Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 25.11.2002 - Outlook India

Zwei ausführliche Porträts bietet Indiens führendes englischsprachiges Nachrichtenmagazin diese Woche. Das eine, die Titelgeschichte, ist dem Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee gewidmet, der alle Hände voll zu tun hat, seine 24-Parteien-Koalition zusammenzuhalten und dessen Ruf längst unter seiner enormen politischen Wendigkeit leidet. Das andere Porträt gilt dem Musiker A.R. Rahman (hier eine Website), dessen Ruhm längst über die Grenzen Indiens dringt. Berühmt geworden ist Rahman als Bollywood-Komponist (u.a. auch der Musik zum bei uns gelaufenen "Lagaan"), seit dem Erfolg des gemeinsam mit Andrew Lloyd Webber in London auf die Bühne gebrachten Musicals "Bombay Dreams" hat er aber auch jede Menge Angebote aus dem Rest der Welt. 18 Stunden am Tag arbeitet er jetzt schon, stets an mehreren Produktionen gleichzeitig - sein Traum sieht freilich anders aus: "Ausspannen, rumhängen, nichts tun, meine Lieblingsmusik hören - Bach, Mozart, Beethoven, die Carpenters, Carnatic, rock and fusion".

Einigermaßen bitter berichtet ein weiterer Artikel davon, dass es sich derzeit nicht empfiehlt, als Inder in den USA unterwegs zu sein. Die Kontrollen an den Flughäfen sind gnadenlos, weder Ruhm noch höchst offizielle Einladungen helfen da weiter. Übel ergangen ist es etwa dem US-Bürger und US-Armee-Arzt Bob Rajkumar: "Er wurde letzten Monat von US Marshals in Handschellen abrupt aus der Ersten Klasse seines Delta Flugs nach Philadelphia entfernt. Danach sperrte man ihn in eine Polizeizelle, die so schmutzig war, dass er nicht mal 'seinen Hund' dort eingesperrt hätte, wie er später erzählte. Während dieses dreistündigen Alptraums wurde Rajkumar weder nach seinem Namen noch nach seiner Adresse oder Sozialversicherungsnummer gefragt. Als er den Grund für seine Verhaftung erfahren wollte, erklärten ihm die Marshals dem Sinn nach, 'es hat uns nicht gefallen, wie Sie uns angesehen haben'." Kein Einzelfall, sondern nur das Opfer des seit dem 11. September verstärkten "racial profiling".

Magazinrundschau vom 18.11.2002 - Outlook India

Eine Krise ungeahnten Ausmaßes erlebt in diesem Jahr die indische Filmindustrie, die gerne Bollywood genannt wird, weil sie eines ihrer Zentren in Bombay (das jetzt freilich eigentlich Mumbai heißt) und einen mit Hollywood vergleichbaren Ausstoß an Filmen hat. Von den 132 Hindi-Mainstream-Filmen, die dieses Jahr in die indischen Kinos kamen, haben nicht weniger als 124 ihre Kosten nicht einspielen können. Als Gründe nennt der Outlook-Aufmacher in erster Linie das sklavische Haften der Filmemacher an einstigen Erfolgsformeln. Karan Johar, der Regisseur des letztjährigen Blockbusters "Kabhi Kushi Kabhi Gham" (der im nächsten Frühjahr auch in die deutschen Kinos kommt, mehr hier), hat sich geschworen: "I should be kicked if I make another crying, singing, dancing, happy movie.... We need to look within." Am Ende wird ein Vier-Punkte-Plan aufgestellt, der Professionalisierung, Rationalisierung, bessere Drehbücher und die Abkehr vom exzessiven Starsystem fordert.

