Magazinrundschau - Archiv

Himal

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Magazinrundschau vom 29.09.2015 - Himal

Die pakistanische Literatur zeichnet sich durch einen althergebrachten, politisch lancierten Realismus im Erzählen aus, erfahren wir von Haider Shahbaz, der umso dankbarer dafür ist, dass Mirza Athar Baigs neuer, bisher nur auf Urdu erschienener Roman "Hasan Ki Surat-e-Haal: Khali Jaghain Pur Karo" alle literarischen Registern zieht und dabei eine sehr westliche Form literarischen Erzählens in die pakistanische Literatur transponiert - den Surrealismus. Und geboten wird einem da allerhand: "Anstatt von erzählerischer Kontinuität, wird der Roman von einer Einheit von Objekten, Themen und Räumen zusammengehalten. Beispielsweise führt die weltliche Erscheinung eines Schlafsacks den Leser zu der Geschichte eines Spezialeffekte-Machers in Hollywood, was zu einer Diskussion über einen fiktiven Roman über Wissenschaftler führt, die auf ein "zivilisierendes Gen" gestoßen sind, was dann zu einem Kommentar über den Science-Fiction-Film "Die phantastische Reise" von 1966 überleitet, wodurch man dann, so irgendwie, zu einer Analyse der technologischen Entwicklung Japans und dessen Akzeptanz der modernen Aufklärung seit dem Zweiten Weltkrieg gelangt." Pynchon-Fans, darf man aus der Ferne mutmaßen, hätten wohl ihre Freude an dem Werk. (Christina Oesterheld von der Universität Heidelberg hat 2011 eine Einführung in das Werk Baigs verfasst)

Magazinrundschau vom 06.01.2015 - Himal

In Himal bietet Premila van Ommen einen faszinierend detailreichen Überblick über die florierende Rock-, Punk- und Metalszene in der nepalesischen Community Londons. Seit 2000 ist hier ein sprunghafter Anstieg zu verzeichnen, allein in den letzten sieben Jahren wurden 50 Bands gegründet. Und die populärsten davon füllen tatsächlich größte Hallen, während bei den überschaubareren Konzerten die Familien der Musiker im Publikum stehen. Die Vermengung nepalesischer Folklore mit westlichem Classic Rock hat in Nepal seit den siebziger Jahren Tradition, schreibt van Ommen: "Classic Rock popularisierte sich in Nepal in den 70ern, als Ausländer auf Hippie-Trips Kassetten mit ihrer Lieblingsmusik ins Land brachten. Nepalesische Rockbands wurden gegründet, die die Lieblingsmusik der Touristen, darunter Songs von Deep Purple und den Doors, nachspielten. ... Im Nordosten Indiens ließ die Popularität verschiedener Rockmusik-Genres immer neue Generationen mit einer Vorliebe für Bass, Drums und Gitarren entstehen. Einige wurden zu den Onkeln und Vätern von Studenten in Großbritannien, andere die älteren Brüder, die ihren jüngeren Geschwistern jene Musik vorstellten, die man sich am besten anhören sollte. Als die Nepalis nach Britannien zogen, brachten sie im Gepäck die Rockmusik mit sich, mit der sie aufgewachsen waren."

Kostprobe? "Beyond Perfection" von Symbol of Orion:


Magazinrundschau vom 14.10.2014 - Himal

Die indische Journalistin Taran N Khan lernt in Afghanistan erstaunt, dass ausgerechnet Kabul seit Jahrzehnten ganz und gar verliebt ist in die Filme aus dem fernen, indischen Mumbai, vulgo Bollywood. Dabei handelt es sich um eine Liebe, erfahren wir, die Geschichten aus den großen Klassikern ganz selbstverständlich in die eigene Folklore eingemeindet. Selbst die Jahre unter den Taliban konnte dem nichts anhaben, wie Khan von einigen Frauen erfährt: Da sie weder zur Schule noch zur Arbeit gehen durften, verschanzten sie sich in einem kleinen Raum mit ausgeschwärzten Fenstern, wo sie die streng verbotenen Filme aus Bollywood sahen: "Bestrafung oder eine Haftstrafe für so etwas triviales und trashiges wie Bollywood-Entertainer zu riskieren, schien mir haarsträubend und auch ein bisschen wie ein Verrat am hohen Standard, den man von Geschichten aus Krieg und Repression erwarten würde. Doch wer bin ich, über den Wert von Objekten und Möglichkeiten zum Zeitvertreib zu richten, insbesondere in einem Leben, in dem einem jegliches Vergnügen, das sich bot, geraubt wurde? Für die in den Zimmern eingesperrten Mädchen in Kabul und ihre Schicksalsgenossinnen luden sich die flackernden Bilder auf dem kleinen Fernseher mit enormer Bedeutung auf. Sie wurden etwas, für das es wert war zu leben und sich zu verstecken. So etwas wie ein Zufluchtsort, ein Ort an dem sie dem am nächsten sein konnten, was sie einst waren."

