für einander und einfache zwischenmenschliche Solidarität und Vertrauen.

Magazinrundschau vom 01.11.2004 - Gazeta Wyborcza

"Die Wahlen in der Ukraine werden nicht durch die abgegebenen Stimmen entschieden, und auch nicht - wie Stalin es einst formulierte - durch diejenigen, die sie zählen. Entscheidend wird sein, inwieweit die Wähler bereits sind, für ihre Rechte zu kämpfen". Waclaw Radziwinowicz berichtet in der Wochenendbeilage der polnischen Gazeta Wyborcza von der Stimmung in der Ukraine kurz vor der wichtigen Abstimmung und sieht Anzeichen für eine "Revolution der Kastanien" (in Anlehnung an die "Revolution der Rosen" in Georgien), falls die Wahlen manipuliert werden. Zu welchen Mitteln die Regierung des Kremlfavoriten Wiktor Janukowitsch greift, um sich den Sieg zu sichern, illustriert Radziwinowicz am Beispiel einer Umfrage: Einen Vorsprung Janukowitschs meldete als erste die russische Stiftung 'Öffentliche Meinung', die - wie sich heraus gestellt hat - gar keine Umfragen durchgeführt hatte.

Der Oppositionsführer Wiktor Juschtschenko spricht im Interview über die europäischen Ambitionen seines Landes: "Wir sind Teil Europas, unsere Kultur und Identität sind mit den europäischen Werten verbunden. Europa ist unser Haus. Wir sind davon überzeugt, dass der europäische Einigungsprozess ohne die Ukraine nicht vollendet ist."

Wlodzimerz Kalicki fragt, warum es Polen seit 1989 eigentlich nicht geschafft hat, das Problem möglicher Vermögensansprüche der Vertriebenen international oder bilateral zu lösen. "Es ist schwer zu verstehen, warum in den letzten fünfzehn Jahren keine juristischen und politischen Analysen dieses Problems angestellt wurden. Die Konsequenz ist, dass die durch die Forderungen der Vertriebenen und der Preußischen Treuhand überrumpelte rechte Opposition von heute auf morgen Rechtsexpertisen erstellen lässt, um dann blindlings, ohne die Möglichkeiten und Konsequenzen abzuwägen, einen Parlamentsbeschluss mit gewichtigen internationalen Folgen zu erlassen." Und was jetzt? "Sollen wir Berlin mit den von der Bundeswehr geschenkten Leopard-Panzern erobern? Oder eher vor Scham im Boden versinken?"

Magazinrundschau vom 25.10.2004 - Gazeta Wyborcza

In der Wochenendausgabe der größten polnischen Tageszeitung outet sich der Schriftsteller Jurij Andruchowytsch als Angehöriger einer kleinen Minderheit: der polonophilen Ukrainer. "Weil Polen all die Jahre hindurch für mich Freiheit bedeutete, fühlte ich mich dort, wann immer ich die Grenze überschritt, gleich wie zu Hause. Weil es gut ist, im Westen ein Land der Träume zu haben - wenn nicht gleich Vorbild, so doch ein Neidobjekt. Für Polen ist es Deutschland, für Deutschland Frankreich, und so weiter, denn weiter weiß ich nicht, weil was kann schon besser sein als Frankreich? Amerika?" Andruchowytsch kommt auf einen eigentümlichen Neid aufeinander und umeinander zu sprechen, der Polen, Russland und die Ukraine verbindet. "Die Russen irritiert schon die alleinige Tatsache der Rivalität. Wieso sollten sie auch auf 'irgend so einen Polen' eifersüchtig sein?! ... Polen ist eines dieser kleinen postsozialistischen Länder. Wie ein befreundeter russischer Dichter sagte: mitteleuropäisches Geschwätz."

Artur Domoslawski berichtet vom Europäischen Sozialforum in London und wundert sich über das angestaubte, sozialistische Gewand, in dem manche Globalisierungsgegner daher kommen. "An den Ständen Kommentare zu Marx, rote Fahnen und 'No pasaran'-Losungen. Leo Trotzki konkurriert mit einem Revolutionär von fraglos größerem Sex-Appeal - Che Guevara". Dennoch konstatiert der Publizist: "Als ich den Saal verließ, ließ mich der Gedanke nicht los, dass der Grund, warum die Globalisierungskritiker ihren Widerspruch in Formen aus dem 19. Jahrhundert manifestieren, nur der sein kann, dass die Probleme ebenfalls die des 19. Jahrhunderts sind: der Kampf um Arbeitszeitbegrenzung, das Recht auf Streik und Urlaub".