Außerdem gibt es ein Interview mit "Germany's and perhaps Europe's greatest living writer", mit keinem anderen also als Günter Grass. Der zieht in gewohnter Manier gegen Amerika und den Kapitalismus vom Leder und spricht über seine erste Begegnung mit Indien: "I must confess that my first prolonged encounter with Calcutta robbed me of my words. I turned mute. My silence was the reaction of a closeted West European caught in the vortex of Calcutta for the first time. The contrast was so immense, so bewildering between the world I had left behind and the world I entered that my words failed to capture the difference." Mit Freude wird zudem vom neuesten Klatsch aus dem Königshaus der einstigen Kolonialmacht berichtet ("Did Di Do It?").

Magazinrundschau vom 11.11.2002 - Outlook India

Während das indische Mainstream-Kino, meist Bollywood genannt, sich in einer enormen Krise befindet, feiern Filme wie "Kick it Like Beckham" Erfolge, zunächst in der Diaspora, vor allem in den USA und Großbritannien, inzwischen aber auch in Indien selbst. Es handelt sich um Werke indischer Desis (oder NRIs - Non Resident Indians -, beides bezeichnet im Ausland lebende Inder), die genau das Leben in der Fremde thematisieren. Im jüngsten Erfolg, dessen Titel "American Desi" (hier die Kritik in einem früheren Outlook-Heft) schon alles sagt, läuft das nicht auf Sozialkritik hinaus, sondern auf komödiantische Karikaturen. Ästhetisch bewegen sich die Regisseure und Regisseurinnen oft zwischen Hollywood und Bollywood und auch das wird zum Gegenstand der Geschichten: "Krishna Gopal Reddy, the hero of Piyush Dinker Pandya's campus comedy, 'American Desi', can't understand Hindi and abhors Bollywood films. Yet he falls in love with an Indian-at-heart girl and woos her over some vigorous garba-dandiya dance sessions."

Außerdem: Die Titelgeschichte berichtet von der radikalen Lösung, die viele Mitglieder der im hinduistischen Kastensystem verachteten Gruppe der Dalits suchen. Sie konvertieren nämlich vom Hinduismus in eine andere Religion, insbesondere zum toleranteren Buddhismus. Die Hindu-Nationalisten - die bekanntlich die indische Regierung stellen - erwägen inzwischen ein gesetzliches Verbot solcher Konversionen. Übrigens stellt sich auch heraus, dass es für eine Konversion zum Hinduismus keinerlei vorgesehene Prozeduren gibt. Im südwestindischen Staat Kerala (mehr hier)- der sich selbst nicht nur "God's Own Country" nennt , sondern auch bekannt ist für die vergleichsweise starke Stellung der Frauen - hat ein Gericht einem lesbischen Paar die Genehmigung zum Zusammenleben erteilt. Im Interview äußert sich der soeben 90 Jahre alt gewordene Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith zu seinen Jahren als US-Botschafter in Indien unter Kennedy und zu seiner Freundschaft mit Nehru.

Magazinrundschau vom 04.11.2002 - Outlook India

Im Interview spricht der diesjährige Booker-Prize-Träger Yann Martel (mehr hier), dessen Gewinnerroman zum Teil in Indien spielt und einen Helden hat, der zugleich Christ, Moslem und Hindu ist, über Indien: "I have always loved India. It's a wonderful, horrible place. India is all lives in one place, India is all emotions in one place, it's an extraordinary, dazzling place, it's all the wonder and horror of life. There are stories that can be told only in India." Außerdem zum Thema Literatur: In einer Umfrage antworten Prominente (von Premier Vajpayee bis zur Bollywood-Choreografin Farah Khan) auf die Frage, welches Buch sie zu Diwali, dem indischen Fest des Lichts, verschenken würden. Die Antworten reich von Harry Potter über Werke von New-Age-Gurus bis zu V.S. Naipaul.

