Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

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Magazinrundschau vom 23.01.2018 - New York Magazine

In einem etwas zu launig geratenen Porträt schildert Simon van Zuylen-Wood die schillernde Medienfigur Glenn Greenwald, die einst half, einer bestürzten Welt die Snowden-Enthüllungen zu präsentieren. So wichtig das war - seither betätigt er sich mehr auf Twitter als hämischer Medienkommentator, der trotz der 250 Millionen Dollar, die ihm Pierre Omidyar für sein Enthüllungsmagazin The Intercept und andere Medien gab, nicht viel mehr zuwege brachte, als sämtliche Enthüllungen über Donald Trumps Beziehungen zu Russland als Bullshit abzutun. Gegen Ende seine Artikels spricht van Zuylen-Wood endlich aus, wie selektiv Greenwalds Wahrnehmung dabei ist - weil Greenwald zur Not selbst die Enthüllungen seines eigenen Magazins herunterspielt: "Im Juni publizierte The Intercept eine explosive Story, dass Russland in den Tagen vor der Wahl versuchte die Wählerregistrierungssoftware zu inflitrieren, indem es Phishing-E-Mails an mehr als hundert lokale Wahlbeauftragte sandte. Die Information stammte aus einem geleakten NSA-Bericht… Der Scoop macht mit zum ersten Mal deutlich, dass Russland nicht nur Wähler zu beeinflussen trachtete, sondern direkt in die Wahltechnologie eingriff. Greenwald distanzierte sich von dem .. Leak und sagt heute, dass er der Geschichte nicht glaubt."

Magazinrundschau vom 21.11.2017 - New York Magazine

Tausende von Frauen sprechen plötzlich offen über sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt. Ist das jetzt ein Moment, in dem die gesellschaftlichen Regeln geändert werden? Oder serviert man den Frauen mit Weinstein und Co ein paar Bauernopfer, in der Hoffnung, danach zum status quo ante zurückkehren zu können? Rebecca Traister versucht in ihrem Essay den Punkt zu bestimmen, an dem wir gerade stehen. Sie spricht dabei auch über die Komplizenschaft von Frauen, die nicht erst beginnt, wenn sie sich vom Boss hofieren lassen oder schweigen, wenn der zu ihnen so reizende Vorgesetzte andere Frauen mit Verachtung behandelt. Denn auch sie sind Teil einer Welt, die Männer in einer Art bevorzugt, "die so selbstverständlich langweilig, unsichtbar und vorhersehbar ist", dass selbst Ausgestoßene wie Weinstein oder Wieseltier oder Spacey eines Tages rehabilitiert werden könnten. "Das kann geschehen, weil wir in Männern - selbst in den miesen - das Talent sehen können. Wir können über ihre Fehler und sexuellen Belästigungen hinwegsehen, weil sie der Welt auch etwas Postives geben. Das ist genau das Gegenteil zu der Art, wie wir Frauen beurteilen, deren Erfolge immer noch munter der Tatsache zugeschrieben werden können, dass der Boss sie gern ficken würde."

Magazinrundschau vom 26.09.2017 - New York Magazine

Andrew Sullivans epischer Essay im New York Magazine hebt etwas behäbig an, nimmt aber Fahrt auf und entwickelt eine Idee, die für die politische Debatte nicht nur in den USA fruchtbar sein könnte. Mehr und mehr, so Sullivan, regrediert das politische System Amerikas zu einem System des Tribalismus. Mit Zahlen kann er untermauern, dass dem christlich weißen und provinziellen Reservoir der Republikaner das ethnisch gemischte und städtische der Demokraten gegenübersteht. Und beide Lager sind, nach innen Loyalität verlangend, nach außen komplett unversöhnlich. Den Gegensatz zwischen beleidigter Provinz und kosmopolitischer Metropole gibt es inzwischen in allen westlichen Länder - nur kommt in Amerika noch ein Problem hinzu, schreibt Sullivan: "Unser undemokratisches Wahlsystem verschärft die Lage. Donald Trump erhielt 46 Prozent der Stimmen und überzeugte 3 Millionen Wähler weniger als seine Konkurrentin, aber er erhielt 56 Prozent des Wahlmännerkollegs. Die Republikaner erhielten bei den Senatsnachwahlen im letzten Jahr 44 Prozent der Stimmen aber 65 Prozent der Sitze. Dass ein Stamm über den anderen herrscht, ist eine Sache. Aber dass der Stamm, der weniger Stimmen hat, den Rest regiert, stellt die politische Stabilität auf die Probe." Wie sich das konkret bei den nächsten Zwischenwahlen auswirken könnte, beschreibt Michelle Goldberg in der New York Times.

