Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 17.02.2003 - Outlook India

Vor zwei Wochen erst war die da noch bevorstehende Cricket-WM Titelthema, nun ist sie es schon wieder, unter etwas umfassenderen Gesichtspunkten: "Cricket, Dope & Politics". Manu Joseph fasst zusammen, was bisher geschah. Dass Indien knapp gegen die Niederlande gewonnen hat, ist dabei nur am Rande von Bedeutung. (Update nach Outlook-Redaktionsschluss: Im zweiten Spiel gegen Australien hat Indien am Samstag eine vernichtende Niederlage erlitten.) Wichtiger ist die Weigerung des englischen Teams, im von Robert Mugabe diktatorisch regierten Simbabwe anzutreten; das erste Spiel droht dadurch verloren zu gehen. Außerdem wurde eine der schillerndsten Figuren der Szene, der Australier Shane Warne, wegen der Einnahme von verbotenen Abführmitteln ausgeschlossen - in den australischen Medien gibt es derzeit kaum ein wichtigeres Thema - und ein anderer australischer Spieler beklagt eine (nicht zu belegende) rassistische Beleidigung durch ein Mitglied des pakistanischen Teams. Joseph resümiert vorläufig - denn das Turnier dauert ja noch mehrere Wochen: "In England vor vier Jahren hat die Cricket-WM weniger Eindruck hinterlassen als eine öffentliche Diskussion darüber, ob Mrs. Blair hässlich ist. (...) Südafrika 2003 ist anders." Im Exklusiv-Kommentar des australischen Ex-Spielers Mark Waugh fliegen dem staunenden Laien die wickets und pitches und centuries nur so um die Ohren.

Neues gibt es aus Bollywood zu berichten. Mit Realismus hatte man da bisher wenig im Sinn, das beginnt sich nun zu ändern, jedenfalls auf der Ebene der Dialoge. Nicht nur ist die im Alltag der Oberschicht gerne gesprochene Mischform aus Hindi und Englisch, die "Hinglish" genannt wird, seit längerem allgegenwärtig. Neuerdings wird auch geflucht und mit schmutzigen Worten um sich geworfen, wie es vor wenigen Jahren noch ganz undenkbar schien in einem Kino, das eigene Autoren für die oft sehr kunstvollen Dialoge beschäftigt. "Statt uns rosige Träume zu zeigen, stoßen uns die neuen Filme mit den schlechten Umgangsformen auf die Realitäten einer entwurzelten Jugend, der Gewalt in den Städten, der Umtriebe der Unterwelt, zerbrechender Ehen und sogar der Enttäuschungen der im Ausland lebenden Inder." Fehlt nur noch, dass sie anfangen, sich zu küssen.

Und dann noch ein wenig Innenpolitik: Der Sieg der hindu-nationalistischen BJP-Partei und der damit verbundenen Ablösung der zuvor stets dominierenden Kongress-Partei bei den Wahlen vor vier Jahren war eine demokratische Revolution. Saba Naqvi Bhaumik stellt in seiner Bilanz fest: "Nach vier Jahren an der Macht erweist sich die von Vajpayee angeführte BJP-Koaliton als höchst anpassungsfähiges Gebilde - und der Anspruch, die Kongress-Partei als Indiens natürliche Regierungspartei abzulösen, scheint immer gerechtfertigter."

Magazinrundschau vom 10.02.2003 - Outlook India

"Das wird ganz sicher die Wut der indischen Nationalisten entfachen", kommentiert Sanjay Suhri Niall Fergusons dokumentarischen Sechsteiler über den Rückzug der britischen Kolonialmacht aus Indien. Der Professor aus Oxford vertrete die These, nicht den Briten sei dieser Rückzug zu verdanken, und schon gar nicht der friedlichen Widerstandsbewegung um Mahatma Gandhi, sondern schlicht und ergreifend den USA, die das ruinierte britische Empire nicht kaufen wollten, und somit seine Auflösung bewirkt hätten. Und überhaupt, argumentiere Ferguson, sei das britische Selbstverständnis mit langfristiger Kolonialpräsenz nicht vereinbar gewesen, denn "sobald eine kolonisierte Gesellschaft die von den Briten mitgebrachten Institutionen übernommen hatte, wurde es sehr schwierig für die Briten, ihr die politische Freiheit zu verweigern, die für sie selbst so wichtig war". Und das, kommentiert Suhri, "scheint Fergusons Fazit gegen Gandhi zu sein: dass satyagraha (der friedliche Widerstand) sein Stil war, dass aber der Wunsch nach satyagraha ein sehr britischer Wunsch war". Das führt Suhri ihrerseits zu einem Fazit: "Wenn einem Oxford-Professor verrückte Gedanken kommen, können sie ohne weiteres veröffentlicht und verfilmt werden."