Weitere Artikel: Kommentiert wird der halbherzige Frieden zwischen Indien und Pakistan, während ein anderer Autor die Vermutung äußert, dass der Erfolg der religiösen Kräfte bei den Wahlen in Pakistan negative Auswirkungen auf die Beziehung des Landes zu den USA haben wird. Schon ab dem nächsten Jahr soll in Indien ein neuer, viel versprechender AIDS-Impfstoff getestet werden, und zwar in einer großen Studie, die u.a. von der Bill-Gates-Stiftung, der Rockefeller Foundation, der Weltbank und den USA finanziert wird. Während in Radschastan die Leute verhungern (siehe Bericht von letzter Woche), plagen den indischen Mittelstand, wie die Titelgeschichte demonstriert, ganz andere Probleme: alle wollen dünner werden, Fitnessclubs und Diätkliniken haben enormen Zulauf. Außerdem wird - unter der Überschrift "God's Second Home" - von der Entdeckung einer überaus beeindruckenden, viele Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle in Zentralindien berichtet.

Magazinrundschau vom 28.10.2002 - Outlook India

Madhu Trehan konstatiert einen Wandel in west-östlichen Kulturkonfrontationen. Indische Regisseure - wie Mira Nair, Shekhar Kapur - und Schriftsteller - wie Arundhati Roy - haben großen Erfolg im Westen, ohne, wie noch die Vorgängergeneration, ständig ihr Herkunftsland erklären zu müssen: "Today's writers explain nothing, just as western writers do not explain their culture in their books. They just write. Who can take the responsibility of explaining Indian culture as if it is one homogeneous monolith?" Gerade im Verzicht auf die großen Erklärungen präsentiere sich Indien in seiner post-kolonialen Vielgestaltigkeit. Dazu passend: Beinahe hätte der indische Schriftsteller Rohinton Mistry den Man Booker Prize (hier die Website) gewonnen, mehr als ein bisschen Indien aber steckt auch im kanadischen Sieger, dem als Diplomatensohn weit herumgekommenen Yann Martel (hier gibt's Informationen): "Moreover, the book was not only written in India but also has a Pondicherry boy as the hero, but nationality is hardly an issue for this global writer."

Gleich zwei kürzere Artikel beschäftigen sich direkt oder indirekt mit Amitabh Bachchan, dem größten Bollywood-Star aller Zeiten (hier eine der vielen Seiten), der vor wenigen Wochen unter großer Anteilnahme des Volkes seinen 60. Geburtstag feierte. Besprochen wird ein zu diesem Anlass erschienenes Buch über ihn, halb Biografie, halb Hommage. Und Komal Nahata hat sich, in der Mittagspause der Dreharbeiten zu Bachchans neuestem Film, mit ihm unterhalten.

Weitere Artikel: Die Titelgeschichte beschreibt die Verflechtungen der regierenden hindu-nationalistischen Partei BJP mit dem außerparlamentarischen rechten Rand der indischen Politszene. "Before making any move, many in the government, including cabinet ministers, solicit their approval. When they sneeze in Mumbai, Nagpur or New York, New Delhi catches a cold. Welcome to the new, extra-constitutional world of India?s loony right." Ein weiterer Artikel beschreibt das erwachende Interesse von NGOs im Ausland - nur die US-Regierung zeigt bislang kaum Interesse. Kritisiert werden auch die indischen Medien, die dem verantwortungslosen Gerede gerne eine Plattform bieten. Schließlich beschäftigt sich ein Artikel mit der Hungersnot in Radschastan: Die Regierung des Staates schiebt es auf Krankheiten, nicht auf den Hunger, dessen Folge sie sind; unterdessen mahlen die Menschen Mehl aus fast unverdaulichem Gras.

Magazinrundschau vom 21.10.2002 - Outlook India

In dieser Ausgabe geht's fast nur um eins: Die indische Frau von heute. "What Women Want" lautet der Titel - und hier gibt es die Informationen. Eine Umfrage in zehn indischen Städten, unter Frauen aus allen Schichten, ergibt Folgendes: Auf die Frage "Brauchen Frauen Männer?" antworteten 78 % mit Ja. Und wozu? Hilfe im Haushalt erwarten 80 %, guten Sex halten 75 % für sehr wichtig. Zum Thema Affären: 58 % würden sie ihren Männern beichten, 43 % würden ihn verlassen, wenn er eine hat (20 % würden dann selbst eine suchen). Und nicht weniger als 55 % der Frauen erwarten, dass ihr Mann noch Jungfrau ist bei der Hochzeit.