Magazinrundschau vom 22.08.2017 - New York Magazine

2012 hat die Anwältin und Programmiererin Ellen Pao die Venture Capital Gesellschaft Kleiner Perkins wegen Diskriminierung verklagt und damit die Seximus-Debatte im Silicon Valley ursprünglich losgetreten. Sie verlor ihren Prozess, denn Sexismus zeigt sich in einer Kombination aus Zudringlichkeiten, Abwertungen und Abfälligkeiten, die rechtlich schwer zu fassen seien, wie sie schreibt: "Bei Firmen-Meetings unterbrachen männliche Mitarbeiter immer wieder ihre Kolleginnen oder wiederholten, was diese gesagt hatten, um das Lob dann für sich selbst einzustreichen. Frauen wurden ermahnt, wenn sie 'die Stimme erhoben', aber kritisiert, wenn sie nicht genug Präsenz bewiesen. Als ich noch ziemlich neu war, machte einmal ein Kollege eine große Show daraus, einen Teller mit Keksen herumzureichen - nur mich und die Frau, die neben ihm saß, ließ er aus. Ein Teil von mir dachte: 'Das sind nur Kekse'. Aber als alle gegangen waren, drehte sich meine Kollegin zu mir und sagte 'Als würden wir überhaupt nicht existieren'."

Magazinrundschau vom 15.08.2017 - New York Magazine

Die gute Nachricht: Junge Leute sind wahre Lesenratten. Die schlechte Nachricht: Im Netz gerieren sie sich mitunter als wahre Kulturstalinisten, wenn ein Buch nicht auf Linie ist mit dem, was Rädelsführer als ideologisch passabel einstufen. Dieses Fazit könnte man jedenfalls Kat Rosenfields Reportage entnehmen, die sich auf Twitter, in Buchblogs und anderen Online-Zirkeln umgesehen hat. Aktuelles Beispiel: Laurie Forests Fantasyroman "The Black Witch", der davon handelt, dass ein junges Mädchen in einer engstirnig-rassistischen Gesellschaft aufwächst, deren Begrenzungen sie allerdings durchschaut und sich schließlich davon emanzipiert. Die gute Vorabpresse des Buchs wich rasch einer Empörungswelle, als eine reichweitenstarke Tugendwächterin die Schilderungen einer rassistischen Gesellschaft der Autorin als affirmative Aussage unterstellte und mit einer hyperventilierenden Vorab-Besprechung einen Shitstorm anzettelte. Klar, dass so ein neuer Konformismus entsteht: "Die Schriftsteller sind sich der Tatsache dieser Diskurskultur vollauf bewusst und maßschneidern ihre Onlinepräsenz dementsprechend - und in einigen Fällen auch ihre Arbeiten. Eine Autorin von New-York-Times-Bestsellern sagte mir: 'Ich habe Angst. Ich habe Angst um meine Karriere. Ich habe Angst, Leuten auf die Füße zu treten, denen ich überhaupt nicht auf die Füße treten will. Ich fühle mich einfach unsicher dabei, mich nennenswert auf Twitter zu äußern. Also lasse ich das.' Auch brach sie die Arbeit an einem neuen Roman ab, in dem eine Person of Color auftreten sollte, und verwies auf eine Einschätzung, die im Verlagswesen viele Insider teilen: Es ist den unvermeidbaren Backlash einfach nicht wert, als weißer Autor außerhalb der Vorgaben der eigenen Identität zu schreiben. 'Man legte mir nahe, darüber lieber nicht zu schreiben', sagt sie. 'Man sagte mir: Erspar Dir das einfach.'"

