Die Historikerin
Anna Wolff-Poweska vom Posener
West-Institut (offizielle
Webseite),
erklärt in der
Gazeta Swiateczna, dass der Beschluss des polnischen Parlaments vom Freitag, deutschen Entschädigungsansprüchen mit polnischen Forderungen nach
Kriegsreparationen zu begegnen, nicht nur den beiderseitigen Beziehungen schadet, sondern auch den Deutschen
keine Angst einjagen wird. "Es zeigte sich, dass es unseren Abgeordneten nicht um
Dialog geht, sondern hauptsächlich darum, die eigenen, sehr
spezifischen Interpretationen der Geschichte zu präsentieren (...) und die
eigene moralische Überlegenheit zu demonstrieren". Der rechtlich
nicht verbindlichen Entschließung des Sejm ging eine Debatte voran, über die Wolff-Poweska nur den Kopf schütteln kann. Die Aussagen der Vertreter national gesinnter Gruppierungen im Parlament vergleicht die Historikerin mit der offiziellen
antideutschen Propaganda der Volksrepublik. "Nichts irritiert unsere Abgeordneten mehr, als wenn man die
Größe und Macht Polens nicht öffentlich bewundert. Die Deutschen soll man anbrüllen, beschuldigen, angreifen, sich in die Brust werfen, damit der Feind uns nicht der Furcht bezichtigt. Einstimmig verkündete man also das Ende der
'Ära der Weichheit und Nachsicht' gegenüber dem westlichen Nachbarn".
"Im September oder Oktober ahnte niemand, dass der Zerfall des Ostblocks so schnell und radikal vonstatten gehen wird. Niemand ahnte, dass das polnische Beispiel einen
'Herbst der Völker' verursachen wird." Vor genau 15 Jahren wurde das Kabinett von
Tadeusz Mazowiecki bestätigt - die erste osteuropäische Regierung ohne einen Kommunisten an der Spitze seit dem Zweiten Weltkrieg. Zu den Umständen dieses
revolutionären Ereignisses äußert sich der Politiker und Publizist im
Interview. Angesprochen wird auch die bis heute heiß diskutierte
"Schlussstrich-Passage" aus seinem Expose. "Diese Passage verkündete den evolutionären Charakter der Veränderungen.
Keine Revolution, denn die endete in der Geschichte immer mit einer
Hexenjagd. In meinem Expose war auch nicht die Rede davon, dass die
Vergangenheit nicht beurteilt wird, dass diejenigen, die für Verbrechen verantwortlich sind, schuldlos bleiben. Ich war damals und bin heute noch der Ansicht, dass dies der einzige Weg war, um Polen sicher durch diese schwierige Phase zu führen. Eine außerordentlich schwierige Phase. Heute weiß kaum jemand noch,
wie schwierig sie war."