Weitere Artikel: Shiraz Sidhva deutet die Tatsache, dass sogar die ehemalige "Friedenstaube" Colin Powell kriegslegitimierende Beweise gegen den Irak vorbringt, als sicheres Zeichen dafür, dass es für die USA kein Zurück aus einem Irak-Krieg mehr gibt. Ruchir Joshi schreibt einen Nachruf auf die beim Columbia-Unglück ums Leben gekommene Astronautin Kalpana Chawla. Mallica Singh, Charubala Annuncio und B. R. Srikanth sind einer neuen Spezies begegnet: den frühreifen, hyper-modebewussten Kindern, die ihre Eltern in den Wahnsinn treiben. Kushwanth Singh nennt Arup Chatterjees Buch über Mutter Teresa eine unrecherchierte "Schmährede" und warnt den Autor: "Er sollte wissen, dass wenn jemand den Himmel anspuckt, die Spucke auf sein eigenes Gesicht zurückfällt."

Anita Pratap hat in jüngsten Studien festgestellt, dass Länder, in denen weniger Korruption herrscht, einen höheren Lebensstandard aufweisen können. Höchste Zeit also für einen "globalen Krieg" gegen die Korruption. Nach Meinung von Arijit Barman, Gauri Bathia und Charubala Annuncio wird der bevorstehende zweite indische Fernsehboom ein Nachrichtenboom sein. Und Ranjit Bhushan berichtet, dass die Kongress-Partei zögert, ob sie, der von Nehru begründeten sekulären Tradition zum Trotz, ihren Hinduismus wiederentdecken soll.

Magazinrundschau vom 02.02.2003 - Outlook India

Das indische Wochenmagazin gewährt heute tiefste Einblicke in eine wahrhaft fremde Welt. Es steht nämlich die Cricket-Weltmeisterschaft (Homepage hier) unmittelbar bevor (sie wird von Anfang Februar bis Mitte März dauern) - und für dieses epochale Ereignis hat man das Heft mehr oder weniger freigeräumt.

Sehr grundsätzliche Fragen stellt sich Sandipan Deb in seinem umfangreichen Essay zum Thema: "Was ist der Grund für diese seltsame, undankbare, sinnlose, nur unsere Zeit kostende Leidenschaft, die wir Inder in unseren Herzen tragen, von der wir nicht loskommen, über die wir heftig in Streit geraten können? Warum vergessen wir all unsere Probleme, all die Schrecklichkeiten, die wir ertragen müssen, sobald die Rede auf Cricket kommt? (...) Ist es deshalb, weil wir sonst nichts haben? Nur dieses Spiel?" Es folgt eine ellenlange Aufzählung dessen, was alles schiefläuft in Indien (Armut, schlechte Straßen, korruptes Rechtssystem, Stromversorgung etc.). Bleibt, tatsächlich, nur Cricket: "Wir haben, unbewusst, denke ich, herausgefunden, dass unter allen menschlichen Tätigkeiten Cricket die eine ist, in der wir den Rest der Welt tatsächlich schlagen können. (...) Im Cricket sind wir in der Lage, das zu erreichen, was die USA auf dem Feld der Geopolitik erreichen."

In einer für den Uneingeweihten vielleicht etwas rätselhaften Tabelle wird erklärt, wir Indien auf jeden Fall schon mal ins Halbfinale gelangen kann. Eine eigene Kolumne - Captainspeak - hat der Kapitän des Teams Saurav Ganguly. Er ist, wen wundert's, voller Zuversicht.