Magazinrundschau vom 25.07.2017 - New York Magazine

In den letzten zehn Jahren ist - inspiriert von Tim Ferriss' Bestseller "The 4-Hour Workweek: Escape 9-5, Live Anywhere, and Join the New Rich" - eine neue Art von Kosmopoliten entstanden, die digitalen Nomaden. Ihre bevorzugten Lebens- und Arbeitsstationen sind Medellin, Berlin, Ubud auf Bali und Chiang Mai in Thailand. Dort kann man gut und billig leben, bei viel Sonne (außer in Berlin) und freiem Internet. Benjamin Wallace beschreibt am Beispiel eines amerikanischen Zwillingsbruderpaars in Chiang Mai, wie anziehend und zugleich fragwürdig diese Entwicklung ist: "Digitaler Nomadismus, den man zugleich als Neufassung alter Hippie-Ideale und Fantasien vom schnellen Geld verstehen kann, zieht unweigerlich Träumer und Utopisten an, Leute, die sich leicht verraten fühlen, wenn andere ihre Ideale nicht teilen. Aber in Chiang Mai fragt man sich bereits, ob die Szene der Digitalnomaden nicht einer Art Pyramidenschema unterliegt - es gibt immer neue Gurus, die diesen Lebensstil Neulingen erklären, die dann ihrerseits eine neue Welle Unschuldiger mobilisieren. 'Es gibt eine Menge Leute, die den Leuten im Goldrausch Schaufeln verkaufen', sagt ein neuerdings desillusionierter Digitalnomade in Chiang Mai. Und die Atlas-Zwilllinge, die lange nach einem Ideal suchen mussten, haben sich die Vorzüge des Guru-Daseins hart erarbeitet."

Magazinrundschau vom 01.08.2017 - New York Magazine

Noreen Malone erzählt am Beispiel der 29-jährigen Videospiele-Designerin Zoë Quinn, wie die Spieleindustrie immer männlicher wurde und was das für weibliche Spieler und Spieleerfinder bedeutet. In Quinns Fall - die über Jahre von ekelerregenden Hassmails verfolgt wurde, nachdem ihr Ex sie öffentlich der Untreue beschuldigt hatte - kommt eine Misogynie zum Vorschein, die einem religiösen Fundamentalisten alle Ehre machen würde: "Für Beobachter ist es schwer zu verstehen, warum eine demografisch bevorzugte Gruppe junger Menschen das Gefühl hat, sie müsse ihre Community gegen Eindringlinge wie Quinn schützen oder gegen die paar weiblichen Gamer vor ihr, die über Geschlechterrollen in Videospielen sprachen. Aber jede Andeutung von Diversität, jeder Hinweis von Journalisten und Entwicklern, das dies vielleicht wertvoll sei, löst feindselige Reaktionen aus. Junge Männer auf 4chan und anderen Webseiten 'überwachen die Reinheit der Spiele - die Grenzen dessen, was ein echtes Spiel ist und was nicht', erzählt die Spieledesignerin Anita Sarkeesian."