Frau sucht Rollenmodelle in der Mythologie. Wie wäre es mit Drapaudi, die fünf Ehemänner hatte? Einen, der alles hat, was man braucht, findet man auch heute kaum: "A man with brains, brawn and a liberated feminine side just didn't exist. One who could fix the fuse and discuss Foucault-and, yes, be a good lover and an even better father." Oder ein Epochenvergleich: Deepa Gahlot untersucht die Figur der Paro in drei berühmten Verfilmungen der im 19. Jahrhundert spielenden Devdas-Geschichte, ein emanzipatorischer Fortschritt ist in der neuesten Version aus diesem Jahr auszumachen: "When she is married to a much older zamindar with grown-up children, this Paro is the only one who does not fall into 'wifely' submission easily."

Ein weiterer Artikel stellt Schriftstellerinnen vor, die vielfach noch mit den Vorurteilen der literarischen Welt zu kämpfen haben. Außerdem gibt es Überlegungen zum aktuellen Modedesign, ein New-Age-Guru feiert Shakti als das weibliche göttliche Prinzip des Universums. Zu guter letzt gibt es noch eine Galerie der Frauentypen von heute: von der Hausfrau bis zur Intellektuellen.

Magazinrundschau vom 14.10.2002 - Outlook India

Mit großer Genugtuung schildert Outlook India den Ausgang der Wahlen in Kaschmir. Die Dynasten-Familie Abdullah (ihnen ist ein wenig vorteilhaftes Porträt gewidmet), über die Partei National Conference (NC) seit Ewigkeiten an der Macht, hat abgewirtschaftet: Überschwänglich feiert der Artikel den Ausgang: "It is a defining stage in the history of Kashmir. It is also one of those thrilling moments in democracy when a revolution of sorts is ushered in through the ballot box." Die in Indien regierende Kongress-Partei und die erst vor wenigen Jahren gegründete People's Democratic Party (PDP) könnten gemeinsam regieren - allerdings rät der Kommentator zu einer Koalition der PDP mit den unabhängigen Abgeordneten.

Angeführt wird die PDP von einem Vater-Tochter-Gespann, das ebenfalls vorgestellt wird - die Hoffnung ruht vor allem auf der Tochter, Mehbooba Mufti: "People in the Valley see her as a fearless woman who has braved bullets and militant threats to build her party from scratch. Her speeches, unlike her father's, are very pro-people and sometimes border on separatist politics." Die PDP ist gewillt, einen durchaus von Neu Delhi unabhängigen Kurs zu steuern: "The PDP does not consider Kashmir a disputed territory but a 'dispute' that needs to be resolved through dialogue. This dialogue, they say, must include all the separatist groups, including gun-wielding militants." Verschwiegen wird allerdings auch nicht, dass der Westen skeptisch bleibt: in manchen der separatistischen Regionen ist kaum einer zur Wahl gegangen. Berichtet wird außerdem, in einer insgesamt sehr politikzentrierten Ausgabe, von der Tour des Ministerpräsidenten Vajpayee durch Europa. Die Stimmung, heißt es, ist bestens - solange die Rede nicht auf Kaschmir und die Probleme im indisch-pakistanischen Verhältnis kommt.