Ein bisschen Platz ist dann doch noch für Politik. Michael Krepon warnt die indische Regierung vor der Taktik atomarer Abschreckung. Kritisch kommentiert wird wieder einmal Bushs Irak-Politik. Nur im Web gibt es die Rede, die Arundhati Roy beim Weltsozialforum in Porto Allegre über das "Empire" gehalten hat.

Magazinrundschau vom 27.01.2003 - Outlook India

In alle Paradoxien der Minderheitenpolitik sieht sich anlässlich ihres mit großer Pracht gefeierten Geburtstags Mayawati, chief minister - also etwa: "Ministerpräsidentin" - des bevölkerungsreichsten Bundesstaats Uttar Pradesh verwickelt (hier ein Porträt). Als Symbolfigur der traditionell verachteten und bis heute diskriminierten Dalit-Kaste steht sie unter strenger Beobachtung: Ist die verschwenderische Prachtentfaltung, fragen die Kommentatoren, ein Zeichen der Gleichberechtigung - oder das Signal, dass der Kampf um Anerkennung, der schon zur Annäherung an die Regierungspartei BJP geführt hat, die Sitten verdirbt?

Im Kontrast dazu das nächste Thema: Indien wurde in den letzten Wochen von einer der schlimmsten Kältewellen der letzten Jahrzehnte heimgesucht, mehr als tausend Menschen sind nach inoffiziellen Angaben gestorben, meist Obdachlose, die kein Geld für ausreichende Kleidung haben. Der Staat zeigte sich unvorbereitet, die Zahl der Schutzunterkünfte und ausgegebenen Decken war bei weitem unzureichend. Besonders betroffen ist der nördliche, von Mayawati regierte Bundesstaat Uttar Pradesh. Kein Wunder, dass die Outlook-Kommentatorin Anita Pratap eins und eins zusammenzählt und, sich auf die riesige Geburtstagstorte Mayawatis beziehend, zu einem verheerenden Ergebnis kommt: "Das ist hundertmal schlimmer als der berüchtigte Ausspruch der guillotinierten französischen Königin Marie Antoinette, dass die Leute doch Kuchen essen sollen, wenn es kein Brot gibt. Es ist, als sagte Mayawati: 'Lasst die Armen verhungern und erfrieren, während ich meinen Kuchen kriege und im wärmenden Gefühl der versammelten öffentlichen Aufmerksamkeit aufesse."

Außerdem: In einer dem Lebenstraum-Protokoll der Zeit nachempfundenen Kolumne lässt Aamir Khan ("Lagaan") notieren, dass er statt einer er berühmtesten Bollywood-Stars auch Lehrer hätte werden können. Mit Stolz wird festgestellt, dass die Einkünfte aus Exporten indischer Waren in die USA gegen alle internationalen Trends erstaunliche Höhen erklommen haben.

Magazinrundschau vom 20.01.2003 - Outlook India

Die Titelgeschichte befasst sich mit der indischen, in Bangalore beheimateten Wirtschaftswunder-Firma Infosys, einem Software-Produzenten, der alle Zusammenbrüche der New Economy nicht nur souverän überstanden hat, sondern noch immer jährliche Zuwachsraten aufweist, von denen der Rest der Welt nur träumen kann. Die Gründe klingen wie im Märchen: "Infosys wurde von seinen Gründern stets mit einem fanatischen Willen betrieben, niemanden zu betrügen: wir werden nicht bestechen, wir werden unsere Steuern bezahlen und wir werden unsere Gewinne mit allen unseren Angestellten teilen." Das Erstaunliche: sie haben sich bis heute daran gehalten. Nach wie vor bietet Infosys seinen Bediensteten Saunas und Jacuzzis und behandelt sie wie Familienangehörige. Die andere Seite der Medaille: Leistungs-Messung und -Überwachung in geradezu Orwellscher Manier, Spezialisierung der Arbeiter auf winzigste Gebiete. Grund zur Klage freilich sieht offenbar keiner.