Außerdem lesen wir ein Interview mit dem Literaturhistoriker Andrzej Mencwel über den vor vier Jahren verstorbenen Jerzy Giedroyc, Gründer und langjähriger Leiter der bedeutendsten exilpolnischen Kulturzeitschrift, "Kultura". Das Milieu um Giedroyc hat sich vor allem dadurch verdient gemacht, dass der Prozess der Aussöhnung mit den Nachbarn, insbesondere mit den Ukrainern, durch ihre Autoren engagiert voran angetrieben wurde, erklärt Mencwel.

Magazinrundschau vom 18.10.2004 - Gazeta Wyborcza

"Darf man einen der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts auch nur einen Moment lang bemitleiden?", fragt Piotr Lipinski, der in der Wochenendausgabe der Gazeta Wyborcza zur Abwechslung mal nicht über Hitler, sondern über Stalin schreibt. Es wird das Buch "The Court of the Red Tsar" des britischen Journalisten Simon Sebag Montefiore vorgestellt, aus dem wir nicht nur von den Liebesbriefen Stalins an seine Frau erfahren und dass er vor ihren Wutausbrüchen ins Badezimmer flüchtete, sondern auch davon, dass sein Schnurrbart ewig nach Tabak roch, und dass sein engster Mitarbeiter, Wjatscheslaw Molotow fest gestellt haben soll: "Würden wir mehr schlafen, würden wir weniger Fehler begehen".

Außerdem erfahren wir, dass man in Weißrussland vor dem Referendum und den Wahlen am Sonntag keinerlei Anzeichen von Wahlkampf beobachten konnte. "Dass die Regierung sich vor dieser historischen Abstimmung keine Mühe macht, die Wähler zu überzeugen, zeugt davon, dass die Stimme des Volkes überhaupt nichts zu sagen hat", stellt Waclaw Radziwinowicz fest. Demenstsprechend zeigten die Werbespots im staatlichen Fernsehen, wie man seine Stimme für Alexander Lukaschenko abzugeben hat. Die einzige Möglichkeit, Lukaschenkos Regierungszeit zu begrenzen, liegt in Moskau., meint Radziwinowicz. Da suche man angeblich schon nach einem Nachfolger - in den Worten eines Kreml-Astrologen: "Es mehren sich die Anzeichen eines bürokratischen Umsturzes".

Vor genau zwanzig Jahren wurde der Solidarnosc nahe stehende Geistliche Jerzy Popieluszko vom kommunistischen Geheimdienst entführt, gefoltert und umgebracht. Der Fahrer des Priesters erzählt im Gespräch über die genauen Umstände der Entführung und die bevor stehende Seligsprechung des zum Märtyrer erklärten Popieluszko.

Magazinrundschau vom 11.10.2004 - Gazeta Wyborcza

Die Magazinausgabe der Gazeta Wyborcza blickt in die Welt hinaus und erklärt uns die Wahlen in Afghanistan und in der Ukraine. Der Afghanistan-Experte Wojciech Jagielski kehrte in das ihm vertraute Land kurz vor den Präsidentschaftswahlen zurück: "Obwohl ich viele Male nach Afghanistan gereist bin, konnte ich nie zuvor einen vorher buchbaren Linienflug nehmen. Bisher gelangte ich dorthin über Schleichwege, ich reiste mit Militärhubschraubern, zu Pferd, von Bergführern und Partisanen begleitet. Ich überschritt die Grenze zu Fuß und einmal sogar auf einem Boot von Drogenschmugglern. Ich reiste nach Afghanistan um über Kriege zu schreiben, die das Land über ein Vierteljahrhundert erschütterten. Jetzt bestieg ich prosaisch ein Flugzeug, das dem Flugplan entsprechend abflog. 'Willkommen in Afghanistan' - sagte ein lächelnder Beamter, als er meinen Pass stempelte".

Zu den Wahlen in der Ukraine schreibt Roman Podebski: "Von den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen hängt nicht nur die Zukunft der Ukraine ab - der Sieg Viktor Juschtschenkos kann als Beweis dafür dienen, dass die postsowjetischen Staaten nicht nur von 'Zaren' und 'Baschas', heute Präsidenten genannt, regiert werden können. Mit Viktor Juschtschenko verbindet die Gesellschaft die Hoffnung auf eine Verbesserung des Lebensniveaus, eine Begrenzung der Macht der Oligarchenclans und der Korruption, die Garantie der Meinungsfreiheit und der Unabhängigkeit des Polizeiapparats und der Gerichte. Für viele Wähler kann die Präsidentur Juschtschenkos die Chance auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union bedeuten."