Magazinrundschau vom 07.10.2002 - Outlook India

Kaum findet die indische Film- und Popkultur auch im Westen Beachtung, setzt zuhause der Backlash ein: Der Aufmacher beschäftigt sich, unter dem Titel Degeneration X, kritisch mit der indischen Spaßgesellschaft. Event- und Klatschjournalismus statt Berichten über die Lage der Nation, selbst die seriösen englischsprachigen Zeitungen wie Times of India oder Hindustan Times glänzen neuerdings mit bunten Magazinbeilagen. Das Verdikt des Autors ist schneidend, wenngleich in seiner Argumentation von eher schlichter kulturkritischer Machart: "India's Dumbing Down, no doubt about it. As our media turns news, politics, sports and arts into entertainment and dubious celebs-turned-authorities hold forth on everything under the sun, no-brow rules. The dividing line between high-brow and kitsch is blurring: painters rub shoulders with models, Amartya Sen is interviewed in pulp city supplements, 'serious' filmmakers make sad attempts at commercial cinema." Reality-TV wird ebenso als Beispiel für allgemeine Verdummung herangezogen wie der neueste Trend des Musik-Remixes - und wir erfahren, dass es in ganz Indien genau einen Abonnenten der New York Review of Books gibt.

Nicht ohne Bezug dazu der Bericht über den Bollywood-Star Salman Khan, der mit seinem Auto im volltrunkenen Zustand (und womöglich ohne Führerschein) in eine Gruppe von fünf Arbeitern gerast ist, einen getötet und die anderen schwer verletzt hat. Schlimmer als die Tat aber, so ein böser Kommentar, sind die absehbaren Folgen: er wird glimpflich davonkommen. Mit dem indischen Rechtsstaat nämlich ist es, kritisiert die Kommentatorin, immer dann nicht weit her, wenn Prominente betroffen sind: "Law never catches up with them, while the same law traps ordinary people, especially the poor-only because they lack the twin armour of money and connections."

Ein weiterer Artikel beschäftigt sich noch einmal mit dem neuerlichen Attentat in Mahatma Gandhis Heimatstaat Gujarat und seinen Nachwirkungen; Politiker der regierenden BJP machen - noch ohne alle Beweise - Pakistan verantwortlich und gießen mit ihren alles andere als besänftigenden, minderheitenfeindlichen Äußerungen weiter Öl ins Feuer. Mit sichtlicher Freude wird der wachsende Widerstand in Großbritannien gegen Tony Blairs Bush-und kriegsfreundliche Politik beobachtet: "When more than a quarter of a million Brits gather to give up a sunny Saturday, another Brit certainly knows what that means." Verfahren ist die politische Lage im Nachbarland Bangladesh: Die gegnerischen Lager werden von Frauen angeführt, viel Hoffnung ist offensichtlich in keine von beiden zu setzen.

Besprochen wird eine Geschichte der indischen Literatur in englischer Sprache - eine Diskussion zum Verhältnis Indiens zum Englischen inklusive. Und zum hundertsten Geburtstag wird außerdem mit viel Respekt und Hinweisen auf die Aktualität seiner in vielen Artikeln nachzulesenden Ansichten an den sozialistischen Politiker Jayaprakash Narayan erinnert.

Magazinrundschau vom 30.09.2002 - Outlook India

Indien kommt nicht zur Ruhe. Das aktuelle Heft beschäftigt sich mit dem Massaker von Gandhinagar, wo am 24. September zwei angeblich muslimische Fundamentalisten einen hinduistischen Tempel gestürmt und 31 Menschen umgebracht haben. Die Titelgeschichte schildert die Angst der muslimischen Minderheit vor einem Rachefeldzug der Hindus und die politischen Folgen für die Provinz und die internationale Politik. Denn wenn die Attentäter wie vermutet in Pakistan trainiert worden sind, könnten nationalistische Brandredner wie Praveen Togadia einen verheerenden Einfluss gewinnen. Der sagt immerhin Sätze wie: "The people of Gujarat will have to be trained to be like soldiers to teach a lesson to the terrorists from Pakistan. India should declare a war on Pakistan, which should be blown into 40 pieces."

Saba Naqvi Bhaumi schreibt über den BJP-Führer in Gujarat, Narendra Modi, für den das Attentat ein politisches Geschenk ist. Prem Shankar Jha bezeichnet die schwelenden religiösen Konflikte in seinem Kommentar als "Indiens Achillesferse". Des weiteren wird die hinduistische Swaminarayan-Sekte vorgestellt, die den Tempel in Gandhinagar betreibt. Gemeldet wird außerdem, dass jetzt Polizisten alle größeren Tempel Indiens bewachen.