Das ist ein Schock für alle traditionsliebenden Inder (und alle indische Traditionen liebenden Nicht-Inder): "Der Sari stirbt". Behauptete jedenfalls der Mode-Experte Garry Newman auf dem letzten "International Fashion Festival" in Delhi. Und tatsächlich, stellt der Artikel fest: In der Stadt, auf dem Land und vor allem im Süden Indiens, wo die traditionelle Kleidung bis vor kurzem noch allgegenwärtig war, verschwinden die Saris aus dem Straßenbild. Man trägt entweder die islamisch inspirierten Salwar-Anzüge oder, wie die meisten jungen Inderinnen, gleich westliche Kleidung.

Ein höchst ansteckender Virus ist nun auch mit voller Wucht in Indien gelandet: der Ketchup-Song. Vorgestellt werden außerdem neuere Werke der indischen Kunst, die auf ungewohnt explizite Art mit Erotik umgehen. Es gibt einen Ausblick auf die interessantesten der für das neue Jahr angekündigten Bollywood-Filme, besprochen - und zwar sehr positiv - wird ein Buch zweier britischer Autorinnen über das Bollywood-Kino.

Magazinrundschau vom 13.01.2003 - Outlook India

Gewiss, Indien ist mit mehr als einer Milliarde Einwohnern nach China die bevölkerungsreichste Nation der Welt. Wahr ist aber auch, darauf weist unter der Schlagzeile EXODUS die ungewöhnlich umfangreiche Titelgeschichte von Outlook hin, dass Indien derzeit die größte Emigrationswelle seiner Geschichte erlebt. Der Aderlass unter der gebildeten Bevölkerung, unter Ärzten wie Computerexperten, vor allem in die USA ist beträchtlich: allein in den letzten zwei Jahren haben 246.000 Inder das Land in Richtung USA verlassen, keine andere Nation schickt so viele StudentInnen (von denen neunzig Prozent nicht zurückkehren) auf amerikanische Universitäten. Die Gründe: "Die wachsende ökonomische Unsicherheit und der Zusammenbruch der traditionellen Wirtschaft (und der New Economy), das Fehlen sozialer Sicherheitsnetze, die stark ansteigenden Verbrechensraten, der wachsende Terrorismus, der Mangel an sauberer Luft und sauberem Wasser, zu wenige gute Schulen und eine verkommene politische Kultur, in der Macht und Beziehungen wichtiger sind als alles andere, haben eine neue Welle eines geradezu panikartigen Exodus von Indern ausgelöst." Für Optimismus besteht offenkundig kein Anlass, im Gegenteil. Der Artikel liest sich als Abgesang auf alle Hoffnungen für eine erfolgreiche Zukunft Indiens: "Letztlich ist es das vollständige Versagen des indischen Staates, der die Leute zwingt, vor seiner Ineffizienz und Korruption reißaus zu nehmen."

Weniger schwarz sieht die Kommentatorin Anita Pratap. Das Jahr 2002 könnte als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem von der Weltgemeinschaft zwei große Kriege verhindert worden sind, meint sie, der zwischen dem Irak und den USA und der zwischen Indien und Pakistan. Von einer höchst ungewöhnlichen Entwicklung im nach wie vor stark patriarchalisch strukturierten Indien berichtet ein weiterer Artikel: bei den tamilischen Polizeikräften sind erstmals Frauen an der Waffe ausgebildet worden.

Magazinrundschau vom 30.12.2002 - Outlook India

Eine Spaß-Ausgabe. Mukul Kesavan erklärt seinen Lesern, warum sie sich nie von schlechten Schlagzeilen deprimieren lassen dürfen. "Der telegrafische Stil von Überschriften ... macht es einfach einen ständigen Strom von glaubwürdigen schlechten Nachrichten zu erzeugen, indem man Substantive und Verben zufällig kombiniert. Eine indische Zeitung oder Zeitschrift kann nur dann richtig gelesen werden, wenn verstanden wird, dass es nur vier Themen mit Nachrichtenwert gibt: Wirtschaft, Wahlen, Kino und Kricket. Wie die Nummern in einer Revue hat jedes Thema eine zugewiesene Funktion und ein Set von gleichbleibenden Überschriften."

