
Die Feindseligkeiten zwischen den Ländern Mitteleuropas sind darauf zurückzuführen, dass die Menschen die Geschichte und Kultur ihrer Nachbarn nicht kennen,
meint Emese John, Mitglied im Vorstand der ungarischen Liberalen, und plädiert für ein gemeinsames
Geschichtsbuch Mitteleuropas: "Unsere Erinnerungskultur basiert ausschließlich auf nationalen Geschichtsbüchern. Sie tragen die Spuren kriegerischer Auseinandersetzungen der letzten tausend Jahre und zeigen Kriege und Konflikte nur aus der eigenen
nationalen Perspektive. Wir leben auf einem so winzigen Fleck der Welt, unsere Wurzeln sind ineinander verschlungen, unsere Zweige berühren sich, und doch sehen wir unsere gemeinsamen Interessen in der gemeinsamen Geschichte nicht - weil wir sie noch gar nicht gesucht haben."
Zum Erfolg des vor 110 Jahren erschienenen Dracula-Romans von
Bram Stoker,
meint der Schriftsteller
Andras Cserna-Szabo: "Wie wenig hat sich dieser rosige, christliche und rationale
Westen in mehreren hundert Jahren verändert!
Das Böse stammt immer aus dem Osten, das Chaos bedroht unsere Ordnung aus der heidnischen Ferne, aus dem Osmanischen Reich, aus der romantischen Landschaft der Karpaten oder aus den Felsenbunkern Afghanistans. ... Die archetypische Geschichte des aus dem Osten kommenden Bösen, das den Frieden des Westens zerstört, ist vielleicht der Grund dafür, warum die Leser dieses
verstaubte Vampirepos heute immer noch reizend finden."