Weitere Artikel: Sanya Suri berichtet besorgt von den Umtrieben eines dubiosen "Sikh-Sekretariats" (hier der Webauftritt), das in England die Anerkennung der Sikhs als eigene ethnische Gruppe neben der indischen erreichen will. Ihr Fernziel aber, argwöhnt Suri, ist die Errichtung eines Sikh-Staates auf indischem Gebiet. Soma Wadhwa meldet erfreut, dass laut dem neuen Fünfjahresplan der indischen Regierung endlich mehr für die von politischer Seite bisher vernachlässigten Jugendlichen getan werden soll. S. Anand liefert mehrere bunte Porträts von Tamilen, die neben ihrem Beruf ganz unterschiedlichen Passionen nachgehen und sich etwa als Dokumentarfilmer oder radikale Publizisten verwirklichen.

Besprochen werden Anita Anands Betrachtungen über das "Beauty Game" der indischen Gesellschaft, Raghu Rais Abrechnung mit den Verantwortlichen der Katastrophe von Bhopal, einem indischen Seveso, und Sham Futehallys eleganter Report über eine Zugfahrt nach Bombay.

Magazinrundschau vom 23.09.2002 - Outlook India

Anita Pratap kritisiert vehement die Kriegspläne der "texanischen Öl-Junta" und das Schwarz-Weiß-Denken der Weltmacht. Bisher gebe es nämlich keinerlei Beweise, dass Saddam Hussein die Al-Quaeda unterstützt. "But Bush wants him, dead or alive, preferably dead. He wants to attack Iraq and he wants to attack now. So you have to be with him or against him and don't you dare be against him. It isn't an option, you see. Because then you are part of the Evil Axis. You wonder how Americans can be so blind that they don't see such an attitude as being arbitrary, arrogant unilateralism of the worst kind."

Islamische Fundamentalisten haben gute Chancen bei den bevorstehenden Wahlen in Pakistan, berichtet Mazhar Abbas. In Karachi etwa sind die Häuser voll mit Graffiti a la "Death to the US", viele halten Präsident Musharaff für eine Marionette der USA. Deshalb sehen sie die Fundamentalisten als einzige politische Alternative, schreibt Abbas. "Many fear the Islamists could step into Pakistan's political vacuum. With liberal and popular politicians like Benazir Bhutto and Nawaz Sharif nudged out of the elections process, the electorate could vote Islamists to vent their disenchantment against the military regime."

Der Titel beschäftigt sich mit den bisher fairen und transparenten Wahlen im Kaschmir, die von 28 ausländischen Diplomaten beobachtet werden. In der lesenswerten Aufmacher-Reportage schildert Prem Shankar Jha, dass die Teilnahme an den Wahlen für viele in der Vergangenheit den sicheren Tod bedeutete. Noch jetzt trauen sich viele Menschen nicht in die Wahlkabine. "The reason was that the indelible ink mark put on the fingernail to indicate that person had voted, which takes several days to rub off and is simply a nuisance in the rest of India, was virtually a passport to death in Kashmir. For, it is not only the army that looks at people's fingers but also the militants." Auch der BBC-Korrespondent Daniel Lak beurteilt die Lage vorsichtig hoffnungsvoll: "I look forward to the day when Kashmir is peaceful and prosperous, if only because journalism would be easier."

Weitere Artikel: Soma Wadhwa beschreibt die Auflösung der traditionellen indischen Großfamilie. "I value my privacy too much to live with my children", wird der 75-jährige Kulbhushan Malik zitiert, der mit seiner 67-jährigen Frau Prabha in ein kleines Appartment gezogen ist. Besprochen werden die Memoiren des ehemaligen Herausgebers der indischen "Illustrated Weekly", M.V. Kamath, und Christoph Kremmers Geschichte der Kriege um die Teppiche, die zugleich eine Chronik des Niedergangs des Islams ist.