Bert Pampel erinnert in "Ereignisse und Gestalten" (
FAZ) an den Münchner Jungkommunisten
Albert Stegerer, der insgesamt 14 Jahre in deutschen und sowjetischen Lagern saß, bevor er 1951 in Moskau erschossen wurde: "Andere, wie Margarete Buber-Neumann, Erwin Jöris, Wilhelm Grothaus und Arno Wend, traf ein ähnliches Schicksal als
doppelt Verfolgte. Russland hat diesen Teil seiner Geschichte bislang kaum aufgearbeitet. Auch deshalb erlebt politische Willkürjustiz inzwischen dort ihre Wiederkehr. In Deutschland erinnern zahlreiche Gedenkstätten, Veröffentlichungen, Veranstaltungen und 'Stolpersteine' an Opfer des Nationalsozialismus. Die in Russland inzwischen verbotene Menschenrechtsorganisation
Memorial setzt sich dafür ein, auch in Deutschland im Rahmen des Projektes 'Die letzte Adresse' Gedenktafeln an den letzten bekannten Wohnorten von Menschen anzubringen, die unschuldig in der Sowjetunion erschossen wurden oder im Lagersystem umkamen. Ein
Erinnerungszeichen für Albert Stegerer in Weißkollm oder München, das dessen gesamte Verfolgungsgeschichte zur Sprache bringt, wäre ein kleiner Beitrag, in Deutschland das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Freiheit und Menschenwürde sowohl durch rechtsextreme als auch linksextreme Ideologien gefährdet sind."
In der
Berliner Zeitung antwortet der Publizist
Peter Köpf Norbert Frei auf einen Artikel in der
Zeit, in dem Frei den ersten Bundespräsidenten
Theodor Heuss als zu positiv dargestellt haben soll (
unser Resümee). Nicht nur habe Heuss unter den Nazis weiter publizieren dürfen, so Köpf, auch seine Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz blieb für immer ungeklärt. "Was, wenn er es doch nicht gegen heftige
innere Widerstände tat oder weil die Partei ihn gezwungen hatte? Wenn er wie so viele Deutsche dankbar war, dass die Folgen des Ersten Weltkriegs endlich korrigiert wurden? (...) Frei scheint Heuss' 'Fähigkeit, sich seiner Zuhörerschaft rhetorisch anzuschmiegen', zu bewundern. Das allerdings ist mit Blick auf die heutige Zeit zu diskutieren: Ist Anschmiegsamkeit inzwischen der
Euphemismus für Mitläufertum, für Opportunismus und Willfährigkeit? (...) Entscheidend ist die Tat. Heuss' Flexibilität, seine 'Anschmiegsamkeit', ist alles andere als vorbildliche Charakterstärke. Diktaturen funktionieren nur, wenn Widerstand ausbleibt."