Magazinrundschau vom 20.06.2017 - New York Magazine

Ständig und in rauen Mengen verfügbare Internetpornografie ist nichts mehr Neues. Längst lässt sich das Phänomen historisieren, lassen sich Phasen, Trends und Wellen beschreiben, erklärt Maureen O'Connor in einem so unterhaltsamen wie sachkundigen Artikel. Und die Allverfügbarkeit von Pornografie strahle längst auch auf die Popkultur und das gesellschaftliche Leben ab: "Vögeln wir, wie wir vögeln, weil wir es in den Pornos sehen - oder sehen Pornos so aus, wie wir vögeln? Oder vögeln würden, wenn unsere Ärsche nur so fest wären, unsere Penisse derart standfest und wenn wir wüssten, wie man solch elaborierte Knoten bindet?" Einen großen Anteil daran, welche Porno-Meme und neuen Praktiken - wussten Sie, dass es so etwas wie "Docking" gibt, bei dem Männer mit ihren Vorhäuten einander die Eicheln umhüllen? - sich durchsetzen, hat der Streaminganbieter PornHub, der hinsichtlich der Vorlieben seiner Nutzer wie Netflix über enorme Daten verfügt - eine "Datenbank der Gelüste", sozusagen. "Frauen, die Bilder von weiblichem sexuellen Vergnügen sehen wollen, lernen es, solche Videos anhand des Begriffs 'Massage' zu suchen, was eine Feedbackschleife in Gang setzt, die ihnen mehr Massage-Videos anbietet und Produzenten dazu anregt, mehr Massage-Videos zu drehen. 'Wir lizenzieren Material auf Grundlage unserer Nutzerinteressen', sagt PornHub-Vize Corey Price. 'Aus unseren Berichte, mit denen wir unsere Contentpartner regelmäßig versorgen, gehen die beliebtesten Suchbegriffe in bestimmten Regionen hervor. So können sie die Nutzer besser bedienen.'"
Stichwörter: Pornografie, Netflix, Popkultur, Porno

Magazinrundschau vom 06.06.2017 - New York Magazine

Rebecca Traister trifft Hillary Clinton für ein ausführliches Porträt und stellt fest, dass auch ein halbes Jahr nach ihrer Wahlniederlage die Reflexe immer noch funktionieren. Clinton sagt etwas Lustiges, Kritisches oder Kluges und ihre Gegner beißen in die Tischkante: "Clinton wurde immer dann am meisten gehasst, wenn sie für ein Amt kandidierte, und am meisten geliebt, wenn sie verloren hat, aber weiterkämpfte, besonders wenn die Niederlage hinreichend demütigend war. Aber jetzt ist der Kataklysmus des 8. November ein halbes Jahr her und die Empfindungen ihr gegenüber bleiben strikt geteilt. Die sozialen Medien werden von Hillarys Fans überflutet mit Bildern aus alternativen Universen, in denen sie Präsidentin ist, auf Etsy werden Kunstwerke verkauft, die aus den Worten jener Rede gearbeitet sind, in der sie ihre Niederlage einräumte. Doch viele ihrer Kritiker - selbst die, die sie gewählt haben, sind entschlossen, Clinton den Mantel der schlechtesten Politikerin aller Zeiten umzuhängen. Ihr Beweis ist, dass sie verloren hat gegen - den schlechtesten Politiker aller Zeiten."

Weiteres: Reeves Wiedeman sieht Anzeichen, dass Ubers  katastrophale PR existenzgefährdend wird, zumal Google gerade eine Kooperation mit Lyft begonnen hat.

Magazinrundschau vom 23.05.2017 - New York Magazine

In einem großen Porträt Ivanka Trumps, dass sich so amüsant wie fiktiv liest, nennt Caitlin Flanagan am Ende die Frau, mit der Ivanka vielleicht am ehesten verglichen werden kann: die "Prinzessin des Volkes", Diana. "Gibt es etwas noch erstaunlicheres, ärgerlicheres, empörenderes für die Elite an den Künsten als die ungetrübte Verehrung, die so viele Amerikaner aus der unteren Mittelklasse - genau jene, die durch Trumps Pläne als erste verletzt werden und denen als letztes geholfen wird - für Trump empfinden? Was die Elite nicht versteht ist, dass es zwischen dem einfachen Mann und den goldenen Trumps ein perfektes Einverständnis gibt. Es ist die Art von Einverständnis, die George Orwell in 'Die Engländer' beschrieb, als er die tiefe Ergebenheit der Londoner Slums für ihren Monarchen anlässlich des silbernen Jubiläums von König George V. analysierte: Man konnte es verstehen als 'Überleben, Belebung, eine Idee, fast so alt wie die Geschichte, die Vorstellung vom König und dem einfachen Volk in einer Art Allianz gegen die Oberklasse."