Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 16

Magazinrundschau vom 04.11.2008 - Spectator

Elliot Wilson stellt die Poly Gruppe vor, ein Unternehmen der chinesischen Volksbefreiungsarmee, das seine Finger in vielen Geschäftszweigen hat. Ganz nebenbei ist der Konzern auch Chinas inoffizielles Kulturministerium, in dem Restitutionsfragen auf zupackende Art gelöst werden. "Während die Volksbefreiungsarmee per se für eine grobe Form der Machtausübung steht, geht Poly subtiler vor. Still und leise finanziert sie Kunstausstellungen, die durch die ganze Welt touren. Gibt es irgendeine Auktion chinesischer Kunst, dann sind die Repräsentanten von Poly zur Stelle, um jeden privaten Käufer zu überbieten. Die Aufgabe, lokale und ausländische Märkte nach Chinas verstreutem kulturellen Erbe abzugrasen, hat der 41-jährige Chefarchäologe Jiang Ying Chun inne, der in der Poly-Abteilung 'Kultur und Kunst' arbeitet. Er ist dafür zuständig, die wenigen Teppiche, Vasen, Skulpturen und Bronzefiguren, die sich noch in privaten Händen befinden, ausfindig zu machen, um sie dann mit Barem aufzukaufen, das durch den Verkauf von Waffen an Länder wie Zimbabwe, Sudan und Pakistan erwirtschaftet wurde. Poly hat zudem Zugang zu Chinas riesigen Devisenreserven - im Juni 2008 waren es 980 Milliarden Pfund. 'Falls Poly 100 Millionen Pfund benötigen würde, um alle auf der Welt verbleibenden Qualitätsbronzen aufzukaufen, dann würden sie das eben machen', sagt Colin Sheaf, der Chinaexperte beim Londoner Auktionshaus Bonhams. 'Falls sie nochmal 100 Millionen brauchen, dann wäre das kein Problem. Es ist bodenlos.'"

Magazinrundschau vom 28.10.2008 - Spectator

In der Finanzkrise steht alles zur Disposition. Auch die weitverbreitete Annahme, dass Optimisten es besser haben. Helen Kirwan-Taylor singt ein Loblied auf den wenn nicht misanthropischen, so doch skeptischen Briten. "'Ich würde sagen, dass es bei der heutigen Marktlage von Nachteil ist, ein Optimist zu sein', sagt Bryan Gibson, ein Sozialpsychologe an der Michigan University, der die guten Seiten des Pessimismus erforscht. Wenn ein Optimist einem Strom schlechter Nachrichten ausgesetzt wird, dann reagiert er mit verstärkten Anstrengungen. Ein Pessimist dagegen lässt es sein. Auch wenn Optimismus sich gut dafür eignet, Erkältungen zu bekämpfen, ist er beim Glücksspiel oder beim Anlegen fehl am Platz, sagt Gibson. Pessimisten wurde oft nachgesagt, ihre Wahrnehmung sei verschoben. Aber auch das wird mittlerweile in Frage gestellt. In zwei getrennten Studien wurden Optimisten und Pessimisten aufgefordert, eine Reihe von Tests zu absolvieren. Die Forscher fanden heraus, dass sogenannte 'depressive Realisten' eine Lage treffender einschätzten als Optimisten, die Ergebnisse oft überbewerteten."
Stichwörter: Optimismus, Pessimismus, Realisten

Magazinrundschau vom 16.09.2008 - Spectator

Tom Parfitt erzählt eine Geschichte aus dem Krieg Russlands in Inguschetien. "Unter den erste-Klasse-Passagieren, die am Nachmittag des 31. August von Moskau kommend auf dem Magas-Flughafen in Inguschetien landeten, saßen zwei grauhaarige Männer in Anzügen. Das Paar vermied jeden Blickkontakt. Einer war Murat Zyazikov, 50, ein früherer KGB-Offizier und jetzt Präsident von Inguschetien, der kleinen muslimischen Republik, die im südlichen Russland an Tschetschenien grenzt. Der andere war Magomed Yevloyev, 36, ein offener Kritiker der brutalen russischen Herrschaft in Inguschetien, Gründer der Webseite ingushetiya.ru und Zyazikovs Nemesis. Die Schicksale des regierenden Bürokraten und des Regierungskritikers, die so eng miteinander verbunden waren, sollten sich jetzt trennen. Als das Flugzeug gelandet war, wurde Zyazikv in einen wartenden Mercedes geschoben und fuhr weg. Yevloyev währenddessen wurde von einem Team bewaffneter Polizisten erwartet. Sie zwängten den Protestierenden in einen Wagen und fuhren davon. 20 Minuten später hatten man Yevloyev in die Schläfe geschossen. Sein fast lebloser Körper wurde vor ein Krankenhaus geworfen, wo er Stunden später starb. Beamte in Moskau und Inguschetiens Polizei behaupten, Yevloyevs Tod sei auf einen Schuss zurückzuführen, der sich versehentlich gelöst habe, als versehentlich ausgelösten Schuss zurückzuführen, als Yevloyev nach der Waffe eines Offiziers gegriffen habe. Aber in Inguschetien sind zu viele unbewaffnete Menschen wegen 'bewaffnetem Widerstand' gestorben, um das noch glauben zu können."

