
Alexander Clapp schickt eine lange, zugleich aufregende und deprimierende
Reportage aus
Montenegro, das sich seit dem Zerfall Jugoslawiens in der Hand von
zwei Mafiabanden, den Kavačis und den Škaljaris befindet, die, unterstützt vom Premierminister
Milo Dukanović in dessen 32-jähriger Regierungszeit, den Staat vollständig korrumpiert haben. "Montenegro ist kein Beispiel für die Vereinnahmung des Staates durch das organisierte Verbrechen. Vielmehr sind die Kartelle ein verlängerter Arm des Staates. Sie stehen in Kontakt mit dem Staat, werden von ihm geschützt und bereichern die Leute, die ihn leiten." Es ist vor allem der
Drogenhandel, der die Mafia so immens reich gemacht hat. Rauschgift wird mit größter Finesse über die Adria gen Westen geschifft, und auch hier hat der Staat jahrzehntelang geholfen: "Montenegriner bildeten den Großteil der staatlichen jugoslawischen Handelsmarine. Die
Schifffahrtsakademien in Bar und Kotor bildeten Zehntausende von Seeleuten aus, die auf mehr als 350 staatlichen Schiffen alles Mögliche transportierten, von Holz bis hin zu Waffen für afrikanische Antikolonialbewegungen. Nach dem Zerfall Jugoslawiens gingen einige dieser Seeleute in den Ruhestand, andere begannen mit dem Schmuggel, wieder andere traten in private Reedereien ein. In den 2000er Jahren boten montenegrinische Offiziere und Ingenieure den adriatischen Kartellen eine Chance, ins Kokaingeschäft einzusteigen. Heute arbeiten
siebentausend Montenegriner auf Frachtschiffen. Fast ein Drittel davon ist bei der
Mediterranean Shipping Company (in bestimmten Kreisen als Montenegrinische Schifffahrtsgesellschaft bekannt) beschäftigt. Im Jahr 2019 gingen
mehr als hundert FBI-
Agenten im Hafen von Philadelphia an Bord eines MSC-Schiffs, der Gayane, und entdeckten
achtzehn Tonnen Kokain - eine milliardenschwere Beute -, die in Schiffscontainer eingeschweißt und mit Nüssen und Wein gefüllt waren. Es war die größte Drogenrazzia auf See in der Geschichte der USA." Seit Dukanović abgewählt wurde, versuchen neue Leute, den Staat zu entkriminalisieren. Ob es klappt? Steht in den Sternen.
Greg Afinogenov
liest zwei Bücher über den
russischen Imperialismus, "
The Russian Conquest of Central Asia: A Study in Imperial Expansion, 1814-1914" von
Alexander Morrison und "
Iran at War: Interactions with the Modern World and the Struggle with Imperial Russia" von
Maziar Behrooz. Morrison hat seine eigene These dazu entwickelt, warum Russland zwischen 1853 und 1885 die muslimischen Khanate Chiwa und Chochand, das Emirat Buchara und viele Turkmenenstämme unterwarf und ihr Land annektierte: Er "zeichnet das Bild eines ungeschickten, allmählichen Prozesses, der typischerweise durch die von den Russen
selbst geschaffenen Sicherheitsdilemmata vorangetrieben wurde", so Afinogenov: "Nachdem sie eine befestigte Grenze in der trockenen, landwirtschaftlich unproduktiven südlichen Steppe errichtet hatten, stellten sie fest, dass es unmöglich war, ihre neuen Festungen aufrechtzuerhalten oder zu versorgen - ein Problem, das lösbar schien, wenn nur eine stabilere Reihe von Festungen errichtet werden könnte. Da diese Expansion immer mehr gefährlichen Widerstand seitens der Khanate hervorrief, erforderte das Streben nach Sicherheit die
Unterwerfung ihrer Kerngebiete und die Niederschlagung der damit verbundenen Aufstände." So führte eine Eroberung zur anderen, aber auch das Streben nach
Ruhm und Reichtum der russischen Offiziere trug zum russischen Imperialismus bei, zum Beispiel mit Strafexpeditionen, die denen der Briten an Grausamkeit nicht nachstanden, wie Afinogenov bemerkt.
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