Magazinrundschau vom 26.08.2014 - Himal

Die über 800 Frauen, die in Pakistan allein im vergangenen Jahr so genannten "Ehrenmorden" zum Opfer fallen, sind deutschen Kulturschaffenden bislang leider keinen offenen Brief wert. Vielleicht regen ja Bushra Asifs Darlegungen zu solchen Interventionen an. Erschütternd jedenfalls, was sie über den trotz einiger Reformen noch immer bestehenden Filz zwischen Patriarchat und Politik, deren zum Teil noch auf die Militärregierung von 1977 bis 1989 zurückgehende Gesetzgebung solche Morde begünstigt und die Täter davonkommen lässt, zu berichten hat: "Die Hudood-Beschlüsse von 1979 beispielsweise kriminalisierten sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe und machten vier männliche Zeugen zur Bedingung, um eine Vergewaltigung zu beweisen. ... Der Qisas- und Diyat-Akt wird von Frauenrechtlerinnen und Menschenrechts-Anwälten dafür kritisiert, dass er die Rechtsprechung "privatisiert", da er es ermöglicht, sich in Mordfällen auch außerhalb von Gerichten zu einigen. Besonders problematisch ist das im Fall von Ehrenmorden, bei denen die Mörder üblicherweise nächste Verwandte sind (...). Wenn etwa ein Bruder seine Schwester ermordet, kann beider Vater, der Schutzbefohlene des Mädchens, dem Sohn vergeben."

Magazinrundschau vom 07.02.2012 - Himal

Wie schwierig es ist, als Lesbe oder Schwuler in Pakistan zu leben, erzählt der Filmemacher Hira Nabi. "Es geht nicht nur darum, dass das Strafgesetz Homosexualität kriminalisiert. Bestimmte Vertreter des Islam, wie er in Pakistan praktiziert wird, verurteilen ihn ebenfalls. Am Ende ist das wirkungsvoller als das ererbte koloniale Gesetz, denn die Furcht, eine 'Sünde' zu begehen, ist für die meisten größer als die Furcht, nach Artikel 377 angeklagt zu werden. Die südasiatische Geschichte ist voller Beweise für sich ändernde Sexualpraktiken, aber im modernen Pakistan ist das Umschreiben der Geschichte besonders signifikant. Klassische Dichtkunst enthält Hinweise auf Homoerotik; Denkmäler und Legenden legen Zeugnis ab von homosexuellen Liebesaffären und schwuler Hingabe; Liebe wird ohne Ansehen der Orientierung gefeiert. Auf diese Vergangenheit kann sich jedoch nur schwer beziehen. Polyamouröse Liebe - jederzeit mehrere Sexualpartner zu haben - wurde ebenfalls aus der Geschichte dieser Region gestrichen, sie ist fast verschwunden aus der öffentlichen Vorstellungskraft."
Stichwörter: Homosexualität

Magazinrundschau vom 14.06.2011 - Himal

Der Nuklearphysiker Pervez Hoodbhoy entwirrt die komplizierte Gemengelage innerhalb von Pakistan und zwischen Pakistan und den USA nach dem Tod Osama bin Ladens. Oh, und warum blieb der Held des Dschihad eigentlich so seltsam unbetrauert? "Scheffel saudischer Rials haben das bewirkt. Sunnitische Dschihadgruppen in Pakistan betrachten sich jetzt immer mehr als Prätorianergarde des saudischen Regimes, dass sie wiederum finanziert. Als ein radikalisierter Bin Laden sich mit Gewalt gegen sein Geburtsland Saudi-Arabien wandte, schuf er einen tiefen Graben zwischen Al Qaida und einigen pakistanischen Dschihadgruppen. Amir Rana, ein bekannter Terrorismusexperte, bemerkte, dass Publikationen der Jamat-ud-Dawa, eine Gruppe, deren Anhänger für den Anschlag auf Mumbai verantwortlich waren, jetzt Loblieder auf das saudische Königreich singen. Die JuD arbeitet aktiv daran, antisaudische Kampagnen von pro-schiitischen Elementen in Pakistan zu entschärfen, die Demonstrationen gegen die saudische Militärintervention in Bahrain veranstalteten."