Clemency Burton-Hill porträtiert den amerikanischen Dramatiker Christopher Shinn, dessen Stücke, in denen es ausnahmslos um die USA geht, meist in London zuerst gespielt werden. Shinns neuster Streich "Now Or Later" handelt von der Präsidentenwahl. Als der demokratische Kandidat John Rowe, "seine Familie und sein Team sich in einem Hotel versammeln, um die Geschehnisse zu verfolgen, läuft alles zunächst wie geschmiert. Er nimmt Ohio, Florida scheint unausweichlich. 'Vielleicht ist einigen Leuten ja schon zum Feiern zumute', flötet seine Frau. Ein Augenblick perfekter dramaturgischer Ironie. Denn jetzt passiert etwas Unerwartetes. Ein verschwommenes Foto vom Sohn des Kandidaten John junior auf einer Unifeier taucht im Internet auf. Bald gibt es ein Video dazu. In wenigen Augenblicken beginnen die kontroversen Bilder durch die Blogosphäre und das Universum der sozialen Netzwerke zu fliegen, so wie es tatsächlich der Fall sein würde. Im Hotel bricht Panik aus."

Magazinrundschau vom 09.09.2008 - Spectator

"The Shack" ist ein Bestseller, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Dreißig Verlage lehnten den von spirituellen Fragen durchzogenen Roman ab, deshalb veröffentlichte ihn William Paul Young im Eigenverlag und bewarb es mit einer selbstgebastelten Website. Zwei Millionen verkaufte Exemplare später fragt sich Mary Wakefield, was hier passiert. "Natürlich haben die USA einen bodenlosen Appetit nach spiritueller Selbsthilfe. Je zuckriger desto besser. Aber auch wenn Paul nicht gerade C.S. Lewis ist, und sein Prosastil manchmal recht schwächlich daherkommt, ist sein Buch doch erstaunlich wirksam. Und auch wenn 'The Shack' eines dieser Gottesbücher, ist es gleichzeitig recht seltsam. Es ist kein Standardmist. Wie sich herausstellt, ist der Allmächtige eine fette schwarze Lady namens 'Papa'. ('Mich Dir als weißer Großvater mit wallendem Bart zu offenbaren würde nur Deine Vorurteile bestätigen', sagt Sie). Jesus ist klein und hässlich und der Heilige Geist ist ein Chinese. Allerdings ist William P. Young, auch wenn er so amerikanisch wie nur sonst etwas lebt, kein gewöhnlicher Mann. 'Ich bin das Kind eines Missionars', sagt er. 'Ich bin in den Hochebenen von Neuguinea aufgewachsen, beim Stamm der Dani. Christen und Kannibalen - diese Kombination kann einen ganz schön verhunzen.'"

Magazinrundschau vom 12.08.2008 - Spectator

Der Völkermord in Darfur ist vorbei, behauptet Justin Marozzi und findet es an der Zeit für Hollywood umzudenken: "Neben George Clooney haben andere Stars wie Brad Pitt, Angelina Jolie, Matt Damon, Bono und Mia Farrow löbliche Anstrengungen unternommen, um die internationale Aufmerksamkeit auf Darfur zu lenken. Dabei erzählten sie eine starke und herzergreifende Geschichte. Das Problem ist nur, dass diese Geschichte fünf Jahre alt ist, der Konflikt hat sich seitdem verändert. Das Massenmorden hat in den Jahren 2003 und 2004 stattgefunden, oberflächlich betrachtet war es ein Konflikt arabische Nomaden gegen schwarzafrikanische Bauern, ein Kampf um Land und Wasser... Dieses simple Muster hat ausgedient. 2006 saßen zwei große Rebellenbewegungen mit am Verhandlungstisch in Abuja: die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) und die Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM). In einer Entwicklung, die Monthy-Python-Fans bekannt sein dürfte - denken Sie an den Streit zwischen der Volkfront von Judäa und der judäischen Volksfront -, haben sie sich in sage und schreibe 30 Gruppen aufgespalten."

