
Nach der Gründung der rechtsextremen paramilitärischen Organisation "
Ungarische Garde" lehnt die stärkste politische Kraft, die rechtskonservative
Fidesz, weiterhin ab, die Rechtsextremen zu verurteilen. Die demokratischen konservativen Kräfte entziehen sich der Verantwortung und setzen Ungarn der Gefahr der
Radikalisierung aus,
meint Ervin Tamas: "Die zweite Welle der Wendeverlierer ist lauter, ihr gesellschaftlicher Einfluss stärker. In Ungarn findet gerade nicht die Apokalypse statt, nur einige Strukturreformen. Aber sie werden ohne einen gesellschaftlichen Konsens durchgesetzt, weshalb sich die Frustrationen der Einzelnen summieren. Am Ende wird jeder, wegen einer Baustelle im Stau stehende Autofahrer, von der allgemeinen
Lethargie der Massen in Stimmung gebracht, den nationalen Notstand ausrufen."
Hetes ist ein Ort in Nordungarn der äußersten Not, ohne ärztliche Versorgung, Strom, Straßenbeleuchtung, Müllabfuhr, ohne jegliche Perspektive: ein Stück
Dritte Welt in Mitteleuropa. In Hetes leben überwiegend
ungarische Roma, die nach dem Abbau der sozialistischen Großindustrie ohne Arbeit geblieben sind. Die
Schriftstellerin und Regisseurin
Kriszta Bodis hat hier eine Kreativwerkstatt gegründet und bringt ihnen bei, wie sie mit Farbe, ein paar Perlen oder mit Wörtern zum Ausdruck bringen können, was sie beschäftigt. Agi Farkas
kommentiert: "Das Ziel der Werkstatt ist, den Teilnehmern kreative Prozesse und Kunstgattungen möglichst komplex bekannt zu machen. Die Kinder schreiben beispielsweise Märchen um, inszenieren sie und treten als Laiendarsteller in ihrer eigenen Fassung auf. Sie drehen Dokumentar- und Spielfilme, schreiben Theaterstücke und führen sie auf. Ihre Sehnsüchte, Träume, Gedanken werden in ihren Werken überhaupt zum ersten Mal ausgesprochen."