Magazinrundschau vom 04.10.2004 - Gazeta Wyborcza

Im Magazinteil der Gazeta Wyborcza analysiert die Kulturhistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Maria Janion die bizarren Wiederbelebungsversuche von romantischen, nationalen Stereotypen in der gegenwärtigen politischen Debatte in Polen. Sie stellt fest, dass das nationale Bewusstsein von einer Konzeption dominiert wird, die sich aus einer Mischung von "Messianismus, Märtyrertum und Kreuzzugsmentalität" zusammensetzt, während die aufklärerische, rationalistische Tradition zunehmend an Boden verliert. Janion zitiert Imre Kertesz: "Es scheint, als ob die mit einem Vaterkomplex beladene, in einer sadomasochistischen Perversion lebende Seele eines kleinen, mitteleuropäischen Volkes ohne einen mächtigen Unterdrücker nicht leben kann, dem sie die Schuld für alle historischen Niederlagen zuschieben kann, oder ohne eine nationale Minderheit, diesen Sündenbock, an dem man sich ausleben kann um all dem, durch das alltägliche Versagen angestauten, Hass und den Ressentiments Luft zu machen". Besonders im Verhältnis zu den slawischen Nachbarn verfängt man sich in einer Art schizophrenen, postkolonialen Diskurs, so Janion: einerseits fühlen sich die Polen von Russland dominiert und bedroht, andererseits würde man gegenüber den Ukrainern und Belarussen auch gerne die Großmacht geben. "Bis heute fühlen wir uns ihnen überlegen, empfinden aber gleichzeitig eine Artverwandschaft mit ihrer Unterlegenheit".
Stichwörter: Kertesz, Imre, Sündenbock

Magazinrundschau vom 20.09.2004 - Gazeta Wyborcza

Michal Smolorz (Produzent einer schlesischen Talk-Show) sucht in einem Artikel der Wochenendausgabe der Gazeta Wyborcza nach Antworten auf die Frage, warum viele polnische Städte und Regionen ihr multikulturelles Erbe entdecken und ausgerechnet Oberschlesien im deutsch-polnischen Kleinkrieg versinkt. Eine mögliche Antwort: "Vielleicht, weil es in Szczecin, Gdansk, Lodz oder Wroclaw keine Deutschen mehr gibt. In Oberschlesien gibt es sie noch und das scheint für viele ein unüberwindbares Problem zu sein". Auch die Organisationen der deutschen Minderheit kriegen dabei ihr Fett weg. Sie unterstützen eine multikulturelle Veranstaltung "nur unter der Bedingung, dass sie deutsch ist... So etabliert sich in Schlesien immer mehr eine eigentümliche kulturelle Apartheid, in der jede Seite ihre unüberschreitbaren Grenzen markiert", schließt der Autor.

Außerdem in dieser Ausgabe: die Fortsetzung des Interviews mit Tadeusz Mazowiecki von letzter Woche (hier).
Stichwörter: Apartheid, Talk Shows

Magazinrundschau vom 13.09.2004 - Gazeta Wyborcza

Die Historikerin Anna Wolff-Poweska vom Posener West-Institut (offizielle Webseite), erklärt in der Gazeta Swiateczna, dass der Beschluss des polnischen Parlaments vom Freitag, deutschen Entschädigungsansprüchen mit polnischen Forderungen nach Kriegsreparationen zu begegnen, nicht nur den beiderseitigen Beziehungen schadet, sondern auch den Deutschen keine Angst einjagen wird. "Es zeigte sich, dass es unseren Abgeordneten nicht um Dialog geht, sondern hauptsächlich darum, die eigenen, sehr spezifischen Interpretationen der Geschichte zu präsentieren (...) und die eigene moralische Überlegenheit zu demonstrieren". Der rechtlich nicht verbindlichen Entschließung des Sejm ging eine Debatte voran, über die Wolff-Poweska nur den Kopf schütteln kann. Die Aussagen der Vertreter national gesinnter Gruppierungen im Parlament vergleicht die Historikerin mit der offiziellen antideutschen Propaganda der Volksrepublik. "Nichts irritiert unsere Abgeordneten mehr, als wenn man die Größe und Macht Polens nicht öffentlich bewundert. Die Deutschen soll man anbrüllen, beschuldigen, angreifen, sich in die Brust werfen, damit der Feind uns nicht der Furcht bezichtigt. Einstimmig verkündete man also das Ende der 'Ära der Weichheit und Nachsicht' gegenüber dem westlichen Nachbarn".