Michael Prescott, Fahrgast der Londoner U-Bahn während der Bombenanschläge am 7. Juli 2005, lobt den Film "Shoot on Sight", der die Ereignisse des Tages offenbar sehr angemessen dramatisiert, und geißelt die Tatsache, dass er in England keinen Verleih findet - pure Feigheit, wie er meint. "Das Drehbuch von Carl Austin lässt keinen einfach davonkommen. Polizisten, Prediger, Saudis, Briten, Busfahrer: Jeder darin ist von den Schockwellen von 9/11 und 7/7 betroffen und jeder wird für unzulänglich befunden. Jenseits des Kinos sind unsere Kultur- und Kunstbeauftragten mit Sicherheit auch unzulänglich. Es waren ein Drehbuchautor aus Los Angeles und zwei indischstämmige Amerikaner erforderlich, um sich der Frage anzunehmen, was es heißt, Londoner in Zeiten von Islamismus und Selbstmordattentätern zu sein." Aron Govil, der Produzent, hat mit allen großen Verleihern gesprochen, aber keiner will den Film anfassen, "sie sagen, das Thema sei zu sensibel".

Magazinrundschau vom 29.07.2008 - Spectator

Ronald Harwood, der schon das zum Film gewordene Theaterstück "Taking Sides" über den Entnazifizierungsprozess Wilhelm Furtwänglers schrieb, beschäftigt sich in seinem neuen Werk "Collaboration" nun mit Richard Strauss, der ebenfalls nicht ganz sauber aus dem Dritten Reich hervortrat. Robert Gore-Langton stellt Harwoods Stück vor, das auf dem Chichester Theaterfestival zu sehen ist. "Harwood tritt Strauss vorurteilslos gegenüber und macht klar, dass der Mann auf schreckliche Weise erpresst wurde. Es wird angenommen, dass Strauss gefügig war, weil die Nazis herausgefunden hatten, dass er eine jüdische Schwiegertochter hatte, Alice. Der Preis für ihr Überleben bestand in der Kooperation mit der Reichsmusikkammer. Sein einziger Moment des Trotzes lag in der Weigerung, den Namen des Librettisten Stefan Zweig vom Plakat für 'Die schweigsame Frau' entfernen zu lassen. Die Oper wurde deshalb nicht aufgeführt, der Leiter des Theaters entlassen. "Ganz unten war er, als er Kitschmusik schrieb - die Hymne für die Olympischen Spiele und den Hochzeitsmarsch für die japanische Kaiserfamilie - das fand er furchtbar', sagt Harwood."

Magazinrundschau vom 22.07.2008 - Spectator

Die Olympischen Spiele in Peking werden nicht nur auf sportlicher Ebene ausgetragen, meint Mark Leonard, sondern sie sind auch ein Kräftemessen zwischen staatlicher Überwachung und der neuen digitalen Öffentlichkeit. Letztere ist dabei in der Favoritenrolle. "Bisher haben wir Überwachung als die Beobachtung der Machtlosen durch die Mächtigen definiert; staatliche Institutionen benutzen Informationstechnologie, um Individuen zu überwachen. Die technologische Entwicklung erlaubt es Individuen nun zunehmend, die staatlichen Instutionen selbst zu überwachen. In ihrem Buch 'Owning the Olympics' benutzen die Autoren Monroe Price and Daniel Dayan den Begriff der 'Sousveillance' - französisch für die Beobachtung von unten - um ein neues Phänomen zu beschreiben, in dem die Mächtigen gefilmt und vor der öffentlichen Meinung verantwortlich gemacht werden können für ihre Taten. Sousveillance wurde bekannt mit der Misshandlung von Rodney King in Los Angeles, der Erhängung von Saddam Hussein 2006 und den Protesten in Birma 2007. Aber mit den Olympischen Spiele von Peking könnte eine ganz neue Ebene erreicht werden."

Außerdem: Lloyd Evans nimmt an einer Übung der Falun Gong teil und stellt fest, dass diese Übungen "einen Grad an Demut erfordern, der meiner Natur fremd ist". David Tang beobachtet die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Peking.

Magazinrundschau vom 15.07.2008 - Spectator

Charles Leadbeater kürt das Internet zur konservativsten Kraft des Planeten, weil so viel archiviert werde wie nie zuvor. Die Auslagerung unseres Gedächtnisses auf Festplatten und soziale Netzwerke birgt aber auch unbekannte Risiken: "Die Ausweitung unseres gemeinsamen Gedächtnisses in Millionen von Mini-Archiven sollte allseits willkommen sein, besonders in einer alternden Gesellschaft mit Millionen von Menschen, die ihr Erinnerungsvermögen in den nächsten Jahrzehnten verlieren werden, und damit das Gefühl für sich selbst. Eine wachsende Gruppe an nachdenklichen Skeptikern - die Neurowissenschaftlerin Susan Greenfield, der Technologiekritiker Nicholas Carr - behauptet jedoch, dass das Netz unsere Hirne nicht unterstützt, sondern im Gegenteil zerstört, das Erinnerungsvermögen eingeschlossen. Carr argumentiert, dass das Netz uns in eine Kultur der Ablenkung einschließt, in der es unmöglich wird, sich zu konzentrieren und klar zu denken."