Magazinrundschau vom 24.05.2011 - Himal

Das aktuelle Heft ist dem englischsprachigen Buchmarkt in Indien und Pakistan gewidmet. Es gibt Artikel zur Geschichte des Buchdrucks, zum von Lehrbüchern dominierten pakistanischen Markt, zu indischen Comics, zu tamilischer Pulp-Literatur und manchem mehr. Die Verlegerin Urvashi Butalia gibt einen Überblick und betont die wichtige Rolle, die Frauen in der Branche längst spielen: "Die Verlagswelt besteht zunehmend aus jungen, cleveren, intelligenten Profis, viele davon Frauen. Ja, die wachsende Zahl von Frauen ist bislang eher unbemerkt geblieben. Als ich mich vor Jahren zögerlich bei meinem ersten Verlag bewarb, kam mein Vater wie selbstverständlich mit. Ohne, dass ich es wusste, nahm er meinen damaligen Chef beiseite und macht ihm unmissverständlich klar, dass er von den Männern im Büro erwarte, dass sie sich benehmen. Umgekehrt sagte mein Chef mir, als ich den Job bekam, dass auch ich mich zu benehmen habe - womit er meinte, ich solle nicht sofort heiraten und schwanger werden. Ich war seiner Auskunft nach 'die erste Frau in einer Führungsposition, weil Frauen immer gleich heiraten und die Firma verlassen.' Die heutige Situation ist ganz und gar anders. Nicht nur leiten Frauen viele der kleinen und mittleren Verlage, sie sind auch Entscheiderinnen in vielen der größeren Häuser, darunter India Book House, Random House und HarperCollins."

Magazinrundschau vom 08.02.2011 - Himal

Himal widmet der klassischen indischen Musik einen umfangreichen Schwerpunkt. Vorgestellt werden Musiktraditionen und ihre heutigen Ausläufer in Pakistan, Burma, Nepal und natürlich Indien selbst. Einen Eindruck von den Schwierigkeiten, auf die man beim Versuch der historischen Erfassung dieser Musik stößt, vermittelt Namita Devidayal: "Sangit Mahabharati, ein Musiker und Gelehrter, der die letzten zwanzig Jahre mit dem Versuch verbrachte, eine Enzyklopädie der indischen Musik zusammenzustellen (in diesem Jahr wurde sie endlich veröffentlicht), stieß ständig auf das Problem, dass es kaum verlässliche Fakten gibt. Ist die Sitar eine Erfindung des persischen Poeten Amir Khusro oder hat sie Wurzeln im Subkontinent? Was ist der Ursprung des Wortes aalaap, das die langsamen Kadenzen bezeichnet, mit dem ein Musiker die Raga-Struktur entwirft? Manche Muslime beharren darauf, dass der Ausdruck vom Begriff 'Allah aap' (Allah, den wir verehren) stammt. Hindus verfolgen ihn andererseits zurück zur Tradition des Dhrupad Dhamar, einer Form der klassischen Musik, die sich im 15. Jahrhundert entwickelt haben soll, unter Radscha Mansingh Tomar in Gwalior. Und stammt ein spezieller Rage aus der Region des damaligen Persien - was naheliegt, weil dieselbe melodische Grundstruktur im Subkontinent zu existieren scheint, wenngleich unter einem anderen Namen? So oft hört man ein Konzert eines iranischen Musikers und findet die verblüffendsten Ähnlichkeiten zur Musik Indiens."

Magazinrundschau vom 11.01.2011 - Himal

Zum 100. Geburtstag des 1984 verstorbenen inoffiziellen poetus laureatus von Pakistan widmet das Magazin Himal dem Dichter Faiz Ahmed Faiz eine ganze Ausgabe. Einen Überblick über Leben und Werk des im Westen wenig bekannten Autors gibt Ali Mahdee Hashmi. Faiz, der zeitlebens Kommunist blieb, saß immer wieder im Gefängnis. "1941 heiratete er Alys, ein Mitglied der britischen Kommunistischen Partei. Sie war nach Britisch-Indien gekommen, um ihre Schwester Christabel zu besuchen, die einen Lehrer geheiratet hatte und auf den Subkontinent gezogen war. Christabels Ehemann M D Taseer [Vater des gerade ermordeten Salmaan Taseer, der im Gefängnis Gedichte von Aziz zitierte, Anm. Perlentaucher] war einer der Mitbegründer der Progressive Writer's Association und hatte in England am Entwurf des originalen Manifests mitgearbeitet. In einem seiner ersten Briefe, den er Alys aus dem Gefängnis schrieb, sprach Faiz darüber, wie er über seinen Kampf für soziale Gerechtigkeit dachte: 'Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es sei falsch und unfair zu erlauben, dass unsere Nächsten und Geliebten für etwas leiden müssen, dass man verehrt. So gesehen ist Idealismus oder das Festhalten an bestimmten Prinzipien auch eine Form von Egoismus.'"

In weiteren Artikeln geht es unter anderem um die im Vergleich zur Urdu-Lyrik etwas enttäuschende englischsprachige Prosa des Autors und um den Versuch, die Gedichte ins Englische zu übersetzen (hier einige Beispiele).