Eine weitere kleine Auswahl: Anita Roy erklärt uns, warum Kinder machen ein Spaß ist, welche haben aber nicht. Es gibt einen "true life comix" von Orijit Sen. Und Sankarshan Thakur rühmt den Politiker Laloo Yadav für seine Einzeiler: Nachdem er seine Frau als Chefministerin von Bihar installiert hatte, fragte ihn ein Reporter, warum er seine Frau für den Posten gewählt hatte. Darauf Yadav: "Wessen Frau hätte ich sonst wählen sollen, Ihre?"

Magazinrundschau vom 23.12.2002 - Outlook India

Großes Titelthema dieser Woche ist, natürlich, das Wahlergebnis im Bundesstaat Gujarat. Die Hindu-Nationalisten unter ihrem Anführer Narendra Modi haben triumphal gesiegt, die Duldung, wenn nicht Unterstützung der Pogrome gegen Muslims hat sich also ausgezahlt. Die Kongress-Partei unter Sonia Gandhi hat damit einen schweren Schlag erlitten und fürchtet nun das Schlimmste für die neun im nächsten Jahr anstehenden Regionalwahlen - zu den Aussichten gibt es eine Analyse. Outlook sucht nach den Gründen und vermutet, dass die scharfen Töne der nicht-religiösen Gegner Modis ihren Teil zu seinem Erfolg beigetragen haben. Zitiert wird ein indischer Soziologe: "Die städtischen Säkularisten hatten bei ihrer Kampagne keine Möglichkeit, die Mehrzahl der Leute zu erreichen, einfach weil sie mit den lokalen Sprachen nicht vertraut sind. Ihre Kampagne wurde daher als ein Manöver der westlich Orientierten und Gebildeten betrachtet - und jedenfalls als solche dargestellt." Wenig ermutigend auch die folgende Analyse: "Es ging um eine größere politische Vision, wie es die RSS" - der radikalste Teil der Hindu-Nationalisten - "in diesem Jahr formulierte, die darauf hinausläuft, dass die Minderheiten auf den guten Willen der Mehrheitsgemeinschaft angewiesen sind, ohne sich auf das Recht berufen zu können."

Andere Themen: In einem recht ausführlichen Interview äußert sich Richard Gere zu seinem Engagement für Tibet, das ihn auch nach Neu-Delhi geführt hat, wo das Interview stattfand. Auf die Frage nach seiner Haltung zur Bush-Regierung antwortet er sehr diplomatisch: "(Pause) Bisher habe ich, was nun unmittelbar Tibet betrifft, noch keinen Grund zur Klage. Es gibt eine Menge Konflikte in der Welt, und es ist außerordentlich schwierig, für eine nicht-gewalttätige Bewegung Aufmerksamkeit zu erhalten." Allerdings vermutet Gere auch, dass das republikanische Interesse größer wäre, wenn die Tibetaner wenigstens Christen wären.

Positiv besprochen werden ein neuer Band mit Erzählungen von Hanif Kureishi - und der Bollywood-Film "Kaante" (zu deutsch: Dornen), bei dem es sich, man höre und staune, um ein Remake von Tarantinos "Reservoir Dogs" handelt. "Kaante" wurde in Los Angeles gedreht, mit indischen Stars und indischem Regisseur, aber mit amerikanischem Team und in einer Mischung aus hindi und englisch - der Film startet, das ist eine Premiere, zu gleicher Zeit in Indien und in den USA (wenn auch nur in New York und LA). Hier die ebenfalls nicht unfreundliche Kritik in der New York Times.

