Wer Polen und die Schrecken des 20. Jahrhunderts verstehen will, muss
Jan T.
Gross lesen,
empfiehlt Götz Aly in der
Berliner Zeitung. Er hat den von seiner konservativen Regierung
scharf kritisierten polnischen
Historiker gerade im Lesesaal von Yad Vashem in Jerusalem getroffen, wo Gross an einem neuen Buch arbeitet: "Jan Gross interessiert sich für das
Verhalten der Menschen, nicht für glatte Nationalpädagogik, er wechselt gerne die Perspektiven. Anders als die meisten seiner deutschen Kollegen schreibt er wundervoll klar, knapp und dennoch quellenstark. Wer die Schrecken des 20. Jahrhunderts besser verstehen will, der lese Jan Gross und mache sich mit ihm über den
Warschauer Politikzirkus lustig."
Die regierende
PiS-Partei in Polen arbeitet derweil an einem
neuen Zensurgesetz zum "Schutz des guten Rufs Polens", das jenem ähnelt, das als "Lex Gross" 2007 vom Verfassungsgericht kassiert worden war,
berichtet Gabriele Lesser in der
taz. "Dieses Mal kann Gross nicht auf die Verfassungshüter vertrauen. Diverse PiS-Gesetze haben das
Verfassungsgericht weitgehend gelähmt, sodass das neue Wissenschaftszensurgesetz rechtskräftig werden könnte. Im Namen des 'guten Rufs Polens' könnten Gross und die Forscher des Warschauer Zentrums zur Erforschung des Holocaust
ins Gefängnis gehen, weil sie sich mit Themen wie Pogromen, Kollaboration und Antisemitismus beschäftigen. Die PiS will einen längst überwunden geglaubten Mythos beleben: die Polen als 'ewige Opfer und Helden der Geschichte'."