
Kaum findet die indische Film- und Popkultur auch im Westen Beachtung, setzt zuhause der Backlash ein: Der
Aufmacher beschäftigt sich, unter dem Titel Degeneration X, kritisch mit der
indischen Spaßgesellschaft. Event- und Klatschjournalismus statt Berichten über die Lage der Nation, selbst die seriösen englischsprachigen Zeitungen wie
Times of India oder
Hindustan Times glänzen neuerdings mit
bunten Magazinbeilagen. Das Verdikt des Autors ist schneidend, wenngleich in seiner Argumentation von
eher schlichter kulturkritischer Machart: "India's Dumbing Down, no doubt about it. As our media turns news, politics, sports and arts into entertainment and dubious celebs-turned-authorities hold forth on everything under the sun,
no-brow rules. The dividing line between high-brow and kitsch is blurring: painters rub shoulders with models, Amartya Sen is interviewed in pulp city supplements, 'serious' filmmakers make sad attempts at commercial cinema."
Reality-TV wird ebenso als Beispiel für allgemeine Verdummung herangezogen wie der neueste Trend des
Musik-Remixes - und wir erfahren, dass es in ganz Indien genau einen Abonnenten der
New York Review of Books gibt.
Nicht ohne Bezug dazu der
Bericht über den Bollywood-Star
Salman Khan, der mit seinem Auto im volltrunkenen Zustand (und womöglich ohne Führerschein)
in eine Gruppe von fünf Arbeitern gerast ist, einen getötet und die anderen schwer verletzt hat. Schlimmer als die Tat aber, so ein böser
Kommentar, sind die absehbaren Folgen: er wird
glimpflich davonkommen. Mit dem indischen Rechtsstaat nämlich ist es, kritisiert die Kommentatorin, immer dann nicht weit her, wenn Prominente betroffen sind: "Law never catches up with them, while the same law traps ordinary people, especially the poor-only because they lack the
twin armour of money and connections."
Ein weiterer
Artikel beschäftigt sich noch einmal mit dem
neuerlichen Attentat in Mahatma Gandhis Heimatstaat Gujarat und seinen Nachwirkungen; Politiker der regierenden BJP machen - noch ohne alle Beweise - Pakistan verantwortlich und gießen mit ihren alles andere als besänftigenden, minderheitenfeindlichen Äußerungen weiter Öl ins Feuer. Mit
sichtlicher Freude wird der wachsende Widerstand in Großbritannien gegen Tony Blairs Bush-und kriegsfreundliche Politik
beobachtet: "When
more than a quarter of a million Brits gather to give up a sunny Saturday,
another Brit certainly knows what that means."
Verfahren ist die politische Lage im
Nachbarland Bangladesh: Die gegnerischen Lager werden
von Frauen angeführt, viel Hoffnung ist offensichtlich in keine von beiden zu setzen.
Besprochen wird eine
Geschichte der indischen Literatur in englischer Sprache - eine Diskussion zum Verhältnis Indiens zum Englischen inklusive. Und zum hundertsten Geburtstag wird außerdem mit viel Respekt und Hinweisen auf die Aktualität seiner in vielen Artikeln nachzulesenden Ansichten an den
sozialistischen Politiker Jayaprakash Narayan erinnert.