
In Warschau soll ein neues
Museum für moderne Kunst entstehen... oder doch eher für
zeitgenössische Kunst? Darüber diskutieren in der
Gazeta Wyborcza der
Historiker Krzysztof Pomian ("Der Ursprung des Museums") und der Kunst- und
Architekturhistoriker Andrzej Turowski. "Die polnische zeitgenössische Kunst und die polnische Gesellschaft kamen bisher ohne ein zeitgenössisches Museum aus. Wir können nur erahnen, welche Vor- und Nachteile das bisher mit sich brachte",
schreibt Turowski. Jetzt werde es aber Zeit für ein neues Museum, das "seine modernistischen Wurzeln nicht verschweigt. Es muss an das 20. Jahrhundert
anknüpfen, aber die in der Moderne
mystifizierten Kategorien, Klassifizierungen und Abstraktionen
hinterfragen. Es sollte ein Museum sein, das den aktuellen Stand der Kunst widerspiegelt und gleichzeitig ihren Platz in einer
demokratischen Kultur verhandelt."
"Ein Museum für moderne Kunst wäre zwangsläufig ein Museum der
künstlerischen Avantgarde. Ein Museum für
Anhänger jener Avantgarde und nicht für all jene, denen man den Wandel der Kunst
im 20. Jahrhundert erst erklären muss: die Brüche und das Aufbegehren gegen materielle, technische, formelle und thematische Grenzen",
meint Pomian. "Das Museum sollte so geplant werden, dass es nicht von vornherein auf Ausstellungen festgelegt wird. Ich bin für eine
größtmögliche Öffnung des Museums, das Kunst im weitesten Sinne zeigen sollte: Mode, Innenaustattung, Architektur, Film, Werbung und Propaganda. Alle
Materialien und Techniken, die im 20. Jahrhundert verwendet wurden, sollten zugelassen werden. Das einzige Kriterium sollte die Unterscheidung zwischen
Kunst und Kitsch sein. Auch wenn diese Unterscheidung manchmal fraglich ist, und später revidiert werden kann."
Piotr Buras und
Basil Kerski analysieren, inwieweit die (ost-)deutschen Erfahrungen mit dem
Erbe der Stasi wirklich Vorbild für die
Polen sein können: "Wie tiefgreifend war die
Entkommunisierung in Ostdeutschland? Wurde die Offenlegung der Stasi-Akten für politische Abrechnungen missbraucht? Die Fälle
Stolpes oder
Gysis zeigen, dass das nicht immer der Fall war." Die Autoren behaupten, dass der Staatsapparat
in Ostdeutschland nicht etwa von ehemaligen IM's gesäubert, sondern einfach durch
westliche Beamte ersetzt wurde. "Ohne die Wiedervereinigung hätten wir Zustände wie in Albanien oder Moldawien", wird der Historiker Stefan Wolle zitiert. Insgesamt finden die Autoren die Berufung auf das deutsche Vorbild durch einige Anhänger der
radikalen Lustration in Polen übertrieben, vor allem, weil die institutionelle Aufarbeitung des Erbes der DDR nur ungenügend von einer
moralischen Aufarbeitung begleitet worden sei.