"Im September oder Oktober ahnte niemand, dass der Zerfall des Ostblocks so schnell und radikal vonstatten gehen wird. Niemand ahnte, dass das polnische Beispiel einen 'Herbst der Völker' verursachen wird." Vor genau 15 Jahren wurde das Kabinett von Tadeusz Mazowiecki bestätigt - die erste osteuropäische Regierung ohne einen Kommunisten an der Spitze seit dem Zweiten Weltkrieg. Zu den Umständen dieses revolutionären Ereignisses äußert sich der Politiker und Publizist im Interview. Angesprochen wird auch die bis heute heiß diskutierte "Schlussstrich-Passage" aus seinem Expose. "Diese Passage verkündete den evolutionären Charakter der Veränderungen. Keine Revolution, denn die endete in der Geschichte immer mit einer Hexenjagd. In meinem Expose war auch nicht die Rede davon, dass die Vergangenheit nicht beurteilt wird, dass diejenigen, die für Verbrechen verantwortlich sind, schuldlos bleiben. Ich war damals und bin heute noch der Ansicht, dass dies der einzige Weg war, um Polen sicher durch diese schwierige Phase zu führen. Eine außerordentlich schwierige Phase. Heute weiß kaum jemand noch, wie schwierig sie war."
Stichwörter: Antideutsche, Ostblock, Hexenjagd

Magazinrundschau vom 06.09.2004 - Gazeta Wyborcza

"So war und ist unsere Gesellschaft - erbärmlich und eingeschüchtert". Im Gespräch mit der Wochenendbeilage der Gazeta Wyborcza berichtet der russische Soziologe Jurij Lewada, der frühere Leiter des inzwischen aufgelösten Russischen Meinungsforschungsinstituts WTZIOM-A, über die Realität des vom Terror erschütterten, von KGB-Kadern beherrschten und von korrumpierten Politikern und Richtern kontrollierten Putinistan. "Putin war nie ein höher gestellter Funktionär des Geheimdienstes. Er war daran gewöhnt, auf die zu hören, die über ihm standen. Man weiß nicht, ob er je jemanden befehligte. Überhaupt weiß man nicht, was er im Geheimdienst gemacht hat, aber es scheint, dass er nicht den Anderen nachspürte, sonern den Seinen." Zur Lage in Tschetschenien meint Lewada: "Noch niemand hat einen Partisanenkrieg gewonnen. Nicht in Algerien, nicht in Vietnam, nicht in Afrika. Wenn es überhaupt einen Weg gibt, solch einen Krieg zu beenden, dann müssen wir nach Europa schauen. Es ist doch nie jemanden in den Sinn gekommen, Nordirland mithilfe von Kampfflugzeugen in ein Tschetschenien zu verwandeln, auch wenn man aus englischer Sicht von einer terroristischen Aktivität in dem Gebiet sprechen kann. Aber wir sind nicht England, sondern ein etwas asiatisches Land." Die Lösung der Tschetschenienfrage erfordere entweder den Mut zum Rückzug wie ihn Charles de Gaulle hatte, oder eine internationale Lösung wie im Kosovo. "Aber dem wird unser Präsindet nicht zustimmen, und der Westen wird in der heutigen Situation keinen Streit darüber riskieren."

Magazinrundschau vom 23.08.2004 - Gazeta Wyborcza

"Forrest Gump oder Hans im Glück - das ist meine Geschichte". Anlässlich des Todes des großen polnischen Dichters und Nobelpreisträgers Czeslaw Milosz (mehr hier und hier) druckt die Gazeta Swiateczna, die Magazinausgabe der Gazeta Wyborcza, ein Interview mit dem Schriftsteller aus dem Jahr 2003 noch einmal. Milosz spricht darin über die Gründe für seine Flucht aus dem kommunistischen Polen: "Ich weiß noch, es war 1949, Sommer, aber ein ungewöhnlich kalter Morgen. Es fuhren gerade Militärjeeps mit Gefangenen vorbei, die vor Kälte zitterten. Ich kam gerade von einer Feier mit Tänzen bis in den Morgen hinein, es gab Essen in Hülle und Fülle. Es ist nicht so, dass ich eine Verschärfung der Gangart gesehen hätte - ich erblickte das Wesen des Systems", erzählte Milosz.
Stichwörter: Milosz, Czeslaw