Der
Hitler-Stalin-Pakt spaltet Europa bis heute, schreibt der Historiker
Felix Ackermann in der
FAZ: "Anders als die vom Hitler-Stalin-Pakt betroffenen Gesellschaften verstand die Bundesrepublik 2014 als Staat und als Gesellschaft nicht, dass die russische
Annexion der Krim den Beginn der Zerstörung der europäischen Nachkriegsordnung markierte." Die Erinnerung an
sowjetische Repression sei in der DDR systematisch ausgelöscht worden - und damit ein realistischer Blick auf die Geschichte, so Ackermann. "Diese
programmatische Abkehr ermöglichte einer ganzen Gesellschaft, sich ideologisch und psychologisch von der eigenen Vergangenheit abzutrennen."
Der 23. August ist der "Internationale Tag der
Erinnerung an den Sklavenhandel". Michaela Dudley
erzählt in der
taz die Geschichte ihrer Vorfahren, die Opfer des transatlantischen Sklavenhandels waren. Allerdings reicht ihr die Erinnerung daran nicht aus: "Die Verdrängung der Sklaverei ist ... eine Tendenz, die
nicht nur der weißen, christlich-konservativ geprägten Dominanzgesellschaft bescheinigt werden muss." Dudley konstatiert eine "auffällige Zurückhaltung" bei "woken Wortführer:innen und muslimischen Meinungsbildner:innen ", die sich mit der anderthalbtausendjährigen Geschichte der
muslimischen Versklavung von Afrikanern nicht auseinandersetzen wollen: "Das Schweigen über die eigene dunkle Geschichte erzeugt eine kognitive Dissonanz, die es der propalästinensischen Bewegung ermöglicht, den Rassismus in einem moralisch selbstgerechten Rahmen zu verurteilen, während sie gleichzeitig dazu aufruft, den jüdischen Staat auszulöschen."
Der Schriftsteller
Hans Christoph Buch wirft indes in der
NZZ der postkolonialen
Kulturanthropologie Einseitigkeit vor, indem er etwa daran erinnert, "dass
Ex-
Sklaven aus Jamaica und dem Süden der USA im 19. Jahrhundert von Philanthropen freigekauft und nach Afrika verschifft wurden, wo sie die Anwohner unterjochten und
als Sklaven verkauften. Kein Lehrstück von Brecht, sondern ein historischer Fakt - in Liberia und Sierra Leone bilden sie bis heute die Oberschicht. Dass die
Dekolonisation Afrikas nicht die ersehnten Resultate brachte und Afrikaner als Boat-People ihr Leben riskieren, um korrupten Regimen zu entfliehen, ist bekannt: Auch Südafrika, der einzige Industriestaat des Kontinents, der dank Mandelas Regenbogenpolitik beste Startbedingungen hatte, ist heute von Gewalt und Korruption bedroht. Kulturanthropologen tun sich schwer,
Fehlentwicklungen beim Namen zu nennen, denn die
Selbstbestimmung ethnischer Gruppen und Völker ist für sie oberstes Gebot: nicht aus naivem Gutmenschentum heraus, sondern aus Empathie für die Opfer des Kolonialismus, mit deren Revolte jüdische Intellektuelle sich einst identifizierten."
Ebenfalls in der
taz erzählt Uta Schleiermacher die ruhmreiche Geschichte der "
Roten Hilfe", die hundert Jahre alt wird.