Taschenbücherbrief

Taschenbücherbrief November 2024

Die besten Taschenbücher des Monats Von Arnim Eisenhut
23.11.2024. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucher Arnim Eisenhut.
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Gerade erst haben wir unsere Perlentaucher-Bücher der Saison mit den wichtigsten Neuerscheinungen des Herbstes gestemmt, schon stehen die neuen Taschenbücher im November vor der Tür - und leuchten in der dunklen Jahreszeit: Da ist zum Beispiel Tess Gunty mit ihrem Roman "Kaninchenstall", der so wuchtig und farbreich, zugleich flirrend und genresprengend vom Leben ziemlich skurriler Figuren in einer fiktiven Stadt im Rust Belt erzählt, dass es nicht wundert, dass dieses Debüt gleich mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. "Prosa mit ADHS" im besten Sinne empfahl uns die Zeit, die die amerikanische Autorin ziemlich nahe an Foster Wallace sieht. Und Perlentaucherin Angela Schader urteilte in ihrem Vorwort: "Mit wenigen Sätzen oder auch nur einer eigenwilligen Wortkombination pflanzt sie Charakterisierungen in den Text, die pfeilscharf den Kern der Sache treffen." Ins Leipzig des 18.

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Jahrhunderts entführte uns Angela Steidele vor zwei Jahren mit ihrem Roman "Aufklärung", der uns von Luise Gottsched und Dorothea Bach erzählt, die beide im Schatten ihrer berühmten männlichen Verwandten stehen: Ein "heiteres, verspieltes und farbenfrohes Sittengemälde" legte uns Martin Oehlen in der FR ans Herz - und die FAZ wusste schon damals nach Begegnung mit diesen fabulierlustigen, starken Frauen: Das ist das perfekte Weihnachtsgeschenk.

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Eine wunderbar zynische Satire über das nicht besonders gründlich entnazifierte Nachkriegsdeutschland in den Jahren 1948/49 durften wir mit Gabriele Tergits Roman "Der erste Zug nach Berlin" wiederentdecken: Ein an Beckett erinnerndes Werk, das der Wahrheit näher kommt als jede geschliffene Prosa, las der DLF - und die SZ urteilte nach diesem klugen, zischenden und eleganten Buch: Das ist "Orwell mit Humor".

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Unter den Sachbüchern sticht besonders Sabine Hossenfelders "Mehr als nur Atome" hervor, ließ sie die SZ doch mit ihrer lebendigen Herangehensweise an die Physik gleich den Sinn des Lebens besser verstehen. Spaß und die Erkenntnis, dass viele Mutmaßungen über den Ursprung der Welt unwissenschaftlich seien, verdankte die FAZ dem Buch.

Persönliche Empfehlung von Arnim Eisenhut: Anne Rabes "Die Möglichkeit von Glück"

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Den deutschen Buchpreis 2023 hat Anne Rabe nicht gewonnen. Einen der wichtigsten deutschen Romane des vergangenen Jahres hat sie mit "Die Möglichkeit von Glück" dennoch vorgelegt. Zum einen, weil Rabe den zeitgleich erschienenen Werken von Dirk Oschmann und Katja Hoyer eine deutlich kritischere Erzählung der DDR entgegensetzte. Zum anderen, weil die ostdeutsche Dramatikerin eine bewegende Familiengeschichte erzählt, angereichert mit historischen und soziologischen Exkursen: Nüchtern und dokumentarisch, nie betroffen, aber oft ergreifend erzählt sie von Generationen übergreifenden Traumata, von Erinnerungskultur und von Nachwendeerfahrungen - vor allem aber von Gewalt in der Familie. Anne Rabe will uns nicht "den Osten" erklären. Aber sie leistet ein wichtiges Stück Aufklärung, etwa wenn sie an die sogenannten "Jugendwerkhöfe" erinnert. Und Rabe trägt zur Verständigung bei, auch, weil einige der Erfahrungen, die sie beschreibt, keineswegs nur in Ostdeutschland gemacht wurden. Ein nach wie vor aktueller Roman, der lange nachhallt. Lesen Sie ihn!


Die Liste der Taschenbücher des Monats November finden sie bei unserem Buchladen eichendorff21.

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