In letzter Zeit haben zwei "Stützen der Gesellschaft" in England, der oberste Richter Lord Phillips of Worth Matravers und der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams die Einführung bestimmter Aspekte der Scharia befürwortet. Aber die Mehrheit der britischen Muslime will das gar nicht, erklären Stephen Schwartz and Irfan Al-Alawi, die gerade eine Feldstudie zu dem Thema durchgeführt haben: "Die überwältigende Mehrheit der Befragten - wir schätzen ein Minimum von 65 Prozent lehnen die Einführung der Scharia in Britannien brüsk ab, sie sind sogar verstimmt über die Einmischung eines Individuums wie den Erzbischof in britisch-muslimische Angelegenheiten."

Magazinrundschau vom 08.07.2008 - Spectator

Melissa Kite trifft die neunfache Wimbledonsiegerin Martina Navratilova. "Heutzutage, sagt sie, ist sie glücklich damit, in Farbe getauchte Bälle auf eine Leinwand zu schmettern. Sie nennt die Technik 'Tennising', wie das Tennisspielen auch. Einige der Bälle sind sorgfältig gezielt, einige lässt sie auf und ab hüpfen, wie vor dem Aufschlag, um ein dichtes Muster zu erzeugen. Manche werden einfach nach Lust und Laune draufgedonnert, um 'esoterischere Stücke' zu erhalten. Die Idee kam von dem tschechischen Künstler Juraj Kralik. 'Ich war zunächst recht skeptisch, aber neugierig. Ich dachte: Wir machen das jetzt ein paar Mal und dann ist gut, aber nach acht Jahren produzieren wir immer noch und die Sache wächst und wächst.' In dieser Woche eröffnet das Duo seine erste kommerzielle Ausstellung in London."

Das Ende ist nah, ruft Theo Hobson und meint damit die gute alte anglikanische Staatskirche. "Im Lauf der letzten Jahre hat sich die Kirche von England zunehmend als Teil der globalen anglikanischen Gemeinschaft präsentiert. Das schien ein Weg zu sein, sich neu zu erfinden und ein wenig vom peinlichen Bild der Staatskirche wegzukommen. Das Ergebnis dieses Manövers ist verheerend. Es führte zum Untergang der KvE und hat eine Kirche, die als friedfertig und tolerant bekannt war, zum erschöpften Kollaps geführt. Am Vorabend der Lambeth-Konferenz (sie beginnt am 16. Juli) können wir das Ende der Kirche von England beobachten. Die Meckerfraktionen in der weltweiten anglikanischen Gemeinde haben unserer Kirche entzwei gerissen."
Stichwörter: England

Magazinrundschau vom 24.06.2008 - Spectator

In England steht es Spitz auf Knopf zwischen den konservativen Befürwortern der tridentinischen Messe, die Papst Benedikt im vergangenen Jahr wieder erlaubt hatte, und den eher liberalen englischen Bischöfen, glaubt Damian Thompson. Ein vorläufiger Höhepunkt war die Einladung an Kardinal Dario Castrillon Hoyos, die Messe in Westminster Kathedral zu halten. "Er akzeptierte, was liberalen Bischöfen nur eine Antwort ließ: sie schützten wichtige Angelegenheiten anderswo vor. Deshalb war keiner der Bischöfe von Westminster bei der pontifikalen Messe anwesend, auch wenn Spione der Diözese ihre Hälse verrenkten, um zu sehen, ob sich Mitglieder der örtlichen Priesterschaft eingeschlichen hatten (und damit ihre Beförderungschancen ruinierten). Als ich den Mittelgang entlangschritt, wurde ich von einem jungen Priester begrüßt, der ganz hinten saß, in Zivil. 'Ich kann es mir eigentlich nicht leisten, hier zu sein, aber ich konnte einfach nicht widerstehen.' Vielen Kirchenbesucher mag es nicht bewusst sein, aber die katholische Kirche in England und Wales schlittert auf einen Bürgerkrieg zu."

Wir erleben die Dämmerung eines neuen Hippie-Zeitalters, beobachtet Reihan Salam und bringt Beispiele von Familien wie dieser, die all ihr Hab und Gut verkaufen und aufs Land ziehen.