Perlentaucher-Autor

Richard Herzinger

Richard Herzinger war Redakteur der Zeit und Korrespondent für Politik und Gesellschaft der Welt und Welt am Sonntag. Später arbeitete er als Publizist in Berlin (hier seine Seite "hold these truths"). Die Kolumne, die Richard Herzinger für die ukrainische Zeitschrift Tyzhden schrieb, erschien seit einigen Jahren zeitgleich im Perlentaucher. Herzinger starb im Oktober 2025.
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Die Nato in ihrer Unentschlossenheit

Intervention 04.08.2023 Ungeachtet der Beteuerungen westlicher Regierungen, sie würden die Ukraine so lange wie erforderlich militärisch unterstützen, droht die Stimmung in Richtung eines faulen "Kompromisses" mit dem Aggressor Russland zu kippen. Besonders zynisch wirken in diesem Kontext Klagen, dass die ukrainische Gegenoffensive nicht schnell genug vorankommt, denn daran ist der Westen selbst mit schuld. Wenn die politischen Verantwortlichen in den westlichen Demokratien diesen geistigen Kapitulationstendenzen nicht energisch entgegentreten, wird dies nicht nur die Ukraine teuer zu stehen kommen. Von Richard Herzinger

Diese seltsame Wendung

Intervention 30.06.2023 Wunschdenken bestimmte die Wahrnehmung von Jewgeni Prigoschins Coup am letzten Samstag. Die Vorstellung, dass sich der putinistische Machapparat in internen Fraktionskämpfen selbst zerlegen könnte, hat etwas Verführerisches. Sie vermittelt die Illusion, wir könnten als unbeteiligte Beobachter dabei zusehen, wie sich die Bedrohung durch das putinistische Terrorsystem von alleine aus der Welt schafft. Damit würde es uns im Westen erspart bleiben, eine wahrscheinlich sehr lange währende Konfrontation mit dieser aggressiven Macht durchzustehen. Von Richard Herzinger

Beschönigende Haltung

Intervention 23.06.2023 Unter dem Titel "Wehrhaft. Resilient. Nachhaltig" legt die Bundesregierung zum ersten Mal eine umfassende nationale Sicherheitsstrategie vor. Immerhin! Doch wo es um konkrete strategische Ziele geht, bleibt das Papier vage. Dass sich Deutschland für eine regelbasierte internationale Ordnung und Menschenrechte einsetzen will - wer könnte etwas dagegen haben? Gerade im letzten Punkt aber fragt man sich, wie glaubwürdig solche Beteuerungen tatsächlich sind. Von Richard Herzinger

Das Unrecht als Gegebenheit

Intervention 23.05.2023 Die Bücher von Dirk Oschmann und Katja Hoyer verharmlosen die DDR-Vergangenheit. Die von Hoyer als Erkenntnis verkaufte Binsenwahrheit, dass man sich auch in Diktaturen bequem einrichten kann, trägt dazu bei, den Unterschied zwischen  Rechtsstaat und Diktatur zu verwischen. Das Angebot der Staatsmacht an ihre Untertanen, eine relativ komfortable Existenz führen zu können, sofern man nicht aufmuckt, stellt gerade ein konstitutives Element diktatorischer Herrschaftstechnik dar. Von Richard Herzinger

Israels Moment

Intervention 02.05.2023 Israels Gründung vor 75 Jahren verdankte sich auch einer außergewöhnlichen historischen Konstellation, die so nicht mehr wiederkehren sollte. Maßgeblich dafür war unter anderem die Befürwortung durch die Sowjetunion, deren Israel-Politik sich allerdings sehr bald in ein antisemitisches Muster umkehrte. Israel hat seitdem allen äußeren Feinden widerstanden.  Es wäre fatal, wenn es durch innere Friktionen jetzt verlieren würde, was ihm seine autokratischen Todfeinde nicht nehmen konnten: seine demokratische, freiheitlich-pluralistische Identität. Von Richard Herzinger

Der Schleier des Schweigens

Intervention 31.03.2023 In die Lücke, die der westliche Rückzug im Nahen Osten hinterlässt, stoßen die autoritären Mächte Russland und China. Peking ist es jüngst gelungen, die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den bislang tödlich verfeindeten Rivalen Saudi-Arabien und Iran zu vermitteln. Putin als Inbild eines skrupellosen Machtmenschen genießt auch bei sunnitischen arabischen Herrschern wie dem saudischen Kronprinzen Mohammad bin-Salman hohes Ansehen. Tour d'horizon durch einen sich immer weiter verdüsternden Nahen Osten nach dem Désengagement des Westens. Von Richard Herzinger

Eminent gefährlich

Intervention 19.03.2023 Intellektuelle wie der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke greifen ein populäres Missbehagen am Westen auf, dessen Niedergang sie voraussagen. In den Gegensatz zum Westen stellen sie den "globalen Süden". Aber ihr Antikolonialismus ist zumeist verlogen. Und sie machen sich zu Sprachrohren autoritärer Mächte, die ihrem eigenen Bankrott zuvorkommen wollen, indem sie nicht nur die westlichen Demokratien zerstören, sondern die liberale Idee als solche austilgen. Von Richard Herzinger
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