Magazinrundschau vom 16.12.2002 - Outlook India

In einem scharfen Kommentar geißelt Anita Pratap die USA und ihre Politik. "Wenn ich ein Amerikaner wäre, würde meine Augen vor Scham brennen", schreibt sie und prophezeit Pakistan, nicht mehr lange Amerikas "best buddy" zu sein. "Es gibt mittlerweile mehr Beweise über tödliche Waffen in Pakistan und Nord-Korea als im Irak. Nach ihrer Logik müssten die Amerikaner einen Regimewechsel in Islamabad anstreben. Aber natürlich taucht diese Frage im Augenblick nicht auf, aus dem einfachen Grund weil Pakistan einer der Basen der gegenwärtigen amerikanischen Interessen ist, wie die Ukraine und die Türkei, deren Stützpunkte für die Kriege der Yankees in Afghanistan und im Irak benötigt werden."

Der Titel widmet sich den Regionalwahlen im pogromverheerten Gujarat, die Narendra Modi, Kandidat der populistischen BJP, mit klarem Vorsprung gewonnen hat. Darshan Desai deutet den überwältigenden Erfolg als den ersten Schritt zurück zu einer schon überwunden geglaubten einseitig pro-hinduistischen muslimfeindlichen Politik, und zwar im ganzen Land. "Die BJP ist schon immer eine Partei mit starken ideologischen Wurzeln gewesen. Aber im Gujarat-Wahlkampf war Terrorismus ihr Mantra. Die Nachricht war grob und einfach. Terrorismus gleich Muslime. Muslime gleich Terrorismus." Dazu gibt es noch Desais Analyse der Wahlkampftaktik Modis und einen Hintergrundbericht über den Verlauf der Wahlen zu lesen.

Außerdem: Bangladeshs High Commissioner Tufail K. Haider wehrt sich in einem Gespräch gegen die indischen Vorwürfe, seit dem Regierungswechsel in Dhaka im vergangenen Jahr hätten sich die Aktivitäten von Al Qaida und dem pakistanischen Geheimdienst ISI erhöht. Soutik Biswas meldet stolz, dass im Escorts Heart Institute in Delhi die erste robotergestützte Bypassoperation in ganz Asien durchgeführt wurde. Und Sheela Reddy verkündet fast noch stolzer, dass an Weihnachten die ersten sieben Kilometer der neuen Metro von Delhi in Betrieb genommen werden, eine U-Bahn "moderner als die von New York oder Tokio".

Magazinrundschau vom 02.12.2002 - Outlook India

Outlook ist diese Woche recht innenpolitisch ausgerichtet: Die Titelgeschichte beschreibt das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden großen Parteien BJP (die in Indien regierenden Hindu-Nationalisten) und Congress wenige Wochen vor den Wahlen in Gujarat. Kommentiert wird die Lage in Kaschmir und ein Korruptionsskandal, der sich in einen Justizskandal auszuweiten droht.

Nicht nur ein landesweit diskutierter dreister Vergewaltigungsfall vor den Augen vieler Passanten in Delhi lässt die Lage der Frauen in der Hauptstadt derzeit bedrohlich aussehen. Dabei, stellt ein längerer Artikel fest, hatten sie in Delhi noch nie so viel Macht: "In einem Jahr, in dem Verbrechen gegen Frauen in der gesetzlosen Hauptstadt eine beispiellose Zahl erreicht haben, gibt es auch einen Hoffnungsschimmer: 2002 haben die Frauen heimlich, still und leise die Macht in der Stadtregierung erobert." Die Bürgermeisterin der Stadt sowie weitere Frauen in Schlüsselstellungen sind freilich die Ausnahme in einer männlich dominierten Gesellschaft. So sitzen im 543 Mitglieder umfassenden Parlament gerade 25 Frauen, im öffentlichen Dienst des Landes machen die Frauen nicht mehr als 15 % aus.

Dazu passt die Rezension eines Buches, in dem die Autorin Subhada Butalia berichtet, wie stark die entrechtende - und für Frauen manchmal tödliche - Institution der Mitgift noch in der Gesellschaft verankert ist. "Butalia schreibt darüber, wie wenig Hilfe von der eigenen Familie zu erwarten ist - von Eltern, die der gefolterten Tochter den Gehorsam befehlen. Sie berichtet von einer Frau, die sich illoyal vorkam, als sie sich an Frauengruppen oder die Polizei wandte - nur um nach der Rückkehr ins Haus ihres Mannes ermordet zu werden."